Einlagensicherung

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Einlagensicherung (seltener Guthabensicherung) ist im Bankwesen der Gläubigerschutz durch gesetzliche und freiwillige Maßnahmen, der in einer Bankenkrise die Gläubiger von Kreditinstituten vor dem Verlust ihrer Bankguthaben bewahren soll.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Einlagensicherung ist in marktwirtschaftlichen Systemen eigentlich systemwidrig, weil die mit einem Kreditrisiko verbundenen Forderungen oder Kredite von Gläubigern allgemein keinem gesetzlichen Schutz unterliegen. Jedoch ist es sozialpolitisch erforderlich, die Ersparnisse und Vermögensanlagen breiter Bevölkerungsschichten einem Schutz zu unterwerfen. Außerdem dient die Einlagensicherung auch der Sicherung der Funktionsfähigkeit des Kreditwesens,[1] weil sie einen Bank Run verhindern helfen kann.

Wie jede Geldanlage sind auch Bankeinlagen mit einem Ausfallrisiko verbunden, also dem Risiko, dass die Bank die Geldanlage nicht zurückzahlen kann. Die Instrumente der Einlagensicherung reduzieren dieses Risiko, können es aber nicht vollständig verhindern. Das Ausfallrisiko bei einer Garantie der Einlagen entspricht im Bedarfsfall der Höhe des Ausfallrisikos des Garanten. Mit der Einrichtung von Einlagensicherungssystemen soll insbesondere dem Risiko eines Bank Runs vorgebeugt werden.

Weltweit wird die Aufgabe der Einlagensicherung nicht von den betroffenen Kreditinstituten selbst übernommen, sondern ist in rechtlich/wirtschaftlich unabhängige Versicherungen (beispielsweise USA) oder spezifische Einlagensicherungsfonds (EU-Mitgliedstaaten) ausgelagert. Deren Vermögen ist deshalb von einer Bankenkrise nicht betroffen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst Bankenkrisen, Finanzkrisen oder Wirtschaftskrisen haben zur Diskussion über eine Einlagensicherung beigetragen. Eine institutsübergreifende Einlagensicherung blieb bis ins frühe 20. Jahrhundert unbekannt. Die erste Einlagensicherung gab es ab Mai 1933 in den USA, als die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) zunächst Bankguthaben bis zu 2500 US-Dollar als Versicherung absicherte. Bei der FDIC handelt es sich um eine Pflichtversicherung, der alle Mitglieder des Federal Reserve Systems angeschlossen sind. Ihrer Gründung ging die Weltwirtschaftskrise vom Oktober 1929 voraus.

Die Deutsche Bankenkrise vom Juni 1931 trug wiederum dazu bei, dass 1934 die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken mit dem „Kreditgenossenschaftlichen Garantiefonds“ ein Sicherungssystem einführten,[2] das zu einer Pflichtmitgliedschaft der Kreditgenossenschaften in diesem Einlagensicherungsfonds führte. Es folgte 1959 der Bayerische Bankenfonds für Privatbanken. Der Bundesrat empfahl im März 1961, Vorschriften über eine Einlagensicherung in das im Januar 1962 in Kraft tretende KWG aufzunehmen, was jedoch nicht geschah. Der „Gemeinschaftsfonds des privaten Bankgewerbes“ wurde im Mai 1966 innerhalb des Bundesverbandes des privaten Bankgewerbes gegründet. Im November 1968 kündigte die Bundesregierung an, dass sie dem Bundestag ein Gesetz zur Einführung einer umfassenden Einlagensicherung vorlegen werde, wenn es nicht gelinge, „auf freiwilliger Basis das bisherige System der verschiedenartigen Anstrengungen einzelner Gruppen in seiner Wirkung zu verbessern und auf eine für den Wettbewerb kostenneutrale Grundlage zu stellen“.[3] Diese Bundestagsdrucksache befasste sich ab Sete 138 sehr ausführlich mit den Gründen und Notwendigkeiten einer Einlagensicherung.

