Eisenhammer

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Eisenhammer: Im Hintergrund sieht man den Rennofen, davor wird eine Luppe grob von Schlackeresten befreit. Ganz im Vordergrund geschieht das Ausschmieden der Luppe unter dem Hammer (Quelle: Agricola, Georgius (1556): De re metallica libri XII. - Basel.)

Ein Eisenhammer ist ein Handwerksbetrieb aus der Zeit vor der Industrialisierung zur Herstellung von Schmiedeeisen als Halbzeug und weiter daraus gefertigten Gebrauchsgütern. Das namensgebende Merkmal dieser Hammerschmieden war der mit Wasserkraft angetriebene Schwanzhammer. Das Anheben des Hammers übernahm eine Welle, auf der radiale „Daumen“ (siehe auch Nockenwelle) befestigt waren, die das Ende des Hammerstiels periodisch hinunter drückten und somit den Hammerkopf anhoben. Beim Auf- und Niederfallen bewegte sich Letzterer in einer Kreislinie. Die Hammerbahn wurde zur langen Nutzung verstählt.[1]

Hammerwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innere Krampen, Hammerwerk, Lith. um 1830, J.F.Kaiser, Graz

Die anfangs durch Wasserräder, später auch durch Dampfkraft betriebene Einrichtung setzte sich durch, als die zu bearbeitenden Werkstücke mit der Zeit immer größer wurden und nur noch schwierig von Hand zu bearbeiten waren.

Die Eisenhämmer verhütteten Eisenerz mit Holzkohle in den so genannten Rennherden (Georgius Agricola 1556, auch „Rennfeuer“ oder „Rennofen“: vom „Rinnen“ der Schlacke oder „Zrennherd“: vom „Zerrinnen“). In diesen Schmelzöfen, die mit ebenfalls durch Wasserkraft betriebenen Blasebälgen versehen waren, wurde das Erz zu einem glühenden Klumpen aus rohem weichem Eisen, flüssiger Schlacke und Kohleresten verschmolzen. Das Eisen wurde dabei allerdings nicht flüssig wie in einem Hochofen, sondern blieb vor allem infolge des Gehaltes an flüssiger Schlacke ein „teigiger“ und poröser Klumpen. Dieser hist. Luppen genannte Klumpen aus Eisenschwamm wurde zunächst per Hand durch Vorschlaghämmer verdichtet. Darauf wurde es meist mit dem maschinellen Schwanzhammer oder Vorschlaghämmer mehrfach ausgeschmiedet, bis sämtliche Schlacke und Kohlereste entfernt waren. Dazu wurde das Eisen in einem weiteren Schmiedeherd (Esse) erhitzt. Das Eisen konnte anschließend als weiches Schmiedeeisen direkt weiterverwendet werden. Ein nachfolgender Vergütungsprozess wie Frischen beim Hochofenverfahren war nicht notwendig.

Das hier entstandene grobe Stabeisen wurde z. T. extern in gesonderte kleine Zainhammer zu dünnen Eisenstangen (bzw. starke Drähte), dem sogenannten Zaineisen ausgeschmiedet, das von Nagelschmieden zur Herstellung von Nägeln benötigt wurde.
Eine Weiterverarbeitung zum sogenannten Gärbstahl (Raffinierstahl) zu elastischem Stahl, wie z. B. für Degenklingen wurde durch spezialisierte Raffinierhämmer oder durch Schmiede vor Ort durchgeführt.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographisch waren die Eisenhämmer vom Vorhandensein der Wasserkraft (siehe: Hammermühle) abhängig. Gleichzeitig mussten Wälder die Gewinnung großer Mengen von Holzkohle garantieren. Darüber hinaus musste es in der näheren Umgebung Eisenerzvorkommen geben, um kurze Transportwege des eisenhaltigen Gesteins bis zur Verhüttung zu ermöglichen. Auch landwirtschaftlich nutzbare Flächen waren für die Ernährung der vielen benötigten Arbeitskräfte wichtig.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weit verbreitet waren Eisenhämmer seit dem späten Mittelalter

In diesen Gegenden gab es Eisenvorkommen, die mit damaligen Mitteln abzubauen waren. Eine hohe Dichte mit mehreren hundert Anlagen gab es im Wupperviereck.

