Öko-Kontrollstelle

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Öko-Kontrollstellen sind in Deutschland staatlich zugelassene private Kontrollstellen, die jährlich die Einhaltung der Kriterien der EG-Öko-Verordnung (Verordnung (EG) 834/2007) durch Betriebe, die ökologische Lebensmittel erzeugen, überprüfen. Bei bestandener Kontrolle sind die Betriebe berechtigt, ihre Produkte mit dem deutschen Bio-Siegel oder dem EU-Bio-Siegel (oder beiden) auszuzeichnen. Die Kontrollen von Betrieben nach den Richtlinien der Öko-Verbände (z. B. Demeter, Bioland,Naturland) übernehmen in der Regel auch die Öko-Kontrollstellen.

Kontrolle der Betriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öko-Produkte müssen genau wie konventionelle Erzeugnisse die Vorschriften des Lebensmittel- und Futtermittelrechts erfüllen. Für eine zusätzliche Öko-Zertifizierung muss das nach der EG-Öko-Verordnung vorgesehene Kontrollsystem und -verfahren durchgeführt werden. Die EU-Mitgliedstaaten können entscheiden, ob sie dieses Kontrollverfahren allein durch staatliche Stellen („System B“, Beispiel: Dänemark) oder als staatlich überwachtes ausschließlich privates System („System A“, Beispiel: Deutschland) oder sowohl durch staatliche als auch private staatlich überwachte Stellen („System C“, Beispiel: Luxemburg – eine luxemburgische staatliche und zwei deutsche und eine belgische private Stellen)[1] durchführen wollen.

Die staatlich zugelassenen privaten Öko-Kontrollstellen in Deutschland sind zuständig für die Kontrolle der Erzeugung und Verarbeitung von Öko-Lebensmitteln. Sie überprüfen und überwachen vor Ort die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung. Zwischen Betrieb und Kontrollstelle wird ein Kontrollvertrag geschlossen. Der Betrieb hat dabei die Wahlfreiheit der Kontrollstelle. Der Betrieb verpflichtet sich darin, die EG-Öko-Verordnung einzuhalten und stimmt dem Standardkontrollprogramm der Kontrollstelle zu. Landwirtschaftliche Betriebe sowie Verarbeitungs- und Importunternehmen werden mindestens einmal jährlich – bei Bedarf auch öfter – von ihrer Kontrollstelle geprüft. Die Kosten tragen die überprüften Unternehmen. In Deutschland erfolgen die jährlichen Kontrollen mit Voranmeldung der Prüfer, die zusätzlichen Kontrollen werden ohne Voranmeldung durchgeführt. In Österreich werden die jährlichen Kontrollen üblicherweise kurzfristig vorher angekündigt, weil sonst eventuell niemand angetroffen wird und ein neuer Termin nötig wäre. Unangemeldete Kontrollen finden nur stichprobenartig statt, vor allem wenn Verdachtsmomente bestehen.

Die Mindestkontrollanforderungen für landwirtschaftliche Betriebe, Aufbereiter, Lagerhalter, Händler und Einführer sind in Anhang III der EG-Öko-Verordnung beschrieben. Erzeuger und Verarbeiter müssen genau angeben, auf welchen Flächen, in welchen Gebäuden und mit welchen Einrichtungen produziert wird. Die Betriebe sind verpflichtet, alle Betriebsmittel und Erzeugnisse, die in die Betriebe hineingehen, auf allen Verarbeitungsstufen genau zu erfassen und zu protokollieren. So wird die Rückverfolgung der Öko-Produkte bis zum Erzeuger sichergestellt.

