Alexander Adrion

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Alexander Adrion, bürgerlicher Name Gerhard Engelsleben, (* 17. November 1923 in Berlin; † 27. Februar 2013 in Hoffnungsthal (Rösrath)) war ein deutscher Zauberkünstler und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adrion gewann erste Zaubereindrücke in den Kirmesbuden des Stralauer Fischzuges und des Lunaparks, im Wintergarten und im Plaza. Als Vierzehnjähriger lernte er Conradi-Horster kennen, von dem er erste Unterweisungen erhielt. Nach dem Ende seiner Schulzeit wurde er zum Arbeitsdienst (1941) und Wehrdienst (1942) einberufen. Im Marschgepäck hatte er immer einige Zauberexperimente. Im Februar 1944 hatte er während des Genesungsurlaubs nach der zweiten Verwundung seinen ersten öffentlichen Auftritt in Willi Schaeffers Berliner Kabarett der Komiker.

Nach dem Kriegsende und der Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft begann er ein Studium an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Sein erstes Geld „erzauberte“ er sich in Mostkneipen und bei Festlichkeiten vor Studenten und Professoren. Hier begegnete er Werner Finck, der ihm riet, einen eigenen Stil abseits der herkömmlichen Unterhaltungsstätten zu entwickeln. Am 7. November 1949 hatte Alexander Adrion sein erstes öffentliches Gastspiel mit abendfüllendem Programm in Herten. Bis 1954 wurde er von den Musikern Dieter Nagel, Wolfram Gehring, Reinhold Ummenhofer und Karlheinz Stockhausen begleitet. Mit seinem Programm Nur der Schein trügt nicht gab er im In- und Ausland Zauberabende und entwickelte ein „Gaukler-Kolleg“ für ausgewählte Kreise. Adrion sah sich in der Tradition von Fredo Marvelli und verstand Zauberei als eigene, ernst zu nehmende Kunstform. Er verzichtete weitgehend auf technische Apparate und verließ sich auf die Kunst seiner Hände und die geistreiche Improvisation des Wortes. Die Presse nannte ihn den „philosophierenden Zauberer“.

Seit 1955 nutzte Adrion seine freie Zeit neben den Gastspielen zum Sammeln von Dokumenten zur Geschichte der Zauberkunst, der orientalischen Magie und der Psychologie der Täuschung. Adrion hatte auch eine lebenslange Faszination für Taschendiebe. Daraus entstand ein Archiv, aus dem er Anregungen zu seinen Büchern und Publikationen schöpfte. Er war Autor und tricktechnischer Berater des Filmes Robert-Houdin, der Zauberer. 1985 nahm Adrion Abschied von der Bühne und widmete sich seitdem seinen historischen Interessen zur Geschichte der Magie und seinen Publikationen. Viele seiner Veröffentlichungen wurden in fremde Sprachen übersetzt. Er starb am 27. Februar 2013 in der Nähe von Köln.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zauberei Zauberei. Das Erlebnis der Magie in Wort und Bild. Mit einem Interview geführt von Heinrich Böll. Walter-Verlag, Olten und Freiburg, 1968.
  • als Herausgeber: Die Memoiren des Robert-Houdin. König der Zauberer. Carl-Rauch-Verlag, Düsseldorf 1969.
  • als Herausgeber: Taschenspieler-Kunst. Insel-.Bücherei Nr. 947. Insel Verlag, Frankfurt/M. 1970.
  • Die Kunst zu zaubern. DuMont Buchverlag, Köln 1978, ISBN 3-7701-1064-1.
  • Adrions Zauberkabinett. Zum Vorführen und Verwundern für jedermann. DuMont Buchverlag, (studio dumont), Köln 1980. ISBN 3-7701-1236-9.
  • Taschendiebe. Der heimlichen Zunft auf die Finger geschaut. Verlag C. H. Beck, München 1992, ISBN 3-406-36694-5.
    • überarbeitete Neuauflage: Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-596-13460-9.
  • Zaubereien oder das Spiel mit dem Schein. Autobiographische Texte. Kösel-Verlag, München 1994, ISBN 3-466-30367-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Becker: Kammerspiele des Scheins. In: Deutsche Zeitung. Jg. 15, Nr. 49, 1960.
  • Vilma Sturm: Das Spiel der Verwandlung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. April 1961.
  • Udo Pini: ADRION. Mit Fotos von André Reiser. In: Frankfurter Allgemeine Magazin. Heft 24, 15. August 1980.
  • Alexander Adrion. Gedanken zu seiner Kunst der Verzauberung. Begleitheft zur Ausstellung in der Stadtbücherei Köln, Köln 1983.
  • Karlheinz Stockhausen: Texte zur elektronischen und instrumentalen Musik. DuMont Dokumente, Bd. 1. DuMont Buchverlag, Köln 1988, ISBN 3-7701-0269-X, S. 15.
  • Michael Kurtz: Stockhausen. Eine Biographie. Bärenreiter Verlag, Kassel 1988, ISBN 3-7618-0895-X, S. 13, 42, 69/70.
  • Magie. Zeitschrift des magischen Zirkels von Deutschland. Heft 11/1993. Beiträge diverser Autoren anlässlich des 70. Geburtstags von Alexander Adrion.
  • Richard Hatch: Alexander Adrion – The Conjuring Philosopher. In: MAGIC. The Magazine for Magicians. Las Vegas, Nev., USA. Juni 2003, S. 66–69.
  • Peter Rawert: Nur der Schein trügt nicht. Dem Zauberer Alexander Adrion zum Achtzigsten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. November 2003.
  • Peter Rawert: Kammerspieler des Scheins. Zum Tod des Zauberers Alexander Adrion. In: "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 21. März 2013
  • Stefan Alexander Rautenberg: "Kalo Taxidi". Zur Weiterreise des Alexander Adrion. In: Magie. Zeitschrift des Magischen Zirkels von Deutschland. Heft 6, Juni 2013, S. 276.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abrakadabra - Alte Bilder und Bücher über Zauberer und Gaukelkunst, Sammlung Adrion, Städtische Kunstsammlung Bonn, 24. November bis 10. Januar 1971
  • Zauberei und Gaukelkunst - Eine Ausstellung alter Bilder, Bücher und Geräte aus der Sammlung Alexander Adrion, Forum Bergisch Gladbach, 22. Oktober bis 21. November 1971
  • Alexander Adrion. Sein Leben und seine Kunst der Verzauberung. Ausstellung anlässlich des 60. Geburtstages von Alexander Adrion in der Zentralbibliothek Köln, 2. November bis 3. Dezember 1983
  • Zauberei Zauberei. Plakate aus der Sammlung Alexander Adrion. Kreissparkasse Köln in Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Stadtmuseum. 31. August 1992 bis Ende September 1992

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]