ATV Leipzig 1845

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ATV Leipzig 1845
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Voller Name Allgemeiner Turnverein
zu Leipzig von 1845 e.V.
Ort Leipzig
Gegründet 30. Juli 1845
Vereinsfarben rot-weiß
Stadion Gerhard-Langner-Weg 1
Sportplätze 1 Hockeykunstrasen
8 Tennisplätze
1 Fußballplatz
1 Frisbeeplatz
Präsident Kai Müller-Hegemann
Homepage www.atv1845.de
Liga Hockey Damen: 1.Bundesliga< Hallebr />Regionalliga Feld
Heim
Auswärts

Der Allgemeine Turnverein zu Leipzig von 1845 e.V. (kurz: ATV Leipzig 1845) ist ein am 30. Juli 1845 gegründeter Sportclub, der aktuell in die Abteilungen Hockey, Tennis, Lacrosse, Frisbee und Gymnastik gegliedert ist. Seine Anlage befindet sich unweit des Wahrzeichens Leipzigs – dem Völkerschlachtdenkmal. Sie umfasst 2 Naturrasenplätze, 8 Tennisplätze und einen Kunstrasenplatz sowie Hockeynaturrasenplatz. Bekannt wurde der Verein in der jüngeren Vergangenheit größtenteils durch seine Hockeyabteilung, durch welche es zur Ausrichtung der Juniorinnen-EM 2000, der ersten Hallenhockeyweltmeisterschaft 2003, der Europameisterschaft der Männer auf dem Feld 2005 sowie der Doppel-Hallen EM 2012 kam. Seit einigen Jahren bringt der Verein aus der beschriebenen Abteilung, gerade im weiblichen Bereich, regelmäßig Jugendnationalspieler hervor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. Juli 1845 wurde der Allgemeine Turnverein zu Leipzig gegründet. 1846 wird der Turnplatz an der Holzgasse eingeweiht. Im darauffolgenden Jahr steht die erste städtische Turnhalle dem ATV zur alljährigen Nutzung zur Verfügung. 1848 wird das erste Mal Damenturnen eingeführt. In diesem Jahr zählt der Verein bereits 770 Mitglieder und das nicht nur im Turnen, sondern auch 30 Mitglieder im Sängerverein, 80 in der Turnwehrmannschaft und 180 in der Lösch – und Rettungskompanie. 1850 erteilt die Stadt Leipzig den Auftrag, dass die Knaben der III. Bürgerschule als erste Turnunterricht im Verein erhalten sollen. Im Jahre 1853 kommen weitere Schulen dazu. 1860 findet in Coburg das erste Deutsche Turn – und Jugendfest statt. Der ATV ist daran, wie auch an allen folgenden Deutschen Turnfesten bis 1945, beteiligt.

Vom 1. – 5. August 1863 richtet der ATV das 3. Allgemeine Deutsche Turnfest in Leipzig aus. Der Verein hat in diesem Jahr 2552 Mitglieder in 36 Riegen. Zudem überträgt die Stadt dem Verein die Durchführung des ganzjährigen Turnunterrichts sämtlicher städtischer Schulen und erklärt diesen für obligatorisch. 1867 tritt ein Teil der Mitglieder aus dem ATV aus und gründet den Leipziger Turnverein (Westvorstadt), der sich später Turn – und Sportverein 1867 nennt. 1868 gründet sich die „Deutsche Turnerschaft“ (DT) in Weimar. Der ATV wird durch die Turnräte Schürmann und Brettschneider vertreten.

1876 erklärt der ATV am 16. Februar seine Zugehörigkeit zur Deutschen Turnerschaft. 1886 wird die Riegenvereinigung, 1888 die „Spielvereinigung“ des ATV gegründet. Turner der vereinigten Riegen beginnen damit, Schlagball und Fußball auf den Bauernwiesen zu spielen.

Während des 7. Deutschen Turnfestes in München 1889 tragen erstmals Mitglieder der Spielvereinigung des ATV ein Fußballspiel gegen eine Londoner Clubmannschaft aus. Vom 6. Januar 1892 bis 1898 war Justus Carl Lion Vorsitzender des ATV. und danach Ehrenvorsitzender. 1893 unterstützt der ATV durch ein Schauturnen am 18. Oktober die Initiative des Deutschen Patriotenbundes zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals in Leipzig.

Zum 50 jährigen Stiftungsfest 1895 wurde folgende Bilanz gezogen: es gab 1576 Mitglieder in 11 Vereinsabteilungen und – klassen; 67 Vorturner; eine Spielabteilung mit 88 Mitgliedern und Spielbetrieb im Fußball, Schleuderball, Schlagball, Faustball, Cricket und Lawn-Tennis. 1906 wird der ATV ein „Verein mit Gaurechten“. 1899 erhält die letzte städtische Schule ihre eigene Turnhalle. Damit hat der Verein die ihm 1863 übertragene Aufgabe zu Ende geführt.

