Adrian Hollaender

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Adrian Hollaender (2014)

Adrian Eugen Hollaender (* 1971) ist ein österreichischer Autor und Jurist.

Leben[Bearbeiten]

Hollaender maturierte im Juni 1989 am Döblinger Gymnasium (BG XIX) in Wien.[1] Anschließend studierte er an der Universität Wien Rechtswissenschaften und promovierte im Jahr 2001.

Nach Ablegung der Anwaltsprüfung[2] ist er zugelassener Rechtsanwalt und praktiziert in eigener Kanzlei in Wien.[3] Des Weiteren leitete Hollaender das von ihm gegründete private Zentrum für Rechtsforschung in Wien, publiziert in juristischen Fachzeitschriften Österreichs und hat mehrere juristische Fachbücher verfasst. Im Mai 2007 moderierte er im österreichischen Parlament eine von ihm mitorganisierte „Grundrechtskonvent“ betitelte Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, die sich mit dem österreichischen Grundrechtsbeschwerdegesetz befasste.[4]

Lehrberuflich war er an der 2001 bis 2003 in Österreich als Privatuniversität akkreditierten International University Vienna als „Associate Professor“ tätig und ist (Stand 2010) Lehrbeauftragter an der Babeș-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca (dt. Klausenburg, Rumänien).

Größere Bekanntheit erlangte Hollaender durch eine regelmäßige Kolumne in der Kronen Zeitung, wo er sich im Einklang mit der Blattlinie im Vorfeld der Ratifizierung des Vertrages von Lissabon durch den österreichischen Nationalrat kritisch und ablehnend mit der Europäischen Union und insbesondere dem Reformvertrag befasste. Im November 2007 verfasste er ein Rechtsgutachten, wonach zur Ratifizierung des Vertrages in Österreich eine Volksabstimmung erforderlich wäre.[5]

Familie[Bearbeiten]

Adrian Hollaender ist der Sohn aus erster Ehe von Ioan Holender, dem ehemaligen Direktor der Wiener Staatsoper. Gemeinsam mit seiner Mutter, der Schauspielerin und ehemaligen Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Ariane Hollaender-Calix, betreibt Adrian Hollaender eine Künstleragentur.[6]

Der Hintergrund der unterschiedlichen Schreibweise des Familiennamens von Vater und Sohn/Mutter ist ungeklärt.

Rechtliche Auseinandersetzung[Bearbeiten]

Das Nachrichtenmagazin profil meldete nach Rücksprache mit der Babeş-Bolyai-Universität Zweifel an der Rechtmäßigkeit des von Hollaender geführten Titels (außerordentlicher) Universitätsprofessor an,[7] was auch von mehreren Zeitungen aufgegriffen wurde.[8] Der Medienanwalt Michael Rami brachte gegen Hollaender am Handelsgericht Wien eine Unterlassungsklage wegen unlauteren Wettbewerbs ein: „Der Beklagte [Hollaender] bezeichnet sich in der Öffentlichkeit seit Jahren und bis heute […] als ,Professor’, ,Universitätsprofessor’ und ,ao Universitätsprofessor’, ohne dass er zur Führung derartiger Titel in Österreich berechtigt wäre.“ Des Weiteren bemängelte Rami, dass sich Hollaender, „in der Klage wörtlich als ‚Fachschriftsteller‘ tituliert, sich auch der Leitung des von ihm selbst gegründeten ‚Zentrums für Rechtsforschung‘ respektive des Vorsitzes eines inexistenten parlamentarischen ‚Grundrechtkonvents‘ berühmt.“[1][2]

Im Juni 2010 kam es auf Betreiben der Richterin zu einem Unterlassungsvergleich. Hollaender wurde es darin für die Zukunft versagt, in Österreich „im geschäftlichen Verkehr die Titel ‚Professor‘ oder ‚Universitätsprofessor‘ oder ‚außerordentlicher Universitätsprofessor‘ zu führen oder sich mit diesen Titeln bezeichnen zu lassen.“ In gleicher Weise wurde ihm mit diesem Vergleich versagt, sich als „Leiter des Zentrums für Rechtsforschung“ und als „Vorsitzender der Veranstaltung Grundrechtskonvent“ zu bezeichnen. Nachdem gefordert wurde, den Wortlaut des Unterlassungsvergleichs auf Kosten von Hollaender im Österreichischen Anwaltsblatt, sowie in Fachpublikationen und in mehreren österreichischen Tageszeitungen abdrucken lassen zu müssen, kam der Vergleich beinahe nicht zustande. Erst als die Veröffentlichung beschränkt wurde auf das Anwaltsblatt[9] und die Salzburger Nachrichten, sowie eine Reduzierung und Ratenzahlung der Anwaltskosten vereinbart wurde, stimmte Hollaender mit einem „resignierenden Ja“ zu.[10][11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Adrian Hollaender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Michael Nikbakhsh: Der siezende Hollaender. In: profil online redaktionsblog, 27. August 2009. Abgerufen am 12. Juni 2015.
  2. a b Replik auf Michael Nikbakhsh: Stellungnahme von Dr. Adrian Hollaender, 27. August 2009. In: profil online redaktionsblog, 27. August 2009. Abgerufen am 12. Juni 2015.
  3. Eintrag im Anwaltsverzeichnis der Wiener Rechtsanwaltskammer, abgefragt am 12. Juni 2015.
  4. Experten beurteilen die Praxis des OGH bei Grundrechtsbeschwerden - Hochkarätig besetzter Grundrechtskonvent im Parlament. Parlamentskorrespondenz Nr. 370. Republik Österreich - Parlamentsdirektion, 16. Mai 2007, abgerufen am 12. Juni 2015: „Der Leiter des Zentrums für Rechtsforschung, Universitätsprofessor Adrian Eugen Hollaender, führte durch die Veranstaltung und betonte die Wichtigkeit […]“
  5. Petition zum EU-Reformvertrag (Vertrag von Lissabon). Europäische Vereinigung für Bürgerrechte (EFCR), 17. November 2007, abgerufen am 1. April 2014 (PDF; 209 kB, Rechtliche Analyse von Hollaender).
  6. Leitung & Mitarbeiter auf der Website der Hollaender-Calix Künstleragentur. Abgerufen am 12. Juni 2015.
  7. Otmar Lahodynsky, Martin Staudinger: ao. Univ.-Prof. Lohengrin. In: profil, Heft 20/08 vom 9. Mai 2008. (Online-Version, 27. August 2009. Abgerufen am 12. Juni 2015.)
  8. Z. B.: Kopfweh um Professuren aus der Ferne. In: WirtschaftsBlatt, 29. März 2008.
  9. Unterlassungsvergleich 30 Cg 20/10h vom 15. Juni 2010 (PDF; S. 29). In: Österreichisches Anwaltsblatt, Ausgabe 2010/09, S. 419. Abgerufen am 12. Juni 2015.
  10. Adrian Hollaender – Nachtrag zum „Ex-Professor“. In: RelativKritisch. Pseudowissenschaft auf dem Sezierteller, 2. Dezember 2010. Abgerufen am 12. Juni 2015.
  11. Adrian Hollaender ohne Professorentitel. In: DiePresse.com, 15. Juni 2010. Abgerufen am 12. Juni 2015.