2666 (Roman)

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2666 ist der letzte Roman des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolaño. Nach vielen Jahren der Krankheit, in denen Bolaño schrieb, starb er an Leberversagen, kurz nachdem er seinem Verlag den ersten Entwurf präsentiert hatte. 2666 wurde ungefähr ein Jahr später, 2004, in Spanien veröffentlicht.

Die deutsche Übersetzung von Christian Hansen wurde am 7. September 2009 veröffentlicht und umfasst 1096 Seiten.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk besteht aus fünf Teilen (Büchern), die in sich jeweils abgeschlossen, aber locker miteinander verwoben sind. Im Vorwort der Erben des Autors wird erläutert, dass Bolaño ursprünglich die Teile einzeln in jährlichem Abstand veröffentlicht sehen wollte, um damit den größtmöglichen Gewinn für seine Familie zu erzielen. Seine Erben entschieden sich schließlich für eine Herausgabe des Werkes als Ganzes. Bolaño konnte „2666“ aufgrund seines frühen Todes nicht abschließen. Die Herausgeber leisteten die redaktionelle Arbeit mithilfe der von Roberto Bolaño hinterlassenen Notizen und verschiedenen Textversionen.

Der Teil der Kritiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Teil 1 „Der Teil der Kritiker“ lernen sich vier Germanisten aus Barcelona, London, Paris und Turin kennen. Sie forschen und publizieren zu dem fiktiven deutschen Schriftsteller Hans Reiter, der unter dem Pseudonym Benno von Archimboldi veröffentlicht und den sie für den bedeutendsten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts halten. Archimboldi, über dessen Leben und Aufenthaltsort nichts bekannt ist, soll, so ein Hinweis, nach Santa Teresa in der nordmexikanischen Provinz Sonora gereist sein. Die englische Germanistin macht sich mit ihren beiden Kollegen aus Barcelona und Paris auf die Suche nach Archimboldi und reist mit ihnen in die mexikanische Stadt. Dort bleibt ihre Suche allerdings erfolglos. Neben einem Blick in die umtriebige, teils selbstreferentielle Wissenschaftsszene, an der die Protagonisten mitwirken, wird ein Szenerio erotisch-sexueller Attraktion und Konkurrenz zwischen ihnen vorgestellt, das sich überraschend auflöst.

Der Teil von Amalfitano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teil 2 „Der Teil von Amalfitano“ widmet sich dem Leben des mexikanischen Philosophie-Professors Amalfitano, den die Protagonisten von Teil 1 in Santa Teresa kennenlernen. Amalfitano ist (wie der Autor) chilenischer Herkunft und gelangte über Argentinien (hier übersetzte er ein Buch von Archimboldi) nach Barcelona. Dort setzt Teil 2 ein und schildert das Leben des allein erziehenden Wissenschaftlers, der an der Universität von Santa Teresa eine Professur erhält. Wie schon in Teil 1 werden hier eher am Rande die Frauenmorde in dieser Stadt erwähnt.

Der Teil von Fate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptperson von Teil 3 „Der Teil von Fate“ ist ein afro-amerikanischer Journalist aus New York, der für eine Reportage über einen Boxkampf nach Santa Teresa reist und dort u. a. Rosa Amalfitano kennenlernt, die Tochter des Philosophie-Professors. In der Folge einer bedrohlich und verwirrend wirkenden Nacht (und auch vor dem Hintergrund der grassierenden Frauenmorde und des Drogenhandels) flüchten der Journalist und Rosa Amalfitano über die Grenze nach Arizona, USA.

Der Teil von den Verbrechen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teil 4 schließlich, der umfangreichste Abschnitt des Romans, konzentriert sich auf die Frauenmorde in Santa Teresa, die 1993 erstmals auftreten. Modell stehen Bolaño die Frauenmorde von Ciudad Juárez. Teilweise im Stil von Polizeiberichten werden die regelmäßigen Leichenfunde und Ermittlungen beschrieben. Eingeflochten sind Erzählungen vom beruflichen wie privaten Alltag ermittelnder Polizisten, von Journalisten, die über die Morde berichten und einer Parlamentsabgeordneten, deren Freundin in Santa Teresa spurlos verschwindet. Es wird deutlich, dass sich dieses Geschehen in einem teilweise extrem frauenfeindlichen Klima und angesichts hoher sozialer Ungleichheit vollzieht. Die ermordeten Frauen entstammen weitgehend der am Rande des Existenzminimums lebenden Arbeiterschicht der Maquiladoras, viele planen illegal in die USA einzuwandern.

Der Teil von Archimboldi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Der Teil von Archimboldi“, Teil 5, mit dem der Roman abschließt, beginnt als eine Art Biografie von Hans Reiter, dem deutschen Schriftsteller. Geschildert werden Kindheit und Jugend nahe der Ostsee und Berlins. Daran schließt sich Reiters aktive Teilnahme am Zweiten Weltkrieg an: Einmarsch in Polen, Angriff auf Frankreich, Verlegung an die Ostfront, wo er in der Ukraine verwundet wird. Während seiner Rekonvaleszenz entdeckt er die Aufzeichnungen eines jüdischen Russen, der sich vor den Einsatzgruppen versteckt hatte: Eine subjektive (teils exemplarische, teils fantastische) Darstellung der Entwicklung eines jüdischen Intellektuellen in der Sowjetunion, von der Oktoberrevolution bis zu den stalinistischen Schauprozessen. Während des Rückzugs der Wehrmacht stößt Hans Reiter auf einen gekreuzigten rumänischen General, es folgt der Aufenthalt in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager in Ansbach. Dort ermordet Reiter einen Mitgefangenen, der ihm von seiner Mitwirkung am Holocaust berichtet hatte. Danach lässt sich Reiter in Köln nieder und schreibt seinen ersten Roman. Inspiriert von dem manieristischen Maler Giuseppe Arcimboldo nimmt er den Künstlernamen Benno von Archimboldi an. Ein Roman folgt dem anderen (mit geringer öffentlicher Resonanz). Umzug nach Kempten, danach Aufenthalt in Italien, wo er scheinbar für Jahre verschwindet. Tod der Lebensgefährtin. Weitere Romane. Aufenthalte auf griechischen Inseln, Rückkehr nach Italien, Venedig. Zum Ende dieses Buches kehrt der Roman zurück nach Santa Teresa, dem geografischen wie ideellen Zentrum des Werkes.

Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel ist dem Nachwort von Ignacio Echevarria, einem Freund und engen Vertrauten des Autors, zufolge, als Jahreszahl gemeint. Echevarria zitiert dazu aus Bolaños Roman Amuleto: „Die Avenida ähnelt um diese Stunde vor allem einem Friedhof, aber weder einem Friedhof von 1974 noch einem von 1968 oder 1975, sondern einem Friedhof im Jahre 2666, einem Friedhof, vergessen hinter einem toten oder ungeborenen Augenlid, dem wässrigen Rest eines Auges, das, weil es etwas vergessen möchte, am Ende alles vergessen hat.“

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2666 wurde international geradezu euphorisch als literarisches Meisterwerk gefeiert. Bolaño wurde im Jahr 2008 für sein Werk 2666 postum mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roberto Bolaño „2666“ München 2009