Adolf Messer

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Adolf Messer (* 6. April 1878 in Hofheim am Taunus; † 13. Mai 1954 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Konstrukteur und Industrieller und Gründer der Firma, die Autogen-Schweiß- und Schneidtechnik und Industriegase produziert. Die Adolf Messer GmbH ist seit 1965 mit der Knapsack Griesheim AG zur Messer Griesheim GmbH fusioniert.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolf Messer war Sohn des Metzgermeisters und Viehhändlers Johann Matthias Messer (1853–1921) und dessen Ehefrau Margarethe. Messers Eltern besaßen in Höchst am Main eine Metzgerei und Gastwirtschaft. Ab März 1892 machte er eine Lehre in einer Gasmotorenfabrik. Nach dem Besuch des Technikums in Neustadt i. Meckl. studierte er ab 1898 Maschinenbau an der TH Darmstadt. Er beschäftigte sich mit der damals modernen Acetylenbeleuchtung und baute eine Acetylenanlage für den väterlichen Betrieb und für die angeschlossene Gastwirtschaft. Diese Anlage fand das Interesse von Besuchern und brachte Messer Aufträge für solche Anlagen ein. Mit 20 Jahren gründete er die Firma Adolf Messer GmbH in Höchst am Main. Bis 1905 lieferte das Unternehmen 2200 Anlagen zur Entwicklung von Acetylen für Beleuchtung sowie zum Kochen, Heizen, Erwärmen und Löten. Er verlegte sein Unternehmen nach Frankfurt/Main und vergrößerte es hier mehrmals. Ab 1906 konzentrierte er sich auf die Autogen-Schweiß- und Schneidtechnik, da für die anderen Anwendungen die Konkurrenz durch Elektrizität immer stärker wurde. 1908 baute Messer eine Luftzerlegungsanlage und produzierte Industriegase. 1912 beschäftigte er 15 Angestellte und 50 Arbeiter und verkaufte ab diesem Zeitpunkt auch auf dem amerikanischen Markt. Im Ersten Weltkrieg entwickelte er im Auftrag der Reichsregierung Anlagen zur Herstellung von flüssigem Sauerstoff, der auch als Sprengmittel verwendet wurde, da Chilesalpeter und Glycerin nicht mehr eingeführt werden konnten.

Während der NS-Zeit profitierte das von Messer geführte Unternehmen erheblich von der Rüstungsproduktion des Regimes, beschäftigte Zwangsarbeiter und war Zulieferer für die V2-Produktion und die Wehrmacht.[1] Im Entnazifizierungsverfahren wurde Messer, der seit 1933 Mitglied der NSDAP war, 1948 als Mitläufer eingestuft. Gegen Messer wurde eine einmalige Geldzahlung als Sühnemaßnahme verhängt. Person und Unternehmen wurden Gegenstand mehrerer Gutachten sowohl der Historikergruppe Andreas Fahrmeir, Jörg Lesczenski und Werner Plumpe[2] als auch der Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main,[1] die zu unterschiedlichen Sichtweisen auf Adolf Messer kommen. Grund für die Erstellung der Gutachten war die Benennung eines studentischen Arbeitsraumes am Universitätscampus Riedberg als Adolf Messer Stiftung-Lounge.

1949 hatte das Unternehmen wieder über tausend Arbeiter. Der Sohn Hans Messer trat 1952 in die Geschäftsführung des Unternehmens ein.

