Acâș

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Acâș
Fürstendorf
Ákos
Acâș führt kein Wappen
Acâș (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Kreischgebiet
Kreis: Satu Mare
Koordinaten: 47° 32′ N, 22° 47′ OKoordinaten: 47° 32′ 21″ N, 22° 47′ 3″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 138 m
Fläche: 63,78 km²
Einwohner: 2.827 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner je km²
Postleitzahl: 447005
Telefonvorwahl: (+40) 02 61
Kfz-Kennzeichen: SM
Struktur und Verwaltung (Stand: 2016)
Gemeindeart: Gemeinde
Gliederung: Acâș, Ganaș, Mihăieni, Unimăt
Bürgermeister: Tibor Balogh (PNL)
Postanschrift: Str. Principală, nr. 129
loc Acâș, jud. Satu Mare, RO–447005
Website:

Acâș oder Acîș [aˈkɨʃ] (veraltet Achiș, Acoșiu; ungarisch Ákos, deutsch Fürstendorf)[2] ist eine Gemeinde im Kreis Satu Mare in Siebenbürgen, im Nordwesten Rumäniens.

Der Ort ist selten unter der deutschen Bezeichnung Akoschen bekannt.[3]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Acâș auf einem Blatt der Josephinischen Landesaufnahme (1769–1773).

Die Gemeinde Acâș liegt am nordöstlichen Rand der Ungarischen Tiefebene, im historischen Stuhlbezirk Tasnád des Szilágy Komitats. Im Süden des Kreises Satu Mare am linken Ufer des Flusses Crasna, an der Europastraße 81 und der Bahnstrecke Carei–Zalău befindet sich der Ort Acâș etwa 17 Kilometer östlich von der Kleinstadt Tășnad; die Kreishauptstadt Satu Mare (Sathmar) liegt ca. 30 Kilometer nördlich.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ethnische Zugehörigkeit der Bevölkerung Siebenbürgens ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Volkszählungen dokumentiert.[4] Die Bevölkerungsanzahl der Gemeinde Acâș ist in den letzten Jahren leicht gesunken. 2002 wurden 2859[5] Einwohner; 2011 2827[6] Einwohner registriert.

Ethnisch zugehörig bezeichneten sich die Bewohner folgendermaßen:

Ethnie 1850 1880 1890 1900 1910 1920 1930 1941 1966 1977 1992 2002 2011
Rumänen 1310 1053 1341 1270 1329 1410 1636 1627 1974 1500 1094 923 758
Ungarn 1473 1563 1769 2148 2153 1739 1649 2279 2171 1562 1277 1413 1222
Roma 42 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 187 75 - 458 599 515 759
Deutsche - - 60 - 19 5 43 - 4 6 11 7 4
Slowaken k. A. 1 1 - - k. A. - - 2 - - 1 -
Juden 175 k. A. k. A. k. A. k. A. 161 91 20 - - - - -

Geschichte des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1855 wurde im Flussbett der Crasna ein bronzezeitlicher Goldarmring mit Spiralenden gefunden, der sich heute im Naturhistorischen Museum in Wien befindet.[7] Südlich des Dorfes – bei den Einheimischen Moară genannt – wurden im Jahr 2000, bei wasserbaulichen Maßnahmen entlang der Crasna, zahlreiche archäologische Funde unterschiedlicher Datierung entdeckt. Diese sind vor allem Siedlungsgruben der Mittelbronzezeit (Otomani- und Wietenberg-Kultur) und der Spätbronzezeit (erste Phase der Pișcolt-Cehăluț-Hajdúbagos-Kultur) und ein Haus mit einem liegenden Ofen aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. Zahlreiche archäologische Komplexe aus dem 11. bis 13. Jahrhundert gehören zur Vorläufersiedlung von Acâș, die vermutlich während des Mongolensturms 1241 zerstört wurde.[8]

