Zeltweg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeltweg
Wappen Österreichkarte
Wappen von Zeltweg
Zeltweg (Österreich)
Zeltweg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Murtal
Kfz-Kennzeichen: MT (ab 1.7.2012; alt: JU)
Fläche: 8,7 km²
Koordinaten: 47° 11′ N, 14° 45′ OKoordinaten: 47° 11′ 26″ N, 14° 45′ 4″ O
Höhe: 659 m ü. A.
Einwohner: 7.307 (1. Jän. 2017)
Postleitzahl: 8740
Vorwahl: 03577
Gemeindekennziffer: 6 20 38
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 8
8740 Zeltweg
Website: www.zeltweg.at
Politik
Bürgermeister: Hermann Dullnig (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(25 Mitglieder)
11
6
5
2
1
11 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Zeltweg im Bezirk Murtal
Fohnsdorf Gaal Lobmingtal Hohentauern Judenburg Knittelfeld Kobenz Maria Buch-Feistritz Obdach Pöls-Oberkurzheim Pölstal Pusterwald Sankt Georgen ob Judenburg Sankt Marein-Feistritz Sankt Margarethen bei Knittelfeld Sankt Peter ob Judenburg Seckau Spielberg Unzmarkt-Frauenburg Weißkirchen in Steiermark Zeltweg SteiermarkLage der Gemeinde Zeltweg im Bezirk Murtal (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Rathaus
Rathaus
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Zeltweg ist eine österreichische Stadtgemeinde mit 7307 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im oberen Murtal in der Steiermark im Bezirk Murtal (Gerichtsbezirk Judenburg).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Zeltweg befindet sich im Aichfeld auf 659 m Seehöhe. Der größte Fluss ist die Mur.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende fünf Ortschaften (Einwohner Stand 1. Jänner 2015[1]):

  • Farrach (1155)
  • Neufisching (334)
  • Neuzeltweg (740)
  • Pfaffendorf (509)
  • Zeltweg (4.591)

Die Gemeinde besteht aus zwei Katastralgemeinden(Fläche Stand 2015[2]):

  • Farrach (451,73 ha)
  • Zeltweg (418,63 ha)

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeltweg
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
27
 
1
-9
 
 
27
 
4
-7
 
 
40
 
9
-2
 
 
52
 
13
1
 
 
79
 
19
6
 
 
116
 
22
9
 
 
124
 
24
11
 
 
109
 
24
11
 
 
82
 
20
7
 
 
63
 
14
3
 
 
48
 
7
-3
 
 
33
 
1
-7
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: [1]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Zeltweg
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 0,8 4,2 9,3 13,4 18,6 21,7 23,9 23,6 19,8 14,1 6,5 1,4 Ø 13,2
Min. Temperatur (°C) -9,2 -6,7 -2,4 1,1 5,7 9,1 10,9 10,7 7,1 2,5 -2,8 -7,0 Ø 1,6
Niederschlag (mm) 26,5 26,9 39,5 51,6 78,8 116,2 124,4 109,1 82,0 63,4 48,0 33,1 Σ 799,5
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
0,8
-9,2
4,2
-6,7
9,3
-2,4
13,4
1,1
18,6
5,7
21,7
9,1
23,9
10,9
23,6
10,7
19,8
7,1
14,1
2,5
6,5
-2,8
1,4
-7,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
26,5
26,9
39,5
51,6
78,8
116,2
124,4
109,1
82,0
63,4
48,0
33,1
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 13. Jahrhundert bestanden einige Bauernhöfe im heutigen Zeltweg. Die Ortschaft wurde damals „CELTWICH“ genannt und 1430 zum ersten Mal erwähnt. Im 15. Jahrhundert hatte man jedoch mit Hungersnöten, Missernten und unheilbaren Krankheiten zu kämpfen. Ab 1569 ließ Erzherzog Karl II. die Murflößerei betreiben, die eine sehr bedeutende Rolle in der Geschichte Zeltwegs spielte. In den folgenden Jahrzehnten wurde Zeltweg größer und die Zuwanderung setzte ein.

Im 18. Jahrhundert sank die Einwohnerzahl wegen des Ausbaus der Verkehrswege wieder stark ab. 1848 entschloss sich der aus Schlesien stammende Graf Hugo Henckel von Donnersmarck, in der Umgebung ein Hüttenwerk zu errichten. Diese industrielle Revolution brachte auch für Zeltweg großen Aufschwung. 1868 wurde in Zeltweg der Bahnhof im Zuge der Rudolfsbahn eröffnet. Der Bahnhof wurde 1870 mit der Eröffnung der Fohnsdorfer Bahn zum Eisenbahnknotenpunkt; 1900 kam als weitere Strecke die Lavanttalbahn dazu.

