Altes Hüttenareal Neunkirchen

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Das Alte Hüttenareal (AHA, eigene Schreibweise Altes HüttenAreal) ist eine Ansammlung von Industriedenkmälern in Neunkirchen (Saar) im Saarland, die zum ehemaligen Neunkircher Eisenwerk gehörten. Das Werk wurde 1982 stillgelegt. 1993 wurde der erste Teil des Hüttenparks eingeweiht und zwei Jahre darauf war er komplett fertig. Zuvor war das Gelände des Hüttenparks eine Industriebrache von ca. 40 Hektar. Im Park sind alte Maschinenteile aus der Hüttenzeit ausgestellt. Diese sind mit Informationstafeln versehen. Das Gelände ist heute ein Erholungspark mit vielen Grünflächen. Im Gelände integriert ist der wieder aufgedeckte Heinitzbach, der lange Zeit unterirdisch verrohrt war. Jede Station auf dem Neunkircher Hüttenweg, der durch das Areal führt, ist mit Informationstafeln ausgestattet. Es werden einmal im Monat geleitete Führungen angeboten.

Altes Hüttenareal
Altes Hüttenareal bei Nachtbeleuchtung

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Meisterhäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Meisterhäuser

Es handelt sich dabei um sechs eingeschossige Doppelhäuser, die 1882 errichtet wurden und heute in Privatbesitz sind. An den Meisterhäusern begannen früher (bis Anfang der 1980er Jahre) die Werksanlagen. Für Ledige gab es extra Schlafhäuser, die jedoch nicht bis heute überdauert haben.

Hochöfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Heinitzbach befindet sich die ehemalige Hochofenanlage. Heute stehen nur noch zwei der ehemals sechs Hochöfen (II und VI). Hochofen II ist der weltweit erste zum Zweck einer musealen Präsentation restaurierte Hochofen (diverse früher stillgelegte und bis heute museal erhaltene Hochofenanlagen in Polen, Japan und den USA wurden nicht bzw. erst später restauriert). Hochofen VI besitzt noch drei Winderhitzer und die Gichtbühne. 1902 wurden große technische und bauliche Änderungen durchgeführt (Gebläsemaschine und Erhöhung Winderhitzer). Dadurch war man in der Lage, ab 1929/30 den kompletten Roheisenbedarf aus eigener Erzeugung decken zu können. Der Hochofen II erreichte 1969 eine Tagesproduktion von 1.400 t. Der Hochofen VI hingegen, der 1976 das letzte Mal modernisiert wurde, kam nur auf 700 t pro Tag. Direkt neben dem Hochofen VI befindet sich das alte Gebläsehaus. Dieses wurde ab 1903 gebaut. In dem Gebäude waren die mit Hochofengas (Gichtgas) betriebenen Gebläse untergebracht. Die Aufgabe dieser Gebläse war es, die Winderhitzer mit Luft zu versorgen. Hochofen VI ist heute im Rahmen von Führungen begehbar.

Wasserturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserturm

Der Wasserturm befindet sich direkt gegenüber dem Gebläsehaus. Er wurde 1936 erbaut. Seine Aufgabe war es, die Wasserversorgung der Hochöfen sicherzustellen. Insgesamt fasste der Wasserturm 2.150 Kubikmeter. Heute befinden sich im Wasserturm 4 Kinos (Cinetower). In einem neueren Anbau sind einige Kneipen untergebracht.

Stummsche Reithalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stummsche Reithalle

An den Winderhitzern von Hochofen II vorbei kommt man zur so genannten Stummschen Reithalle an der Saarbrücker Straße, die als eines der Nebengebäude unterhalb des 1945 zerstörten Stummschen Herrenhauses erhalten ist. Das Herrenhaus war von Carl Friedrich Stumm (1798–1848) unmittelbar neben den Werksanlagen erbaut worden. Zum Herrenhaus gehörten eine Parkanlage und mehrere Nebengebäude. Das Gebäude wurde zunächst (1858/59) als Reitbahn für die Kinder von Carl Friedrich Stumm genutzt. Später wurde die Reithalle als Wagenschuppen (1880), dann als Feuerwehrhaus und zuletzt als Lehrwerkstatt (1985) genutzt. Heute finden hier verschiedene Veranstaltungen (Theater, Musikauftritte) statt.

Stummsche Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stummsche Kapelle
Erbbegräbnisstätte

In der Nähe des Spitzbunkers (Luftschutzbunker für 500 Personen im Zweiten Weltkrieg) befindet sich die Stummsche Kapelle, die Privatkapelle der Familie Stumm, die nur zu festlichen Anlässen benutzt wurde. Diese wurde um 1850 im neugotischen Stil erbaut. Nach dem Umzug der Familie auf das Schloss Halberg um 1880 wurde die Kapelle kaum mehr benutzt. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und ausgebrannt, wurde sie in den 1980er Jahren äußerlich wiederhergestellt.