Überwachung der Kontrollstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das staatliche Zulassungsverfahren für die privaten Kontrollstellen ist detailliert in der EG-Öko-Verordnung geregelt. Alle deutschen Öko-Kontrollstellen müssen durch die Deutsche Akkreditierungsstelle akkreditiert sein. Darüber hinaus unterliegen die deutschen Kontrollstellen einer ständigen staatlichen Aufsicht. Die Überwachung und Zulassung der EG-Kontrollstellen erfolgt aufgrund der grundgesetzlichen Zuordnung durch Bund und Länder. Die genaue Aufgabenverteilung ist im deutschen Öko-Landbaugesetz geregelt. Auf Grund der föderalen Struktur sind in Deutschland mehr als zehn Überwachungsbehörden in den Ländern für derzeit 17 am Markt tätige und zugelassene Kontrollstellen zuständig. Rund 5 % der von den Öko-Kontrollstellen durchgeführten Kontrollen werden behördlich begleitet. Die meisten Kontrollstellen sind für alle Bundesländer zugelassen. Beispielsweise kann also eine Kontrollstelle mit einzigem Sitz in Göttingen auch Betriebe in Bayern oder Schleswig-Holstein prüfen. In Niedersachsen ist beispielsweise das LAVES, in Bayern die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft für den Vollzug der EG-Bio-Verordnung und die Überprüfung der privaten Kontrollstellen verantwortlich.

Nummernsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kontrollstellen-Nummern auf ökologisch erzeugten Produkten sind seit dem 1. Januar 2011 in der EU nach einem einheitlichen System aufgebaut:

DE-ÖKO-099

  • DE = Ländercode nach ISO 3166 für Deutschland (Länderkürzel für EU-Mitgliedsstaaten)
  • ÖKO = vom Mitgliedsstaat vergebenes Wort (Italien „BIO“, Dänemark „ØKO“)
  • 099 = zwei- (z. B. Frankreich, Belgien) oder dreistellige (z. B. Deutschland, Italien) Zahl zur eindeutigen Identifikation der Kontrollstelle.[1]

Jede Kontrollstelle hat eine dauerhaft zugewiesene Zahl. Die 17 derzeit in Deutschland aktiven Kontrollstellen nehmen Zahlen zwischen 001 und 070 ein, z. B. 001 für Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH, 003 für LACON GmbH, 006 für ABCERT AG, 007 für den Prüfverein Verarbeitung e.V. oder 039 für die Gesellschaft für Ressourcenschutz.

Wettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschen Kontrollstellen kooperieren untereinander zur Standardierung des Kontrollverfahrens und zur Identifizierung auffälliger Kunden, die durch einen Wechsel der Kontrollstelle einer intensiven Überwachung ausweichen wollen.

Gleichzeitig stehen die Kontrollstellen in einem intensiven Wettbewerb auf dem Markt von Dienstleistungen im deutschen und internationalen Lebensmittelbereich. Dies führt u.a. dazu, dass die ursprünglich als Spezialisten für Ökolandbau und Ökolebensmittel gegründeten Dienstleister inzwischen darüber hinaus Monitoring, Audits, QS-Dienste und Zertifizierungen in allen Bereichen der konventionellen Land- und Lebensmittelwirtschaft anbieten. Das sind z.B. relativ weiche Standards wie Q+S, IfS, die eher der Harmonisierung wirtschaftlicher Interessen dienen, aber auch moderne, verbraucherorientierte Labels wie KAT, vegan, laktosefrei. Dies ist besonders für grosse Konzerne interessant, die in ihrem Produktangebot verschiedene Qualitätsstandards etablieren wollen.

Einige Kontrollstellen arbeiten intensiv mit Verbänden des ökologischen Landbaus zusammen: ABCert 006 kooperiert mit Bioland, Prüfverein 007 und Kontrollverein 022 kooperieren mit dem Demeter Verband in den Bereichen Verarbeitung bzw. Erzeugung. Die Kontrollstelle IMO als deutscher Ableger der Schweizer Organisation geriet im Zuge des niedersächsischen Bio Eier Skandals in Schwierigkeiten und fusionierte mit der deutschen Kontrollstelle ecocert, die ebenfalls als französischer Ableger den deutschen Markt bediente. IMO 005 wird als "starke Marke" vom französischen Verband als Kooperationspartner weitergeführt.

Die Konzentrations- und Fusionstendenz des deutschen Kontrollstellenmarktes wird von der BLE als überwachende Behörde aufmerksam betrachtet und begleitet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Europäische Kommission, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung: Control System

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]