AEG-Werk Brunnenstraße

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AEG-Werke
AEG-Fabrik am westlichen Rand der AEG-Werke Brunnenstraße.

Die Fabriken des AEG-Werks Brunnenstraße (AEG-Fabriken Brunnenstraße) im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen waren ein großer Standort der Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) und sind heute als Baudenkmal ein Zeugnis Berliner gründerzeitlicher Industriekultur. Die AEG kaufte den Block zwischen Hussitenstraße und Brunnenstraße südlich des Humboldthains 1894 und errichtete in folgenden Jahrzehnten ein Werk mit mehreren Einzelfabriken. „Der größte und bedeutendste Industriestandort der Berliner Innenstadt war ein Ausgangspunkt für die Entwicklung der Elektroindustrie.“[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AEG ging hervor aus der Edison-Gesellschaft von Emil Rathenau. Aus dem Unternehmen wurde 1888 die AEG. Zu einem der ersten Standorte der wachsenden AEG gehörte der Block Ackerstraße 76, auf dem zuvor Wilhelm Wedding die Weddingsche Maschinenfabrik betrieben hatte. Weiteres Wachstum war auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Viehmarkts zwischen Hussiten- und Brunnenstraße möglich. Ab 1894 pachtet und kauft die Allgemeine Elekticitäts-Gesellschaft Stück für Stück das von der Berliner Lagerhof Gesellschaft.[2] Der Platz dient dem kommenden Werk Brunnenstraße. Es folgten weitere bedeutende Werke in Ober-Schöneweide und Hennigsdorf.

Wachstum des Werkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einer der ersten Baumaßnahmen gehörte Deutschlands erster U-Bahntunnel – ein Versuchstunnel der AEG, der das Werk Brunnenstraße mit der Fabrik Ackerstraße unter der Voltastraße hindurch verband. Bauzeit war von 1895 bis 1897.[3]

Eines der ersten Fabrikgebäude war die Großmaschinenfabrik. Weil zu diesem Zeitpunkt noch Miethäuser auf den der Straße zugewandten Blockrändern standen, begann die Industriebebauung vom Zentrum des Grundstücks aus. Die Großmaschinenfabrik war eine große sechzehnschiffige Halle, die von 1895 bis 1896 als Eisenskelettkonstruktion von Paul Tropp entworfen und gebaut wurde. Der Weg durch das Beamtentor in Brunnenstraße, entworfen von Franz Schwechten, führte direkt auf diese Fabrik zu. Heute ist sie nicht mehr vorhanden, der Abriss erfolgte 1984.

1896/97 wurde eine Lokomotivfabrik gebaut.

Erhalten ist die Alte Fabrik für Bahnmaterial, die nach einem Entwurf von Johannes Kraaz von 1906 bis 1909 gebaut wurde.

1909/10 wurde die Hochspannungsfabrik von Peter Behrens errichtet. Sichtbar wird an ihr das architektonische Bestreben, „eine funktionsgerechte und ausdrucksstarke Industriebaukunst zu schaffen, die ohne historisierenden Dekor auskommt“.[4] 1921 verlegte die AEG die Produktion von Transformatoren nach Oberschöneweide, einem weiteren Großwerk in Berlin. Das Gebäude an der Brunnenstraße wurde nun als Widerstandfabrik genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Bahnfabrik ein.

Auf die Hochspannungsfabrik folgte 1911/12 die Montagehalle, die die Blockseite Hussitenstraße dominiert. Die 176 Meter lange Halle gehörte zu den größten Fabrikhallen Berlins. Architekt war Peter Behrens. 1928 verlängerte Ernst Ziesel die Halle um vier Achsen bis zur Voltastraße.

Parallel baute die AEG von 1911 bis 1912 die Neue Fabrik für Bahnmaterial an der Voltastraße.

1913 fertiggestellt wurde nach drei Jahren Bauzeit die Kleinmotorenfabrik. Architekt war wiederum Peter Behrens. „Mit ihrer 189 m langen Straßenfassade das anspruchsvollste und eindrucksvollste Gebäude des Fabrikgeländes“.[4]

Von 1906 bis 1913 riss das Unternehmen relativ frisch gebaute Miethäuser an der Voltastraße und Hussitenstraße ab, die der Ausbreitung des Werkes im Wege standen.

Bis 1913 wächst das Gelände auf 116.000 Quadratmeter (11,6 Hektar) an. 14.000 Beschäftigte zählte das Werk vor dem Ersten Weltkrieg.