Adolf Messer war seit 1899 Mitglied und seit 1915 Vorstandsmitglied des Deutschen Azetylen-Vereins (DAV), Vorstandsmitglied des von ihm 1919 mitbegründeten Verbandes der Autogenen Metallbearbeitung und Gründungsmitglied (1925) des Fachausschusses Schweißtechnik im Verein Deutscher Ingenieure (VDI).[3]

Adolf Messer war in erster Ehe mit Margarethe Messer geb. Merten (1877–1956) verheiratet. Das Paar hatte zusammen acht Kinder, von denen fünf sehr früh starben. 1924 heiratete er in zweiter Ehe Thea Bicker (1900–1996). Mit ihr hatte er drei Kinder: Elisabeth (geb.1921), Hans (1925–1997) und Rosemarie (1933–1963).[4] Adolf Messer starb am 13. Mai 1954 und wurde in Königstein im Taunus begraben.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 100. Geburtstag Adolf Messers gründete die Familie Messer 1978 die Adolf Messer Stiftung. Die Stiftung verleiht jährlich zwei wissenschaftliche Förderpreise an der TU Darmstadt und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.[5] An der Goethe-Universität unterstütze die Stiftung 2014 die Einrichtung eines studentischen Arbeitsraumes auf dem Campus Riedberg mit 100.000 €.

2015 fasste das damalige Präsidium der Goethe-Universität den Beschluss zur Benennung dieses Raumes nach der Stiftung als Alfred Messer Stiftung-Lounge. Dieser Beschluss führte 2018 zu heftigen Diskussionen und zur Forderung nach Umbenennung des Raumes; Hintergrund dafür sind zwischenzeitlich erhobene Vorwürfe gegen Messer, zu denen der Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer äußerte: „Es steht inzwischen zweifelsfrei fest, dass er für die Rüstungsindustrie gearbeitet und Zwangsarbeiter beschäftigt hat. Davon sind einige übrigens, weil sie sich vom Arbeitsplatz entfernt hatten, von der Gestapo festgenommen und hingerichtet worden – hier in Preungesheim. Der Mann hat sich also auf das NS-System eingelassen. Und für eine Universität ist es untragbar, so einen Mann zu ehren.“[6] Der Senat der Goethe-Universität schloss sich am 21. März 2018 einer Empfehlung einer Senatskommission für eine Umbenennung des Raumes an. Im Juli 2018 entschied sich das Präsidium der Goethe-Universität für die Namensgebung: Adolf Messer Stiftung-Lounge – Diskursraum – Wissenschaft in Geschichte und Gesellschaft. Im Eingang der Lounge wird dieser Name erläutert mit einer Würdigung des Engagements der Stiftung, aber auch mit der historisch-kritischen Einordnung der Person Adolf Messers und dem Zusammenhang von Wissenschaft und Gesellschaft.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katja Link: Erinnerungen an Adolf Messer. Ammelburg, Frankfurt am Main 1954
  • F. Lerner (Hrsg.): Das tätige Frankfurt. 1955, S. 386 ff.
  • Franz Lerner: Messer, Adolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 214–216 (Digitalisat).
  • Jörg Lesczenski: 100 Prozent Messer. Die Rückkehr des Familienunternehmens 1898 bis heute. München / Zürich 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zur Geschichte der Messer-Werke im NS aus den Akten des Hessischen Staatsarchives. (PDF) Akten zur Person Adolf Messer, zu ZwangsarbeiterInnenlagern in den Messer-Werken und zum Zwangsarbeiter Raymond Charles Petitjean. Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, 8. März 2018, abgerufen am 30. November 2018.
  2. Sascha Zoske: Überzeugter Nazi oder Alltagsopportunist? In: FAZ.net. 9. Juni 2018, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  3. a b Franz Lerner: Messer, Adolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 214–216 (Digitalisat).
  4. adolf-messer-stiftung.de (Memento des Originals vom 11. August 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.adolf-messer-stiftung.de, Porträt
  5. adolf-messer-stiftung.de (Memento des Originals vom 6. Mai 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.adolf-messer-stiftung.de
  6. Frankfurt: „Es ist für die Uni untragbar, so einen Mann zu ehren“. In: Frankfurter Rundschau. 30. November 2018, abgerufen am 30. November 2018.
  7. Information des Präsidiums zur Benennung der Adolf Messer Stiftung-Lounge auf dem Campus Riedberg, auf den Webseiten der Universität, Stand 20. August 2018