Als im Juni 1974 die Herstatt-Bank in die Insolvenz geriet, verfügte der Bundesverband deutscher Banken über einen Einlagensicherungsfonds („Feuerwehrfonds“) mit 20000 DM Deckungssumme. Die bisherigen Bemühungen der Bankenverbände geschahen auf freiwilliger Grundlage. Erst im Dezember 1985 begann die Europäische Union mit der OGAW-Richtlinie mit einem gesetzlichen Sicherungssystem, das jedoch lediglich die Deckung von Pfandbriefen betraf. Im Jahre 1986 empfahl die damalige EWG-Kommission eine gesetzliche Verpflichtung der Banken zur Teilnahme an Sicherungssystemen (englisch Deposit guarantee schemes).[4] Die erste Einlagensicherungs-Richtlinie 94/19/EG kam im Mai 1994 heraus. Seit August 1998 ist das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz in allen EU-Mitgliedstaaten in Kraft, das die Einlagensicherung der EU-Mitgliedstaaten auf eine homogene Grundlage stellte. Seit Mai 2015 gilt an dessen Stelle das Einlagensicherungsgesetz (EinSiG), das den Entschädigungsfall (§ 5 Abs. 1 EinSiG und § 10 EinSiG) regelt, nicht entschädigungsfähige Einlagen (§ 6 EinSiG) aufzählt sowie die Deckungssumme auf 100000 Euro pro Anleger und pro Kreditinstitut festlegt (§ 8 EinSiG).

Ebenen der Einlagensicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maßnahmen zur Einlagensicherung werden auf verschiedenen Ebenen getroffen:

Eigenkapitalvorschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elementare Schutzmaßnahme der Einlagen der Kunden ist die Vermeidung der Insolvenz der Bank. Dazu dienen eine Reihe von Vorschriften des Kreditwesengesetzes, darüber hinaus insbesondere die Eigenkapitalvorschriften der Capital Requirements Regulation. Durch diese Regeln soll sichergestellt werden, dass im Fall von Problemen der Bank noch ein ausreichendes Vermögen vorhanden ist, um die Einlagen der Kunden auszuzahlen.

Trotz dieser Vorschriften ist eine Insolvenz von Kreditinstituten nicht auszuschließen. Dann greift die nächste Stufe:

Haftung in der Bankengruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig sind Banken Teil von Konzernen oder Bankengruppen, in denen formelle (d. h. rechtlich verbindliche) oder informelle (d. h. freiwillige) gegenseitige Haftungsregelungen bestehen.

Rechtlich verbindliche Haftungsregeln bestehen oft zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften (Patronatserklärung). Bei der Sparkassengruppe oder innerhalb der Gruppe der Genossenschaftsbanken besteht die so genannte Institutssicherung. Geschützt sind nicht nur die Einlagen, sondern der Bestand des Instituts mit der Folge, dass auch Schuldverschreibungen von Genossenschaftsbanken und öffentlich-rechtlichen Sparkassen voll gesichert sind.

Gesetzliche Einlagensicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In allen entwickelten Ländern bestehen gesetzliche Regelungen bezüglich der Einlagensicherungen. In der EU sind die Mindestanforderungen durch die EG-Richtlinien 94/19/EG[5] (CELEX Nr: 394L0019 / 31994L0019[6]) und 97/9/EG[7] (CELEX Nr: 397L0009 / 31997L0009[8]) vorgeschrieben. Diese wurden in Deutschland durch das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (inzwischen durch das Einlagensicherungsgesetz ersetzt) umgesetzt. Seit Dezember 2010 sind 100 % der Einlagen bis maximal 100.000 € pro Person geschützt (bei Gemeinschaftskonten also 100 % von 2x 100.000 €) und zusätzlich 90 % der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften bis zu einem Gegenwert von 20.000 € (§ 2 Abs. 3 EinSiG). Der Schutz betrifft CRR-Kreditinstitute und Filialen von Auslandsbanken (§ 1 EinSiG).

Die Regierungen von Irland,[9] Griechenland und Deutschland[10] hatten im September und Oktober 2008 angekündigt, im Zuge der Turbulenzen der Finanzkrise für Einlagen unbegrenzt zu garantieren.

