Ansar Dine

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Ansar-Dine-Rebellen auf einem Technical

Ansar Dine (arabisch ‏أنصار الدين‎, DMG Anṣār ad-Dīn), „Unterstützer des Glaubens“ ist eine islamistische Gruppe, die von Iyad Ag Ghaly angeführt wird. Ag Ghaly ist eine der prominentesten Figuren der 2. Tuareg-Rebellion in den 1990er Jahren. 1990 befahl er als Chef der damaligen Volksbewegung von Azawad (MPA) den Angriff auf eine Militärgarnison im östlichen Ménaka. Dies gilt bis heute als Beginn der Revolte.

Ansar Dine will die Scharia (islamisches Recht) im westafrikanischen Staat Mali einführen. Ag Ghaly, der Anführer von Ansar Dine, der laut Angaben seiner Anhänger nach einem Aufenthalt in Pakistan seinen „wahren Glauben“ fand, sagte zu den politischen Ereignissen im Frühjahr 2012: „Ich will keine Unabhängigkeit, ich will die Scharia für mein Volk.“ und weiter: „Wir sind gegen Revolutionen, die nicht im Namen des Islam sind“. Die einseitige Unabhängigkeitserklärung der MNLA lehnt er ab. Ferner wird Ag Ghaly angelastet, Verbindungen zur Al-Qaida im Maghreb sowie zu einer islamistischen Splittergruppe, die von seinem Cousin Hamada Ag Hama angeführt wird, zu unterhalten. Die islamistische Rebellengruppe Ansar Dine kontrollierte 2012 alle wichtigen Städte im Norden, z. B. Timbuktu.

Frauen müssen sich verschleiern, Diebe müssen damit rechnen, dass ihnen ohne einen rechtsstaatlichen Urteilsspruch die rechte Hand abgehackt wird. Zudem übt Ansar Dine Druck auf Hotels aus, die Alkohol ausschenkten. Radiostationen dürfen keine internationale Musik mehr spielen.

Ansar Dine kämpft im Gegensatz zur MNLA nicht für einen religiös neutralen Nationalstaat, sondern für einen islamistischen Staat in der Region Azawad.[1][2][3][4]

Im Mai 2012 haben sich die MNLA und Ansar Dine dazu verständigt, ihre Truppen zu vereinen und einen islamischen Staat in den von ihnen kontrollierten nördlichen Territorien zu errichten.[5] Wenige Tage später wurde die Übereinkunft allerdings für nichtig erklärt.[6] Die Allianz zerbrach jedoch endgültig am 8. Juni an der Weigerung der säkularen MNLA, die Scharia anzuerkennen, und es kam zu ersten Gefechten zwischen beiden Gruppen.[7] Am 28. Juni 2012 brachte Ansar Dine nach Kidal auch Gao und Timbuktu vollends unter ihre Kontrolle, vertrieb die MNLA aus den Städten und setzte dort die Scharia durch.[8]

Im Mai und Juni 2012 zerstörten Mitglieder von Ansar Dine das zum UNESCO-Welterbe gehörende Mausoleum Sidi Mahmud Ben Amar in Timbuktu und drohten Anschläge auf weitere Mausoleen an.[9][10] Ende Juni 2012 wurde Timbuktu aufgrund des bewaffneten Konflikts in Mali auf die Rote Liste des bedrohten Weltkulturerbes gesetzt. Kurz danach wurde die Zerstörung der durch die UNESCO denkmalgeschützten Grabstätten von Sidi Mahmud, Sidi Moctar und Alpha Moyaunter unter Verhöhnung der UNESCO fortgesetzt.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rebellen im Norden Malis rufen Scharia aus. Islamistische Fundamentalisten. Spiegel Online, 3. April 2011, abgerufen am 12. April 2011.
  2. Mali macht ersten Schritt aus Chaos und Krise. Zeit Online, 9. April 2011, abgerufen am 12. April 2011.
  3. Gefahr für Timbuktu. Süddeutsche Zeitung, 5. April 2011, abgerufen am 12. April 2011.
  4. Der „Löwe der Wüste“ herrscht in Timbuktu. Islamist Iyad Ag Ghaly will Scharia einführen. Rheinische Post, 8. April 2011, abgerufen am 12. April 2011.
  5. Malian rebels and Islamic fighters merge. Al Dschasira, 27. Mai 2012, abgerufen am 27. Mai 2012 (englisch).
  6. Tuareg lehnen gemeinsamen Staat mit Islamisten ab NZZ Online 1. Juni 2012. Abgerufen am 6. Juli 2012
  7. Ex-allies clash in northern Mali as crisis 'turns tribal'. In: AFP. 5. August 2012, abgerufen am 19. Juli 2012 (englisch).
  8. Ansar Dine Islamists oust Tuareg rebels from Timbuktu. In: France 24. 29. Juni 2012, abgerufen am 19. Juli 2012 (englisch).
  9. «Timbuktu steht unter Schock»: Fundamentalisten zerstören Unesco-Weltkulturerbe im Norden Malis, NZZ, 6. Mai 2012. Abgerufen am 6. Juli 2012
  10. Mali Islamists attack UNESCO holy site in Timbuktu, Reuters, 6. Mai 2012. Abgerufen am 6. Juli 2012
  11. Verwüstetes Weltkulturerbe in Mali: Islamisten verhöhnen die Unesco Spiegel Online, 1. Juli 2012. Abgerufen am 6. Juli 2012