Altbergbau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Altbergbaugelände mit zahlreichen Halden und Pingen am Sauerberg bei Suhl/Thüringer Wald.
Altbergbau untertage

Von Altbergbau ist immer im Sinne eines stillgelegten Bergbaus die Rede, dessen Objekte nicht mehr der Bergaufsicht gemäß dem Bundesberggesetz unterliegen. Meist werden mit Altbergbau Gelände, Grubengebäude und Bergbaufolgelandschaft eines vergangenen Bergbaus bezeichnet.[1] Altbergbau kann aber auch im Wortsinne von historischem Bergbau oder vorindustriellem Bergbau verstanden werden.[2]

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Zeit der ersten steinzeitlichen Besiedlung wurde in Europa Bergbau betrieben. Die bergbaulichen Tätigkeiten wurden ab dem 2. Jahrtausend der heutigen Zeitrechnung intensiviert.[3] Dabei wurden mehrere tausend Stollen aufgefahren und Schächte erstellt.[2] Allein im Land Nordrhein-Westfalen sind im Laufe der Jahrhunderte etwa 60.000 bis 70.000 Tagesöffnungen erstellt worden.[4] Die erstellten Grubengebäude hatten zum Teil sehr umfangreiche Ausmaße. Um die Grubenbaue zu bewettern und vom Grubenwasser freizuhalten, wurden sehr komplexe Bewetterungssysteme und Entwässerungssysteme erstellt.[2]

Bis ins 19. Jahrhundert wurden die bergbaulichen Tätigkeiten oberhalb des Grundwasserspiegels und nur in geringen Teufen durchgeführt.[3] Der Abraum wurde auf Halden in der Nähe des jeweiligen Bergbaubetriebes verkippt.[2] In den Bergrevieren, in denen Erz abgebaut wurde, wurden zusammen mit dem Abraum auch die Aufbereitungsrückstände aufgeschüttet. Die so aufgeschütteten Reststoffe waren oftmals mit Schwermetallen wie Quecksilber durchsetzt. Dies lag an den damaligen Methoden der Erzaufbereitung und Erzverhüttung, die ebenso wie die damalige Erzgewinnung nur wenig effektiv waren.[5] Nach Beendigung des Betriebes wurden die alten Grubenbaue und Tagesöffnungen entweder gar nicht oder nur unzureichend verwahrt.[3] Dies erfolgte zur damaligen Zeit in der Regel mit Lockermassen.[6]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die durch den tagesnahen Bergbau entstandenen, nur gering gesicherten, Hohlräume verlieren im Laufe der Jahre an Stabilität.[7] Besonders problematisch wird dies, wenn in die Hohlräume Oberflächenwasser eindringt.[8] Kann das Wasser dann aufgrund von Querschnittseinengungen nicht abfließen, so kommt es zu Rückstauungen.[9] Das Wasser füllt nun die Hohlräume und wirkt so zunächst als Versatz.[8] Das angestaute Wasser löst, je nach Gebirge, Sulfide oder andere Stoffe aus dem Gestein heraus.[10] Je nach Zusammensetzung der vorhandenen Lockermassen können sich diese mit dem Wasser zu Schlamm vermischen.[9] Werden die mit Wasser gefüllten Hohlräume entwässert, kann eine Suffosion eingeleitet werden.[8] Das abfließende Wasser entwickelt hohe Schleppkräfte, infolgedessen kommt es zu starken untertägigen Massenumlagerungen.[9] Dies kann zur Zerstörung der Umgebung des Hohlraumes führen.[8] Dadurch kommt es zu weiteren Verbrüchen.[9] Bei den Bergehalden kommt es im Laufe der Jahrhunderte zu Verwitterungen und Auslaugungen. Dadurch werden die in den Aufschüttungen vorhandenen Schwermetalle mobilisiert.[11] Bei der Zerkleinerung der Erze wurden die Stäube durch Verwehung weiter ins Umland getragen. Aber auch von den Halden können durch Verwehungen erzhaltige Stäube oder aus der Verhüttung stammende Schlackenstäube abgetragen und weiter ins Umland verteilt werden.[12]

Aufzeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für viele historische Grubenbaue gibt es keinerlei Risswerke, dies hat unterschiedliche Ursachen.[13] Die ersten verwertbaren Risswerke wurden erst im 17. Jahrhundert erstellt und nach der Besetzung Deutschlands gegen Ende des 18. Jahrhunderts von den Franzosen gezeichnet.[3] In Jahren 1787 bis 1797 fertigte der aus dem Harz stammende Markscheider Niemeyer die als Carte speciale des mines bekannte Bergbaukarte für das märkische Revier an.[14] Die erstellten Risswerke waren aber oftmals nur unvollständig. Häufig wurden in den Betriebsphasen die Rissunterlagen nicht vollständig oder unkorrekt von den Originalrissen nachgetragen.[15] Seit dem Jahr 1840 wurden vermehrt Bergbau-Akten und Risswerke gesammelt und archiviert. Jedoch wurden durch Kriegswirren, Hochwasser und andere Schadensereignisse viele Risswerke vernichtet.[13] Alle dies sind Gründe, dass oftmals nur bruchstückhafte Informationen über die alten Bergwerksbetriebe vorhanden sind.[16]

Betroffene Bereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendsten Hinterlassenschaften aus dem Altbergbau befinden sich in einem langgestreckten Bereich Europas, in dem Steinkohle abgebaut wurde.[3] Besonders viele findet man im südlichen Ruhrgebiet.[7] Aber auch in den Gebieten, in denen Erze abgebaut wurden, gibt altbergbauliche Hinterlassenschaften.[11] In der Regel gibt es über ältere tagesnahe Abbauhohlräume keine Karten.[8] Das führt dazu, dass spätere Eigentümer erst im Nachhinein von den Schäden erfahren.[11]

Folgewirkungen und Folgeschäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die durch den Altbergbau und Objekte des Altbergbaus hervorgerufenen Folgewirkungen sind recht umfangreich.[15] Die Verbrüche im Bereich der untertätigen Hohlräume können sich bis nach Übertage auswirken und dadurch einen Tagesbruch verursachen.[13] Es können sich Spalten oder Senkungen bilden.[9] Bei nur unzureichend verfüllten Schächten kann es passieren, dass die Verfüllsäule aus Lockermassen absackt und somit ein Schachtverbruch entsteht.[6] Unverfüllte Hohlräume sind eine ständige zeitlich nicht vorhersagbare Geländegefährdung. Sie führen oftmals zu Baukatastrophen und somit zu Bergschäden an Gebäuden.[8] Aus den untertägigen Hohlräumen können Schlamm- und Ockerfluten auslaufen und zu Schäden führen.[9] Durch aus dem Haldenmaterial ausgelaugte Schwermetalle kommt es zu Kontamination von Böden. Dadurch wird die stoffliche Beschaffenheit der Böden nachhaltig beeinträchtigt.[11] Die Schwermetallanreicherungen im Boden bewirken lokal einen erhöhten Gehalt in den Nutzpflanzen.[12] Bei Tieren, die diese Nutzpflanzen fressen, führt dies ebenfalls zu Anreicherungen von Schwermetallen im Körper. Letztendlich gelangen ausgelaugte Umweltgifte über das Wasser und die Pflanzen und die Tiere in die menschliche Nahrungskette.[11]