1874 wurden die Katastralgemeinden Zeltweg und Farrach von der Gemeinde Fohnsdorf abgetrennt und zur neu geschaffenen Gemeinde Zeltweg vereinigt. Der erste Bürgermeister war Heinrich Dillinger.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten viele Zwangsarbeiter aus Frankreich, Italien (IMIs), aus der Sowjetunion, Polen und anderen Nationen in den „Hermann Göring Werken“, wie die VAE (VOEST-Alpine Eisenbahntechnik) damals genannt wurde. Als Freizeitgestaltung gingen sie zum Baden an die Mur. Die Italiener wurden gleich schlecht wie die Russen behandelt. In den Jahren 1944 und 1945 wurde Zeltweg mehrmals von britischen und amerikanischen Bombenflugzeugen bombardiert, was wohl auf die kriegswichtige Industrie und auf den Eisenbahnknotenpunkt zurückzuführen war. Zu Kriegsende wurde Zeltweg zuerst von den Russen und dann von den Briten besetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Zeltweg einen Aufschwung im schulischen und im industriellen Bereich.

Mit 1. Jänner 1966 erfolgte die Stadterhebung von Zeltweg. Der regionale Landtagsabgeordnete Josef Schlager hat das Anliegen im Dezember 1965 im Landtag vorgetragen. Das Stadterhebungsfest erfolgte am 18. September 1966 mit Bundespräsident Franz Jonas und Landeshauptmann Josef Krainer senior.[3]

Am 4. November 2015 wurde der ehemalige Bürgermeister Kurt Haller (SPÖ) zu viereinhalb Jahren, ein ehemaliger Stadtamtsdirektor und ein Finanzstadtrat zu jeweils mehrmonatiger Haft – noch nicht rechtskräftig – verurteilt. Insgesamt sollen diese einen Schaden von mehr als 1,5 Mio. Euro verursacht haben, die Vorwürfe lauteten auf Untreue, Betrug und Amtsmissbrauch. [4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AUT Zeltweg COA.png

Die Verleihung des Gemeindewappens erfolgte mit Wirkung vom 1. Mai 1961.
Blasonierung:

„In einem von Grün und Silber gespaltenen Schild ein silbernes, fünfspeichiges Zahnrad im rechten und zwei schwarze Schrägrechtsbalken im linken Felde.“[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 25 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2015 aus Mandataren der folgenden Parteien zusammen:

Bürgermeister
  • 1874–1878 Heinrich Dillinger
  • 1878–1884 Georg Temmel
  • 1884–1901 Karl Jungwirth
  • 1901–1903 Josef Stanek
  • 1903–1919 Josef Schuller
  • 1919–1934 Julius Fasser
  • 1934–1938 Hans Will
  • 1938–1938 Franz Tarmann
  • 1938–1945 Josef Tschernatsch
  • 1945–1947 Josef Snieder
  • 1947–1950 Johann Aichwalder
  • 1950–1959 Ferdinand Samsinger
  • 1959–1971 Josef Linauer
  • 1971–1987 Josef Prommer
  • 1987–1997 Paul Dounik
  • 1998–2008 Kurt Leitner (SPÖ)
  • 2008–2010 Kurt Haller (SPÖ)
  • seit 2010 Hermann Dullnig (SPÖ)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Farrach um 1820, Lith. J.F. Kaiser
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Zeltweg
  • Katholische Pfarrkirche Zeltweg
  • Evangelische Pfarrkirche Zeltweg
  • Schloss Farrach: 1670 bis 1680 wurde das Schloss Farrach durch Carl Friedrich von Teufenbach im Stile eines Italienischen Renaissanceschlosses errichtet. Das Schloss wurde im Inneren mit Stuckarbeiten versehen. Seit 1986 ist das Schloss im Besitz von Anton und Ingrid Hartleb, die das Schloss restauriert und zu einem Veranstaltungszentrum für Kunst und Kultur umfunktioniert haben. Des Weiteren beherbergt das Schloss mit der Schlosstaverne ein 2-Hauben Restaurant.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutendster Wirtschaftszweig ist die Industrie (Maschinenbau, Verpackungsindustrie, Holzindustrie). Außerdem liegt in Zeltweg der größte Militärflugplatz Österreichs (Fliegerhorst Hinterstoisser), welcher 1937 erbaut wurde.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Zeltweg und Umgebung von Norden

Das Zentrum Zeltwegs war durch den LKW-Verkehr stark belastet, denn der Großteil des aus dem Raum Wolfsberg und Obdach kommenden Verkehrs (unter anderem Rundholz, Hackgut und Stückguttransporte) musste durch das Ortsgebiet geleitet werden. Aus diesem Grund wurde am 3. November 2004 eine Umfahrung eröffnet. Sie ist 4,5 km lang, hat 11 Mio. Euro gekostet und entlastet auch Judenburg und Fisching.