In Irland galt diese als „Credit Institutions (Financial Support) Scheme“ bezeichnete unbegrenzte Garantie für sieben große Banken und bis zu 29. September 2010; hinzu kam die „Credit Institutions (Eligible Liabilities Guarantee)“, die für bestimmte Einlagenarten bei bestimmten Banken noch bis zum Juni 2012 haftete (Stand Dezember 2011).[11]

In Österreich wurde zum 1. Oktober 2008 im Ministerrat die unbegrenzte Einlagensicherung analog zum deutschen Vorgehen beschlossen, nachdem sich die EU-Finanzminister auf eine EU-weite Erhöhung der Einlagensicherung von 20.000 € auf 50.000 € geeinigt hatten.[12] Mit dem 31. Dezember 2009 lief diese unbegrenzte Einlagensicherung aus. Seit 1. Januar 2010 sind Einlagen natürlicher Personen bis zu einem Höchstbetrag von 100.000 € gesichert; für Personengesellschaften und kleine Kapitalgesellschaften bis zu 50.000 €. Ab 2019 wird die Einlagensicherung in Österreich gesetzlich neu geregelt und alle bisherigen Sicherungseinrichtungen durch eine gemeinsame, österreichweite Sicherungseinrichtung der Wirtschaftskammer Österreich betrieben. Die derzeit gültige Auszahlungsfrist von 20 Tagen wird in diesem Zug bis 2024 auf sieben Tage gekürzt.[13][14] In Deutschland handelt es sich um eine politische Absichtserklärung der Regierung, eine gesetzliche Umsetzung war erst nicht geplant.[15][16] Nach einem späteren Beschluss auf Ebene der EU-Finanzminister[17] sind aber seit 30. Juni 2009 bis zu 50.000 € rechtlich einklagbar garantiert. Die bisherige Verlustbeteiligung der Einleger in Höhe von 10 % ihrer Einlagen fällt damit weg.[18] Ab dem 31. Dezember 2010 sind es sogar 100.000 €, die dann zu 100 % gesetzlich abgesichert sind.

Großbritannien hebt den Höchstbetrag von 35.000 auf 50.000 GBP an (Einlagen (Bankguthaben): 85.000 GBP). In Schweden wurde die gesetzliche Einlagensicherung zum Januar 2011 nach dem Beispiel der EU auf 100.000 € erhöht – gleichzeitig plante das Land, Filialen ausländischer Banken einzubeziehen, falls die Einlagensicherung im Heimatland dieser Banken nicht entsprechend ausgestaltet sein sollte.[19]

Freiwillige Einlagensicherung der Banken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über diese gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus bieten Banken in vielen Ländern weitere Sicherungen an. In Deutschland sind das die Einlagensicherungsfonds der jeweiligen Bankenverbände, die weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus die Einlagen der Kunden schützen. Die freiwillige Einlagensicherung berücksichtigt den Sockelbetrag der gesetzlichen Einlagensicherung. Leistet die gesetzliche Einlagensicherung nicht, so wird dieser Betrag auch nicht von der Einlagensicherung der Banken ersetzt.[20] Auch Töchter ausländischer Banken in Deutschland schließen sich meist der deutschen Einlagensicherung an.

Gesetzliche Einlagensicherung im internationalen Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einlagensicherung in Österreich wird von fünf Sicherungseinrichtungen durchgeführt.

  • Sektor der Banken & Bankiers: Einlagensicherung der Banken & Bankiers
  • Raiffeisensektor: Österreichische Raiffeisen-Einlagensicherung eGen
  • Sparkassensektor: Sparkassen-Haftungs AG
  • Volksbankensektor: Volksbank Haftungsgenossenschaft eG
  • Hypothekenbankensektor: Hypo-Haftungs-Gesellschaft mbH

Jede Bank mit Hauptsitz in Österreich muss einer dieser Einrichtungen angehören.

Seit 1. Januar 2010 beträgt die Einlagensicherung in Österreich 100.000 €.

Aktiv geworden ist die Einlagensicherung der Banken & Bankiers bereits bei den Insolvenzen der BHI im Jahr 1995, Diskont Bank und der Riegerbank im Jahr 1998, sowie der Trigonbank im Jahr 2001. Für diese vier Fälle musste die Einlagensicherung einen Betrag von insgesamt 140 Millionen €[21] aufbringen.

Die fünf österreichischen Einlagensicherungen sind auch Mitglied der Europäischen Vereinigung für Einlagensicherungen mit Sitz in Brüssel (European Forum of Deposit Insurers (EFDI))

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz sind seit Dezember 2008 Einlagen bis 100.000 Schweizer Franken (ca. 95.000 €) pro Anleger und Bank in bestimmten Fällen geschützt. Die Gesamtsumme der Einlegerentschädigungen ist auf 6 Milliarden Schweizer Franken begrenzt, sodass der Schutz relativ ist.[22][23] Den Schutz garantiert die Vereinigung esisuisse, welche keine staatliche Institution ist, sondern in der Rechtsform eines Vereins 2005 gegründet wurde.[23] Von den 24 Kantonalbanken besitzen 21 (Stand: Juli 2015[24]) die volle Staatsgarantie (Staat = Kanton).[25] Die Kantonalbanken der Kantone Bern und Waadt wie auch die Banque Cantonale de Genève besitzen keine Staatsgarantie mehr.

