Åsne Seierstad

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Åsne Seierstad auf der Leipziger Buchmesse 2018

Åsne Seierstad (* 10. Februar 1970 in Oslo; alternative Schreibweise Aasne Seierstad) ist eine norwegische Schriftstellerin und Journalistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Åsne Guldahl Seierstad wurde in Oslo geboren und wuchs in Lillehammer mit einem Bruder und einer Schwester auf. Sie studierte in Oslo Russisch, Spanisch und Ideengeschichte. Das Studium schloss sie mit dem Cand.mag. ab.

Sie war zunächst für die Zeitung Arbeiderbladet tätig. Von 1993 bis 1996 berichtete sie als Auslandskorrespondentin aus Russland und 1997 aus China. Von 1998 bis 2003 arbeitete sie für Dagsrevyen im norwegischen Fernsehen NRK als Kriegsreporterin in Konfliktregionen, darunter in Serbien, Kosovo, Afghanistan, Irak und Tschetschenien. Auch das schwedische Fernsehen sendete Seierstads Berichte.

Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sie hat zwei Kinder mit dem Jazzmusiker Trygve Seim.[1]

Kontroverse um Der Buchhändler aus Kabul. Eine Familiengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch, das Seierstad über ihren Aufenthalt bei einer afghanischen Buchhändlerfamilie schrieb, wurde in viele Sprachen übersetzt. Die zweite Frau des Buchhändlers verklagte sie bei einem norwegischen Gericht, und ihr wurden 2010 in erster Instanz 250.000 norwegische Kronen zugesprochen, weil einige ihrer Zitate nicht korrekt wiedergegeben wurden und in unzulässiger Weise in ihre Privatsphäre eingedrungen worden sei. Unter anderem waren in einer Szene die Genitalien einer Frau beim Hammambesuch beschrieben worden. Der Buchhändler beklagte, seine Familie sei herabgewürdigt worden und Familienmitglieder, deren Sexualleben Seierstad beschrieben hatte, hätten wegen Anfeindungen in Afghanistan nach Pakistan oder Kanada auswandern müssen.[2] In zweiter Instanz wurde Seierstad freigesprochen.[3]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Åsne Seierstad erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018

Seierstad erhielt mehrere Journalistenpreise, so 1999 „Gullruten“, 2001 „Fritt Ords honnør“, 2002 „Årets frilanser“ und „Bokhandlerprisen“, 2003 „Den store journalistprisen“ und „Årets Peer Gynt“, 2004 EMMA (Ethnic Multicultural Media Award) und „Prix de Libraires“. Für ihr Buch Zwei Schwestern erhielt sie den renommierten Brageprisen. 2018 wurde Seierstad mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders ausgezeichnet.[4] Darin blickt Seierstad auf die Hintergründe der 2011 von Anders Behring Breivik begangenen Anschläge in Norwegen mit 77 Toten.[5]

Werke (auf Deutsch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit dem Rücken zur Welt. Titos Erben zwischen Hoffnung und Verzweiflung (aus dem Norwegischen von Edelgard Rora und Ekkehard Boesche). Merlin, Gifkendorf 2001, ISBN 3-87536-221-7.
  • Der Buchhändler aus Kabul. Eine Familiengeschichte (aus dem Norwegischen von Holger Wolandt). Claassen, München 2002; List, Berlin 2004, ISBN 3-548-60430-7.[6]
  • Tagebuch aus Bagdad. Alltag zwischen Angst und Hoffnung (aus dem Norwegischen von Holger Wolandt). Claassen, München 2003; List, Berlin 2004, ISBN 3-548-60504-4.
  • Der Engel von Grosny. Tschetschenien und seine Kinder (aus dem Norwegischen von Lothar Schneider). S. Fischer, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-072524-0.
  • Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders (aus dem Norwegischen und Englischen von Frank Zuber und Nora Pröfrock). Kein & Aber, Zürich und Berlin 2016, ISBN 978-3-0369-5740-1. [Anders Breivik]
  • Zwei Schwestern. Im Bann des Dschihad (aus dem Norwegischen von Nora Pröfrock). Kein & Aber, Zürich und Berlin 2017, ISBN 978-3-0369-5774-6.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Åsne Seierstad inntar scenen med samboer Trygve Seim (radio). In: iFrance.no. 22. November 2010 (wordpress.com [abgerufen am 6. Dezember 2017]).
  2. Bookseller of Kabul author Åsne Seierstad: 'It's not possible to write a neutral story', Amelia Hill, The Guardian, 31. Juli 2010
  3. Author wins over Afghan subject, newsinenglish.no, 12. März 2012
  4. Norwegische Autorin Asne Seierstad gekürt, deutschlandfunkkultur.de, 6. Dezember 2017, abgerufen am 6. Dezember 2017
  5. "Der beeindruckende Versuch, zu verstehen", boersenblatt.net, 6. Dezember 2017, abgerufen am 7. Dezember 2017
  6. Katja Thimm: BÜCHER: Hi and Salam alaikum. In: Der Spiegel. Band 7, 14. Februar 2011 (spiegel.de [abgerufen am 19. November 2017]).
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Aus Norwegen in den Dschihad: Backen für den Heiligen Krieg. 31. Oktober 2017, abgerufen am 19. November 2017.