Erbbegräbnisstätte der Familie Stumm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Weg vorbei an einer alten Direktorenvilla, die 1921 im Auftrag des Eisenwerks errichtet wurde, kommt man zum 1839 angelegten und vollständig erhaltenen Privatfriedhof der Familie Stumm. Der Friedhof ist von einer Mauer umgeben und war früher nur vom Park des Herrenhauses aus zugänglich. Er dient noch heute als Erbbegräbnisstätte der Familie Stumm (letzte Beisetzung 1996). Die 18 Gräber, von denen 17 mit gusseisernen Kreuzen versehen sind, gruppieren sich um eine ca. 5 m hohe gusseiserne neugotische Stele Carl Friedrich Stumms von 1845 herum. Die Stele trägt auf ihren vier Seiten folgende Inschriften:[1]

  • „Ruhestätte der Familie Stumm, eingeweiht am Begräbnistage des Carl Friedrich Stumm, d. 27. Febr. 1848“
  • Auf den anderen drei Seiten Trauerverse. Auf dem Sockel: „Gefertigt auf dem Neunkircher Eisenwerk im Jahr 1845“

Denkmalstele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ca. 4 m hohe gusseiserne neugotische Stele Carl Friedrich Stumms von 1845, die auf einer Halbinsel am Hammerweiher stand, konnte in den 1980er Jahren aus dem Hammerweiher geborgen werden. Sie erinnert an die drei Gründer der Gebrüder Stumm OHG und zählt die zwischen 1714 und 1845 von den Vorfahren Stumm betriebenen Eisenhämmer und Eisenwerke einzeln auf. Die Stele trägt auf ihren vier Seiten folgende Inschriften:[2]

  • „Den Vorfahren in Liebe und Dankbarkeit geweiht vom Sohn und Neffen Carl Friedrich Stumm 1845“
  • „Den Gebrüder Stumm Friedrich Philipp geb. 1751 gest. 1835. Christian Philipp geb. 1760 gest. 1826. Johann Ferdinand geb. 1784 gest. 1839“
  • „Hammer-Birkenfeld, Asbach, Katzenloch, Abentheuer, Gräfenbach, Weiprath, Weitersbach, Neunkirchen“
  • „Halberg, Fischbach, Dillingen, Bettingen, Münchweiler, Geislautern“

Gasometer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gasometer

Am Gasometer mit der Aufschrift „Neunkircher Stahl“ wird an die furchtbare Gasometer-Explosion erinnert, die 62 Tote, 160 Schwer- und etwa 400 Leichtverletzte forderte. Der Vorgänger des jetzigen Gasometers an der Saarbrücker Straße geriet am 10. Februar 1933, einem Freitag, in Brand, und explodierte gegen 18.07 Uhr in einer gewaltigen Detonation, deren Knall in einem Umkreis von 150 km gehört wurde. Der Stadtteil Niederneunkirchen wurde weitgehend zerstört, von zehn Häusern und ihren Bewohnern war keine Spur mehr zu finden.

Hüttenschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hüttenschule wurde 1851 auf Initiative der Stummschwester Henriette Strantz errichtet. Die Schule nannte sich „weibliche Industrieschule zu Neunkirchen“. Ziel dieser Schule war es, den Töchtern der im Hüttenwerk Beschäftigten eine hauswirtschaftliche Ausbildung zukommen zu lassen. Die Schule kostete das Hüttenwerk jährlich 100.000 Franken. Geleitet wurde die Schule später von der Gräfin von Francken-Sierstorpff. Im Ersten Weltkrieg 1914–1918 wurde das Gebäude als Militärlazarett genutzt. Später war darin das Hüttenarchiv untergebracht.

Stummdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1902 errichtete Stummdenkmal zeigt Carl Ferdinand von Stumm-Halberg (1836–1901). Das überlebensgroße Bronzestandbild, Ende des 20. Jahrhunderts in die Stummstraße am Stummplatz versetzt, zeigt Stumm als Unternehmer mit Symbolen der Montanindustrie (Luppenzange und Kokille). Der bekannte Berliner Bildhauer Fritz Schaper schuf es, der Bronzeguss erfolgte in der Aktiengesellschaft vorm. Hermann Gladenbeck u. Sohn in Berlin-Friedrichshagen.[3] Das Denkmal wies nach dem Zweiten Weltkrieg eine kleine Kriegsverletzung durch einen Granatsplitter am Oberschenkel auf, die Ende des 20. Jahrhunderts „geheilt“ wurde. Das Denkmal hatte in den letzten Jahrzehnten durch verschiedene Umbaumaßnahmen der Stadt immer mal wieder einen neuen Platz.

Christuskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Christuskirche war eine Stiftung von Carl Ferdinand von Stumm-Halberg an die evangelische Gemeinde. Sie wurde in den Jahren 1867 - 69 im neugotischen Stil errichtet. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde die Kirche 1949 in abgewandelter Form wieder aufgebaut. Hinter der Christuskirche steht das 1904 von der Familie Stumm gestiftete Karl-Ferdinand-Haus. Erbaut für Alte und Waisen ist es heute ein Altenheim für ca. 60 Personen. Zeitweise diente es auch als Entbindungsheim.

Foto-Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ehemaliges Eisenwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neunkirchen (Saar), Sinnerthaler Weg, an der Friedhofsstele angebrachte Inschriften.
  2. Neunkirchen (Saar), Lindenallee, an der Denkmalstele angebrachte Inschriften.
  3. Neunkirchen (Saar), Stummplatz, am Fußsockel des Denkmals angebrachte Inschriften.

Koordinaten: 49° 20′ 52″ N, 7° 10′ 15″ O