Die Oberpfalz war eines der europäischen Zentren, was ihr auf Grund der vielen Hammerwerke den Beinamen Ruhrgebiet des Mittelalters einbrachte. Ortsnamen mit Namensendung -hammer sind in dieser Gegend sehr häufig. Der zu einem Eisenhammer gehörige Herrschaftssitz wird als Hammerschloss bezeichnet. Diese meist unscheinbaren Schlossanlagen, die als Sitz der Hammerherren dienten, befinden sich in der Regel in unmittelbarer Nähe des Hammerwerks. Bedeutende Hammerschlösser sind entlang der Bayerischen Eisenstraße, so in Theuern, Dietldorf und Schmidmühlen[3] zu sehen.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich fanden die Eisenhämmer vor allem Verbreitung in der Eisenwurzen entlang der Österreichischen Eisenstraße im Länderdreieck NiederösterreichSteiermarkOberösterreich (z. B. Ybbsitz) sowie in den obersteirischen Tälern der Mur und Mürz und deren Seitentälern. Die Sitze der dortigen Hammerherren (Schwarze Grafen) werden als Hammerherrenhäuser bezeichnet.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Produkte der Eisenhämmer waren

Diese Produkte gelangten als Halbzeuge so in den Handel, wurden aber teilweise auch im Erzeugerwerk selbst zu Endprodukten wie Sensen, Sicheln, Schaufeln, Waffen, oder Gezähe weiterverarbeitet.

Bekannte Eisenhämmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenansicht des Frohnauer Hammers
Innenansicht der Schmiede des Frohnauer Hammers inklusive Hammerwelle, drei Schwanzhämmern und Gestänge der Blasebälge
Schwanzhämmer im Tobiashammer

Die hier aufgeführten Anlagen sind überwiegend erhalten und der Öffentlichkeit als Museum zugänglich.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzgebirge
Bayerische Eisenstraße

Die Bayerische Eisenstraße ist eine bedeutende und geschichtsträchtige Ferienstraße in Süddeutschland, die auf 120 km Länge zahlreiche historische Industriestätten aus mehreren Jahrhunderten mit Kultur- und Naturdenkmälern verbindet. Die Bayrische Eisenstraße verläuft entlang alter Verkehrswege von der Nürnberger Region bei Pegnitz in südliche Richtung bis Regensburg und verbindet die einstigen Eisenzentren von Ostbayern, nämlich die Reviere Pegnitz, Auerbach, Edelsfeld, Sulzbach-Rosenberg und Amberg. Von dort wird sie zu einem etwa 60 km langen Wasserweg auf den Flüssen Vils und Naab bis zu deren Mündung in die Donau bei Regensburg.

Franken
Niederlausitz
  • Eisenhütten- und Hammerwerk in Peitz (Museum)
Oberbayern
  • Hammer- und Glockenschmiede in Ruhpolding (Museum)
Oberbergisches Land
Oberpfalz
  • Gaisthaler Hammer
  • Das Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern in Theuern (Gemeinde Kümmersbruck) ist ein überregional bedeutendes Museum, das den Bergbau und die Industrie des gesamten ostbayerischen Raumes erforscht und dokumentiert. Das Museum wurde 1978 im ehemaligen Hammerherrenschloss Theuern eingerichtet. Das Museumsareal umfasst neben dem Schloss drei weitere regionaltypische Industriedenkmäler, die nach Theuern übertragen wurden. Eine der Außenanlagen des Museums ist das Hammerwerk Staubershammer. Das Werk wurde 1973 in der Nähe von Auerbach abgebrochen und in Theuern original wieder aufgebaut. Seine Betriebseinrichtung stammt zum großen Teil aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Ruhrgebiet
Sauerland
Schwäbische Alb
  • historische Hammerschmiede in Blaubeuren (Museum)
Schwarzwald
Spessart
Thüringer Wald
Thüringen
Weserbergland

