Adriaen Brouwer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Porträt in Halbfigur von Adriaen Brouwer. Zeichnung von Anthonis van Dyck, 20,3 × 15,2 cm, Boughton House, England

Adriaen Brouwer (* 1605 oder 1606 wahrscheinlich in Oudenaarde, Flandern; † vor 1. Februar 1638 in Antwerpen) war ein flämischer Maler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt noch eine Reihe ungelöster Fragen zum frühen Leben und Karriere von Adriaen Brouwer. Der holländische Biograph Arnold Houbraken hat in seinem Buch De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen (3 Bände, Amsterdam 1718–1719) zahlreiche irrtümliche Aussagen und phantasievolle Geschichten über Brouwer aufgenommen. Die eklatantesten Fehler Houbrakens waren, Brouwers Geburtsort als Haarlem in der niederländischen Republik und Frans Hals als seinen Meister zu identifizieren.

Es ist heute allgemein anerkannt, dass Brouwer in Oudenaarde in Flandern im Jahr 1605 oder 1606 geboren wurde. Sein Vater, der auch Adriaen genannt wurde, arbeitete als Tapisserie-Designer in Oudenaarde, damals ein wichtiges Zentrum der Tapisserieproduktion in Flandern. Der Vater starb in Armut, als Adriaen der Jüngere erst 15–16 Jahre alt war. Brouwer hatte zu diesem Zeitpunkt bereits das väterliche Heim verlassen.

Die Raucher, um 1636, Metropolitan Museum of Art, New York

Brouwer arbeitete in Antwerpen in 1622. Im März 1625 wurde Adriaen Brouwer in Amsterdam beurkundet, wo er im Gasthaus des Malers Barend van Someren wohnte, eines anderen flämischen Künstlers, der sich in der Niederländischen Republik niedergelassen hatte. Brouwer wird ferner am 23. Juli 1626 als Notarzeuge aufgenommen, als er eine Erklärung von Barend van Someren und Adriaen van Nieulandt über einen Verkauf von Bildern in Amsterdam unterzeichnete. Es ist möglich, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits in Haarlem wohnte und in der Rhetorikkammer 'De Wijngaertranken' in Haarlem tätig war.

Brouwer hielt sich ab 1631 wieder auf in seine Heimat Flandern, wo er in diesem Jahr als Meister in die Lukasgilde aufgenommen wurde, noch bevor er Bürger von Antwerpen wurde. Von 1634 bis zu seinem Tode im Januar 1638 durch die Pest lebte er bei dem Kupferstecher Paulus Pontius in Antwerpen. Der Name des Künstlers taucht regelmäßig in den Antwerpener Aufzeichnungen auf, meist im Zusammenhang mit der Regelung seiner verschiedenen Schulden. Bei Lebzeiten scheinen seine Genrebilder nicht sehr hoch im Preis gestanden zu haben, da er so in Not geriet, dass ihm 1632 sein armseliger Hausrat von seinen Gläubigern abgenommen wurde. Vielleicht hat auch sein Lebensstil zu seinem Vermögensverfall beigetragen. 1633 befand er sich, vermutlich wegen eines politischen Vergehens, in Haft.

Er hat nicht nur auf seinen Schüler Joos van Craesbeeck, sondern auch auf David Rijckaert, Teniers den Jüngeren und die Holländer Adriaen van Ostade, Cornelis und Herman Saftleven einen bedeutenden Einfluss geübt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er malte ausschließlich Szenen aus dem Bauern- und Wirtshausleben, Bauerntänze, Kartenspieler, Raucher, Trinker und Schlägereien, welche sich durch eine große Lebendigkeit der Charakteristik und durch eine sprühende Genialität der Auffassung auszeichnen.