Mit der Obergrenze von 6 Milliarden Franken können damit 60.000 Bankkunden mit der vollen Auszahlung rechnen. Bei einer Insolvenz einer größeren Bank, reduziert sich der Betrag entsprechend. Bei einer großen Bank mit 1 Million Anlegern würde sich die Summe demnach auf 6.000 Franken reduzieren.

Nach Kritik des Internationalen Währungsfonds und des Financial Stability Boards hat der Schweizer Bundesrat einen Vorschlag für Verbesserungen gutgeheissen. Banken sollen die Hälfte ihrer Garantieverpflichtung in Form von hinterlegten Wertschriften als Pfand absichern. Das Maximum der versicherten Gesamtsumme soll anstelle von 6 Milliarden Franken neu 1,6 % aller versicherten Einlagen betragen, im Minimum jedoch 6 Mrd. Franken. Bei 430 Mrd. Fr. relevanter Einlagen per Ende 2015 wären dies rund 6,9 Mrd. Fr. Zudem soll die Auszahlungsfrist auf sieben Arbeitstage verkürzt werden.[26]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einlagensicherung in Deutschland besteht aus zwei Säulen:

Gesetzliche Einlagensicherung: geregelt über Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz; Mindestschutz nach den Vorgaben der EU

Freiwillige Einlagensicherungssysteme: Schutz über die gesetzliche Mindestvorgabe hinaus

Zwei Bankengruppen haben eigene Systeme, die Mitgliedsunternehmen schützen, so genannte Verbundinterne Sicherungssysteme:

Diese beiden Systeme sind per Gesetz als gleichwertig zu der gesetzlichen Einlagensicherung anerkannt, beide Bankengruppen sind deshalb von der Einlagensicherungspflicht ausgenommen.

Zum 1. Juli 2009 wurde die deutsche Einlagensicherung von 20.000 € auf 50.000 € erhöht. Zum 31. Dezember 2010 erhöhte sich der Betrag auf 100.000 €. Mit dem Gesetz wird zudem die Frist für Auszahlungen auf höchstens 30 Tage begrenzt und die Verlustbeteiligung für Einleger in Höhe von 10 % abgeschafft.

Europäische Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EU-Richtlinie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend der Richtlinie 2009/14/EG (CELEX Nr: 32009L0014)[27] ist von den EU-Staaten bis 30. Juni 2009 die Erhöhung der Mindestgarantie auf 50.000 € (100.000 € ab 31. Dezember 2010), die Verkürzung der Frist für die Behörden zur Feststellung der Insolvenz auf fünf Arbeitstage und für die Auszahlung auf 20 Arbeitstage umzusetzen. Die EU-Staaten können in ihrer nationalen Gesetzgebung bessere Konditionen festlegen. Am 8. November 2017 empfahl die EZB die Abschaffung der Einlagensicherung, um im Krisenfall einen Bail-in zu ermöglichen, der auch die Guthaben von Kleinvermögen umfasst.[28]

Zusätzliche Absicherung in den EU-Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einzelnen europäischen Staaten haben die EG-Richtlinie unterschiedlich umgesetzt. Bei Niederlassungen von Banken in anderen Staaten gelten die folgenden Grenzen des Landes, in dem sich der Hauptsitz befindet.

Regelungen:

Staat Geschützter Anteil der Einlage Höchstbetrag der Entschädigung Stand
Belgien 100 % 100.000,00 € Februar 2010
Bulgarien 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Dänemark 100 % 100.000,00 € Oktober 2010
Deutschland 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Estland 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Finnland 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Frankreich 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Griechenland 100 % 100.000,00 € November 2008
Großbritannien 100 % 75.000 GBP (britische Pfund),[29] das entspricht etwa 88.000,00 € Dezember 2016
Irland 100 % 100.000,00 €[30] Dezember 2010
Italien 100 % 100.000,00 €[31] Mai 2011
Lettland 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Litauen
Luxemburg 100 % 100.000,00 € Januar 2010
Malta 100 % 100.000,00 € Mai 2011
Niederlande 100 % 100.000,00 € Januar 2010
Österreich 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Polen 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Portugal 100 % 100.000,00 € Oktober 2010
Rumänien 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Schweden 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Slowakei 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Slowenien 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Spanien 100 % 100.000,00 € Oktober 2010
Tschechien 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Ungarn 100 % 100.000,00 € Januar 2011
Zypern

