Adverbialsatz

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Als Adverbialsatz (auch Umstandssatz, Verhältnissatz) wird ein Nebensatz bezeichnet, der für seinen direkt übergeordneten Satz die Rolle einer adverbialen Bestimmung spielt.[1] Ein Adverbialsatz lässt sich oft dadurch nachweisen, dass er durch ein einfaches Adverb ersetzt werden kann.

Beispiele
  • Als es Abend wurde, brachen die Schimpansen auf. Vgl.: Da brachen die Schimpansen auf.
  • Beates Brief kam zurück, weil die Anschrift unvollständig war. Vgl.: Beates Brief kam deswegen zurück.

Oft wird ein Adverbialsatz durch eine spezielle unterordnende Konjunktion eingeleitet (wie die obigen Beispiele als, weil), viele Adverbialsätze sind jedoch auch Relativsätze, und zwar sogenannte freie Relativsätze. Seltener haben Adverbialsätze auch die Form eines „uneingeleiteten Nebensatzes“ (also eines Nebensatzes mit Voranstellung des Verbs).

Seiner Bezeichnung nach ist ein Adverbialsatz eine adverbiale Bestimmung in Form eines (Neben-)Satzes. Da eine adverbiale Bestimmung ein Satzglied ist, ergäbe sich definitionsgemäß, dass ein Adverbialsatz ein Gliedsatz sein müsste, also ein Nebensatz, der einen Bestandteil seines zugehörigen Hauptsatzes ausmacht. In der Praxis wird von diesem strikten Sinn der Bezeichnung jedoch in manchen Fällen abgewichen, und es werden auch manche Satztypen traditionell mit unter die Adverbialsätze gerechnet, die syntaktisch gesehen keine Satzglieder sind, und insofern keine Adverbiale wären (dies betrifft vor allem Konsekutivsätze). Dieses Problem tritt auf, weil Nebensätze sich darin unterscheiden können, in welcher Weise sie an den Hauptsatz angeschlossen sind. Insbesondere gibt es hierbei auch den Typ des weiterführenden Nebensatzes, also ein Nebensatz, der dem Hauptsatz lediglich in relativ lockerer Verbindung nachfolgt; diese Erscheinung hat keine Entsprechung bei anderen Typen von Adverbialen. In der Duden-Grammatik[2] wird daher eine präzisere Fassung des Begriffs verwendet, die die Bezeichnung Adverbialsatz auf Gliedsätze einschränkt. Zusätzlich wird dort dann eine weiter gefasste Kategorie Verhältnissatz definiert, die Adverbialsätze (im engen Sinn) und ihnen ähnelnde weiterführende Nebensätze zusammenfasst. In anderen Grammatiken wird die Bezeichnung Verhältnissatz allerdings durchaus als gleichbedeutend mit Adverbialsatz verwendet.

Bedeutungstypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenso wie adverbiale Bestimmungen allgemein, werden auch Adverbialsätze traditionell vor allem nach Bedeutungstypen klassifiziert. Die nachstehende Übersicht (in alphabetischer Reihenfolge) dient zur schnellen Bestimmung der hauptsächlichen Typen, für nähere Erläuterungen siehe jeweils den Hauptartikel.

Adversativsatz (Gegenüberstellung)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Adversativsatz
  • Frage: Anstatt was? Im Gegensatz wozu?
  • Angaben über: Gegensatz
  • Konjunktionen: während, wo(hin)gegen, anstatt (dass)
  • Beispiele:
    • Anstatt dass sie ihre Hausarbeiten macht, spielt sie im Garten Fußball.
    • Anstatt die Gelder sinnvoll zu investieren, kauft sich Max Mustermann ein Auto.

Finalsatz (Absicht, Zweck)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Finalsatz
  • Frage: Wozu? Mit welcher Absicht? Weshalb?
  • Angabe über: Ziel, Zweck
  • Konjunktionen: damit, dass, auf dass (veraltet), um zu (mit Infinitiv)
  • Beispiele:
    • Der Schimpanse versteckte sich, damit er in Ruhe essen konnte.
    • Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass du lange lebest und es dir wohl ergehe auf Erden.

Kausalsatz (Begründungssatz)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kausalsatz
  • Frage: Warum? Wieso? Weshalb? Aus welchem Grund bzw. Anlass?
  • Angaben über: Grund, Begründung für etwas
  • Konjunktionen: weil, da, zumal
  • Beispiel:
    • Es wurde empfindlich kalt, weil die Heizung abgestellt werden musste.

Konditionalsatz (Bedingungssatz)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Bedingungssatz
  • Frage: Unter welcher Bedingung? Unter welchen Umständen? (kein einfaches Fragewort vorhanden)
  • Angaben über: Bedingung
  • Konjunktionen: wenn, falls, sofern
  • Beispiele:
    • Falls es regnet, verschieben wir den Ausflug.
    • Falls es schneit, trage ich eine Pelzjacke.
    • Wenn wir den Rohrbruch nicht bald finden, werden wir frieren müssen.

