Zum Inhalt springen

Alexandra Andrejewna Antonowa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Alexandra Antonowa (2012)

Alexandra Andrejewna Antonowa (russisch Александра Андреевна Антонова; * 5. Mai 1932 in Teriberka; † 8. Oktober 2014 in Lowosero; (nordsamisch) Sandra Antonova, (kildinsamisch) Са̄нндрэ Антонова) war eine samische Schriftstellerin und Sprachaktivistin aus Russland.

Alexandra Antonowa wurde am 5. Mai 1932 in Teriberka in der heutigen Oblast Murmansk geboren. Ihre Eltern Marina Artemjewna und Andrei Jemeljanowitsch Antonow waren Rentierhalter und zogen mit ihren Herden durch die Tundra um Teriberka.[1]

1956 schloss Antonowa am Leningrader Staatlichen Pädagogischen Herzen-Institut ihre Ausbildung als Lehrerin für russische Sprache und Literatur ab. Anschließend kehrte sie auf die Halbinsel Kola zurück und arbeitete in Lowosero als Lehrerin für Russisch und Literatur. Später engagierte sie sich insbesondere für die kildinsamische Sprache und wurde auch als Schriftstellerin tätig. Antonowa starb am 8. Oktober 2014 in Lowosero.[2]

Neben ihrer Tätigkeit als Russischlehrerin in der Internatsschule in Lowosero hat Aleksandra Antonowa auch regelmäßig als Konsultantin für Linguisten gearbeitet, z. B. für Georgi Kert in den 1980er Jahren und für ein von Jurij Konstantinowitsch Kusmenko geleitetes Sprachdokumentationsprojekt.[3] 1976 wurde sie, gemeinsam mit dem russischen Pädagogen Boris Gluchow, in einer von Rimma Kurutsch gegründeten Arbeitsgruppe an der pädagogischen Abteilung des ZKs der KPdSU der Oblast Murmansk angestellt, um als kildinsamische muttersprachliche Lehrerin an einer neuen Schriftsprache und Lehrmaterialien für Kildinsamisch mitzuarbeiten. Gemeinsam mit Linguisten von der Akademie der Wissenschaften der UdSSR haben Antonowa und ihre Kollegen die seit 1937 nicht mehr verwendete Orthographie revidiert und eine neue schriftsprachliche Norm entwickelt. 1979 wurde diese neue kyrillische Orthographie erstmals präsentiert und in experimentellen Sprachkursen verwendet.[4][5] 1982 erschien das von Antonowa verfasste ABC-Buch als erstes in der neuen Orthographie geschriebene kildinsamische Buch.

Antonowa war eine sehr produktive Schriftstellerin und Übersetzerin. Mit der kurz vor ihrem Tod erschienenen Übersetzung von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf schuf sie den bisher umfangreichsten kildinsamischen literarischen Text.

Pädagogin und Sprachaktivistin
  • 1982 Samski bukwar. (Lehrbuch für Kildinsamisch) Leningrad
  • 1985 Samsko-ruski slowar. (Wörterbuch Kildinsamisch-Russisch) Moskau [zus. mit Nina E. Afanassjewa, Rimma D. Kurutsch, Ekaterina I. Metschkina, Lasar D. Jakowlew, Boris A. Gluchow]
  • 1990 Samski jasyk. (Lehrbuch für Kildinsamisch) Leningrad [zus. mit Oktjabrina W. Woronowa, Ekaterina N. Korkina]
  • 2004 Bukwar. (Lehrbuch für Kildinsamisch, Neuausgabe v. 1982) Sankt Petersburg
  • 2014 Samsko-ruski slowar. (Wörterbuch Kildinsamisch-Russisch) Murmansk
Schriftstellerin
  • 2004 Piiras. (Kinderbuch auf Kildin- und Nordsamisch) Karasjok
  • 2004 Kuutk. (Kinderbuch auf Kildin- und Nordsamisch) Karasjok
  • 2007 Struny serdza. (Lyrik auf Russisch) Murmansk
Übersetzerin (ins Kildinsamische)
  • 1996 Iisus - paarrne kaannts. (Kinderbibel auf Kildinsamisch) Stockholm
  • 1996 Askold Baschanow Wiillkes puas. (Erzählung auf Kildinsamisch) Karasjok
  • 2003 Nadeschda Bolschakowa Kaajne laajjh. (Erzählungen auf Kildinsamisch) Murmansk
  • 2007 Iwan Matrechin Wiillkes puas. (Lyrik auf Kildinsamisch) Murmansk [zus. mit Anfissa M. Ageewa]
  • 2008 Sergei Jessenin Sergei Esenin saamas. (Lyrik auf Kildinsamisch) Murmansk [zus. mit Sofia E. Jakimowitsch]
  • 2013 Astrid Lindgren Taarjentsch Kukessuhk. (Pippi Langstrumpf) Murmansk
  • Kert, Georgij K.: Saamskaja pis'mennost'. In: Mullonen, Marija I.; Ollykajnen, Veera (Hrsg.): Pribaltijsko-finskoe jazykoznanie: Voprosy fonetiki, grammatiki, i leksikologii. Leningrad 1967, S. 110–115.
  • Øverland, Indra; Berg-Nordlie, Mikkel: Bridging the Divides: Ethno-Political Leadership among the Russian Sámi. Oxford 2012.
  • Rießler, Michael: Towards a digital infrastructure for Kildin Saami. In: Kasten, Erich; de Graaf, Tjeerd (Hrsg.): Learning tools and community initiatives on preserving endangered languages and local cultural heritage. Fürstenberg 2013, S. 195–218 (Elektronische Version [PDF; 408 kB]).

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Александра Андреевна АНТОНОВА. Мурманская область. In: Финно-угорские библиотеки России. Abgerufen am 29. September 2026 (russisch).
  2. ↑ Samische Sprachpionierin verstorben, NRK Sápmi (norwegisch)
  3. ↑ Team, Kola Sámi Documentation Projekt (KSDP) (englisch)
  4. ↑ Kuruč, Rimma D.; Afanas'eva, Nina E.; Vinogradova, Iraida V.: Pravila orfografii i punktuacii saamskogo jazyka. Murmansk 1995, S. 178. (russisch)
  5. ↑ Gluchow, Boris Alexandrowitsch im Lexikon Kolski Sewer (russisch)
  6. ↑ Zwei Gewinner des Gollegiella-Preises 2012, Sametinget (schwedisch)