Der Bahnhof Zeltweg liegt an der Rudolfsbahn und ist Beginn der Fohnsdorfer Bahn und der Lavanttalbahn.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volksschule
  • Hauptschule (2002 aus den beiden bisherigen Hauptschulen zusammengelegt)
  • Höhere Technische Lehranstalt (HTBLA) für Maschinenbau und Bauwesen

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde bildet gemeinsam mit Lobmingtal, Kobenz, Seckau, Spielberg, St. Marein-Feistritz und Gaal den Tourismusverband „Tourismus am Spielberg“. Dessen Sitz ist in Spielberg.[6]

Formel 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964 war Zeltweg Gastgeber des ersten Großen Preises von Österreich in der Formel 1. Das Rennen fand auf dem Gelände des Militärflugplatzes statt.

Nur zwei Kilometer entfernt, in Spielberg, befindet sich der Red Bull Ring, welcher 1969 als „Österreichring“ eröffnet wurde. Von 1970 bis 1987 und von 1997 bis 2003 wurde der Große Preis von Österreich dort ausgetragen. Bis Juni 2014 war der Österreich-Grand-Prix nicht mehr im Rennkalender der Formel 1.

Anfang 2004 wurde die Strecke an Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz verkauft, der mit einer Investition von rund 700 Millionen Euro ein Motorsport- und Luftfahrtszentrum errichten wollte, dieses Vorhaben scheiterte jedoch an der Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Rennstrecke wurde 2011 wiedereröffnet, ein Wertungslauf der DTM fand 2011 statt.

Am 27. Juli 1969 wurde der neue, für rund 25 Millionen Schilling gebaute, Österreich-Ring, am 21. September 1969 der Salzburg-Ring eröffnet. Das Rennen um die Formel 1 machten die Steirer, sie bekamen ab 1970 für vorerst zehn Jahre einen Formel-1-WM-Lauf. Es sollten 18 Grands Prix und sieben weitere auf dem A1-Ring daraus werden.

AirPower[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle zwei Jahre findet auf dem Fliegerhorst Hinterstoisser die „AirPower“ statt. Diese Flugschau zählt zu den größten ihrer Art in Europa und lockte 2009 über 200.000 Besucher in zwei Tagen an.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deni Alar (* 1990), Fußballspieler
  • Franz Böhme (1885–1947), General der Gebirgstruppe
  • Stefan Haider (* 1972), Theologe und Kabarettist
  • Gisela Laferl, verheiratete Wozniczak (1884–1968), Politikerin, Hotelfachfrau, Gründungsobfrau des 1911 gegründeten „Verbundes der weiblichen und männlichen Hausangestellten Österreichs“ „Einigkeit“.
  • Bernd Jeschek (* 1949), Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Musiker
  • Margit Kraker (* 1960), Präsidentin des Österreichischen Rechnungshofs
  • Carmen Kreuzer (* 1976), Model; zur Ehrenbürgerin ernannt
  • Helga Pohl (1921–1963), österreichische Philologin und Schriftstellerin; lebte hier mit ihrem Mann, dem damaligen Direktor der Alpine Stahl AG, und der gemeinsamen Tochter
  • Mario Schaden (* 1972), Eishockeyspieler und -trainer
  • Friedrich Stadler (* 1951), Wissenschaftshistoriker und Universitätsprofessor

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gernot Fournier: 125 Jahre Eisenbahnsysteme, 1866–1991, Zeltweg 1991.
  • Gernot Fournier: Zeltweg, Zeltweg 1999.
  • Reinhard Möstl: Cosimo Colucci – Ein italienischer Militärinternierter und Zivilarbeiter in den Hermann Göring Werken Zeltweg, Graz 1999.
  • Rainer Puschnig: Zeltweg, Graz 1974.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zeltweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner nach Ortschaften (Excel-Datei, 766 KB); abgerufen am 29. Juli 2015
  2. Katastralgemeinden Stmk. 2015 (Excel-Datei, 128 KB); abgerufen am 29. Juli 2015
  3. Zeltweg und die Stadterhebung, 1966–2016, 50-Jahr-Feier
  4. http://steiermark.orf.at/news/stories/2740462/ Zeltweg-Prozess: 4,5 Jahre für Ex-Bürgermeister, orf.at, 4. November 2015, abgerufen 4. November 2015.
  5. Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 12, 1962, S. 46
  6. Grazer Zeitung, Amtsblatt für die Steiermark. 30. Dezember 2014, 210. Jahrgang, 52. Stück. Nr. 325. ZDB-ID 1291268-2 S. 631.