Konsekutivsatz (Folgesatz)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Konsekutivsatz
  • Frage: Mit welcher Folge? (Kein einfaches Fragewort vorhanden)
  • Angaben über: Folge
  • Konjunktionen: sodass; so…, dass; als dass
  • Beispiel:
    • Der Installateur kam um 9 Uhr am nächsten Morgen, sodass wir hoffen durften.

Konzessivsatz (Einräumungssatz, Gegengrundsatz)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Konzessivsatz
  • Frage: Trotz wessen? (kein einfaches Fragewort vorhanden)
  • Angaben über: Einschränkung, unzureichenden Gegengrund
  • Konjunktionen: obwohl, obschon, obgleich, obzwar, wenngleich, wenn auch
  • Beispiele:
    • Obwohl mir mein Bein weh tut, gehe ich zum Training.
    • Seine herausragende Bedeutung wird von Kunsthistorikern immer wieder bestätigt, wenngleich sein Werk kaum bekannt ist.

Lokalsatz (örtliche Angabe)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Lokalsatz
  • Frage: Wo? Wohin? Woher?
  • Angabe über: Orte
  • Markierung überwiegend durch Relativadverbien
  • Beispiel:
    • Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, lebt er.

Modalsatz (Art und Weise)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Modalsatz
  • Frage: Wie? Auf welche Weise?
  • Angaben über: Art und Weise, Begleitumstände
  • Konjunktionen: indem, ohne dass
  • Zu den Modalsätzen wird auch die Angabe eines Instruments sowie meistens auch der Komparativsatz (Vergleichssatz) gerechnet.
  • Beispiel:
    • Man wird stärker, indem man Krafttraining macht.

Temporalsatz (Zeit)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Temporalsatz
  • Frage: Wann? Seit wann? Wie lange? Bis wann?
  • Angaben über: Zeit
  • Konjunktionen: während, als, nachdem, seitdem, bevor, bis, sooft, solange, seit, ehe…
    • Nachdem ich fischen gegangen war, gab es keine Fische.
    • Als der Regen vorüber war, brachen die Schimpansen auf.
    • Seitdem die Schimpansen weg sind, kommen immer mehr Gorillas.

Formen von Adverbialsätzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konjunktional- und Relativsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die verschiedenen Bedeutungstypen von Adverbialsätzen existieren viele spezialisierte Konjunktionen, wie in der obigen Beispielliste aufgeführt. Davon zu unterscheiden sind die Fälle, in denen ein Adverbialsatz die Form eines Relativsatzes hat, also durch ein Relativadverb eingeleitet wird. Relativadverbien gleichen in der Regel Frageadverbien und können im Deutschen als „W-Wörter“ bezeichnet werden: wie, wo, wozu… etc. Im Unterschied zu Konjunktionen sind sie selbst Satzglieder, also zum Beispiel Adverbiale des Ortes oder der Art und Weise. Adverbialsätze, die Relativsätze sind, werden als freie Relativsätze konstruiert, haben aber dieselbe Form wie als attributiver Relativsatz.

Beispiele für adverbielle Relativsätze
  • (Lokalsatz:) Wir treffen uns, wo wir letztes mal gestanden haben = Wir treffen uns dort.
Vergleiche den Attributsatz: der Platz, wo wir letztes mal gestanden haben
  • (Modalsatz:) Sie bereiten den Rotkohl zu, wie es sich gehört. = Sie bereiten ihn so zu.
Vgl. den Attributsatz: die Art, wie sie ihn zubereiten.

Lokal- und Modalsätze sind die häufigsten Typen, die als freie Relativsätze ausgedrückt werden können. Es ist strittig, ob manche Temporalsätze auch als Relativsatzkonstruktionen aufgefasst werden könnten. Die Wörter wenn und als werden überwiegend als Konjunktionen aufgefasst, die entsprechenden Temporalsätze weisen bei genauerer Analyse aber einige Gemeinsamkeiten mit Relativsätzen auf.[3]

In der Dudengrammatik (2009) werden Relativsätze stets separat geführt, und sowohl aus der Kategorie der Adverbialsätze als auch aus der weiteren Kategorie der Verhältnissätze ausgeschlossen.[4] Diese Abgrenzung wird in anderen wichtigen Grammatiken des Deutschen nicht vorgenommen; die IDS-Grammatik führt Form und Funktion unabhängig voneinander auf und lässt Sätze mit W-Adverb als Adverbialsätze ausdrücklich zu.[5]

Uneingeleiteter Adverbialsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: V1-Stellung

Konditionalsätze können statt durch die Konjunktion wenn auch durch Voranstellung des Verbs („V1-Stellung“) markiert werden. Sie stehen dann in der Regel vor dem Hauptsatz.

