Thomas Schirrmacher

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Thomas Schirrmacher mit Papst Franziskus an dessen 82. Geburtstag (17. Dezember 2017)

Thomas Schirrmacher (* 25. Juni 1960 in Schwelm) ist ein deutscher reformierter Theologe, Ethiker, Religionssoziologe und Menschenrechtsexperte. Er ist als Stellvertretender Generalsekretär (zuständig für Theologie, Theologische Ausbildung, zwischenkirchliche und interreligiösen Beziehungen, Religionsfreiheit, Forschung) und Vorsitzender der Theologischen Kommission das theologische Aushängeschild der 600 Millionen Evangelikalen, die zur Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) gehören.[1] Der mehrfach promovierte Gelehrte gehört zu den führenden Menschenrechtlern der Welt, ist Präsident des Internationalen Rates der International Society for Human Rights[2] und Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Schirrmacher wurde am 25. Juni 1960 als Kind des Hochschulprofessors Bernd Schirrmacher und dessen Ehefrau Ingeborg in Schwelm geboren. Sein Urgroßvater war der Historiker Friedrich Wilhelm Schirrmacher und sein Ururgroßvater, Carl Friedrich Schirrmacher, war Direktor der Petrischule in Danzig. Schirrmachers Vorfahren waren reformierte Hugenotten, die aus Salzburg nach Preußen kamen und sich schließlich in Danzig und Königsberg niederließen.

Seit 1985 ist er mit Christine Schirrmacher, Professorin für Islamwissenschaft, verheiratet.

Akademische Laufbahn und Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Schirrmacher studierte von 1978 bis 1982 Theologie an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH Basel) und promovierte 1985 in Theologie im Fach „Missionswissenschaft und Ökumenik“ an der Theologischen Universität Kampen (Niederlande), einer staatlich anerkannten Privathochschule. Ab 1983 studierte er Vergleichende Religionswissenschaft, Ethnologie und Volkskunde an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1989 promovierte er in Kulturanthropologie an der Pacific Western University, einer privaten Hochschule. 1996 erhielt er eine Ehrenpromotion für sein Werk Ethik vom Whitefield Theological Seminary (Lakeland (Florida)), 1997 eine Ehrenpromotion durch das Cranmer Theological House (Shreveport), 2006 eine weitere durch die ACTS University in Bangalore. 2007 wurde er bei Karl Hoheisel mit der Dissertation Hitlers Kriegsreligion[3] an der Universität Bonn mit „magna cum laude“ zum Doctor philosophiae promoviert.

Von 1983 bis 1989 unterrichtete Thomas Schirrmacher Missions- und Religionswissenschaft an der Freien Theologischen Akademie in Gießen und von 1990 bis 1996 dieselben Fächer sowie später Ethik an der STH Basel. In den USA hatte er Professuren für Missionswissenschaft am Philadelphia Theological Seminary (1994–1998) und für Mission und Ethik am Cranmer Theological House (1997–2000). Seit 1996 lehrt er als Professor für Systematische Theologie (Dogmatik, Ethik, Apologetik und Konfessionskunde) am Whitefield Theological Seminary. Seit 2000 ist er zusätzlich Professor für internationale Entwicklung an der privaten William Carey University (Shillong) und seit 2009 für Religionssoziologie an der West-Universität Temeswar, wohin er von der Universität Oradea wechselte, an der er von 2006 bis 2009 lehrte. Seine außerordentliche Professur an der Fakultät für Soziologie und Psychologie der West-Universität Temeswar wurde 2014 bestätigt. Er unterrichtet dort vier Semesterwochenstunden im wochenweisen Blockunterricht – aus dem zwei rumänische Lehrbücher entstanden – und betreut das Stipendiatenprogramm.[4] Daneben unterrichtet er im Masterprogramm für Sozialarbeit.[5] Weiter lehrt er als Professor bzw. Gastdozent an theologischen Ausbildungsstätten im In- und Ausland, etwa an der Mackenzie Presbyterian University in São Paulo[6] oder dem Regent’s College der Universität Oxford[7].

Seit 1996 ist Thomas Schirrmacher Rektor des privaten und von ihm gegründeten Martin Bucer Seminars, wo er Systematische Theologie (vor allem Ethik) und Missions- und Religionswissenschaft lehrt. Er ist Verfasser und Herausgeber von 84 Büchern, darunter einer sechsbändigen Ethik. Übersetzungen liegen in 17 Sprachen vor.

