Alpen-Grasnelke

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Alpen-Grasnelke
Alpen-Grasnelke (Armeria alpina)

Alpen-Grasnelke (Armeria alpina)

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Bleiwurzgewächse (Plumbaginaceae)
Gattung: Grasnelken (Armeria)
Art: Alpen-Grasnelke
Wissenschaftlicher Name
Armeria alpina
Willd.

Die Alpen-Grasnelke (Armeria alpina) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Grasnelken (Armeria) innerhalb der Familie der Bleiwurzgewächse (Plumbaginaceae).

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alpen-Grasnelke ist keine Art aus der Gattung Nelken sondern gehört sogar zu einer anderen Familie. Der Volksname Schwundkraut erinnert an Verwendung als Heilpflanze gegen Lungenschwindsucht. Der in Südtirol gebräuchliche Name Schlernhexen bezieht sich wohl auf ihre im Bergwind raschelnden Fruchtköpfchen. Ein französischer Trivialname ist Arméria des Alpes und ein italienischer Spillone alpino[1][2].

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Atlas der Alpenflora
Blütenstände
Habitus mit Blütenständen mit gut zu erkennenden haltbaren Kelchen im Habitat

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alpen-Grasnelke ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 30 Zentimetern erreicht.[3] Sie bildet dichte Polster.

Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet. Die meist aufrechten, einfachen, grasartigen, 30 bis 80 Millimeter langen und mit meist 2 bis 4 (1,5 bis 5) Millimetern relativ schmalen, meist kahlen Blattspreiten sind linealisch bis linealisch-lanzettlich[3] mit stumpfem oberen Ende[4] sowie ganzrandig und besitzen einen hellen durchscheinenden Saum[5] und sind ein- bis dreinervig.[6]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Die aufrechten Blütenstandsschäfte sind unbeblättert und meist kahl.[3] Der bei einem Durchmesser von selten 15 bis meist 18 bis 30 Millimetern köpfchenförmige Blütenstand enthält viele Blüten. Die 10 bis 13 Hüllblätter[4] sind 8 bis 13 Millimeter lang und nicht zugespitzt; die äußeren sind etwa so lang wie die inneren.[5] Nach unten hin umhüllen die trockenhäutigen Hüllblättern den Stängel und bilden eine 6 bis 14, selten bis zu 20 Millimeter Zentimeter lange Scheide.[2][6] Der Blütenstiel ist 2 bis 3 Millimeter lang.[2]

Den Blüten strömt einen zarten Cumaringeruch aus. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind auf mindestens dreiviertel ihrer Länge trichterförmig verwachsen und umhüllen auch noch die reife Frucht. Die zehnrippige, 6 bis 7,5 Millimeter lange[4] Kelchröhre ist meist an den Rippen oder vollständig flaumig behaart, selten kahl. Die fünf 1 bis 1,7, selten bis zu 2 Millimeter langen[4] Kelchzipfel sind häutig. Die fünf Kronblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen. Die Kronblätter rosa- bis purpurfarben,[5] selten weiß.[3] Es ist nur ein Kreis mit fünf freien Staubblättern vorhanden, die die Blütenkrone nicht überragen. Die Staubfäden sind mit der Basis der Kronblätter verwachsen. Die fünf freien Griffel sind im oberen Bereich behaart.

Die vom Kelch umhüllte, trockene Frucht öffnet sich an ihrer Basis ringförmig[2] und enthält nur einen Samen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[7]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fruchtstände sind Wintersteher.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alpen-Grasnelke ist vor allem in den Südalpen und in den europäischen Gebirgen von den zentralen Pyrenäen[4] bis zur den westlichen Karpaten und zum Balkangebirge verbreitet.[8][3] Sie kommt von Südwest- über Mittel- bis Südosteuropa vor. Es gibt Fundortangaben für die Länder Spanien, Frankreich, nördliches Italien[1], Schweiz, Österreich, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Serbien, Slowenien, Montenegro, Bulgarien, Rumänien und Albanien.[9] Sie kommt in der Schweiz in den Kantonen Graubünden, Tessin sowie im östlichen Wallis vor.[2] Sie ist in Österreich zerstreut bis mäßig häufig und fehlt in Wien, Vorarlberg sowie im Burgenland.[6]