Vom 12. – 16. Juli 1913 findet das 12. Deutsche Turnfest in Leipzig statt. Der ATV wirkt an den Vorbereitungen mit 200 Mitgliedern mit. An Vorführungen und Wettkämpfen nehmen 1229 Turnerinnen und Turner des ATV teil. Am 18. Oktober 1913 nimmt der ATV an den Eilbotenläufen der Deutschen Turnerschaft zur Weihe des Völkerschlachtdenkmals teil. Zum 75. Stiftungsfest im Jahre 1920 finden turnerische und leichtathletische Wettkämpfe statt 1922 bietet der Atv neben dem Turnen eine Spiel – und Sportabteilung mit Fuß -, Faust -, Schlag – und Handball sowie volkstümlichen (leichtathletischen) Übungen, eine Schwimmriege (im Königin-Carola-Bad), eine Fechterabteilung und eine Gesangsabteilung an. Im darauffolgenden Jahr kommt noch Stockball (Hockey) dazu.

Am 24. August 1924 wird der neue Spielplatz am Völkerschlachtdenkmal eingeweiht. 1931 umfasst die Spiel – und Volksportabteilung folgende Sparten: Volksturnen (Leichtathletik), Faust -, Hand -, Fuß – und Stockball (Hockey) sowie Tennis, Eishockey, Skilaufen, Schwimmen und Wassersport. Im Zuge der Gleichschaltung aller Sportverbände 1936 löst sich die Deutsche Turnerschaft auf. Die Turnerinnen und Turner gehören von diesen Zeitpunkt an zur Fachsäule I des DRL, der ab 1938 als Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen unter den Schutz der NSDAP gestellt wurde. 1940 findet das erste Leipziger Hallenhockeyturnier im Männerturnsaal des ATV statt. Der ATV wird Turniersieger.

Im April 1940 sind bereits 200 Mitglieder des ATV im Krieg, weitere im Arbeitsdienst. Der ATV versucht trotzdem den Spielbetrieb und das Vereinsleben fortzuführen. Am 20. Dezember 1945 wird der Verein auf Befehl der Alliierten Kontrollbehörde nach dem Kontrollratsgesetz Nr.2 vom 10. Oktober 1945 sowie der Direktive Nr.23 vom 17. Dezember 1945 aufgelöst. Die Direktive Nr.23 regelt gleichzeitig den Aufbau neuer Sportstrukturen. Die Sportgemeinschaft Leipzig Probstheida bildet sich 1946 aus ehemaligen Mitgliedern des ATV 1845 und des VfB Leipzig, welcher ebenfalls von ehemaligen ATV Mitgliedern gegründet wurde. Frühere Mitglieder sind in der Abteilung 2 (Zentrum Süd) unter anderem in den Sportarten Schwimmen, Faustball, Hockey, Fußball, Leichtathletik, Gymnastik und Rollschuhsport aktiv.

Am 12. Juni 1949 werden die Männer des ATV in der sowjetischen Besatzungszone Vizemeister im Hockey. Die Frauenmannschaft wird in diesem Jahr Stadtmeister. In den Jahren 1949 und 1950 entsteht im Zuge der Gründung der Betriebssportgemeinschaften (BSG) aus der SG Probstheida die BSG „Erich Zeigner“. Aus dieser gehen später die bis 1990 bestehenden BSG Einheit Ost sowie die BSG Einheit Zentrum (EZL) hervor.

1951 holt die BSG EZL 5 DDR Meistertitel im Hockey. Auch in den Folgejahren spielen die Frauen und Männer immer in der höchsten Spielklasse der DDR, selbst nach der Gründung des Sportclubs und der damit verbundenen Delegierung der besten Spieler (Herren) zum SC Leipzig. Seit dem 1. Hockey-Länderspiel einer DDR-Auswahl im Jahre 1951 sind Spielerinnen und Spieler der BSG EZL ständig in Auswahlmannschaften vertreten. Im Tennis herrscht trotz Platzmangels ein intensiver Spielbetrieb; die 1. Damen – und Herrenmannschaften spielen in der obersten Liga.

An den olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio nehmen einige Mitglieder der BSG EZL im Hockey teil. In den 70er Jahren werden die beiden Sektionen Fußball und Gymnastik gegründet. In den folgenden 80er Jahren kommen die Sparten Popgymnastik, Leichtathletik, Schwimmen und Wandern hinzu. 1989 gehören der BSG Einheit Zentrum 819 Mitglieder an, davon 375 im Tennis, 212 im Hockey, 56 im Fußball, je 38 im Schach und Kegeln, 24 in der Gymnastik, 23 im Schwimmen, je 20 in der Leichtathletik und in der Popgymnastik und 13 in der Sektion Wandern.

1. Juli 1990: Als Rechtsnachfolger des 1945 aufgelösten Vereins wird der Allgemeine Turnverein zu Leipzig von 1845 e.V. wiedergegründet und am 13. September in das Vereinigungsregister der Stadt Leipzig eingetragen. Er zählt 366 Mitglieder, die in den Abteilungen Hockey, Tennis, Fußball und Gymnastik organisiert sind. 1991 spielen die Hockey-Damen des ATV als einzige Mannschaft der neuen Bundesländer in der ersten Bundesliga. Nach der Feldsaison 1991 trifft das auch auf die Hallensaison 1992/1993 zu. Im Januar 1995 wird der Verein Talentstützpunkt für Sachsen im Tennis.

