Thomas Schirrmacher

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Thomas Schirrmacher, 2011
Thomas Schirrmacher und Bartholomäus I. in Istanbul 2007

Thomas Schirrmacher (* 25. Juni 1960 in Schwelm) ist ein deutscher reformierter Theologe, Ethiker, Missionswissenschaftler und Religionssoziologe. Er ist Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz und seit 2014 Präsident des Internationalen Rates der International Society for Human Rights[1].

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Schirrmacher studierte von 1978 bis 1982 Theologie an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH Basel) und promovierte 1985 in Theologie im Fach „Missionswissenschaft und Ökumenik“ an der Theologischen Universität Kampen (Niederlande), einer staatlich anerkannten Privathochschule. Ab 1983 studierte er Vergleichende Religionswissenschaft, Ethnologie und Volkskunde an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1989 promovierte er in Kulturanthropologie an der Pacific Western University, einer privaten Hochschule. 1996 erhielt er eine Ehrenpromotion für sein Werk Ethik vom Whitefield Theological Seminary (Lakeland (Florida)), 1997 eine Ehrenpromotion durch das Cranmer Theological House (Shreveport), 2006 eine weitere durch die ACTS University in Bangalore. 2007 wurde er bei Karl Hoheisel mit der Dissertation Hitlers Kriegsreligion[2] an der Universität Bonn mit „magna cum laude“ zum Doctor philosophiae promoviert.

Von 1983 bis 1989 unterrichtete Thomas Schirrmacher Missions- und Religionswissenschaft an der Freien Theologischen Akademie in Gießen und von 1990 bis 1996 dieselben Fächer sowie später Ethik an der STH Basel. In den USA hatte er Professuren für Missionswissenschaft am Philadelphia Theological Seminary (1994–1998) und für Mission und Ethik am Cranmer Theological House (1997–2000). Seit 1996 lehrt er als Professor für Systematische Theologie (Dogmatik, Ethik, Apologetik und Konfessionskunde) am Whitefield Theological Seminary. Seit 2000 ist er zusätzlich Professor für internationale Entwicklung an der privaten William Carey University (Shillong) und seit 2009 für Religionssoziologie an der West-Universität Temeswar, wohin er von der Universität Oradea wechselte, an der er von 2006 bis 2009 lehrte. Seine außerordentliche Professur an der Fakultät für Soziologie und Psychologie der West-Universität Temeswar wurde 2014 bestätigt. Er unterrichtet dort vier Semesterwochenstunden im wochenweisen Blockunterricht – aus dem zwei rumänische Lehrbücher entstanden – und betreut das Stipendiatenprogramm.[3] Daneben unterrichtet er im Masterprogramm für Sozialarbeit.[4] Weiter lehrt er als Professor bzw. Gastdozent an theologischen Ausbildungsstätten im In- und Ausland, etwa Systematische Theologie an der privaten Freien Theologischen Hochschule in Gießen.

Seit 1996 ist Thomas Schirrmacher Rektor des privaten und von ihm gegründeten Martin Bucer Seminars, wo er Systematische Theologie (vor allem Ethik) und Missions- und Religionswissenschaft lehrt. Außerdem ist er wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Lebens- und Familienwissenschaften in Bonn, Inhaber des Verlags für Kultur und Wissenschaft und Kuratoriumsvorsitzender des internationalen Hilfswerks „Gebende Hände“. Schirrmacher ist Verfasser und Herausgeber von 84 Büchern, darunter einer sechsbändigen Ethik. Übersetzungen liegen in 17 Sprachen vor.

Schirrmacher ist Geschäftsführer des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Deutschen und der Österreichischen Evangelischen Allianz und Mitglied der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz. Als Direktor leitet er deren Internationales Institut für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo),[5] ist deren Sprecher für Menschenrechte. Nach Medienberichten ist er einer der führenden Experten zum Thema Christenverfolgung,[6][7][8] der sich auch im Rahmen von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International[9] und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte für die Freiheit aller Religionen einsetzt. Mehrfach war er als Sachverständiger für den Bundestag tätig, zuletzt in der Anhörung des Menschenrechtsausschusses am 27. Oktober 2010.[10] Im Oktober 2015 nahm Schirrmacher an der von Papst Franziskus einberufenen katholischen Familiensynode teil.[11]

