Alter Zoll (Bonn)

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Alter Zoll vom Rheinufer aus gesehen (2006)
Alter Zoll während der Sanierung 2014
Alter Zoll während der Sanierung im Oktober 2015
Residenzschloss vom Alten Zoll aus (1792)
Neuer Baumbestand (Dezember 2016)

Der Alte Zoll in Bonn ist eine ehemalige, auch Dreikönigen genannte, Bastion der Bonner Stadtbefestigung. Er wurde um das Jahr 1644 errichtet und liegt am Hang des Rheinufers auf dem Privatgelände der Universität Bonn als Eigentümerin.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alte Zoll liegt im Ortsteil Bonn-Zentrum am Brassertufer unterhalb des Hofgartens und des Ostflügels des Kurfürstlichen Schlosses, dem heutigen Uni–Hauptgebäude. In der Nähe befinden sich die Schiffsanlegestellen der Köln-Düsseldorfer und Bonner Personen Schiffahrt, direkt südlich des Stadtgartens das Hotel Königshof, ferner das Collegium Albertinum und unweit nördlich das Opernhaus.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stützmauern auf drei Seiten lassen den „halben“ Bastionsbau (Eckbastion) mit 150 m Umfang auf einer Grundfläche von etwa 1.000 m2 bis auf 15 m Zeichen 101 - Gefahrstelle, StVO 1970.svg Höhe aufragen. Die um 80° geneigte südliche Face ist mit Ziegeln, Trachyt und Basaltsäulen-Zwischenlagen aus Unkel vollbekleidet, man spricht von einer Escarpe mit umlaufendem Cordon (ein Bauzierteil) und Brustwehr in italienischer Bauart. Zwei Kanonen lenken[1] den Blick in Richtung Rhein- und Siebengebirgslandschaft. Diese beiden in den Jahren 1803 und 1841 gegossenen französischen Salutkanonen waren ein Geschenk von Kaiser Wilhelm I. nach dem Sieg von 1871 an die Universität Bonn, die sie daraufhin auf der Bastion aufstellen ließ – aus ihnen ist nie ein scharfer Schuss abgegeben worden[2]. „Im Inneren wird das Bauwerk von einem vier Meter breiten und ebenso hohen Gewölbegang in nordsüdlicher Richtung durchzogen. Die aus jüngster Zeit stammenden Einbauten innerhalb dieses Gewölbegangs dienten im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker.“[3]

Der Alte Zoll steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alte Zoll­gebäu­de aus der Re­naissance-­Zeit

Der Alte Zoll bildete den linksrheinischen Uferabschluss im Süden der ehemaligen Haupt- und Landesfestung Kurkölns. Die erste gesicherte Erwähnung im Urplan der Festungsanlage stammt von 1644. Als „Schlossterrasse“ im barocken Gesamtkonzept des 18. Jahrhunderts wurde der „Alte Zoll“ zum friedlichen Aussichtspunkt und beliebten Gegenstand der Reiseliteratur wie auch der romantisch-gefühlsbetonten Malerei. Am 27. Juli 1815 bemerkte Johann Wolfgang von Goethe zur Rheinansicht, „daß man sich eines Versuchs, sie mit Worten zu beschreiben, kaum enthalten kann“.