Unter dem Einfluss von Rubens, der seine Gemälde hochschätzte und eine Anzahl derselben für seine Kunstsammlung erwarb, bildete er sein Kolorit zu großer Leuchtkraft und Durchsichtigkeit bzw. Transparenz aus. Der Stil seiner Werke lässt auf einen Einfluss von Frans Hals schließen, jedoch liegen die Ursprünge in den Bauernbildern Pieter Bruegels d. Ä. Um 1620 war dieses Genre der holländischen Malerei weitgehend fremd, sofern es nicht durch flämische Künstler gepflegt wurde, die nach Holland kamen. Eines von Brouwers Werken dieser Zeit ist das "Bauernfest" (Zürich, Kunsthaus). Die Farben sind in gebrochenem Komplementärkontrast meist gegenstandsgebunden eingesetzt. Das Licht lässt die Farben gesättigt erscheinen, es werden dadurch meist ein oder zwei Figuren im Vordergrund akzentuiert. Durch die klaren Umrisse der Figuren wird die Komposition im Gleichgewicht gehalten. Brouwers Werk hebt sich damit deutlich von dem seiner Zeitgenossen ab. Die Konzentration auf kleinere Figurengruppen ist im Wesentlichen frei von manieristischen Kompositionsschemata. Brouwer arbeitete während seines Hollandaufenthaltes diese Darstellungsart weiter aus, wie es in dem Bild "Moerdijk-Bauern" (New York, Markus-Collection, Scarsdale), an den Figuren zu sehen ist.

Die Farbgebung wird differenzierter zugunsten einiger Leittöne. Ein gemeinsamer ockerfarbener Grundton taucht die Figuren in gedämpftes Licht. In einem seiner Werke, "Gastwirt" (München, Alte Pinakothek), wird der Eindruck erzeugt, als leuchteten die Hauptfarben aus sich selbst. Durch die vermittelten Farbqualitäten wird das Charakteristikum jeder Hell-Dunkelmalerei unterstützt. Flüchtige Malweise, lockerer Farbauftrag sind nach Brouwers Haarlemer Aufenthalt die technischen Gestaltungsmittel. Rubens und Rembrandt sammelten Brouwers Bilder. Erneut große Beachtung fand sein Werk mit dem Aufkommen des Impressionismus.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bittere Trank von Adriaen Brouwer, 47,4 × 35,5 cm, Öl auf Eichenholz, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main
Dünenlandschaft im Mondschein, 1635–1637, Gemäldegalerie, Berlin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Schmidt: Das Leben des Malers Adrian Brouwer. Leipzig 1873 (Digitalisat).
  • Wilhelm Schmidt: Brouwer, Adriaen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 366–368.
  • F. Schmidt-Degener. Adriaen Brouwer et son évolution artistique. Brüssel, 1908.
  • Wilhelm von Bode: Adriaen Brouwer. Berlin, 1924.
  • Erich Höhne. Adriaen Brouwer. Leipzig: VEB E. A. Seemann, 1960.
  • Gerhard Knuttel: Adriaen Brouwer: the master and his work. The Hague: Boucher,  1962
  • Ingrid Wenzkat: Adriaen Brouwer. Verlag der Kunst, Dresden 1979
  • Margret Klinge: Adriaen Brouwer, David Teniers the younger. Ausstellungskatalog, London, New York, Maastricht: Noortman & Brod, 1982.
  • Konrad Renger: Adriaen Brouwer und das niederländische Bauerngenre 1600–1660. Ausstellungskatalog, Alte Pinakothek, München: Hirmer, 1986, ISBN 3-7774-4260-7.
  • Konrad Renger. "Brouwer, Adriaen." Grove Art Online. Oxford Art Online. Oxford University Press. Web. Konrad Renger, Craesbeeck [Craesbeke], Joos van, Grove Art Online. Oxford University Press. Web. 10 November 2020.
  • Karolien de Clippel: Adriaen Brouwer, Portrait Painter: New Identifications and an Iconographic Novelty in: Simiolus. Netherlands Quarterly for the History of Art, Hrsg. Stichting voor Nederlandse Kunsthistorische Publicaties, Jg. 30 (2003), Nr. 3/4, S. 196–216. JSTOR 3780916

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Adriaen Brouwer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien