Bioland

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Bioland
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Rechtsform e.V.
Gründung 1971
Ort Mainz, Deutschland
Präsident Jan Plagge[1]
Mitglieder 5.906 Erzeugerbetriebe mit 285.762 ha Gesamtfläche[2][3] und
1.026 Vertragspartner in Herstellung und Handel[4]
Website www.bioland.de

Bioland ist ein Anbauverband und Mitglied im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Verband[Bearbeiten]

Die Zahl der Betriebe in Deutschland, die nach den Richtlinien des Verbandes arbeiten, wird vom BÖLW Anfang 2015 mit 5.906 angegeben, deren Gesamtfläche 285.762 ha beträgt. Damit ist Bioland nach den Angaben des BÖLW der größte ökologische Anbauverband in Deutschland.[2] Die ökologisch erzeugten Produkte werden teilweise direkt von den Landwirten an die Kunden verkauft, größtenteils auf Wochenmärkten oder aber über einen der 1.026 Vertragspartner [4] (u.a. Bäckereien, Brauereien, Gastronomie, Handel, Metzgereien, Molkereien, Saft- und Weinhersteller) vertrieben, darunter auch Bioläden und Reformhäuser.

Anbaurichtlinien[Bearbeiten]

Die Wirtschaftsweise der Bioland-Betriebe basiert auf einer Kreislaufwirtschaft, die ohne synthetische Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger auskommt. Tiere werden artgerecht gehalten. Die Richtlinien von Bioland sind strenger als die der EU-Öko-Verordnung. Beispielsweise dürfen Bioland-Betriebe keinen konventionellen Anbau parallel betreiben, auch wenn beide Anbauarten voneinander getrennt sind.[5]

Vergleich der Bioland-Richtlinien mit der EG-Öko-Verordnung[Bearbeiten]

Aus den Richtlinien von Bioland und aus denen der EG-Öko-Verordnung wurden einige Punkte herausgegriffen und in der folgenden Tabelle nebeneinander gestellt. Bioland steht an dieser Stelle stellvertretend für die übrigen deutschen Anbauverbände, deren Regelwerk über große Teile deckungsgleich ist.[6]

Bereich
Bioland Logo 2012.svg

Bioland
Bio-Siegel-EG-Öko-VO-Deutschland.svg

EG-Öko-Verordnung
Bewirtschaftungsform Gesamtbetriebsumstellung, ausschließlich ökologische Bewirtschaftung aller Betriebszweige vorgeschrieben Teilumstellung und damit ökologische und konventionelle Bewirtschaftung in einem Betrieb möglich
maximaler Tierbesatz je Hektar landwirtschaftlicher Fläche z.B. 10 Mastschweine, 280 Masthähnchen oder 140 Legehennen z.B. 14 Mastschweine, 580 Masthähnchen oder 230 Legehennen
Stickstoffdünger Die Höhe der Düngung orientiert sich an dem zulässigen Tierbesatz je Fläche Die Gesamtdüngermenge ist durch die Düngeverordnung begrenzt
Organische Handelsdünger Blut-, Fleisch- und Knochenmehle sowie Guano sind verboten Blut-, Fleisch- und Knochenmehle sowie Guano sind zugelassen
Kuhtrainer nicht zulässig nicht geregelt (in einigen Mitgliedsländern durch Tierschutzgesetz verboten)
Tiertransport höchstens 200km und höchstens 4 Stunden lang höchstens 8 Stunden lang
Futterzukauf Mind. 50 % des Futters muss vom eigenen Hof stammen Eigene Futtererzeugung nicht eindeutig vorgeschrieben
Fütterung im Sommer Grünfütterung Pflicht keine Regelung
Verarbeitung „Bio“ darf verwendet werden, wenn 100 % der Zutaten ökologischer Herkunft sind „Bio“ darf verwendet werden, wenn 95 % der Zutaten ökologischer Herkunft sind
Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen 24 Zusatzstoffe sind erlaubt 49 Zusatzstoffe sind erlaubt


Siehe auch: Vergleich der Biosiegel

Geschichte[Bearbeiten]

In der Schweiz wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts die Bauernheimatbewegung durch den Agrarpolitiker Hans Müller gegründet. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die heimische Landwirtschaft im Umbruch: die Behauptung lautete: „Weg von der traditionellen hin zu einer intensiven chemisch-technischen, von der Industrie abhängigen Wirtschaftsweise“. Mit der Unabhängigkeit von Zufuhrmitteln und einer unabhängigen Vermarktung wollte Müller mit Hilfe des geschlossenen Betriebskreislaufes die Existenz der Bauern sichern. Aus dieser Idee heraus entstanden noch vor 1951 die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaus, die er gemeinsam mit seiner Frau Maria und dem deutschen Arzt Hans Peter Rusch entwickelte.

Ab 1951 entwickelten sich die Kontakte zwischen den späteren Gründerfamilien Scharf, Colsman, Sippel, Rinklin, Wenz, Müller, Teschemacher, Hoops und dem Ehepaar aus der Schweiz. Neue Ideen entstanden auf Tagungen, Treffen und Betriebsbesichtigungen auf dem Möschberg in der Schweiz. 1971 wurde dann der eingetragene Verein „bio-gemüse“, er ist der Vorläufer von Bioland, gegründet. Das Ziel war, die Umsetzung dieser Ideen und die Vertretung der Interessen besser durchzusetzen zu können. Dieser Verein bestand zunächst aus insgesamt 12 Personen. Aus „bio-gemüse e.V.“ wurde dann die „Fördergemeinschaft organisch-biologischer Land- und Gartenbau“ gebildet. 1976 wurde als Vereinsname „Bioland-Verband für organisch-biologischen Landbau e.V.“ und als Warenzeichen „Bioland“ gewählt. 1981 hatte Bioland 200 Mitglieder.

Seit März 2011 ist Jan Plagge Präsident des Verbandes.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Bioland-Siegel wird laut einer Studie von Edelman und TheConsumerView von 78 Prozent der Befragten als glaubwürdig empfunden.[7]

Die Demonstration Wir haben es satt! wird gemeinsam von Bioland und anderen Organisationen getragen. Die Veranstaltung findet jedes Jahr Anfang Januar in Berlin statt.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Machtkampf im Ökoverband beendet“ TAZ.de vom 16. März 2011, abgerufen am 29. März 2011
  2. a b Zahlen, Daten, Fakten: Die Bio-Branche 2015, auf boelw.org (PDF; 7 MB, 10. Februar 2015), S. 4, abgerufen im August 2015.
  3. Bioland Jahresbericht 2015 (PDF; 1,8 MB), S.11
    Zahlen Erzeuger (PDF; 147 kB)
  4. a b Bioland in Zahlen – Verarbeiter (Stand: 1. Januar 2015; PDF; 113 kB) auf bioland.de, abgerufen im August 2015
  5. Richtlinien für Erzeuger & Verarbeiter, bioland.de
  6. Tabelle Vergleich der Richtlinien EU-Ökoverordnung und einige Anbauverbände, abgerufen 2. Oktober 2014
  7. Bioland: organisch-biologische Kreislaufwirtschaft mit regionalem Fokus
  8. Die TrägerInnen der Demo "Wir haben es satt!"

50.0026818.262899Koordinaten: 50° 0′ 10″ N, 8° 15′ 46″ O