Sie gedeiht am auf steinige Böden, offenen Rasen, Schutt und Felsspalten. Sie kommt in Höhenlagen von 1500 bis 3000 Metern vor. Sie kommt in Pflanzengesellschaften der Krummseggenrasen (Caricetalia curvulae), in Gesellschaften der Ordnung Seslerietalia albicantis sowie im Elynetum vor.[7]

Die Alpen-Grasnelke ist in den Alpen selbst entstanden, wo sie in den Randrefugien der Ost- und Südalpen (dort noch heute Hauptvorkommen) und vereinzelt auch auf Nunatakkern in den Nordalpen die Eiszeiten überstanden hat. Dazu befähigte sie ihre ausgeprägte Frosthärte sowie ihre Vorliebe für steile Südhänge.

Illustration aus Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Armeria alpina erfolgte 1809 durch Carl Ludwig von Willdenow in Enumeratio Plantarum Horti Regii Botanici Berolinensis: continens descriptiones omnium vegetabilium in horto dicto cultorum ..., 1: Seite 333. Es gibt die später veröffentlichten Homonyme: Armeria alpina Turcz. (1852), Armeria alpina Friv. ex Griseb. (1846), Armeria alpina Ten. (1831), Armeria alpina Ebel (1840), Armeria alpina Guss. (1827).[10] Synonyme für Armeria alpina Willd. sind: Armeria maritima subsp. alpina (Willd.) P.Silva, Armeria pubinervis Boiss., Armeria pubinervis subsp. orissonensis Donad., Statice cantabrica subsp. pubinervis (Boiss.) P.Fourn., Statice montana Mill., Armeria alpina subsp. pumila (Fuss) Jáv.[8]

Je nach Autor gibt es von Armeria alpina mehrere Unterarten:[8]

  • Armeria alpina Willd. subsp. alpina
  • Armeria alpina subsp. bubanii (G.H.M.Lawr.) Rivas Mart. (Syn.: Armeria bubanii G.H.M.Lawr., Armeria alpina subsp. bubanii (G.H.M.Lawr.) Malag.): Sie kommt nur in Spanien vor.[8]
  • Armeria alpina subsp. halleri (Wallr.) Nyman (Syn.: Armeria halleri Wallr., Armeria maritima subsp. halleri (Wallr.) Rothm., Armeria mulleri A.Huet, Armeria maritima subsp. bottendorfensis (A.A.H.Schulz) Rothm., Armeria maritima subsp. hornburgensis (A.A.H.Schulz) Rothm., Armeria maritima subsp. serpentini (Gauckler) Rothm., Statice armeria subsp. mulleri (A.Huet) P.Fourn.): Sie kommt von Spanien über Frankreich, Niederlande und Deutschland bis Polen vor.[8]
  • Armeria alpina subsp. occasiana (Bernis) Rivas Mart.: Sie kommt nur in Spanien vor.[8]

Viele Autoren verwenden für diese Art das Synonym Armeria maritima subsp. alpina (Willd.) P.Silva, dort ist es also eine Unterart von Armeria maritima.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wird selten als Zierpflanze verwendet.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 33 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Datenblatt mit Fotos und Verbreitung bei Schede di Botanica.
  2. a b c d e Armeria alpina Willd. s.str. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 31. August 2017.
  3. a b c d e T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 33 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. a b c d e Plumbaginaceae - Armeria: Flora Iberica: Plantas vasculares de la Peninsula Ibérica e Islas Baleares, LV, S. 713.
  5. a b c d Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
  6. a b c Plumbaginaceae / Armeria alpina (Armeria maritima subsp. alpina) - Alpen-Grasnelke - Datenblatt mit Foto bei Botanik im Bild, 07.12.2002
  7. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 746.
  8. a b c d e f G. Domina, 2011: Plumbaginaceae. Datenblatt bei Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Zuletzt eingesehen am 6. August 2017
  9. Armeria alpina im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 31. August 2017.
  10. Armeria alpina bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 31. August 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alpen-Grasnelke (Armeria alpina) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien