Adler (Biologie)

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Raubadler (Aquila rapax)

Der Begriff Adler ist im weiteren Sinn eine nicht genau definierte Sammelbezeichnung für große und kräftige Arten der Greifvogelfamilie Habichtartige, wie Seeadler und Fischadler.

Mit einer Spannweite bis zu 3,00 Meter gilt der um 1400 n. Chr. ausgestorbene Haastadler (Harpagornis moorei) als größter bekannter Adler, dessen Lebensraum sich auf Neuseeland befand.

Im engeren Sinn steht die Bezeichnung Adler für die Gattung Aquila mit den ihr zugehörigen Arten.

Der größte lebende Vertreter ist der Steinadler (Aquila chrysaetos) mit einer Größe von 0,75 bis 1,00 Meter, einer Spannweite bis zu 2,30 Meter und einem Verbreitungsgebiet, das Eurasien, Nordafrika und Nordamerika umfasst. In Deutschland ist er nur in den Alpen zu finden.

Systematik[Bearbeiten]

Klasse: Vögel (Aves); Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes); Familie: Habichtartige (Accipitridae); Unterfamilie: Aquilinae; Gattung: Echte Adler (Aquila);

Art (Beispiele): Kaiseradler (Aquila heliaca) mit bis zu 2,15 Meter Spannweite, verbreitet im Mittelmeerraum und Asien; Schreiadler (Aquila pomerina) mit bis zu 1,70 Meter Spannweite, verbreitet in Indien, Türkei, Osteuropa, Deutschland; Schelladler (Aquila clanga) mit bis zu 1,85 Meter Spannweite, verbreitet in wasserreichen Gebieten;

Jagd und Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die außerordentliche Sehschärfe ihrer Augen gestattet es allen Adlern ihre Beute auch aus großer Höhe selbst zu erspähen und zu erjagen. Ihre Hauptbeute sind bodenlebende Wirbeltiere, in erster Linie Säuger. Nur selten ernähren sie sich von Aas. Adler sind sehr gut daran angepasst, zum Fliegen Aufwinde zu nutzen. Der Adler packt die Beute beim Niederstoßen aus dem Flug mit den Fängen. Dabei weisen drei seiner Zehen nach vorne, die Hinterkralle durchsticht den Beutekörper in einer Zangenbewegung. Durch den Griff wird die Beute erstickt.

In das aus Zweigen gebaute Nest (Adlerhorst) legt das Weibchen im Regelfall zwei bis drei Eier. Häufig wird jedoch nur eines der Jungen aufgezogen. Alle Adlerarten sind geschützt, ihr Bestand ist durch menschlichen Einfluss gefährdet.

Kunst und Symbolik[Bearbeiten]

Die Kunst des Alten Orients verwendet den Adler in vielfachen Abwandlungen als Symboltier. Bereits 3000 v. Chr. findet sich das Mischwesen Löwenadler in mesopotamischen Darstellungen, Doppeladler sind aus dem Babylonien des 23. Jahrhundert v. Chr. bekannt. Die Antike kennt unzählige Abbildungen des Adlers auf Vasen, Gegenständen des täglichen Gebrauchs, Münzen und Schmuckstücken sowie in der Architektur auf Reliefs, Akroterien und Giebeln.

Seit dem 5. Jahrhundert nach Christus fertigten die Goten große Adlerfibeln und Schnallen mit Adlerköpfen. Aus der romanischen Periode des Mittelalters sind mit Adlern verzierte figürliche Darstellungen von Kapitellen bekannt. Ebenfalls hervorzuheben sind die Adlerpulte christlicher Altarräume. In der Malerei erscheint der Adler häufig als Symbol für den Evangelisten Johannes.

In den Überlieferungen, dem Mythos und dem Volksglauben der frühen Hochkulturen (Ägypten, Mesopotamien) sowie der Völker des Altertums gilt der Adler allgemein als Symbol der Herrschaft und des Göttlichen.[1] Verstärkt wurde die Symbolik durch die Darstellung von Mischwesen wie dem Greif oder den Harpyien, welche die Kraft, Stärke oder auch Gesinnung durch unterschiedliche Tierkörperteile hervorhoben. Im altindischen Rigveda überbringt der Garuda als schlangentötender Bote die Nachrichten der Göttern, insbesondere von Vishnu. Der Sage nach wurde der sumerische König Gilgamesch von einem Adler gerettet. Für die antiken Griechen war der Adler das Symbol des obersten olympischen Gottes Zeus, im alten Rom war er das Zeichen der obersten römischen Gottheit Jupiter sowie der kaiserlichen Macht und in der Apotheose Zeichen der Göttlichkeit des Kaisers. Bei vielen nordamerikanischen Indianerstämmen waren Adlerfedern, meist als Kopfschmuck, ein Zeichen der Tapferkeit.

Wappen[Bearbeiten]

Der Adler ist in der Heraldik, neben dem Löwen, das am weitesten verbreitete Wappenbild. Er fand sich bereits auf Zeichen des Staates und von Städten Babylons, auch in gemeinsamen Darstellungen mit einem Löwenkopf oder als Doppeladler. Auf Heereszeichen aus dem Perserreich, später auch Ägypten, ist der Adler zu finden. Für den römischen Staat wurde der Adler Reichssymbol und auf Feldzeichen der römischen Legionen sowie auf Helmen und Münzen verwendet. Mit der Kaiserkrönung Karls des Großen kam der römische Adler als Symbol der kaiserlichen Macht, dargestellt auf Zepter und Prachtbauten, nach Deutschland und wurde als Reichsadler Wappentier in Deutschland. In Frankreich fand sich der Adler als Hauptzeichen des napoleonischen Kaisertums. Viele moderne Staatswappen führen heute den einköpfigen Adler in ihrem Staatswappen (z.B. Deutschland, Mexiko, Österreich, Polen, U.S.A.). Detaillierte Ausführungen sind unter Adler (Wappentier) zu finden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Mebs, Daniel Schmidt: Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-09585-1.
  • Kerstin Vierin, Dr. Roland Knauer: Greifvögel & Eulen: Arten, Lebensräume, Verhalten. Komet Verlag GmbH, Köln 2011, ISBN 3-869-41081-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.symbolonline.de/index.php?title=Adler