United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali

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MINUSMA
Einsatzgebiet Mali
Deutsche Bezeichnung Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali
Englische Bezeichnung United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali
Französische Bezeichnung Mission multidimensionnelle intégrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali
Basierend auf UN-Resolution 2100 (25. April 2013)
Weitere UN-Resolutionen 2164 (2014)

2227 (2015)
2295 (2016)
2364 (2017)

Art der Mission Friedensmission
Beginn Juli 2013
Ende andauernd
Leitung Mahamat Saleh Annadif (Chad) [1]
Einsatzstärke (max.) 13.289 Soldaten, 1.920 Polizisten
Militär aus BangladeschBangladesch BeninBenin Burkina FasoBurkina Faso China VolksrepublikVolksrepublik China ElfenbeinküsteElfenbeinküste DanemarkDänemark DeutschlandDeutschland Dominikanische RepublikDominikanische Republik EstlandEstland FinnlandFinnland KambodschaKambodscha FrankreichFrankreich GambiaGambia GhanaGhana GuineaGuinea Guinea-BissauGuinea-Bissau ItalienItalien JemenJemen JordanienJordanien KeniaKenia LibyenLibyen MauretanienMauretanien NepalNepal NiederlandeNiederlande NigeriaNigeria NigerNiger NorwegenNorwegen RuandaRuanda SchwedenSchweden SchweizSchweiz SenegalSenegal Sierra LeoneSierra Leone TschadTschad TogoTogo SerbienSerbien
Polizei aus AgyptenÄgypten BangladeschBangladesch BeninBenin Burkina FasoBurkina Faso BurundiBurundi Kongo Demokratische RepublikDemokratische Republik Kongo ElfenbeinküsteElfenbeinküste KamerunKamerun DeutschlandDeutschland FrankreichFrankreich GuineaGuinea NigeriaNigeria NigerNiger RuandaRuanda SchweizSchweiz SenegalSenegal TschadTschad TogoTogo TunesienTunesien TurkeiTürkei Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich
Todesfälle 149
Kosten 933.41 Mio. US-Dollar (Juni 2016 – Juli 2017)
Lage des Einsatzgebietes Mali in its region.svg
Kartenübersicht
MINUSMA.pdf

Die Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (französisch: Mission multidimensionnelle intégrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali; MINUSMA) ist eine Friedensmission der Vereinten Nationen, in der zum 1. Juli 2013 die afrikanisch geführte Stabilisierungsmission AFISMA aufgegangen ist. Zwischen 2013 und 2017 starben in Mali 116 Blauhelmsoldaten, so dass die Mission als eine der verlustreichsten Missionen der Vereinten Nationen gilt.[2][3] Die Mission ist derzeit bis 30. Juni 2018 befristet.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 benutzte die Terrororganisation Al-Qaida (AQIM), gestärkt durch Kämpfer und Waffen aus dem Bürgerkrieg in Libyen 2011, einen Aufstand der Tuareg, um sich im Norden Malis festzusetzen. Die Kämpfer wurden zunächst von französischen Truppen in der Opération Serval aus den von ihnen besetzten Dörfern vertrieben und tauchten unter.[2]

UN-Mission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederländischer Soldat der MINUSMA im September 2013

Die UN-Mission wurde mit der Resolution 2100 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 25. April 2013 gegründet. Ziel ist die Stabilisierung des Staates Mali im Anschluss an die Opération Serval. Das Mandat umfasste 11.000 Soldaten.[2] Es war zunächst auf ein Jahr bis zum 1. Juli 2014 befristet und wurde in den folgenden Jahren jeweils im Juni für ein weiteres Jahr verlängert,[5] zuletzt 2017 bis zum 30. Juni 2018.[6]

Am 31. März 2014 betrug die Stärke des MINUSMA-Kontingents 6.483 Soldaten und 986 Polizisten. Ein Jahr später (31. März 2015) betrug die Stärke des MINUSMA-Kontingents 9.142 Soldaten und 1.178 Polizisten. Bis November 2015 starben bei diesem Einsatz 56 MINUSMA-Angehörige.[7]

Seit dem Jahr 2016 stellen Norwegen, Schweden, Dänemark, Portugal und Belgien der MINUSMA auf Rotationsbasis abwechselnd eine Transportmaschine von Typ Lockheed-Martin C-130 Hercules/Super Hercules, beziehungsweise CASA C-295 zur Verfügung. Diese Vereinbarung ist auf mehrere Jahre ausgelegt.[8][9]

Neben MINUSMA bestehen derzeit in Mali auch die zwei Missionen der Europäischen Union, namentlich EUCAP Sahel Mali und EUTM Mali sowie MISAHEL der Afrikanischen Union.