Neben der Religionsfreiheit ist der zweite Schwerpunkt Schirrmachers im menschenrechtlichen Bereich der Kampf gegen den Menschenhandel.[12] Zu diesem Thema hält er Vorträge weltweit, spricht mit Kirchenführern wie den Päpsten Benedikt XVI.[13] und Franziskus[14] und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomeos I., aber etwa auch beim Global Media Forum,[15] vor Landtagsfraktionen[16] und Landesregierungen[17] und in deutschen Städten unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeistern.[18]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Schirrmacher ist seit 1985 verheiratet mit seiner Frau Christine Schirrmacher, Professorin für Islamwissenschaft. Sein Vater ist der Hochschulprofessor Bernd Schirrmacher, sein Urgroßvater der Historiker Friedrich Wilhelm Schirrmacher.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze
Monographien
  • „Das göttliche Volkstum“ und der „Glaube an Deutschlands Größe und heilige Sendung“. Hans Naumann als Volkskundler und Germanist im Nationalsozialismus (= Disputationes linguarum et cultuum orbis, Sectio 5; Volkskunde und Germanistik, Band 2). Neuauflage, VKW, Bonn 2000, ISBN 3-932829-16-6 (Dissertation Universität Pacific Western Los Angeles 1989, 606 Seiten).
  • Hoffnung für Europa. 66 Thesen. VTR, Nürnberg 2002, ISBN 3-933372-43-7.
  • Multikulturelle Gesellschaft. Chancen und Gefahren. Hänssler, Holzgerlingen 2006, ISBN 978-3-7751-4576-3.
  • Hitlers Kriegsreligion. Die Verankerung der Weltanschauung Hitlers in seiner religiösen Begrifflichkeit und seinem Gottesbild. VKW, Bonn 2007, ISBN 978-3-938116-31-9.
  • Die neue Unterschicht. Armut in Deutschland? Hänssler, Holzgerlingen 2007, ISBN 978-3-7751-4674-6.
  • Moderne Väter. Weder Waschlappen noch Despoten. Hänssler, holzgerlingen 2007, ISBN 978-3-7751-4609-8.
  • Internetpornografie ... was jeder darüber wissen sollte. Hänssler, Holzgerlingen 2008, ISBN 978-3-7751-4838-2.
  • Rassismus. Alte Vorurteile und neue Erkenntnisse. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2008, ISBN 978-3-7751-4999-0.
  • Ethik. VTR, Nürnberg 2009 (8 Bände), ISBN 978-3-933372-55-0.
  • Fundamentalismus. Wenn Religion zur Gefahr wird. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2010, ISBN 978-3-7751-5203-7.
  • Menschenhandel. Die Rückkehr der Sklaverei. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2011, ISBN 978-3-7751-5335-5.
  • Paulus im Kampf gegen den Schleier. Eine alternative Auslegung von 1. Korinther 11,2-16. VTR, Nürnberg 2002, ISBN 978-3-933372-45-1.
  • Korruption: wenn Eigennutz vor Gemeinwohl steht, mit David Schirrmacher. SCM, Stiftung Christliche Medien Hänssler, Holzgerlingen 2014, ISBN 978-3-7751-5524-3.

als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grundsätzliche Erwägungen. ISBN 978-3-938116-44-9.
  2. Aus der praktischen Arbeit. ISBN 978-3-938116-45-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schirrmacher zum Präsidenten der International Society for Human Rights gewählt
  2. Rezension NZZ 20. November 2007
  3. Flyer Master-Programm Soziologie und Psychologie an der West-Universität Temeswar
  4. M. A. Sozialarbeit an der West-Universität Temeswar
  5. International Institute for Religious Freedom: Thomas Schirrmacher
  6. Welt am Sonntag: Interview mit Thomas Schirrmacher, 12. November 2006
  7. Welt am Sonntag: Vergewaltigt, Gefoltert, Gesteinigt, 12. Februar 2006
  8. DeutschlandRadio: Verfolgte Christen, 3. April 2006
  9. Amnesty International: Glaubensfreiheit als Menschenrecht, 2000
  10. Deutscher Bundestag: Anhörung einschließlich der Stellungnahme von Schirrmacher, 27. Oktober 2010
  11. Till-Reimer Stoldt: Wie Papst und Evangelikale die Familie retten wollen. welt.de, 2. November 2015, abgerufen am 6. November 2015.
  12. Mission Freedom: Menschenhandel
  13. pro Christliches Medienmagezin: Der weniger unfehlbare Papst
  14. pro Christliches Medienmagezin: Franziskus will mehr Ökumene
  15. Deutsche Welle Global Media Forum
  16. Blogbeiträge von Thomas Schirrmacher
  17. Evangelische Allianz Deutschland: Prof. Schirrmacher zum Thema „Menschenhandel“
  18. Die Augsburger Zeitung: Sklaverei – auch in Deutschland nicht ausgerottet
  19. Evangelische Nachrichtenagentur Idea: Menschenrechtspreis für Prof. Thomas Schirrmacher.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]