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmiedemuseum in Arbesbach
Waldviertel, Niederösterreich;
Österreichische Eisenstraße
  • Zwischen Lassing (Gemeinde Göstling) und Hollenstein an der Ybbs liegt das Hammerbachtal. Hier können die Überreste seinerzeitiger Hammerwerke besichtigt werden, und zwar der Hof-Hammer, der Wentsteinhammer, die Pfannschmiede und der Treffenguthammer
  • Entlang der Schmiedemeile in Ybbsitz sieht man mehrere Hammerwerke, den Fahrngruber-Hammer, das Hammerwerk Eybl mit Künstlerwerkstatt, den Strunz-Hammer und den Einöd-Hammer. Das einzigartige Kulturensemble zur Eisen- bzw. Metallverarbeitung wurde 2010 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. (Siehe auch: Schmieden in Ybbsitz [4])
  • In Vordernberg kann man neben historischen Hochöfen (Radwerken) auch die Lehrfrischhütte besichtigen. Diese vermittelt die Atmosphäre einer alten Schmiede, deren noch voll funktionsfähiger Schwanzhammer von einem Wasserrad angetrieben wird. Dieser Hammer wird vornehmlich zum Schauschmieden verwendet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Literatur hat der Eisenhammer seinen festen Platz durch Friedrich Schillers Ballade Der Gang nach dem Eisenhammer (1797) erhalten, die von Bernhard Anselm Weber für den Schauspieler August Wilhelm Iffland als großes Orchestermelodram vertont und später dann von Carl Loewe als durchkomponierte Ballade bearbeitet wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gaspard L. de Courtivron, Étienne Jean Bouchu: Abhandlung von den Eisenhammern und hohen Oefen. Aus dem Französischen der „Descriptions des arts & metiers“ übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Johann Heinrich Gottlob von Justi. Rüdiger, Berlin, Stettin und Leipzig 1763 (E-Book. s. n., Potsdam 2010, ISBN 978-3-941919-72-3).
  • Lothar Klapper: Geschichten um Hütten, Hämmer und Hammermeister im mittleren Erzgebirge. Ein Vortrag zur Geschichte ehemaliger Hütten und Hämmer im Landkreis Annaberg (= Streifzüge durch die Geschichte des oberen Erzgebirges 32, ZDB-ID 2003414-3). Band 1. Neuer Heimatkundlicher Arbeitskreis, Annaberg-Buchholz 1998, Online-Fassung.
  • Bernd Schreiter: Hammerwerke im Preßnitz- und Schwarzwassertal (= Weisbachiana. Heft 27, ZDB-ID 2415622-X). 2., bearbeitete Auflage. Verlag Bernd Schreiter, Arnsfeld 2006.
  • Johann Christian zu Solms-Baruth, Johann Heinrich Gottlob von Justi: Abhandlung von den Eisenhammern und hohen Oefen in Teutschland. Rüdiger, Berlin, Stettin und Leipzig 1764 (E-Book. Becker, Potsdam 2010, ISBN 978-3-941919-73-0).
  • E. Erwin Stursberg: Geschichte des Hütten- und Hammerwesens im ehemaligen Herzogtum Berg (= Beiträge zur Geschichte Remscheids. Heft 8, ISSN 0405-2056). Stadtarchiv, Remscheid 1964.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]. Erläuterung „Verstählen“. Auf www.enzyklo.de. Abgerufen am 8. März 2013.
  2. Herbert Nicke: Bergische Mühlen – Auf den Spuren der Wasserkraftnutzung im Land der tausend Mühlen zwischen Wupper und Sieg; Galunder; Wiehl; 1998; ISBN 3-931251-36-5.
  3. Klaus Altenbuchner, Michael A. Schmid: Das Hammerschloss in Schmidmühlen. Zur Wiederentdeckung eines italienisch geprägten Schlosses und seiner bedeutenden Dekoration. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Bd. 143, 2003, ISSN 0342-2518, S. 397–418.
  4. Schmieden in Ybbsitz. Abgerufen am 29. März 2013.