Denkmäler und Skulpturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Alten Zoll sind mehrere Kunstwerke aufgestellt. Das bekannteste ist das von Bernhard Afinger stammende und 1865 eingeweihte Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal. 1921 kam ein von Hubert Netzer geschaffenes Denkmal für den Berghauptmann Hermann Brassert, den Schöpfer des allgemeinen Berggesetzes für die preußischen Staaten, hinzu. Dargestellt ist hier die Figur der trauernden Klio, der Muse der Geschichte. Auf dem Sockel ist ein bronzenes Porträtmedaillon Brasserts angebracht.[5] Das Denkmal befindet sich vis à vis des ehemaligen, königlich-preußischen Oberbergamtes unterhalb des Gärtnerhauses, das mit dem Gartenbaumeister Dr. Peter Joseph Lenné d. J. in Verbindung steht. Dessen Porträtbüste, 1847 geschaffen vom bedeutenden Bildhauer Christian Daniel Rauch, steht seit 1989 unmittelbar vor dem Alten Zoll in der Nähe des Rheinufers.[6] 1962/63 entstand ein Ehrenmal für das Husaren-Regiment König Wilhelm I. (1.Rhein.) Nº 7 zwischen den sichtbaren Pilastern und dem Architrav. Das Bronzerelief von Ernemann Sander wird ergänzt durch die historischen Motive Pelzmütze, Eisernes Kreuz und Säbeltasche. Weitere Ergänzungen sind „Schwingende“[7] von Lajos Barta zum Gedenken an den ungarischen Volksaufstand 1956, aufgestellt 1971 und Ulrich Rückriems Heinrich-Heine-Denkmal in der Formensprache eines Grabmals und Tempelportals von 1982.[8] Im Bonner Stadtgarten wurde 2014 auf einem 1 m hohen Sockel eine 2,70 m hohe Bronzeskulptur Ludwig van Beethovens des Bildhauers Markus Lüpertz aufgestellt.

Veranstaltungen und Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo zum Lehrpfad Stadtökologie in Bonn
  • Die Außengastronomie nahe dem gärtnerisch gestalteten Rheinufer und der bei schönem Wetter geöffnete Biergarten am Stadtgarten sorgen für das leibliche Wohl. Dort haben auch Boule-Liebhaber ihren Spielplatz gefunden.
  • Hin und wieder gibt es Konzerte ganz verschiedener Musikrichtungen oder der Zirkus gastiert.
  • Aufgrund seiner früheren Mauerbegrünung war der Alte Zoll in den „Lehrpfad Stadtökologie Bonn“ einbezogen.
  • In loser Folge werden Besichtigungen des Bastionsbauwerks z. B. zum Tag des offenen Denkmals angeboten.
  • Der Skaterlauf BonnSkating hat hier seinen Start- und Zielpunkt. Im Winter wird manchmal eine Fläche zum Schlittschuhlaufen aufgebaut.

So ein Zufall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Info Simple bw.svg (Further information)[9]

Zitat eines Heimatdichters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regina Pacis über dem Süd­ein­gang des Re­si­denz­schlosses

Zu den Bildern und Berichten, die unser Herz erfreuten, welche die Menschheit seit vielen Jahrhunderten erfreut haben, gehört das heimliche Ereignis von der Geburt des Heilandes zu Bethlehem, das die Engel verkündigten.

Engel am Ko­blen­zer Tor

Es ist da nichts Besonderes – ein Kind ist geboren, Mutter und Vater sind voll andächtiger Liebe und Zärtlichkeit dabei. – Aber offen und geheim ist das Erlebnis erfüllt von großer Schönheit: mittelalterliche und neue Kunst, Maler und Bildhauer und Dichter, haben davon gelebt – am stärksten in der mit Schönheit und Männlichkeit erfüllten Zeit der Renaissance.

Es bleibt im Kunstleben nur ein Torso übrig, wenn man das hier beginnende Leben wegnehmen wollte. Von welch inniger Liebe zu ihrem Gegenstand müssen die Männer der Kunst erfüllt gewesen sein, daß diese Innigkeit noch heute ausstrahlen und unsre Sinne und Seelen mit Seligkeit erfüllen kann!

Wer aber nicht will, für den braucht hier nicht mehr zu sein als eben ein Gleichnis der Liebe, die ja alles verwandelt – etwa so, wie die Mohnblume ein Gleichnis der Schönheit ist.

Mohnfeld am Bauplatz

Das winzige Mohnkörnlein, was ist das? So gut wie ein Nichts! Es ist ein Ding ohne Wert. Es fällt in die Erde, die das Kostbarste ist, was der Mensch hat. Der Same erwacht; er wächst, der Keim treibt eine Fahne, sie spielt im Wind, treibt zur Sonne, zum Licht, treibt eine Knospe, und über Nacht ist die Mohnblume da, so wie die Morgensonne da ist und der junge Tag.

Die Lilie, die Weizenähre, das Ölkrüglein kommen aus dem Unscheinbaren – ja, das ist alles ganz „natürlich“. – Lieber Leser, was bedeutet das Wort? Es kommt von nasci = geboren werden.

