Russisch-Österreichischer Türkenkrieg (1787–1792)

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Der Russisch-österreichische Türkenkrieg von 1787 bis 1792 wurde indirekt durch die russische Besetzung der Krim ausgelöst. Nachdem das osmanische Reich einen Präventivkrieg begonnen hatte, waren die beiden europäischen Mächte militärisch durchaus erfolgreich. Allerdings verhinderte die internationale Lage – zunächst die Kriegserklärung Schwedens und schließlich das Bündnis Preußens mit dem osmanischen Reich – die Verwirklichung des hochgesteckten Kriegsziels, das osmanische Reich zu zerschlagen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach dem Friedensschluss des Osmanischen Reiches und Russlands zur Beendigung des Russisch-Türkischen Kriegs im Jahr 1774 wurde auf der Krim unter anderem ein formell unabhängiger Krimtatarenstaat gegründet.

Der Sultan behielt in seiner Eigenschaft als Kalif nur noch religiöse Rechte. Damit hatte zwar das Osmanische Reich seinen Einfluss auf der Krim verloren, ohne dass an seine Stelle sogleich die russische Herrschaft getreten wäre. Im Jahr 1782 drängte der neue, politisch einflussreiche Günstling Potjomkin Zarin Katharina II. mit Erfolg, die Krim besetzen zu lassen. Als Vorwand dienten dazu Familienstreitigkeiten in der Familie der Khane. Durch Potjomkin selbst wurde 1783 die Aktion durchgeführt. Der von Russland unterstützte Khan trat die Krim an die Zarin ab. Für einen Krieg war das osmanische Reich zu schwach, zumal es auch mit einem Kriegseintritt Österreichs rechnen musste. Die Annexion wurde förmlich am 8. Januar 1784 anerkannt. Potjomkin begann unmittelbar danach mit der Gründung des Kriegshafens von Sewastopol und anderer Städte. In einer prunkvollen Reise begaben sich die Kaiserin, die Hofgesellschaft und ausländische Gesandte 1787 selbst an die Krim. Im Laufe der Reise entstanden auch angeblich die Potjomkinschen Dörfer. Dort traf sie mit dem inkognito angereisten Joseph II. zusammen. Beide Monarchen berieten dabei über einen gemeinsamen Krieg gegen das Osmanische Reich. Die internationale Lage schien günstig, weil von Preußen nach dem Tod Friedrichs II. keine Störung erwartet wurde.

Kriegsziele[Bearbeiten]

Die Pläne der Verbündeten sahen nichts Geringeres als die Zerschlagung des osmanischen Reiches vor (Griechischer Plan). Dabei sollten Serbien, Bosnien und die Herzegowina an Österreich fallen. Bessarabien, das Moldaugebiet und die Walachei sollten zu einem eigenen Staat zusammengefasst werden. Im übrigen Teil des osmanischen Reiches sollte Russland freie Hand bekommen. Dabei bestanden in St. Petersburg Pläne zur Wiedererrichtung des Byzantinischen Reiches. In Istanbul waren diese Absichten durchaus bekannt. Gegen den anfänglich zögernden Sultan Abdülhamid I. drängte eine Kriegspartei mit Erfolg zu einem Präventivkrieg und am 13. August 1787 wurde Russland der Krieg erklärt.

Kriegsverlauf[Bearbeiten]

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Anfangs gelang es dem russischen Feldherrn Alexander Wassiljewitsch Suworow die türkische Armee aufzuhalten. Die russische Schwarzmeerflotte wurde nach einigen Seegefechten jedoch durch einen Sturm außer Gefecht gesetzt und fiel vorerst aus. Im Februar 1788 trat auch Österreich in den Krieg ein. Dabei wurden die österreichischen Truppen anfangs von Kaiser Joseph II. selbst geführt, allerdings gelang ihnen in Serbien und Transsylvanien kein nennenswerter Erfolg.

Zwar gelang es Russland im Juni 1788 Moldawien zu besetzen und die türkische Flotte in den Seeschlachten von Liman (17. und 23. Juni 1788) zu schlagen, aber diese Erfolge erwiesen sich als nur vorübergehend. Im Norden veränderte sich die diplomatische Lage Russlands offenbar unerwartet. König Gustav III. von Schweden gab dem von Großbritannien und Preußen unterstützten osmanischen Drängen nach und erklärte Russland im Juni 1788 den Krieg. Die schwedischen Truppen bedrohten Kronstadt, mussten sich aber wegen Unruhen im eigenen Land vorerst zurückziehen.

Auf dem südlichen Kriegsschauplatz kam es zur Vereinigung der russischen und österreichischen Armeen. Zusammen gelangen den Verbündeten im August 1789 bei Focsani und im Oktober bei Martinesti am Rimnik unter Führung von Suworow wichtige Siege. Potjomkin eroberte einige Städte am Dnister, marschierte durch Bessarabien und eroberte weitere Städte an der Donau. Belgrad ergab sich dem österreichischen Feldmarschall Ernst Gideon von Laudon. Russen und Österreicher zusammen besetzten Bukarest.

