Theben (Ägypten)

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Theben in Hieroglyphen
S40 X1
O49
G7

Waset
W3st
Die (Stadt) des Was-Zepters
O49
X1 Z1

Niut
Njwt
Die Stadt
O49
X1 Z1
M24

Niut-reset
Njwt-rst
Südliche Stadt
Griechisch Θῆβαι Thēbai
Διὸς Πόλις Μεγάλη Diòs Pólis Megáli (Große Stadt des Zeus)
Koptisch Tape / Thaba[1]
Theben (Ägypten) (Ägypten)
Theben
Theben
Lage in Ägypten

Theben (altägyptisch im Neuen Reich Waset, sonst auch: Niut oder Niut-reset) war eine am Nil liegende altägyptische Stadt in Oberägypten, die Homer in seiner Ilias (9. Gesang, V. 383) das hunderttorige Theben nannte; nicht zu verwechseln ist das griechische Theben in Böotien, von Homer in der Odyssee (11. Gesang, V. 263) siebentorig genannt. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war nur ein ausgedehntes Ruinenfeld zu beiden Seiten des Nils vorhanden. Das Tempel- und Stadtgebiet lag in einer Schwemmlandebene, die durch wiederkehrende künstliche Aufschüttungen immer weiter anwuchs. Als Schutzmaßnahme gegen die Nilflut erfolgte zusätzlich der Bau von Deichanlagen, die insbesondere die Tempelanlagen schützen sollten. Heute befindet sich in einem Teil von Theben-Ost eines der touristischen Zentren Ägyptens, die Stadt Luxor. Seit 1979 ist Theben in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragen.[2]

Von den Griechen der Ptolemäerzeit ist der Name Θῆβαι Thēbai (Theben) überliefert, aber auch die Bezeichnung Διὸς Πόλις Μεγάλη Diòs Pólis Megálē ‚große Stadt des Zeus‘, woraus in der Zeit des Römischen Reiches die Benennungen Thebae beziehungsweise Diospolis Magna abgeleitet wurden.[3] Das Gebiet von Theben umfasste spätestens seit dem Neuen Reich beide Nilseiten; es gliedert sich in Theben-Ost und Theben-West. Daneben existierte als weiterer Ort das nördliche „unterägyptische Theben“ in Tell el-Balamun.

Geschichte[Bearbeiten]

Faustkeil: Museum von Toulouse

Das Gebiet von Theben wurde mindestens seit der mittleren Altsteinzeit von Menschen besiedelt. Die Gründung Thebens ist nicht überliefert. In die 4. Dynastie datieren zwei große Mastabas, die man in el-Tarif (Theben-West) ausgrub. An das Ende des Alten Reiches datieren einige dekorierte Felsengräber, die immerhin belegen, dass Theben schon in dieser Zeit besiedelt und wohl eine, wenn vielleicht eher kleine, Stadt war. In die Geschichte tritt die Stadt erst mit der 11. Dynastie (2119 v. Chr.) ein. In dieser Zeit entwickelte sich Theben zur Hauptstadt des Landes. In el-Tarif finden sich die Gräber der frühen und in Deir el-Bahari die der späten 11. Dynastie. Obwohl zu Beginn der 12. Dynastie die Hauptstadt in den Norden verlegt wurde, blieb Theben eine bedeutende Stadt. Sesostris I. erweiterte den dortigen Tempel des Amun. Ausgrabungen haben gezeigt, dass die Stadt des Mittleren Reiches planmäßig in einem Schachbrettmuster angelegt worden ist und wohl damals schon ca. zwei Quadratkilometer umfasste.

Ausgrabungen in Theben, 1932

In der 13. Dynastie gewann die Stadt weiter an Bedeutung. Der Hof scheint hier immer häufiger residiert zu haben. Es gibt zahlreiche Stiftungen von Statuen an den Amun-Tempel. Theben wurde in der weiteren Zweiten Zwischenzeit wieder Hauptstadt, nachdem der Norden des Landes von den Hyksos regiert wurde.

Nach der Vertreibung der Hyksos und mit der Herstellung der unter ihnen zerstörten Tempel, also unter der 18. Dynastie, entstanden die außerordentlichen Bauten, die, im Lauf der folgenden elf Jahrhunderte verschönert, vergrößert und vermehrt, die Stadt zum Wunder der Alten Welt erhoben haben.

Theben blieb zwar in der frühen 18. Dynastie eine wichtige Königsresidenz, Hauptkultort und auch Hauptnekropole des Landes, die eigentliche Verwaltungszentrale Ägyptens scheint sich aber schon früh wieder nördlich nach Memphis verlagert zu haben. Insbesondere nach der Regierungszeit Echnatons blieb die Stadt nur noch Hauptkultort des Landes und königliche Nekropole. Unter Tutanchamun zog der Hof endgültig nach Memphis.