Todesfälle und Verletzte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem islamistischen Angriff der Ansar Dine am 12. Februar 2016 auf das Camp der MINUSMA in Kidal wurden sechs Blauhelmsoldaten aus Guinea getötet und weitere 30 verletzt.[10]

Am 18. Januar 2017 durchbrach ein mit Sprengstoff präparierter LKW das Tor einer Kaserne mit malischen Truppen in Gao, die unter Schutz von Friedenstruppen der Vereinten Nationen standen. Bei der Explosion der Bombe wurden 76 malische Soldaten und Kämpfer getötet, die Blauhelmsoldaten erlitten keine Verluste.[2]

Bei einem Mörserangriff am 24. Januar 2017 auf das Camp von MINUSMA-Truppen in Aguelhok in der Region Kidal im Norden Malis wurde ein Blauhelmsoldat aus dem Tschad getötet und zwei weitere Blauhelme schwer verletzt.[11]

Am 18. April 2017 wurde 30 Kilometer südlich von Tessalit in der Region Kidal ein Fahrzeug der MINUSMA mit einem Improvised Exploding Device (IED) oder einer Mine angesprengt. Zwei Blauhelmsoldaten und ein Zivilist wurden dabei getötet.[12]

Am 3. Mai 2017 wurden bei einem Mörser- oder Raketenangriff auf ein Camp von MINUSMA-Truppen in Timbuktu ein Blauhelmsoldat aus Liberia getötet und neun weitere verletzt.[13] Mehrere der verletzten Soldaten gehören zur Schwedischen Armee.[14]

Am 8. Juni 2017 werden bei einem Mörser- oder Raketenangriff auf ein Camp von MINUSMA-Truppen, und anschließendem Beschuss von Truppen außerhalb des Camps, in Kigal nahe Aguelhok drei Blauhelmsoldaten aus Guinea getötet und drei weitere verwundet.[15][16] Ein vierter verwundeter Soldat erlag später seinen Verletzungen.

Am 14. August 2017 wurde bei einem Angriff auf zwei MINUSMA-Feldlager in Douentza (Region Mopti), und einem sich anschließenden Feuergefecht, ein togolesischer Blauhelmsoldat, ein Soldat der Malischen Streitkräfte, ein Angehöriger der Malischen Gendarmerie und sechs malische Zivilangestellte der MINUSMA getötet. Am selben Tag wurde ein weiteres Feldlager der MINUSMA in Timbuktu angegriffen, hierbei kam niemand zu Schaden.[17]

Bei einem Anschlag mit einem Improvised Exploding Device (IED) auf ein Fahrzeug der MINUSMA wurden am 5. September 2017, in der Nähe der Ortschaft Tessalit (Region Kidal), zwei tschadische Blauhelmsoldaten getötet sowie zwei Blauhelmsoldaten aus Burkina Faso schwer verwundet. Einer der verwundeten Soldat erlag am 7. September 2017 in Dakar (Senegal) seinen Verletzungen.

Bei einem gleichzeitigen, koordinierten Angriff mit Mörsern oder Raketen auf das Feldlager der MINUSMA in Kidal sowie zwei Vorposten dieses Feldlagers, wurde am 20. September 2017 ein Blauhelmsoldat verwundet.

Durch einen Anschlag mittels Mine oder Improvised Exploding Device auf ein Fahrzeug der MINUSMA wurden am 24. September 2017 drei bangladeschische UN-Blauhelme getötet, 5 weitere Blauhelme schwer verwundet. Der Anschlag fand auf der Verbindungsstraße von Anefis (Region Kidal) nach Gao statt.

Bei einem, mit einer Mine durchgeführten, Anschlag auf einen UN-Konvoi wurden am 26. Oktober 2017 drei tschadische Blauhelme getötet, zwei weitere schwer verwundet. Der Anschlag ereignete sich auf der Strasse von Tessalit nach Aguelhok (beides in der Region Kidal).[18] Am 21. November 2017 erlag einer der bei diesem Anschlag schwer verwundeten tschadischen Soldaten in einem Militärkrankenhaus in Dakar (Senegal) seinen Verletzungen.[19]

Bei einem Angriff auf eine gemeinsame Patrouille von MINUSMA und malischen Streitkräften in Idelimane im Kreis Ménaka (Region Gao) wurden am 24. November 2017 drei nigrische Blauhelmsoldaten getötet, und siebzehn weitere, darunter ein kambodschanischer Soldat, teils schwer verwundet. Auch ein ziviler UN-Mitarbeiter wurde verwundet. Bei diesem Angriff fiel auch ein Soldat der malischen Streitkräfte, ein weiterer wurde verwundet. Das etwa 150 Kilometer entfernt in Gao stationierte deutsche MINUSMA-Kontingent unterstützte die angegriffenen UN-Soldaten mit der Aufklärungsdrohne Heron, Kampfhubschraubern Tiger  und Unterstützungshubschraubern NH90 zur Evakuierung Verwundeter. Die NH90-MEDEVAC-Hubschrauber flogen mehrere Verwundete nach Gao und Kidal aus.[20] Bei einem zweitem, komplexen Angriff mit Improvised Exploding Devices und anschließendem Beschuss mit RPG wurden am selben Tag nördlich von Douentza (Region Mopti) ein Blauhelm aus Burkina Faso getötet, und drei weitere schwer verwundet.[21]

Am 28. November 2017 wurden die MINUSMA-Feldlager in Kidal, Tessalit und Aguelhok mit Mörser oder RPG beschossen. Es kam hierbei nicht zu Ausfällen auf Seiten der MINUSMA, gab der Sprecher über Twitter bekannt.