Weitere Tätigkeiten und Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschenrechte, Religionsfreiheit und Christenverfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Schirrmacher besucht Bujar Nishani, den Präsidenten von Albanien (19. Oktober 2015)

Schirrmacher ist Geschäftsführer des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Deutschen und der Österreichischen Evangelischen Allianz und Mitglied der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz, deren Sprecher für Menschenrechte er ist. Als Direktor leitet er das Internationale Institut für Religionsfreiheit (Bonn/Guernsey, Brüssel, Kapstadt, Colombo, Brasília, Dehli, Tübingen).[8]

Nach Medienberichten ist er einer der führenden Experten zum Thema Christenverfolgung,[9][10][11] der sich auch im Rahmen von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International[12] und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte für die Freiheit aller Religionen einsetzt. Mehrfach war er als Sachverständiger für den Bundestag tätig, zuletzt in der Anhörung des Menschenrechtsausschusses am 27. Oktober 2010.[13]

Neben der Religionsfreiheit ist der zweite Schwerpunkt Schirrmachers im menschenrechtlichen Bereich der Kampf gegen den Menschenhandel.[14] Zu diesem Thema hält er Vorträge weltweit, spricht mit Kirchenführern wie den Päpsten Benedikt XVI.[15] und Franziskus[16][17] und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomeos I., aber etwa auch beim Global Media Forum,[18] vor Landtagsfraktionen[19] und Landesregierungen[20] und in deutschen Städten unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeistern.[21]

Ökumene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2015 nahm Schirrmacher an der von Papst Franziskus einberufenen katholischen Familiensynode teil.[22] Er gilt als einer der Architekten von „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“[23], des ersten Dokumentes, das 2011 Vatikan, Ökumenischer Rat der Kirchen und WEA gemeinsam unterzeichneten – ein Meilenstein der Kirchengeschichte. Die Tageszeitung Die Welt nennt ihn einen der führenden Experten in Sachen Christenverfolgung und Religionsfreiheit[24] und „des Papstes liebster Protestant“[25]. Schirrmacher ist zudem Berater der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung, d. h. der theologischen Kommission des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schirrmacher ist außerdem Vorsitzender des Beirates des Zentralrates Orientalischer Christen (ZOCD)[26] und Mitglied des Leitungskommitees des Global Christian Forums[27]. Er ist Inhaber des Verlags für Kultur und Wissenschaft sowie Gründer und Berater des internationalen Hilfswerks „Gebende Hände“.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze
Monographien
  • „Das göttliche Volkstum“ und der „Glaube an Deutschlands Größe und heilige Sendung“. Hans Naumann als Volkskundler und Germanist im Nationalsozialismus (= Disputationes linguarum et cultuum orbis, Sectio 5; Volkskunde und Germanistik, Band 2). Neuauflage, VKW, Bonn 2000, ISBN 3-932829-16-6 (Dissertation Universität Pacific Western Los Angeles 1989, 606 Seiten).
  • Hoffnung für Europa. 66 Thesen. VTR, Nürnberg 2002, ISBN 3-933372-43-7.
  • Multikulturelle Gesellschaft. Chancen und Gefahren. Hänssler, Holzgerlingen 2006, ISBN 978-3-7751-4576-3.
  • Hitlers Kriegsreligion. Die Verankerung der Weltanschauung Hitlers in seiner religiösen Begrifflichkeit und seinem Gottesbild. VKW, Bonn 2007, ISBN 978-3-938116-31-9.
  • Die neue Unterschicht. Armut in Deutschland? Hänssler, Holzgerlingen 2007, ISBN 978-3-7751-4674-6.
  • Moderne Väter. Weder Waschlappen noch Despoten. Hänssler, Holzgerlingen 2007, ISBN 978-3-7751-4609-8.
  • Internetpornografie ... was jeder darüber wissen sollte. Hänssler, Holzgerlingen 2008, ISBN 978-3-7751-4838-2.
  • Rassismus. Alte Vorurteile und neue Erkenntnisse. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2008, ISBN 978-3-7751-4999-0.
  • Ethik. VTR, Nürnberg 2009 (8 Bände), ISBN 978-3-933372-55-0.
  • Fundamentalismus. Wenn Religion zur Gefahr wird. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2010, ISBN 978-3-7751-5203-7.
  • Menschenhandel. Die Rückkehr der Sklaverei. SCM Hänssler, Holzgerlingen 2011, ISBN 978-3-7751-5335-5.
  • Paulus im Kampf gegen den Schleier. Eine alternative Auslegung von 1. Korinther 11,2-16. VTR, Nürnberg 2002, ISBN 978-3-933372-45-1.
  • Korruption: wenn Eigennutz vor Gemeinwohl steht (mit David Schirrmacher). SCM, Stiftung Christliche Medien Hänssler, Holzgerlingen 2014, ISBN 978-3-7751-5524-3.
  • Unterdrückte Frauen (mit Christine Schirrmacher). SCM, Stiftung Christliche Medien Hänssler, Holzgerlingen 2014, ISBN 978-3-7751-5480-2.
  • Kaffeepausen mit dem Papst. SCM, Stiftung Christliche Medien Hänssler, Holzgerlingen 2016, ISBN 978-3-7751-5763-6.
  • Koran und Bibel: Die größten Religionen im Vergleich. Erste Aufl. der erweiterten Ausgabe. SCM, Stiftung Christliche Medien Hänssler, Holzgerlingen 2017, ISBN 978-3-7751-5774-2.