Gerade die aufstrebende thebanische Priesterschaft konnte der Stadt während der Dritten Zwischenzeit zu nie geahntem Reichtum und Glanz verhelfen.

652 v. Chr. verwüsteten die Assyrer unter Assurbanipal die Stadt und deren Heiligtümer. Auch unter den Persern soll Theben stark gelitten haben und hat nie wieder zu seiner alten Bedeutung zurückfinden können. Die Verlegung der Residenz unter den letzten Dynastien nach den Städten des Nildeltas und der Aufschwung Alexandrias unter den Ptolemäern entzogen ihr die Lebenskraft. 84 v. Chr. brachte die Empörung gegen Ptolemaios IX. der Stadt schließlich den Untergang. Erbittert durch ihren dreijährigen Widerstand, zerstörte sie der König nach seinem Sieg über die Verteidiger, indem er Theben niederbrannte, sodass später Strabon hier nur einige ärmliche Ortschaften um die vier Haupttempel gruppiert fand.

Herodot berichtet, dass eine Schiffspassage auf dem Nil von Theben bis Heliopolis neun Tage dauert und eine Strecke von 4.860 Stadien beziehungsweise 81 Schoinen (etwa 900 Kilometer) beinhaltet; von Theben nach Elephantine benötigt man per Schiff drei Tage für die Strecke von 1.800 Stadien beziehungsweise 30 Schoinen (etwa 330 Kilometer). Für die Distanz von Theben bis zur Mittelmeerküste nennt Herodot eine Entfernung von 6.120 Stadien beziehungsweise 102 Schoinen (etwa 1.130 Kilometer).

Westliche Nilseite mit Memnon-Kolossen, Ramesseum und Tempel der Hatschepsut.
Hinter dem rechts der Bildmitte liegenden Teil des Bergmassivs liegt das Tal der Könige.

Theben[Bearbeiten]

Theben-West in Hieroglyphen
R14 R19 X1
O49

Imentet-Waset
Jmntt-W3st
Westliches Theben
R14 O49
X1 Z1
N25

Imentet-Niut
Jmntt-Njwt
Westliche Stadt
Memnonkolosse-luxor 1-830x585.jpg
Westufer, vor dem Tal der Könige: Die Memnonkolosse

Heute bezeichnet Theben häufig nur noch das Gebiet auf der westlichen Nilseite, also Theben-West; Luxor schließt gelegentlich den Ort Karnak mit ein und wird synonym zu Theben-Ost verwendet.

Theben-West (Westliches Nilufer)[Bearbeiten]

Nekropole und heutige Siedlungen am westlichen Nilufer:

Theben-Ost (Östliches Nilufer)[Bearbeiten]

Tempelanlagen und heutige Siedlungen am östlichen Nilufer:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

(chronologisch sortiert)

Überblick[Bearbeiten]

  • Eberhard Otto: Topographie des thebanischen Gaues. Akademie-Verlag, Berlin 1952.
  • Helen und Nigel Strudwick: Thebes in Egypt. A Guide to the Tombs and Temples of Ancient Luxor. British Museum Press, London 1999, ISBN 0-7141-1918-0.
  • Sergio Donadoni: Theben. Heilige Stadt der Pharaonen. Hirmer, München 2000, ISBN 3-7774-8550-0.
  • Detlef Franke: Theben und Memphis – Metropolen in Ägypten. In: Michael Jansen, Bernd Roeck (Hrsg.): Entstehung und Entwicklung von Metropolen (= Veröffentlichungen der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Stadtkulturforschung. [VIAS] Bd. 4). Verein der Freunde des Reiff, Aachen 2002, ISBN 978-3-936971-16-3 (PDF-Datei).
  • Alberto Siliotti: Luxor, Karnak and the Theban Temples. American University in Cairo Press, Kairo/ New York 2002, ISBN 977-424-641-1.
  • Delia Pemberton, Joann Fletcher: Das goldene Erbe der Pharaonen. Frederking & Thaler, München 2005, ISBN 3-89405-650-9.

Theben-West[Bearbeiten]

  • Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens: Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten. Artemis & Winkler, Zürich 1992, ISBN 3-86047-215-1, S. 132–153.
  • Richard H. Wilkinson: Die Welt der Tempel im alten Ägypten. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-18652-4, S. 172–199.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im memphitischen Dialekt hieß Theben Thaba.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUNESCO World Heritage: Ancient Thebes with its Necropolis. whc.unesco.org, abgerufen am 15. April 2010.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDios Polis. trismegistos.org, abgerufen am 8. April 2010.

25.72055555555632.610277777778Koordinaten: 25° 43′ 14″ N, 32° 36′ 37″ O