Anadenanthera peregrina

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Anadenanthera peregrina
Anadenanthera peregrina

Anadenanthera peregrina

Systematik
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Mimosoideae
Tribus: Mimoseae
Gattung: Anadenanthera
Art: Anadenanthera peregrina
Wissenschaftlicher Name
Anadenanthera peregrina
Speg.

Anadenanthera peregrina ist eine Pflanzenart aus der Gattung Anadenanthera innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Anadenanthera peregrina und Anadenanthera colubrina sind in Südamerika verbreitet, werden dort Yopo genannt und als psychoaktive Droge verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet
Anadenanthera peregrina 1916
Yopo-Schnupftabak

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Anadenanthera peregrina wächst als mimosenartiger Baum oder Strauch und erreicht Wuchshöhen von 3 bis 20 m mit einer Stammdicke von 20–50 cm. Die schwärzliche Borke weist kegelförmige, zugespitzte Auswüchse (Panzerungen) auf. Die etwa 12 bis 30 cm langen Laubblätter sind gefiedert und setzen sich aus zehn bis dreißig gegenständigen Fiederpaaren zusammen.[1]

Generative Merkmale[Bearbeiten]

35 bis 50 mm – mit einem Durchmesser von 10 bis 18 mm – sehr kleine Blüten mit glockenförmigem Kelch stehen in endständigen, kugeligen, traubigen Blütenständen zusammen. Die fünf Blütenkronblätter sind weiß und stehen frei oder sind leicht verwachsen. 10 Staubblätter sind zwischen fünf und acht Millimeter lang. Die rauhe und holzige Hülsenfrucht weist eine Länge von 5 bis 35 cm und eine Breite von 1 bis 3 cm auf. Sie enthält 3 bis 15 flache, rundliche Samen. Diese glänzen schwarz und haben einen Durchmesser von 10 bis 20 mm.[1]

Vorkommen[Bearbeiten]

Anadenanthera peregrina kommt in Südamerika vor, vor allem in Brasilien, Kolumbien, Venezuela und Guyana; auf den Westindischen Inseln hat sie sich mittlerweile eingebürgert und auf Haiti wird die Pflanze in Plantagen kultiviert.[2] Anadenanthera peregrina bevorzugt Sandsteinböden und semiaride Standorte und findet sich vorwiegend in Ebenen und Grasregionen, die nicht bewaldet sind, so in Savannen entlang von Wasserläufen oder im offenen Grasland, und in Lagen von Meeresniveau bis zu maximal 1200 m Höhe.[1]

Taxonomie[Bearbeiten]

Synonyme für Anadenanthera peregrina Speg. sind: Acacia angustiloba DC., Acacia microphylla Willd., Acacia peregrina (L.) Willd., Inga niopo Willd., Mimosa acacioides Benth., Mimosa niopo (Willd.) Poiret, Mimosa parvifolia Poiret, Mimosa peregrina L., Niopa peregrina (L.) Britton & Rose, Piptadenia niopo (Willd.) Spruce, Piptadenia peregrina (L.) Benth..

Nutzung[Bearbeiten]

Wirkstoffe[Bearbeiten]

Vor allem die Samen und die Rinde von Anadenanthera peregrina enthalten psychoaktive Substanzen. Sie sind reich an als Serotonin-Mimetika wirksamen Tryptaminderivaten, wie N,N-Dimethyltryptamin (N,N-DMT), N,N-Dimethyl-5-methoxytryptamin (5-MeO-DMT) und Bufotenin (5-Hydroxy-dimethyltryptamin).[3] Des Weiteren enthält die Pflanze Spuren von β-Carbolin-Alkaloiden, 2-Methyltetrahydro-β-carbolin sei hier als Beispiel angeführt.[4][5] Der Gesamtalkaloidgehalt der Rinde beträgt 0,4 %, der Gehalt der Samen 0,2 % und die Wurzeln enthalten bis zu 0,7 % Alkaloide.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Die im nördlichen Teil des Amazonasbecken und im Orinocobecken sowie im Norden Argentiniens beheimateten Indianer nutzen Yopo-Puder seit Langem als psychoaktive Droge. Die zuerst befeuchteten und zu einem Teig gekneteten Samen werden geröstet und zu einem Pulver zermahlen; durch Vermischen mit alkalischer Asche oder Kalk erhalten die Indios die freien Basen der Alkaloide.[1] Die als Yopo, Niopo, Parica, Cébil, Vilca oder Huilca bezeichnete Mischung wirkt als kurzfristiges und starkes Halluzinogen und wird vorwiegend nasal (Schnupfen), aber auch rektal als Klistier oder dermal appliziert.[1][2] Die freien Basen werden dabei rasch resorbiert und überwinden – mit Ausnahme des Bufotenin – die Blut-Hirn-Schranke. Nasal, dermal oder rektal ist die Droge dabei deutlich wirksamer als oral aufgenommen. Mitunter wird Yopo zusammen mit Tabak geraucht oder vermischt mit Honig gegessen.