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grundsätzliche Erwägungen. ISBN 978-3-938116-44-9.
  2. Aus der praktischen Arbeit. ISBN 978-3-938116-45-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Schirrmacher auf Website der Word Evangelical Alliance
  2. Schirrmacher zum Präsidenten der International Society for Human Rights gewählt
  3. Rezension NZZ 20. November 2007
  4. Flyer Master-Programm Soziologie und Psychologie an der West-Universität Temeswar
  5. M. A. Sozialarbeit an der West-Universität Temeswar
  6. Siehe zum Beispiel Mack Eventos 32 Seminário Internacional ANAJURE-Mackenzie oder Gastvorlesung in der Juristischen Fakultät der Universidade Presbiteriana Mackenzie in Sao Paulo
  7. IIRF director gives guest lecture on religious freedom at Oxford University
  8. International Institute for Religious Freedom: Thomas Schirrmacher
  9. Till-Reimer Stoldt: Interview mit Thomas Schirrmacher. Welt am Sonntag, 12. November 2006
  10. Till-Reimer Stoldt: Welt am Sonntag: Vergewaltigt, Gefoltert, Gesteinigt. In: welt.de, 12. Februar 2006.
  11. DeutschlandRadio: Verfolgte Christen, 3. April 2006
  12. Amnesty International: Glaubensfreiheit als Menschenrecht, 2000
  13. Deutscher Bundestag: Anhörung einschließlich der Stellungnahme von Schirrmacher, 27. Oktober 2010
  14. Mission Freedom: Menschenhandel
  15. pro Christliches Medienmagezin: Der weniger unfehlbare Papst
  16. pro Christliches Medienmagezin: Franziskus will mehr Ökumene
  17. Jahrbücher zur Religionsfreiheit für beide Päpste übergeben
  18. Deutsche Welle Global Media Forum
  19. Blogbeiträge von Thomas Schirrmacher
  20. Evangelische Allianz Deutschland: Prof. Schirrmacher zum Thema „Menschenhandel“
  21. Die Augsburger Zeitung: Sklaverei – auch in Deutschland nicht ausgerottet
  22. Till-Reimer Stoldt: Wie Papst und Evangelikale die Familie retten wollen. welt.de, 2. November 2015, abgerufen am 6. November 2015.
  23. Heute schreiben wir Geschichte In: Bonner Querschnitte 18/2011 Ausgabe 172, 29. Juni 2011.
  24. Siehe beispielsweise Christentum wird Gegnern zu groß oder Der religiöse Nationalismus marschiert voran
  25. Was der Papst auch für Protestanten sagen darf
  26. Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland e.V.
  27. Global Christian Forum – Current GCF Committee (2016)
  28. Evangelische Nachrichtenagentur Idea: Menschenrechtspreis für Prof. Thomas Schirrmacher.
  29. Thomas Schirrmacher erhält den Verdienstorden des ghassanidischen Königshauses für seinen Einsatz für die Menschenrechte im Nahen Osten
  30. Pakistanische Menschenrechtsanwältin erhält Stephanus-Preis