Diese Dinge, diese „Wunder“ sind da, damit wir uns daran freuen. Sie sind nicht zum „glauben“ da. Sie haben mit Glauben und Unglauben gar nichts zu tun, wenn wir das Wort in seinem anmaßenden Sinne nehmen, so wenig wie das Volkslied zum glauben da ist oder wie eine Symphonie von Beethoven.

Detail Lüpertz-Leih­gabe Beet­hoven-Denk­mal

Das Wort glauben meint heute, für wahr, für richtig halten

Erz­engel Michael am Ko­blen­zer Tor

– der Mensch ist ja der Richter, er steht auf dem Grunde seines Verstandes und seines Wissens, er steht über den Dingen. Das Wort „glauben“ hat seinen eigentlichen Sinn „vertrauen, bewundern“ fast ganz verloren.

Es gibt Dinge, über die wir nicht Richter sind. Wenn es gut geht, sind wir der Bergsteiger, der die Unendlichkeit entdeckte und dabei zu sich selber zurückfand. Das ist ein guter Weg.

Er erlebte um sich und in sich das Wunder, was in der alten Sprache „Verwunderung“ bedeutet. Mit der Verwunderung, mit dem Staunen fangt die Selbsterkenntnis an, und damit der Respekt, die Ehrfurcht und die Anbetung.

Wie gut ist es, wenn wir uns verwundern! Ob es nun über das Mohnkörnlein ist oder über die Geburt des Heilandes im Stall zu Bethlehem, welche die Welt mit Verwunderung und mit Ehrfurcht und Anbetung erfüllte.

Ja, so erlöste Gott den Adam aus dem Lehm – er möchte auch uns so erlösen. August Lämmle[10]