1996 wird infolge des Wiederaufstiegs der Damen in die Bundesliga der erste Kunstrasenplatz auf der Anlage des ATV eingeweiht. 2000 ist der Verein Austräger der Juniorinnen Europameisterschaft im Hockey, ehe der ATV 2003 die erste Hallenhockey-Weltmeisterschaft veranstaltet.

2004 erringt die weibliche Jugend A des Leipziger Clubs als erste und bisher einzige ostdeutsche Mannschaft den Deutschen Meistertitel im Feldhockey.[1]

2005 richtet der Verein die Feldhockey-Europameisterschaft der Herren aus, durch die der ATV einen neuen Kunstrasen erhält.[2] In der Feldsaison 2008/09 schaffen die ersten Herren im Hockey erstmals den Sprung in die zweite Bundesliga.

Vom 13. bis 15. Januar 2012 richtete der Verein in Kooperation mit dem DHB und der Stadt Leipzig die Hallenhockey-Europameisterschaft der Herren und Damen in der Arena Leipzig aus.

Im Juli 2013 Erweiterung des Vereins durch die Gründung der Abteilung Frisbee durch Aufnahme der Mitglieder der Ultimate Frisbee-Gruppe "Saxy Divers Leipzig".

2015 gliedert der Verein die Sektion Lacrosse ein und übernimmt damit die Damenmannschaft der 1. Bundesliga Ost, die Herrenmannschaft der 2. Bundesliga Ost und den im Aufbau befindlichen Jugendkader.

Vom 4. bis 8. Februar 2015 richtet der Verein mit dem DHB, der Stadt Leipzig und dem SHV die 4. Hallenhockey-Weltmeisterschaft der Damen und Herren wieder in der Arena Leipzig aus.

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DDR-Meistertitel Tennis

  • weibl. Kinder: 1979, 1987, 1988, 1989 Mannschaftsmeister
  • Mädchen – Doppel: 1989 Sabine Mehnert und Franka Wiemers
  • Mädchen – Einzel: 1988 Sabine Mehnert
  • weibl. Jugend: 1979 Mannschaftsmeister
  • Damen - Doppel: 1986 Harriet Berger und Inka Surkus

DDR-Meistertitel Hockey

  • - Damen: Feld 1989 | Halle 1951, 1952, 1979, 1989
  • - Herren: Feld 1951, 1964, 1971, 1974 | Halle 1951, 1952, 1975
  • - weibl. Jugend: Feld 1950, 1952, 1955, 1957, 1959, 1989 | Halle 1950, 1951, 1952, 1955, 1983, 1987, 1988
  • - weibl. Kinder: Feld 1983, 1984, 1986, 1987, 1988, 1989 | Halle 1980, 1985, 1988

Deutsche Meistertitel

  • Hockey – weibl. Jugend A Feld 2004

DDR-Nationalspieler und Nationalspielerinnen des ATV Leipzig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herren Zeitraum Anzahl Spiele Damen Zeitraum Anzahl Spiele
Werner Grabo 1950 2 Edit Schreibe 1954 1
Karl Funke 1952 1 Dorle Bradtke 1954-58 9
Hans-Joachim Rohrwacher 1952-56 14 Gitta Remmler 1954-58 8
Joachim Weiskopf 1956-63 13 Rosemarie Uecker 1955-58 5
Hans-Dietrich Sasse 1963-79 79 Ingeborg Sasse 1970-80 25
Reinhard Sasse 1966-79 81 Elke Lückert 1977-90 80
Bernd Jabin 1971 4 Regina Kratz 1979-81 7
Wolfgang Remmler 1974 2 Elenor Hofmann 1983-84 7
Gerhard Langer 1975-78 10 Andrea Kunad 1987-90 22
Lutz Rademacher 1978 1 Kerstin Reinhardt 1987-90 11
Lutz Nordmann 1980 2 Sabine Sasse 1987-90 27
Kai Müller-Hegemann 1981 1 Sabine Schwarz 1989 2
Tim Gräfe 1986-90 12 Ines Thieme 1989 3
Ulrike Sluga 1989-90 3
Heidi Wiedersich 1989–1996* 14*

* Heidi Wiedersich: inclusive Spiele für die deutsche Nationalmannschaft nach der Wiedervereinigung

[3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift 150 Jahre Allgemeiner Turnverein zu Leipzig von 1845 e.V.
  • Festschrift 75 Jahre Hockey am Völkerschlachtdenkmal

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Feldhockeymeisterschaft 2004/05. Weibliche Damen A. In: Hockey.de. Deutscher Hockey Bund, abgerufen am 18. Februar 2016.
  2. European Hockey Championship Men Leipzig 2005. In: Hockey.de. Deutscher Hockey Bund, abgerufen am 18. Februar 2016.
  3. Hockeyarchiv auf der Homepage des Deutschen Hockey-Bundes: [1] (abgerufen am 8. März 2014)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]