Die weitere mittelalterliche Geschichte des Orts ist eng mit dem Kloster verbunden. 1421 wird der Ort erstmals in einer Urkunde als Stadt (oppidum) in den Familien des ungarischen Niederadels, wie die Oroszi und vor allem Ákos, Besitz hatten. Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechts Ákos fällt ihr Besitz in die Hände mehrerer Adeliger. Vom 15.–17. Jahrhundert entwickelt sich Acâș zu einem bedeutenden Ort, der aber im 18. Jahrhundert wieder an Bedeutung verlor. Gemäß dem Friedensvertrags von Trianon 1920 fiel Partium und damit auch Acâș an Rumänien.[9]

Kloster Ákos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte des Klosters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die romanische Klosterkirche von Ákos, heute Kirche der reformierten Gemeinde

Obwohl das Benediktinerkloster erst 1342 zum ersten Mal als Akusmonostura in Zonuc erwähnt wurde, wurde es ausweislich der erhaltenen Architektur und archäologischer Funde bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründet. Als Hauskloster ist es eng mit der nahe Acâș ansässigen gens Ákos verbunden. 1421 wird es als Kloster der Jungfrau Maria bezeichnet. Insgesamt ist die urkundliche Überlieferung des Klosters gering.

1642 wurde das Dorf calvinistisch, der erste reformierte Prediger ist für das Jahr 1597 bekannt.

1834 wurde die Kirche durch ein Erdbeben und 1862 durch eine dreitägige Feuersbrunst schwer zerstört. Dringend notwendige Restaurierungsarbeiten wurden zwischen 1896 und 1902 von dem ungarischen Architekten und Denkmalpfleger Frigyes Schulek durchgeführt.[10]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinfachter Kirchengrundriß mit Grabungsschnitten und -befunde, umgezeichnet nach P. L. Szőcs

Die Klosterkirche[11] ist der einzige erhaltene Bau und gilt heute noch als eines der am besten erhaltenen romanischen Bauten des mittelalterlichen Ungarn. Es ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit einer Apsis im Osten. Der Raum über der Apsis ist zum Kirchenschiff geöffnet. Die Basilika hat zwei mächtige Türme im Westen, die im Untergeschoss durch Arkaden zum Kirchenraum geöffnet sind. Der gesamte Kirchenbau wurde in einer einzigen Bauphase errichtet, wie das homogene Mauerwerk aus flachen Backsteinen ohne Baufugen beweist; einzig die von Schulek getätigten Reparaturen, vor allem unterhalb der Dachtraufe, sind durch die verwendeten maschinell hergestellten Ziegel deutlich zu erkennen.

Die Kirche wurde fast vollständig aus flachen Backsteinen gebaut. Nur einige architektonische Details wie Kämpfer, Fenstersäulen im Turm oder Gewände der Portale und Nischen bestehen aus Haustein. Dies kann auf oberitalienischen Einfluss zurückzuführen sein, z. B. Chiaravalle, Morimondo u. v. a. Der Innenraum ist heute verputzt und weiß gestrichen, die ursprünglichen Fassungen sind auch in den für restauratorische Voruntersuchungen angelegten Sondagen nicht zu erkennen.

1998–2005 führte Péter Levente Szôcs archäologische Ausgrabungen mit dem Ziel die Form der Klausurgebäude zu bestimmen. Dabei wurde eine zur Ostklausur gehörende kleine Kapelle mit Apside freigelegt die schon von Bauzeichnungen des späten 19. Jahrhunderts bekannt war. Diese Kapelle ist mit der Klosterkirche gleichzeitig und wurde bereits im 16. Jahrhundert zerstört. Ferner wurden etwa 70 Gräber, sowohl aus dem 12. bis 16. als auch aus dem 18. und 19. Jahrhundert untersucht.[12]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind keine mittelalterlichen Ausstattungsstücke der Kirche erhalten. Die Kirchenbänke aus dem 18. Jahrhundert sind mit floralen Motiven geschmückt. Schmiedeeiserne Leuchter aus dem 19. Jh. sind im Kirchenschiff aufgehängt. Die kleine Orgel wurde im frühen 20. Jahrhundert beschafft. Die beiden Glocken der Kirche stammen aus den Jahren 1742 und 1924.