Quis ut Deus
Das Lamm Gottes

Lehm op! War der Schlachtruf der am Alten Zoll verewigten Königshusaren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von den 27 Siebzig Jahre alten Rosskastanien wurden mehr als 21 wegen der Sanierung gefällt. Eine Neubepflanzung mit Kaiserlinden ist erfolgt.
  2. Horst-Pierre Bothien, Erhard Stang: Geheimnisvolles Bonn. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2003, ISBN 3-8313-1342-3, S. 4–5.
  3. Informationen zur Sanierung des Mauerwerks und Wiederherstellung des statischen Tragsystems am „Alten Zoll“ der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Flyer des BLB NRW, Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Köln. Hierzu auch die neue DVD-Dokumentation Bonner Keller erzählen Stadtgeschichte | Von der Römerzeit bis zum Atombunker. Verlag und Medien Service, 2017, ISBN 978-3-936253-90-0 in der Edition Rheinland im Film von Georg Divossen.
  4. Denkmalliste der Stadt Bonn (Stand: 1. Mai 2017), S. 21, Nummer A 174
  5. Josef Niesen: Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Lempertz, Bonn 2013, ISBN 978-3-943883-52-7.
  6. Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Königswinter 2013, S. 90 ff.
  7. Ulrich Winkler: Lajos Barta (1899-1986) Das plastische Gesamtwerk Zwischen Konstruktivismus und organoider Konkretion. Fotos Ralf Cohen u. a., Verlag71, Plön 1995, S. 18, 20, 62 passim mit Entwurfszeichnung Abb. 39, 195 (Tafel 7), 266 (K207)
  8. Hans Weingartz: Skulptur in Bonn Kunstwerke im öffentlichen Raum 1950 bis heute. Lempertz, Bonn 2007, ISBN 978-3-939908-19-7, S. 38, 58; auch: Josef Niesen: Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Königswinter 2013, S. 80 ff.
  9. To this headword "Alter Zoll (Bonn)" (nearby the former Elector's Residence Palace, its East Wing with St. Michael's Gate = the Koblenzer Tor, the Hofgarten, the Academic Art Museum, the Albertinum, the French Institute, the Beethoven Grammar School and the Faculty of Law and Economics, Juridicum) are mainly applied geographical and chronological categories as certain criteria in the de.wikipedia. Being a sight visited by tourists, this is quite comprehensible. Also being a historical monument it often is connected with historical events. The most far-reaching change took place after the Elector Frederick III. of Brandenburg 'became the commander in chief of the allied troops. The first fortresses were conquered easily by the allies in early summer of 1689, but Frederick expected a strong garrison and solid fortifications and as it showed he was right. Therefore he hesitated to launch an assault on Bonn, instead of this he bombed the city from the right bank of the river Rhine and from the glacis for nine weeks. He so destroyed the city almost completely. The French defence under their commander d'Alsfeld hid at first in the shelters of the outer fortifications; it was only in the cause of time that they suffered from shortage of food, water and medicine. With every bombardment the morale of the French soldiers started to sink. When at the end of September 1689 Mainz occupied by the French so far, was taken by the Emperor's troops, these troops could start to besiege Bonn that was badly damaged already. After a short attack the commander d'Asfeld who was severely wounded surrendered to Frederick's army. Bonn was destroyed by 80 percent,' as Norbert Flörken summarizes his Die Belagerung und Zerstörung Bonns 1689. Ein Lesebuch. (2015) ISBN 978-3-931596-92-7 quoted in an excerpt. One century later, during French occupation, as part of several occupations in Bonn, there occurred misunderstandings on both sides, but also initiatives to reconcile differences... In the course of celebrating people's sovereignty in the late spring of 1789 the nearby situated statue of "Regina Pacis" at the then "National Garden", today again "Hofgarten", became object of violent incidents. But these people didn't succeed in dismantling or breaking up the statue. Maybe that's the reason why it is shown as the final picture of the inner book within the 210, (pre-) 200 and 170 years presentation volume of the Bonn University in 1987: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nowadays, after German reunification and the resolution to rename the Greifswald University in 2016, Ernst-Moritz Arndt is put up for discussion, again. (E.g. Jan Bachmann: Ernst Moritz Arndt | Warum man ihn nicht ehren sollte, in: fw Des Friedrichs Wilhelm | Stadt und Campus Magazin of the General Student Committee, No 21, 4/24/2017, p. 16-18.) Having an eye on the University's anniversary next year that must be celebrated in the setting of a predicament-like tricky European context – unimaginable in the era of Konrad's-Willy's, Helmut I and II's administration – all of us may keep in mind that Arndt, whether chauvinist, antisemite, or republican advocate, made a significant contribution to courses set in those crucial years of 1814/15 leading to the re-establishing of a university in 1818. This for some people put an end to hopelessness. Maybee that's why a renaming of the Ernst-Moritz-Arndt Grammar School isn't made a striking subject of discussion, whereas on the other hand the former demanding Heinrich-Hertz Grammar School with teachers of reputation, some of them having received a PhD, disappeared from the scene without any cry of indignation. Probably this year's exhibition dealing with the history of schools in Bonn will shed no light, neither on these circumstances, nor on the historical interconnections between the predecessors of Beethoven Grammar School till 1625/26 and the later Maxish Academy in Bonn, 240 years ago. They say the two cannons at the Alte Zoll never fired a shot up- or downstream. Often one's hold on power or influence of any kind is not maintained by barrels of a rifle. Just by pure chance a text, written by a regional Swabian poet and published in 1956 came across. Thus having been involved in the Third Reich, his guiding lines nevertheless invite to contemplate on the Alte Zoll and on all these monuments and memorials gathered around:
  10. Der Bergsteiger, in Greif zu, mein Herz! | Erlebnisse und Erkenntnisse | »Unterwegs« – Zweites Buch, Verlagshaus Reutlingen Oertel & Spörer, Reutlingen 1956, S. 18f.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Klassiker zum Thema ist

  • Gebhard Aders: Bonn als Festung. Ein Beitrag zur Topographie der Stadt und zur Geschichte ihrer Belagerungen. L.Röhrscheid, Bonn 1973 (Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Bd. 12).

Aktuelle Broschüre:

  • Die Bombardierung Bonns 1689 | Bonn als Festungsstadt, Begleitbuch zur Ausstellung des Stadtmuseum Bonn..., Hg. von Ingrid Bodsch u. bearb. von Sigrid Lange, Bonn 2014, ISBN 978-3-931878-44-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alter Zoll (Bonn) – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 50° 44′ 5,1″ N, 7° 6′ 29″ O