Leinpfad

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Bronzeguss von Erich Sauer, Der Treidler, Frankenthal 1976
Treidelnde Zugtiere am Finowkanal (Brandenburg)
Federzeichnung von Wenzel Hollar, Treidelschiff am Binger Mäuseturm, 1636

Als Leinpfad oder Treidel­pfad, Bomätscher­pfad (Sachsen), Treppelweg (Österreich[1]) oder Reckweg (Schweiz[2]) wird ein Weg unmittelbar am Ufer von Flüssen oder Kanälen bezeichnet, der angelegt wurde, damit Menschen und Zugtiere (zum Beispiel Pferde) hölzerne Frachtschiffe flussaufwärts ziehen konnten. Den Vorgang nannte man treideln. Über ein Tauwerk waren die auf den Leinpfaden gehenden Treidelpferde und Treidler mit den Schiffen verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Treidelschifffahrt ging mit dem Aufkommen von maschinengetriebenen Schiffen und Schleppern zu Ende. Bis in die 1980er Jahre war das Betreten der ehemaligen Leinpfade nur auf eigene Gefahr gestattet. Sie unterliegen bis heute der Verwaltung der Wasser- und Schifffahrtsämter (WSA). Aus den meisten der Leinpfade sind mittlerweile Uferpromenaden, Rad- und Wanderwege oder Betriebswege der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung geworden.

Erhaltene Leinpfade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland/Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Deutschland ist der Leinpfad am Rhein von Basel bis in die Niederlande fast vollständig erhalten. Er wird als Freizeitweg von Fußgängern und Fahrradfahrern genutzt.

Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jütland (Dänemark) ist der Treidelpfad von Randers nach Silkeborg als Wanderweg eröffnet und gekennzeichnet. Die Broschüre „Traekstien Randers – Silkeborg“ (Der Leinpfad von Randers nach Silkeborg) ist in der Touristinformation erhältlich.

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treidelpfad entlang des Lot (Frankreich)

Bei Bouziès ist die Felswand auf dem Südufer des Flusses Lot zu einem Treidelpfad (chemin de halage) ausgehöhlt worden. Auch die Ufer der Seine, der Eure, der Dordogne sowie der Loire und ihres großen Nebenflusses Mayenne sind von derartigen Wegen gesäumt.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte des 18. Jahrhunderts entstand in England das Bedürfnis nach Transportmöglichkeiten großer Gütermengen zwischen den Städten. 1761 wurde der erste Kanal für Narrowboats (englisch für Schmalboote) eingeweiht, die mit zwei Pferden von einem Boots- und einem Pferdeführer getreidelt wurden. Das Kanalnetz wurde umfangreich ausgebaut, bis ab etwa 1850 die Eisenbahn den Narrowboats den Rang ablief. Die Treidelpfade werden heute als Wander- und Fahrradwege genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Towpaths – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Treppelweg von „trippeln“ im Sinne von kleine Schritte machen
  2. Reckweg von „sich recken“ im Sinne von sich anstrengen
  3. Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Die GrünGürtel Freizeitkarte. 7. Auflage, 2011