Abwurftank

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Abwurftank

Abwurftanks werden zumeist in der militärischen Luftfahrt verwendet, um die Reichweite von Flugzeugen zu erhöhen.

Die meist zylindrischen, annähernd wie Bomben geformten Tanks werden im Allgemeinen an Außenlastträgern unter dem Rumpf, den Tragflächen oder an Tragflächenspitzen angebracht und können im Flug abgeworfen werden. Es gibt auch Luftfahrzeugmuster, die eigens an die Flugzeugform angepasste Zusatztanks (Conformal fuel tanks) benutzen (z. B. die F-15C), die jedoch nicht abwerfbar sind. Abwurftanks wurden in den 1930er Jahren bei Jagdflugzeugen wie der Messerschmitt Bf 109[1] eingeführt, um die Reichweite der kleinen Maschinen zu erhöhen. Dies diente unter anderem dazu, Bombenflugzeuge zum Ziel und zurück geleiten zu können.[2] Die von Focke-Wulf gebauten Jagdbomber der Baureihe G hatten mit zwei Abwurftanks bei Flug mit Sparleistung eine Reichweite von etwa 1500 Kilometer.[3]

Abwurftanks können nicht an jeder Außenlaststation und nicht in beliebiger Konfiguration angebaut werden, da zum einen Anschlüsse an das interne Kraftstoffsystem erforderlich sind, und zum anderen die Lage des Schwerpunktes bei jedem Befüllungsgrad innerhalb der zulässigen Grenzen verbleiben muss.

Die Kraftstoffzuführung des Flugzeugs wird so geschaltet, dass zuerst der Treibstoff aus den Abwurftanks in die internen Kraftstofftanks umgefüllt wird. Wie jede Außenlast beeinflussen Außentanks durch ihren Luftwiderstand die Geschwindigkeit und durch ihr Gewicht und begrenzte strukturelle Festigkeit die Wendigkeit eines Flugzeuges. Des Weiteren erhöhen sie den Radarquerschnitt. Daher können sie bei Bedarf (beispielsweise Luftkampf, Notfall usw.) gelöst werden. Dazu werden sie zumeist mittels Sprengbolzen abgetrennt.

Eine Faustregel besagt, dass nur etwa die Hälfte des Inhalts eines Abwurftanks zur Erhöhung der Reichweite zur Verfügung steht. Der restliche Treibstoff wird zur Überwindung des höheren Luftwiderstands des Flugzeugs mit Abwurftank verbraucht.

Ein Abwurftank dient sogar einem neu konstruierten Flugzeug als Rumpf. Die Speedbird MAL104 ist 2013 bei der Airpower in Zeltweg vorgestellt worden.[4] Der Künstler Axel Bleyer hat einen Abwurftank aus dem Luftfahrtmuseum Hannover für eine Installation benutzt.[5] Während des Zweiten Weltkrieges sollen Odenwälder Bauern aufgefundene Abwurftanks zu Güllebehältern umgebaut haben.[6]

Abwurftanks können auch zum Einsatz von chemischen Waffen verwendet werden.[7]

Fundorte[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs sind in einigen bayerischen Seen Abwurftanks versunken. In der Nachkriegszeit wurden dadurch Bergungsfirmen und ehemalige Marinetaucher angelockt. Zu dieser Zeit war der Bedarf an Altmetall hoch.[8] Auch im nordöstlich von Berlin gelegenen Straussee wurden Abwurftanks gefunden, die von russischen Jagdflugzeugen stammen.[9]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Messcherschmitt Bf 109 beim Jagdgeschwader 27
  2. Herbert Ringlstetter: Militärflugzeuge: Typenatlas Jagdflugzeuge. 1939–1942. 1. Auflage. Geramond Verlag, München 2014, ISBN 978-3-95613-407-4.
  3. F und G Serie. In: focke-wulf190.com. Abgerufen am 18. August 2015.
  4. Für sein Hobby legte er sich mit der CIA an. In: Kleine Zeitung. Abgerufen am 18. August 2015.
  5. Badische Zeitung: Offenburg: Das irrwitzige Blau überm Concorde-Flügel – badische-zeitung.de. Abgerufen am 18. August 2015.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWeitere Abstürze in der näheren Umgebung des Überwaldes. In: Morr-Siedelsbrunn.de. Abgerufen am 18. August 2015.
  7.  Unter der Obhut des Diktators. In: Der Spiegel. 32, 1990-08-06 (online, abgerufen am 18. August 2015).
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLino von Gartzen: Die P-47 Thunderbold im Starnberger See. In: Flugzeug Classic. 2009, abgerufen am 18. August 2015.
  9. Easydive24.de | Die Zusatztanks im Straussee. In: easydive24.de. Abgerufen am 18. August 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abwurftanks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]