Galerie[13][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenansichten

Mauerwerk. Das ursprüngliche Mauerwerk ist von dem ergänzten (zum überwiegenden Teil der Restaurierungsarbeiten von Frigyes Schulek um 1900) anhand des Ziegelformates und der Patinierung zu unterscheiden.

Innenansichten und Ausstattung

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orthodoxe Kirche, errichtet 1870.
  • Das Holocaust-Mahnmal als Erinnerung an die 1944 deportierten Juden aus Acâș.
  • Wohnbauten im österreichisch-ungarischen Stil.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tibor Kollár (Hrsg.): Középkori egyházi építészet Szatmárban. Középkori templomok útja Szabolcs-Szatmár-Bereg és Szatmár megyékben. Nyíregyháza 2011. ISBN 9789630812795

  • Péter Levente Szőcs: Az ákosi református templom régészeti kutatása. S. 61–65[14]
  • Tamás Emődi: A középkori ákosi templom és Schulek-féle helyreállítása. S. 66–85[14]
  • Béla Zsolt Szakács: Ákos, református templom Mûvészettörténeti elemzés. S. 86–91[14]

Dieser Band ist auch auf Rumänisch erschienen: Tibor Kollár (Hrsg.): Arhitectura religioasă medievală din Satu Mare. Circuitul bisericilor medievale din județele Szabolcs-Szatma´r-Bereg şi Satu Mare. Nyíregyháza 2011.

Péter Levente Szőcs: The Abbey Church of Ákos: An Architectural and Functional Analysis of a 'Kindred Monastery' Church. Annual of Medieval Studies at CEU 9, 2003, 155–180.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Acâș – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien bei citypopulation.de
  2. Wörterbuch der Ortschaften in Siebenbürgen
  3. Karl Gottlieb von Windisch: Geographie des Großfürstenthums Siebenbürgen, Preßburg 1790.
  4. Varga E. Árpád, Erdély etnikai és felekezeti statisztikája (1850-1992). aufgerufen am 30. August 2014 (ungarisch)
  5. Volkszählung 2002 bei edrc.ro aufgerufen am 12. Dezember 2015
  6. Volkszählung 2011: Bevölkerung nach ethnischer Zugehörigkeit aufgerufen am 30. August 2014 (MS Excel; 1,3 MB)
  7. Institute Of Archaeology − Acâș bei cimec.ro, abgerufen am 3. September 2014 (rumänisch)
  8. Acâș bei cronica.cimec.ro aufgerufen am 31. August 2014 (rumänisch)
  9. Seite zur Geschichte von Acâș bei www.zothmar.ro (Memento vom 5. September 2014 im Internet Archive) aufgerufen am 31. August 2014 (rumänisch)
  10. Angaben zur Kirche bei dgaspcsm.ro (Memento vom 4. September 2014 im Internet Archive) abgerufen am 3. September 2014 (rumänisch)
  11. Bild der Kirche bei Panoramio
  12. Acâș bei Repertoriul Arheologic Național (RAN): No.136722.01 im rumänischen Denkmalinventar mit weiterführenden Links zu den Vorberichten der Grabungen.
  13. Weitere Bilder (Pläne, Schnitte sowie historische und aktuelle Aufnahmen) auf den Seiten Ákos 1 und Ákos 2 zur arpadenzeitlichen Kunst Árpád-kori művészet -- Digitalizált képgyűjtemény des PPKE BTK Művészettörténeti Tanszék (Institut für Kunstgeschichte der Katholischen Péter Pázmány Universität, Budapest). - Aufgerufen am 3. September 2014 (ungarisch).
  14. a b c Digitalisat online bei temple-tour.eu