Beispiele für uneingleitete Konditionalsätze
  • Sollte die Heizung nicht dicht sein, wird der Installateur noch einmal kommen.
    • Umgestellt: Wenn/Falls die Heizung nicht dicht sein sollte, wird der Installateur noch einmal kommen.

Konditionalsätze sind der häufigste Fall von Adverbialsatz mit Verb-Erststellung (siehe den Hauptartikel für einige weitere Fälle).

Konstruktionen ohne finites Verb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manche Typen von Adverbialsätzen können auch durch Konstruktionen mit (satzwertigem) zu-Infinitiv ausgedrückt werden, vor allem Finalsätze mit um… zu und Modalsätze mit ohne… zu:

  • Er legte die Schokolade in den Schrank, um sie später den Kindern zu geben. (Finalsatz)
  • Sie liefen auf die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten. (Modalsatz)

Hierbei ist um eine Konjunktion für Infinitivsätze; der Status von ohne ist strittig (als Konjunktion oder Präposition).

Satzwertige Partizipial- und Adjektivkonstruktionen können traditionell ebenfalls als Adverbialsätze bezeichnet werden, syntaktisch wären sie aber eher als Prädikativum einzuordnen:[6]

  • Von der Sonne schon ganz rot, zog er sich endlich ein Hemd über.

Stellung im Satz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Integrierte Nebensätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Adverbialsätze (etwa Temporalsätze, Kausalsätze, Modalsätze) können ebenso wie Adverbiale anderer Form als Satzglied des Hauptsatzes (genauer gesagt: des Matrixsatzes) vorkommen. Sie stehen dann, in den Begriffen des Feldermodells, im Vorfeld, Mittelfeld oder Nachfeld. (Die Mittelfeldstellung in (b) unten ist eine Option, die für Subjekt- oder Objekt-Nebensätze in der Regel nicht verfügbar ist.)

  • (a) Vorfeldstellung vor dem finiten Verb
Nachdem der Rohrbruch beseitigt war, konnte die Heizung wieder angestellt werden.
  • (b) Mittelfeldstellung:
Die Heizung konnte, nachdem der Rohrbruch beseitigt war, wieder angestellt werden.
  • (c) Nachfeldstellung
Die Heizung konnte wieder angestellt werden, nachdem der Rohrbruch beseitigt war.

Nicht integrierte Nebensätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Nebensatztypen, die traditionell unter Adverbialsätze einbezogen werden, können nur am Ende des Hauptsatzes nachfolgen, aber nicht im Satzinneren und nicht im Vorfeld vorkommen. Für diese Fälle existieren in der Regel auch keine Fragewörter oder andere Ersetzungen. Es handelt sich demnach offenbar um nicht-integrierte Nebensätze bzw. weiterführende Nebensätze. Ein Beispiel hierfür sind Konsekutivsätze mit sodass:

  • Sie haben den Rohrbruch repariert, sodass die Heizung wieder angestellt werden kann.
  • NICHT: * Sodass die Heizung wieder angestellt werden kann, haben sie den Rohrbruch repariert.

Bei Konditionalsätzen mit Verb-Erst-Stellung ist es ebenfalls typisch, dass sie außerhalb des Hauptsatzes stehen, und durch ein Korrelat so im Vorfeld des Hauptsatzes wiederaufgenommen werden; diese sind also auch weniger integriert als andere Adverbialsätze:

  • Ist der Rohrbruch beseitigt, (so) kann die Heizung wieder angestellt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DUDEN. Die Grammatik. 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ausdrücklich so: canoo.net: „Der Adverbialsatz“. Indirekt: Dudengrammatik 2009, S. 1029; grammis 2.0 / IDS-Grammatik: „Semantische Grundtypen der Nebensätze“
  2. Duden-Grammatik 8. Aufl. 2009, S. 1029
  3. Die Dudengrammatik (2009), S. 1038 spricht für diesen Fall von Konjunktionalsätzen, signalisiert aber Unsicherheit. Für die These einer weitgehenden Übereinstimmung mit Relativsätzen siehe z.B. Liliane Haegeman: The internal syntax of adverbial clauses. In: Lingua 120, Vol. 3 (2010), S. 628–648 (und darin zitierte Literatur)
  4. Dudengrammatik (2009), S. 1047: „Unter der Bezeichnung Verhältnissatz werden Adverbialnebensätze und einige verwandte, nur locker ins Satzgefüge integrierte Nebensätze zusammengefasst. Davon ausgeschlossen sind die schon vorangehend besprochenen Relativsätze“
  5. grammis 2.0: „Semantische Grundtypen der Nebensätze“
  6. Dudengrammatik (2009), S. 1049

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]