Symptome[Bearbeiten]

Je nach Art der Applikation und Zusammensetzung der Droge treten Symptome nach einer Minute (Rauchen von 5 bis 10 mg 5-Methoxydimethyltryptamin), zwei bis drei Minuten (i. v. Gabe von 0,7 mg/kg Dimethyltryptamin) oder 10 bis 15 Minuten (Schnupfen von Yopo-Pulver) auf. Dazu zählen der vollständige Identitätsverlust und multidimensionale Visionen, verbunden mit starken und vielfältigen psychedelischen Halluzinationen. Hierunter sind beispielsweise die Verwandlung in Tiere, erotische Ekstase und das Gefühl von Fliegen zu verstehen. Der Wirkung gehen oft Kopfschmerzen, Speichelfluß und Erbrechen voraus, bevor ein Trancezustand mit Tanzen, Singen und Schreien erreicht wird.[1]

Pharmakologie[Bearbeiten]

Anadenanthera peregrina ist eine stark halluzinogene Pflanzenart mit psychoaktiven Eigenschaften, die als giftig (II) eingestuft ist. Bufotenin, N,N-DMT und 5-MeO-DMT aktivieren dabei die Serotoninrezeptoren. β-Carbolin-Alkaloide wirken als starke Hemmstoffe der Monoaminooxidase und der Serotonin-Antagonisten. Dies erklärt die halluzinogenen Effekte.[3][4] 50 bis 80 mg N,N-DMT (intramuskuläre Injektion) bzw. 6 bis 8 mg Bufotenin (intravenöse Applikation) reichen für die Herbeiführung eines starken Rauschzustandes aus.[5]

Toxikologie[Bearbeiten]

Bei intraperitonealer Gabe wurden bei der Maus folgende LD50-Werte ermittelt: Dimethyltryptamin 110 mg/kg, Bofotein 290 mg/kg und 5-Methoxydimethyltryptamin 115 mg/kg.[1]

Rechtslage[Bearbeiten]

Pflanzen und Organismen, die den Wirkstoff DMT enthalten und zu Rauschmitteln verwendet werden, sind in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der Aufführung in der Anlage 1 BtMG nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel.[6] Der Umgang ohne Erlaubnis ist grundsätzlich strafbar. Weitere Informationen sind im Hauptartikel Betäubungsmittelrecht in Deutschland zu finden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wink, Michael, Ben-Erik van Wyk, Coralie Wink: Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008, ISBN 3-8047-2425-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h  W. Blaschek, R. Hänsel, K. Keller, J. Reichling, H. Rimpler, G. Schneider (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis, Folgeband 2 Drogen A–K. 5 Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 2012, ISBN 978-3-642-63794-0, S. 81–85 (Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1998, online).
  2. a b Anadenanthera peregrina (L.) Spegazzini., Mansfeld's World Database of Agriculture and Horticultural Crops, abgerufen am 16. Mai 2015.
  3. a b Eintrag zu N,N-Dimethyltryptamin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 14. Mai 2015.
  4. a b Anadenanthera peregrina (L.) SPEG. - Fabaceae. in Dr. Duke's Phytochemical and Ethnobotanical Databases, abgerufen am 14. Mai 2015.
  5. a b Marcel Granier-Doyeux: Native hallucinogenic drugs piptadenias. UNODC, 1. Januar 1965, S. 29–38.
  6. Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Betäubungsmittelgesetz - BtMG), Anlage I (zu § 1 Abs. 1) (nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel). Gesetze-im-Internet.de.
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