In Großbritannien ist für die Sicherung der Kundeneinlagen das Financial Services Compensations Scheme (FSCS) zuständig. Bis zum 1. Oktober 2007 lag der Maximalbetrag bei 31.700 GBP (100 % der ersten 2.000 Pfund sowie 90 % von weiteren 33.000 Pfund). Vom 1. Oktober 2007 bis zum 6. Oktober 2008 galt eine Regelung von 100 % bis zu maximal 35.000 Pfund. Seit dem 7. Oktober 2008 sind es 100 % für die ersten 50.000 britischen Pfund bzw. 50.000 € je Person und Unternehmen. Seit dem 31. Dezember 2010 gilt eine neue Obergrenze entsprechend der aktuellen EU-Richtlinien in Höhe von 75.000 Pfund (ca. 88.000 €, Stand: Dezember 2016). Alle Unternehmen, die der britischen Bankenaufsicht Financial Services Authority (FSA) unterliegen, müssen Beiträge zur Finanzierung der FSCS zahlen.[32]

Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch außerhalb der Europäischen Union bestehen oftmals vergleichbare Regelungen. Die genauen Bedingungen sind je nach nationaler Rechtsordnung unterschiedlich.

Staat Höchstbetrag der Entschädigung
Norwegen 2 Millionen NOK[33] (ca. 236.000 €)
Island 20.887 €[34]
Russland 1.400.000 RUB (ca. 18.500 €)[35]
Japan 10 Millionen JPY (ca. 77.000 €)
Schweiz 100.000 CHF (ca. 96.500 €), max. 6 Milliarden CHF total[22][23]
Kanada 100.000 CAD (ca. 76.000 €).
USA 250.000 USD (ca. 231.000 €)[36]

In den USA sind Anleger aufgrund des Glass-Steagall Acts von 1933 bis zu 100.000 $ geschützt. Sicherungsgeber ist die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC). Im Rahmen der Finanzkrise ab 2007 war die Einlagensicherung – zeitlich begrenzt bis zum 31. Dezember 2009 – auf bis zu 250.000 $ erweitert worden.[37] Im Rahmen des Dodd–Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Acts wurde die Einlagensicherung dauerhaft auf 250.000 $ erhöht.[36]

In Kanada waren die von Geschäftsbanken bis 1942 ausgegebenen Banknoten, welche nicht gesetzliche Zahlungsmittel waren, seit 1890 durch einen Fonds garantiert, in den die Institute verzinst ein Zwanzigstel ihrer autorisierten Menge einzuzahlen hatten.[38]

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohne Einlagensicherung würde im Falle einer Bankenkrise schlimmstenfalls ein Bank Run ausgelöst, der zu massiven Barauszahlungen führt, die ein Kreditinstitut schnell zur Zahlungsunfähigkeit bringen würden. Das löst ein Wettrennen der Anleger um die Kassenbestände bei Banken aus, das den Verlierern den Verlust ihrer Geldanlage bedeuten kann. Eine einlegerschützende Einlagensicherung gibt dem Einleger die Gewissheit, dass seine Bankguthaben im Zweifel zwar nicht durch die betroffene Bank, aber durch die einlegerschützenden Institutionen gesichert sind. Deshalb verschafft das EinSiG gemäß § 5 Abs. 1 EinSiG dem Einleger im Entschädigungsfall einen Rechtsanspruch auf Entschädigung. Das Gesetz schützt gemäß § 8 Abs. 1 EinSiG

  • 100 % der Einlagen, maximal den Gegenwert von 100.000 Euro (Deckungssumme) sowie
  • 90 % der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften, maximal den Gegenwert von 20.000 Euro

