Ökobank

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ökobank eG
Rechtsform Genossenschaft
Gründung 17. März 1984
Auflösung 2003
Auflösungsgrund Übernahme/Auflösung
Sitz Frankfurt am Main
Mitarbeiterzahl

65[1]

Branche Kreditwesen
Stand: 2000

Die Ökobank eG war eine deutsche Genossenschaftsbank, deren Initiatoren sich aus der Frankfurter Alternativ- und Spontibewegung im Rahmen der Auseinandersetzung um Alternative Ökonomie rekrutierten. Sie warb mit Leitsätzen wie „Alternativen sind möglich“ und (vor dem Hintergrund der Debatte um den NATO-Doppelbeschluss) „kein Geld in die Rüstung“.

Das Bankgeschäft der Ökobank eG wurde 2003 aufgrund einer selbstverursachten wirtschaftlichen Schieflage von der GLS Gemeinschaftsbank eG übernommen. Die Genossenschaft besteht bis heute als Oekogeno eG weiter.[2]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziele der Ökobank waren die Bereitstellung von Finanzmitteln für die damals aufkommenden alternativen Betriebe, die zu jener Zeit noch nicht von traditionellen Banken unterstützt wurden, und die Entwicklungsförderung in der so genannten Dritten Welt. Gemäß der Satzung sollte der „Förderung von Betrieben und Projekten auf dem Gebiet der Selbstverwaltung, des Genossenschaftswesen, der Ökologie und des Friedens … besondere Bedeutung beigemessen (werden)“.[3] Das Bankgeschäft wurde deswegen in einen Förderbereich und einen Normalbereich unterteilt.

Mit der Gründung der Ökobank waren Visionen von einem „alternativen Wirtschaftskreislauf“ verbunden. Die Ökobank sollte die finanziellen Mittel bereitstellen, um einen solchen Kreislauf in Gang zu setzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der am 17. März 1984 in den Räumen der Arbeiterselbsthilfe gegründete Verein Freunde und Förderer der Ökobank[4] hatte die Aufgabe, das Gründungskapital zu sammeln, ein Bankkonzept zu entwickeln und die Zulassung der Bank zu erreichen. Er stand der Monatszeitung Contraste nahe.[5] Die Frage der Einlagensicherung erwies sich von Anfang an als schwierig. Schließlich konnte die Ökobank mit Erlaubnis des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen und mit einem Genossenschaftskapital von 7,8 Millionen DM, das von rund 12.700 Treugeber/innen zur Verfügung gestellt wurde, am 31. März 1988 in das Register eingetragen und am 2. Mai 1988 in Frankfurt am Main eröffnet werden.[6]

Das Konzept umfasste alle traditionellen Bankgeschäfte mit Ausnahme der Forfaitierung und des Effekten- und Depotgeschäfts. Sie bot Sparbücher, Umweltsparbriefe und Kredite an, deren Obergrenze auf maximal 750.000 DM je Kunde festgesetzt war. Das Gesamtkreditvolumen blieb auf 60 Prozent der Bilanzsumme beschränkt oder durfte nicht höher als das Dreifache des Eigenkapitals sein.[7]

EC-Karte der Ökobank (2001)

Nach jahrelangen Verhandlungen erfolgte im Jahr 1996 die Aufnahme in den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), wobei der damals bestehende Verlustvortrag von 3,3 Mio. DM anderweitig abgesichert werden musste. Letzteres gelang durch die Zeichnung von Sicherungsbriefen durch 542 Mitglieder.[8] Dadurch waren die Voraussetzungen für eine Erweiterung des Kreditgeschäftes gegeben.

In den Jahren 1999 und 2000 geriet die Ökobank durch Managementfehler in eine finanzielle Schieflage. Sie hatte zu dieser Zeit ein Bilanzvolumen von 380 Millionen DM und 24.000 Mitglieder. Zur Sanierung wurde das Bankgeschäft zunächst an die Bankaktiengesellschaft (BAG) Hamm ausgegliedert. Nach zweijährigen Verhandlungen wurde dieses Anfang 2003 von der GLS Gemeinschaftsbank eG übernommen.[9][10] Die abgewerteten Geschäftsanteile der Ökobank wurden in neue Anteile an der Finanzdienstleistungsgenossenschaft Oekogeno umgewandelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Huber, Rolf Schwendter: Die Ökobank. Wirtschaftsunternehmen oder Glaubensgemeinschaft? AG SPAK, München 1992, ISBN 978-3-923126-47-7.
  • Leo Schuster (Hrsg.): Die gesellschaftliche Verantwortung der Banken. Erich Schmidt, 1997, ISBN 3-503-04312-8.
  • Ökobank und GLS Gemeinschaftsbank kooperieren – zwangsläufig. In: Contraste. (Online [abgerufen am 14. April 2010]).
  • Knallharte Profitorientierung? In: Contraste. (Online [abgerufen am 14. April 2010]).
  • Bankgeschäft wird ausgegliedert – Genossenschaft macht weiter. In: Contraste. (Online [abgerufen am 14. April 2010]).
  • Ökobank ade! In: Contraste. (Online [abgerufen am 14. April 2010]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • uni-marburg.de/... – Artikel „Was wurde aus der Ökobank?“ vom 23. Januar 2012 (PDF-Datei, 207 KB, abgerufen am 5. März 2014)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manager Magazin (Hrsg.): Verblühte Träume. Alles aus – keine Alternative mehr für das alternative Kreditinstitut. 20. Juni 2001 (HTML [abgerufen am 26. August 2012]).
  2. Bernward Janzing: „Klumpenrisiko versetzte der Bank den Todesstoß“. In: Die Tageszeitung: taz. 30. April 2018, ISSN 0931-9085, S. 9 (taz.de [abgerufen am 30. April 2018]).
  3. Siehe Satzung §2, zitiert nach: Schuster, S. 180. Abgerufen am 30. Dezember 2010.
  4. Bank mit gutem Gewissen, Deutschlandradio, 2. Mai 2013, Über die Gründung der Ökobank in der Krebsmühle
  5. Dietmar Schwarz: Was ist los bei OekoGeno?. abgerufen am 20. Dezember 2012
  6. Siehe Schuster, S. 176. Abgerufen am 30. Dezember 2010.
  7. Meyers Jahresreport 1988, S. 92, ISBN 3-411-02309-0
  8. Siehe Schuster, S. 201. Abgerufen am 30. Dezember 2010.
  9. Vgl. Geschichte der GLS-Bank. Archiviert vom Original am 4. Januar 2012. Abgerufen am 30. Dezember 2010.
  10. Vgl. Ablauf der Übernahme des Bankgeschäfts durch die GLS-Bank. Abgerufen am 30. Dezember 2010.