Investitionen in der Zeit der geteilten Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AEG verlor durch die Aufteilung Deutschlands unter den Siegermächten in Folge des Zweiten Weltkriegs etliche große Werke, weil diese in Ost-Berlin und in der DDR standen. Nach dem Krieg baute das Unternehmen neue Fabriken in Westdeutschland auf, hielt aber gleichzeitig an den in Westberlin gelegenen Fabriken fest. In das Werk Brunnenstraße wurde umfangreich investiert, das nun Leistungstransformatoren herstellte. Am Standort Brunnenstraße arbeiteten nach dem Zweiten Weltkrieg bald wieder 6000 Menschen.[5]

Von 1959 bis 1961 wurde ein neuer Verwaltungstrakt und ein Umformergebäude errichtet.

1965 entstand eine Gußlagerhalle und eine Versandlagerhalle für die Kleinmotorenfabrik.

In die Zukunft gerichtet war 1966 der Bau einer Größtmaschinenhalle nach Plänen von Georg Schmieder. Sie galt zu ihrer Zeit als größte Halle der Branche in Europa. Sie war 175 Meter lang, 45 Meter breit und 26 Meter hoch. Hier konnten Motoren und Generatoren mit einem Einzelgewicht von bis 400 Tonnen montiert werden. Zur Grundsteinlegung reiste der damalige Justizminister der USA, Robert F. Kennedy, an. Der Abriss erfolgte 1986.

Ende des Werkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1982 meldete die AEG Insolvenz an, 1985 kaufte Daimler-Benz den Elektrokonzern. Vom Niedergang betroffen war auch das Werk Brunnenstraße. Bereits 1978 hatte die Zählerfabrik in der nahen Ackerstraße die Produktion eingestellt. Am 12. Oktober 1982 gab die AEG vor 3000 Restbeschäftigten die Schließung des Werks Brunnenstraße im damaligen Bezirk Wedding bekannt. Proteste der Arbeiter und Angestellten konnten das Ende nicht aufhalten. Die Stilllegung der einzelnen Fabriken erfolgte in den Jahren 1983 und 1984. Das Land Berlin kaufte die gesamte Fläche. Die Fabriken auf dem östlichen Teil des Werksgeländes wurden abgerissen. Die heute noch erhaltenen Fabriken auf dem westlichen Teil wurden zunächst vom Berliner Innovations- Gründungszentrum BIG übernommen. Der Denkmalschutz wurde 1986 beschlossen. Von 1984 bis 1987 baute der Computerhersteller Nixdorf eine Fabrik, die heute an den kupferfarbenen Spiegelfenstern gut zu erkennen ist. Aktuell mieten die Technische Universität und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration große Teile des ehemaligen Werkes. Die Deutsche Welle sendet von einem neu erbauten Hochhaus auf dem Gelände aus. Der Senat fördert die Entwicklung des Standortes über den Technologiepark Humboldthain (TPH)[6].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Müller-Wulckow: Deutsche Baukunst der Gegenwart. Bauten der Arbeit und des Verkehrs, Königsstein i. T./ Leipzig 1929 / Seite 6f., 27
  • Dietlinde Peters: Die AEG-Fabriken Brunnenstraße, in: Geschichtslandschaft, Wedding, 1990 / Seite 22–43
  • Tilmann Buddensieg, Henning Rogge: Industriekultur – Peter Behrens und die AEG 1907–14, Berlin 1979 / Seite 44f.
  • Julius Posener: Berlin auf dem Wege zu einer neuen Architektur, München 1979.
  • Henning Rogge: Fabrikwelt um die Jahrhundertwende am Beispiel der AEG-Maschinenfabrik in Berlin-Wedding, Köln 1985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: AEG-Fabriken am Humboldthain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Donath, Matthias und Schulz, Gabriele: Denkmale in Berlin. Bezirk Mitte. Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen. Hrsg.: Landesdenkmalamt Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-26-X, S. 84.
  2. Wedding. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Geschichtslandschaft Berlin. Band 3. Nicolai, Berlin 1991, S. 25.
  3. Deutschlands erster U-Bahntunnel. In: Berliner Unterwelten e.V. Abgerufen am 23. Februar 2021.
  4. a b Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  5. Wedding. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Geschichtslandschaft. Band 3. Berin 1991, S. 41.
  6. Technologie-Park Humboldthain. 2015, abgerufen am 24. Februar 2021.

Koordinaten: 52° 32′ 32,7″ N, 13° 23′ 16,5″ O