pro Kunde und Institut. Die Einlagensicherung ist Teil der Bankenregulierung, denn sie verlangt von Kreditinstituten die Gründung und Führung von Versicherungen (FDIC in den USA) oder Fonds (in den EU-Mitgliedstaaten), die von der Bankenaufsicht überwacht werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Krumnow/Ludwig Gramlich/Thomas A. Lange/Thomas M. Dewner (Hrsg.), Gabler Bank-Lexikon: Bank - Börse - Finanzierung, 2002, S. 421
  2. Universität Frankfurt am Main, Institut für Genossenschaftswesen, Veröffentlichungen des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Frankfurt a. Main, Band 6, 1934, S. 219
  3. BT-Drs. 5/3500 vom 18. November 1968, Bericht der Bundesregierung über die Untersuchung der Wettbewerbsverschiebungen im Kreditgewerbe und über eine Einlagensicherung, S. III
  4. Josef Isensee/Paul Kirchhof (Hrsg.), Handbuch des Staatsrechts: Band XI: Internationale Bezüge, 2013, S. 995
  5. RL 94/19/EG Zusammenfassung
  6. RL 94/19/EG Wortlaut
  7. RL 97/9/EG Zusammenfassung
  8. RL 97/9/EG Wortlaut
  9. Irland springt für Einlagen der Banken ein (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.is). In: Financial Times Deutschland, 30. September 2008. Abgerufen am 5. Oktober 2008
  10. dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, Bund stellt Komplettschutz für private Spareinlagen in Aussicht, vom 5. Oktober 2008, Abgerufen am 5. Oktober 2008
  11. moneyguideireland, Irish deposits Guarantee after September 2010
  12. ORF.AT: Regierung beschwichtigt Sparer
  13. Einlagensicherung.at
  14. Bundesministerium für Finanzen, Finanzmarkt abgerufen am 4. Dezember 2017
  15. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Oktober 2008, Regierung plant kein Gesetz für Einlagen-Staatsgarantie
  16. Regierung plant kein Gesetz für Einlagen-Staatsgarantie. Finanzen.net, 6. Oktober 2008. Abgerufen am 4. August 2013.
  17. Tagesschau.de, Finanzmarktkrise
  18. Tagesschau.de, Spareinlagen
  19. schwedische Einlagensicherung (en)
  20. Steffen Preißler, Auslandsbanken: Die Einlagensicherung hat Lücken. In: Hamburger Abendblatt vom 4. Dezember 2008, S. 26
  21. Einlagensicherung braucht bei Großschaden wohl Staatshilfe (Memento vom 23. September 2008 im Internet Archive) auf Wirtschaftsblatt abgerufen am 4. Oktober 2008
  22. a b Bundesrat setzt Bestimmungen zum besseren Schutz der Bankeinlagen in Kraft. In: admin.ch vom 24. August 2011
  23. a b c Einlagensicherung der Schweizer Banken und Effektenhändler
  24. Rechtsform und Staatsgarantie der Kantonalbanken. In: kantonalbank.ch, Stand: Juli 2015 (PDF-Datei; 96 kB)
  25. Staatsgarantie. In: kantonalbank.ch, abgerufen am 21. Juli 2015
  26. Hansueli Schöchli: Der Bundesrat will den Einlegerschutz ausbauen. Neue Zürcher Zeitung, 16. Februar 2017, S. 27.
  27. RL 2009/14/EG Wortlaut
  28. Opinion of the European Central Bank of 8 November 2017 on revisions to the Union crisis management framework (CON/ 2017/ 47), S. 8, 5.3
  29. Financial Services Compensation Scheme
  30. Am 28. Dezember 2010 erklärte die irische Regierung darüber hinaus, u. A. für alle Einlagen voll zu garantieren; Irische Regierung bürgt für alle Einlagen bei Banken. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. September 2008. Abgerufen am 3. August 2013.
  31. Garanzia dei Depositanti. Website FITD – Fondo Interbancario di Tutela dei Depositi (italienisch). Abgerufen am 3. August 2013.
  32. Dirk Heilmann/Sonia Shinde: Rette Geld, wer kann. In: Handelsblatt, 17. September 2007. Abgerufen am 31. März 2016.
  33. Wie sicher Ihr Geld anderswo ist (Focus; Quelle: Deutsche Bundesbank)
  34. www.tryggingarsjodur.is (isländischer Einlagensicherungsfonds)
  35. http://www.asv.org.ru/insurance/, Stand: 7. Dezember 2015
  36. a b Basic FDIC Insurance Coverage Permanently Increased to $250,000 Per Depositor. Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), 21. Juli 2010. Abgerufen am 7. Februar 2012.
  37. FDIC Deposit Insurance Coverage (Memento vom 14. Januar 2009 im Internet Archive)
  38. James Holladay; The Currency of Canada, American Economic Review, Vol. 24, No. 2 (Jun., 1934), S. 266–278