Im Norden flammte der Krieg 1790 wieder auf. Zwar konnte die schwedische Armee nur geringe Erfolge erzielen. Die russische Flotte wurde jedoch im Juni 1790 besiegt. Damit war St. Petersburg erneut bedroht. Eine Kriegserklärung von Dänemark an Schweden rettete die russische Hauptstadt. Im August 1790 wurde zwischen Russland und Schweden ein Friedensvertrag geschlossen, der zu keinen territorialen Veränderungen führte.

Allerdings hatte der preußische König Friedrich Wilhelm II. bereits im Januar mit dem türkischen Sultan ein Offensivbündnis geschlossen. Das Hauptziel Preußens war, Österreich aus dem Krieg herauszudrängen. Nachdem Kaiser Joseph II. am 19. Februar 1790 gestorben war, gab dessen Nachfolger Leopold II. dem preußischen Druck nach. Daraufhin kam es am 4. August 1791 zu einem österreichisch-osmanischen Separatfrieden von Sistowa. Österreich musste Belgrad zurückgeben und erhielt nur einen kleinen Gebietsstreifen in Nordbosnien zugesprochen. In Russland wurde der Kriegsaustritt Österreichs als ein erneuter Verrat nach dem ähnlichen Austritt im vorherigen Russisch-Österreichischen Türkenkrieg 1736–1739 empfunden.

Dennoch setzten die Russen ihre Offensive weiter fort. Suworow gelang im Dezember 1790 die Eroberung der strategisch wichtigen und als uneinnehmbar geltenden Festung Ismail im Donaudelta, die vom französischen Ingenieur Vauban konstruiert worden war. Im Seekrieg siegte die russische Schwarzmeerflotte in mehreren Gefechten unter anderem in der Seeschlacht von Tendra gegen eine starke osmanische Flotte und gewann die Seeherrschaft im Schwarzen Meer. Im Juni 1791 überschritt die Russische Armee die Donau und schlug die Türken noch mehrfach. Der inzwischen regierende Sultan Selim III. begann daraufhin Friedensbereitschaft zu zeigen. Gegen den Willen von Potjomkin ging Katharina darauf ein. Nach dem Tod Potjomkins stand einem Ende des Krieges nichts mehr im Wege. In Jassy wurde am 9. Januar 1792 der Frieden zwischen beiden Seiten geschlossen. Das osmanische Reich erhielt Moldawien und Bessarabien zurück, musste aber den russischen Besitz der Krim anerkennen. Außerdem erhielt das Zarenreich Gebiete östlich des Dnepr mit der Hafenstadt Otschakow.

Auswirkungen auf das Osmanische Reich[Bearbeiten]

Der Krieg hatte erneut die Unterlegenheit des militärischen und politischen Systems des osmanischen Reiches deutlich gemacht. Sultan Selim III. veranlasste eine umfassende Militärreform. Neue Einheiten wurden nach europäischem Vorbild ausgerüstet und ausgebildet. Diese sogenannte Neue Ordnung kostete Geld, also wurden die Steuern erhöht, außerdem fühlten sich die traditionellen Einheiten etwa der Janitscharen vernachlässigt. Beides führte zu einer schweren Staatskrise in den Jahren 1807 und 1808. Durch die Einrichtung ständiger osmanischer Botschaften nach dem Krieg in London und Wien (1794), Paris (1795) und Berlin (1796) wurde das Reich auch erstmals formal mit dem europäischen Staatensystem verbunden.[1]

Der Abzug der an der russischen und österreichischen Front benötigten türkischen Truppen und Kriegsschiffe aus Ägypten führte dort 1791 zum Sturz des mit den Osmanen verbündeten Mamluken-Emirs Ismail Bey, an seiner Stelle errichteten die Mamluken-Emire Murad Bey und Ibrahim Bey ein von Istanbul de facto unabhängiges Regime.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Hochedlinger: Krise und Wiederherstellung. Österreichische Großmachtpolitik zwischen Türkenkrieg und „Zweiter Diplomatischen Revolution“ 1787–1791 (= Historische Forschungen. Bd. 65). Duncker & Humblot, Berlin 2000, ISBN 3-428-10023-9.
  • Christoph K. Neumann: Das osmanische Reich in seiner Existenzkrise (1768–1826). In: Klaus Kreiser, Christoph K. Neumann: Kleine Geschichte der Türkei (= Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. Bd. 529). Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2005, ISBN 3-89331-654-X, S. 283–313.
  • Claudia Reichl-Ham: Der Türkenkrieg Josephs II. und seine museale Aufarbeitung, in: Viribus Unitis. Jahresbericht 2004 des Heeresgeschichtlichen Museums, Wien 2005, S. 51-80.
  • Werner Scheck: Geschichte Russlands. Von der Frühgeschichte bis zur Sowjetunion (= Heyne-Geschichte 7). Heyne, München 1977, ISBN 3-453-48035-X, S. 259–264.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Christoph K. Neumann: Das osmanische Reich in seiner Existenzkrise (1768–1826). In: Klaus Kreiser, Christoph K. Neumann: Kleine Geschichte der Türkei (= Bundeszentrale für Politische Bildung. Schriftenreihe. Bd. 529). Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2005, ISBN 3-89331-654-X, S. 285–295.