Rechtliche Konsequenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Altbergbau ist nur wenig bekannt, alte Tagesöffnungen und untertägige Hohlräume müssen häufig erst noch erforscht werden. Für die Bergbehörden ist die Gefahrenerforschung dieser Altbergbaurelikte ein Teil ihrer Amtspflicht.[4] Beim Bergbau ohne Rechtsnachfolger kommt die Polizeiordnung des jeweiligen Bundeslandes zur Anwendung.[17] Neben der Amtshaftung für die Bergbehörden gibt es auch in bestimmten Fällen strafrechtliche Konsequenzen für Vorgesetzte und Mitarbeiter von Betrieben. Strafrechtliche Tatbestände können sein fahrlässige Körperverletzung oder fahrlässige Tötung. Neben den strafrechtlichen Konsequenzen kann auch eine zivilrechtliche Haftung der Bergbehörde bestehen.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Wilsdorf: Kulturgeschichte des Bergbaus. Ein illustrierter Streifzug durch Zeiten und Kontinente. Verlag Glückauf, Essen 1987, ISBN 3-7739-0476-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thüringer Gesetz über die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Objekten des Altbergbaus und in unterirdischen Hohlräumen. (Thüringer Altbergbau- und Unterirdische Hohlräume-Gesetz - ThürABbUHG) vom 23. Mai 2001.
  2. a b c d Sächsisches Oberbergamt (Hrsg): Der Bergbau in Sachsen. Bericht des Sächsischen Oberbergamtes und des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie für das Jahr 2011, Sachsen 2012, S. 22-26.
  3. a b c d e Mark Mainz: Geotechnische Modellvorstellung zur Abschätzung von Gefährdungsbereichen des Altbergbaus und Schachtschutzbereichen im Aachener Steinkohlenrevier. Genehmigte Dissertation der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Aachen 2007, S. 1-6.
  4. a b c Till Elgeti: Haftungsrisiken der öffentlichen Hand bei verlassenen Grubenbauen und Tagesöffnungen. In: Ring Deutscher Bergingenieure e.V., Bergbau. Zeitschrift für Rohstoffgewinnung - Energie - Umwelt, 63. Jahrgang, Makossa Druck und Medien GmbH, Gelsenkirchen Juni 2012, ISSN=0342-5681, S. 250-253.
  5. Frank Russow: Struktur, Eigenschaften und Gefährdungspotenziale des oberflächennahen Untergrunds in historischen Erzbergbaugebieten des zentraleuropäischen Mittelgebirgsraums. Genehmigte Dissertation der Universität Leipzig, S. 1-3.
  6. a b Axel Preuße, Jörg Krämer, Anton Sroka: Technische Abschätzung von Folgelasten des Steinkohlebergbaus. In: Bergbau. 12/2007, S. 540-546.
  7. a b Melanie Niese: Der Umgang mit Bergbauschäden im südlichen Ruhrgebiet. Genehmigte Dissertation der Ruhr-Universität Bochum, Bochum 2010, S. 3-7.
  8. a b c d e f Edward Popiolek, Zygmunt Niedojadlo: Die Anwendung geophysikalischer Methoden bei der Lösung von Altbergbau-Problemen. In: 3. Altbergbau-Kolloquium. Freiberg 2003, VGE Verlag GmbH, Essen 2003, S. 1-3.
  9. a b c d e f Günter Maier: Wasserführende Stollen - ein Hauptbestandteil der Altbergbausanierung. In: 12. BergbauForum. Tagungsband, Leipzig 2013.
  10. Thomas Degner: Prognose von geochemischen Auswirkungen der Nachnutzung stillgelegter Bergbau-Stollen-Systeme am Beispiel des Freiberger Grubenreviers. Genehmigte Dissertation der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, Freiberg 2003, S. 4-5.
  11. a b c d e T. Bergfeldt, H. Puchelt, R. Fritsche: Schwermetallgehalte in Böden und Pflanzen alter Bergbaustandorte im Mittleren Schwarzwald. Umweltministerium Baden-Würtemberg (Hrsg), Stuttgart 1995, S. 2, 4.
  12. a b Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Würtemberg (Hrsg): Schwermetallbelastungen durch den historischen Bergbau im Raum Wiesloch. Druckerei der JVA Mannheim ,ISSN 0941-780X, S. 11-13.
  13. a b c Ansgar Wehinger: Gefahren durch Altbergbau in Rheinland-Pfalz. In: Ring Deutscher Bergingenieure e.V., Bergbau. Zeitschrift für Rohstoffgewinnung - Energie - Umwelt, 63. Jahrgang, Makossa Druck und Medien GmbH, Gelsenkirchen Juni 2012, ISSN=0342-5681, S. 255-253.
  14. Kurt Pfläging: Steins Reise durch den Kohlenbergbau an der Ruhr. 1. Auflage. Geiger Verlag, Horb am Neckar 1999, ISBN 3-89570-529-2, S. 16–19.
  15. a b Uwe Münch, Peter Nestler: Airborne Laserscanning als Ergänzung der Erkundungsmethodik von Braunkohlen-Altbergbau. In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, Brandenburg 2003, S. 7-9.
  16. Günter Meier, Gerhard Jost, Angelika Dauerstedt: Sicherungs- und Verwahrungsarbeiten am Jakob Adolph Stollen - ein wasserführender Stollen unter der Stadt Hettstedt (Sachsen Anhalt). In: 7. Altbergbau-Kolloquium. Freiberg 2007, VGE Verlag GmbH, Essen 2007, S. 240-241.
  17. Günter Meier: Geotechnisch-markscheiderische Anforderungen an Sicherungen und Verwahrungen von Schächten im Altbergbau. In: 7. Altbergbau-Kolloquium. Freiberg 2007, VGE Verlag GmbH, Essen 2007, S. 188-189.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]