Abdülhamid I.

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Sultan Abdülhamid I.

Abdülhamid I. (* 20. März 1725; † 7. April 1789) war vom 21. Januar 1774 bis zu seinem Tode Sultan des Osmanischen Reiches. Seine Regierungszeit war geprägt durch die Bedrohung durch die Russen und andere Mächte, wirtschaftliche Krisen, innere Unruhen und Kriege. Um die Schwäche des Reiches zu überwinden, kam es zu Ansätzen wirtschaftlicher, administrativer und militärischer Reformen. Während der Sultan das eigentliche Regierungshandeln weitgehend seinen Wesiren und Beratern überließ, tat er sich als Bauherr und Förderer öffentlicher Einrichtungen hervor. Zu seiner Zeit bekam der Kalifentitel wieder stärkere Bedeutung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater war Ahmed III. Die Mutter war Sermi Rabia Kadim. Abdülhamid war unter der Herrschaft seiner Vettern Mahmud I. und Osman III. sowie seines älteren Bruders Mustafa III. im Kafes des Topkapı-Palast eingesperrt aufgewachsen. In dieser Zeit erhielt er durch seine Mutter eine Ausbildung – unter anderem in Geschichte und in Kalligrafie.

Münze 1 Piaster 1775 (1188AH) mit der Tughra Sultans Abdülhamid I. Münze 1 Piaster 1775 (1188AH) mit der Tughra Sultans Abdülhamid I.
Münze 1 Piaster 1775 (1188AH) mit der Tughra Sultans Abdülhamid I.

Nach dem Tod Mustafas III. wurde er mit 49 Jahren dessen Nachfolger. Infolge der langen Gefangenschaft und seiner politischen Unerfahrenheit überließ er den Großwesiren die eigentliche Führung der Regierungsgeschäfte. Er selbst agierte wenn nötig als Vermittler unterschiedlicher Auffassungen. Unter ihm war die Finanzlage des Reiches schwer angegriffen. Zeitweilig konnten sogar die Janitscharen nicht entlohnt werden.

Abdülhamids Regierungsbeginn fällt in die Endphase des Russisch-Türkischen Krieges von 1768 bis 1774. Er hatte den Friede von Küçük Kaynarca zu akzeptieren, der unter anderem vorsah, dem bisherigen Vasallenstaat des Khanat der Krim die Unabhängigkeit zu geben. Nicht nur inhaltlich, auch seiner Form nach war der Friedensvertrag etwas Neues. Der Sultan hatte Katharina die Große als gleichberechtigte Vertragspartnerin anzuerkennen. In der Reaktion auf die Forderung der Russen, Schutzrechte über orthodoxe Christen im osmanischen Machtbereich auszuüben, haben die osmanischen Diplomaten dem Kalifentitel eine erweiterte Bedeutung gegeben. Der Sultan verstand sich nicht mehr nur als Nachfolger des Propheten, sondern auch als geistiges Oberhaupt der Muslime. Als solcher beanspruchte er die religiöse Oberhoheit über die Muslime auf der Krim und später in ganz Russland.[1]

In der Folge dehnten die Russen ihren Einfluss auf die Krim immer stärker aus. Die Österreicher annektierten 1775 die Bukowina. Auch Persien nutzte die Schwäche des Reiches und 1776 kam es zum Verlust von Mossul und von Basra. Gleichzeitig kam es in seiner Regierungszeit zu Aufständen in Syrien, in Palästina, in Ägypten oder in Morea, die insbesondere von Cezayirli Gazi Hassan Pascha niedergeschlagen wurden. Im Jahr 1783 haben die Russen dann die Krim annektiert. Die Osmanische Armee war zu geschwächt, um dies zu verhindern.

Als Reaktion auf die russische Bedrohung bildeten sich innerhalb der politischen und militärischen Führungsschicht zwei Lager heraus. Befürworter eines Kriegskurses waren Koca Yusuf Pascha und der Großadmiral Cezayirli Gazi Hassan Pascha. Befürworter eines eher friedlichen Kurses war der Großwesir Halil Hamid Pascha. Für ihn waren vor militärischen Abenteuern zunächst Reformen des Militärwesens und die Stärkung der Wirtschaft nötig. Darauf konzentrierte sich auch seine Politik. Unter anderem versuchte er durch ausländische Berater die Armee zu modernisieren.

Weil der Sultan an seinem Großadmiral festhielt und dem Kriegskurs keine Absage erteilte, versuchte der Großwesir Abdülhamid I. zu Gunsten des späteren Selim III. zu stürzen. Nach dem Scheitern dieses Vorhabens wurde er 1785 hingerichtet. Damit hatte sich auch die Kriegspartei durchgesetzt. Auch von Großbritannien und Preußen wurde der Sultan unter Druck gesetzt, gegen die Russen militärisch vorzugehen.

Nachdem die Russen die Aufforderung zurückgewiesen hatten, die Krim zu räumen, erklärte die Hohe Pforte Russland den Krieg. Damit begann in der Regierungszeit von Abdülhamid I. der russisch-österreichische Türkenkrieg. Die osmanische Führung hoffte, die Krim zurückgewinnen zu können. Die tiefe wirtschaftliche und soziale Krise im osmanischen Reich und die zerrüttete Verwaltung standen einem Erfolg entgegen.

Trotz der äußeren Schwäche galt der Sultan in der Türkei als großzügig. Zugutegehalten wurde ihm etwa der effektive Einsatz der Feuerwehr beim großen Brand in Istanbul von 1782. Er förderte auch den Wiederaufbau wie auch bei den Feuern von 1777, 1784 und 1787. Er ließ am Bosporus die Beylerbeyi und die Emirgan Moschee bauen. Außerdem förderte er zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Bibliotheken oder Suppenküchen. Er gründete eine eigene (öffentliche) Bibliothek. Sie wurde gerne von ausländischen Besuchern und Wissenschaftlern aufgesucht.

Die von ihm im Topkapı-Palast ausgestatteten Räume werden zu den bedeutenderen Räumen des Palastes gezählt. Sie sind mit hohen Spiegeln und Wandmalereien mit Hafenansichten und Seelandschaften geschmückt. Sein persönlicher Geschmack war vom französischen eleganten Stil seiner Zeit beeinflusst.

Mit zahlreichen Frauen hatte er insgesamt vierundzwanzig Nachkommen. Darunter waren zehn Söhne. Sein Nachfolger war sein Neffe Selim III. Von seinen Söhnen kamen Mustafa IV. und Mahmut II. auf den osmanischen Thron.

Der Sultan starb an einem Schlaganfall, als ihm die Nachricht von der Eroberung der Festung Otschakiw durch die Russen überbracht wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph K. Neumann: Das osmanische Reich in seiner Existenzkrise (1768–1826). In: Klaus Kreiser, Christoph K. Neumann: Kleine Geschichte der Türkei (= Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. Bd. 529). Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2005 S. 308

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Georg Majer: Abdülhamid I., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. München 1974, S. 3 f.
  • Kahraman Sakul: Abdülhamid I. In: Encyclopedia of the Ottoman Empire. New York 2009, S. 6
  • Abdülhamid I. In: Selçuk Akşin Somel: The A to Z of the Ottoman Empire. Lanham 2006, S. 3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abdülhamid I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Mustafa III. Sultan und Kalif des Osmanischen Reichs
1774–1789
Selim III.