Am Morgen des 20. Januar 2018 wurde eine Patrouille der senegalesischen Force de Réaction Rapide der MINUSMA in der Umgebung von Boni (Region Mopti) mit einem Improvised Exploding Device angesprengt und anschließend beschossen. Die Patrouille erwiderte das Feuer, es kam auf Seiten der MINUSMA zu keinerlei Ausfällen.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sicherung des Waffenstillstands
  • Unterstützung bei der Umsetzung des Friedensabkommens
  • Schutz der Zivilbevölkerung
  • Stabilisierung wichtiger Bevölkerungszentren
  • Unterstützung bei der Wiederherstellung staatlicher Autorität
  • Unterstützung des politischen Prozesses und der Schutz der Menschenrechte
  • Unterstützung bei der Absicherung humanitärer Hilfe
  • Schutz des kulturellen Erbes und von Anlagen in Zusammenarbeit mit der UNESCO.

Diskurs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die UN Truppen wurden bereits kurz nach ihrem Eintreffen zum Ziel sunnitischer Extremisten. Die UN-Einheiten waren nicht auf einen Anti-Terror-Einsatz vorbereitet und erlitten durch ungeeignete Ausrüstung und unzureichende Eigensicherung Verluste durch Autobomben und Sprengfallen. Nach Ansicht von Beobachtern verfügen die Truppen der Vereinten Nationen weder über die Ausrüstung, noch über die Militärdoktrin, um Terroristen erfolgreich zu bekämpfen. 2015 stellte eine Expertenkommission der VN fest, dass Friedenstruppen nicht für Anti-Terror-Operationen geeignet seien.[2]

Führung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

General Kazura, Befehlshaber 2013 bis 2014
Nr. Land Dienstgrad Name Beginn der Berufung
1 RuandaRuanda Ruanda Generalmajor (OF-7) Jean Bosco Kazura 1. Juli 2013
2 TschadTschad Tschad Divisionsgeneral (OF-7) Oumar Bikimo 5. Dezember 2014
3 DanemarkDänemark Dänemark Generalmajor (OF-7) Michael Lollesgaard 1. April 2015
4 BelgienBelgien Belgien Generalmajor (OF-7) Jean-Paul Deconinck[22] 1. Januar 2017

Deutsche Beteiligung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Phase

Am 27. Juni 2013 votierte der Deutsche Bundestag für eine deutsche Beteiligung an der MINUSMA bis maximal 150 Soldaten. Bis zum 30. Juni 2014 beteiligte sich die Bundeswehr durch die Bereitstellung von Transportflugzeugen des Typs C-160 D Transall aus den Anrainerstaaten nach Mali und innerhalb Malis. Stützpunkt der Flugzeuge war Dakar im Senegal unter Führung eines Oberstleutnants. In Deutschland wurde zudem ein Tankflugzeug des Typs Airbus A310 MRTT in einer 96-Stunden-Bereitschaft für eine Unterstützung der Mission MINUSMA bereitgestellt. In Spitzenzeiten befanden sich zeitgleich rund 100 Soldaten zur Unterstützung der Mission im Einsatz. Die Unterstützung der Mission erfolgte getrennt von der zeitgleich laufenden EUTM Mali. Im Februar 2014 besuchte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das deutsche Kontingent in Mali. Als die Führung Ende Juli 2015 der EUTM Mali an einen deutschen Brigadegeneral überging, war von der Leyen nochmals in Mali.

Der Deutsche Bundestag hat am 28. Januar 2016 mit 503 Ja-Stimmen, 66 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen eine Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der MINUSMA und deren Erweiterung von derzeit 150 auf 650 Soldaten beschlossen. Grundlage bilden dabei die Resolutionen 2100 (2013), 2164 (2014) und 2227 (2015) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 25. April 2013, 25. Juni 2014 und 29. Juni 2015. Eingesetzt werden sollen jetzt auch „Objektschutzkräfte und erforderliche Einsatz-, Logistik-, Sanitäts- sowie Führungsunterstützungskräfte, eine verstärkte gemischte Aufklärungskompanie sowie ein erhöhter deutscher Personalansatz in den Stäben der Mission in Bamako und Gao.“[23][24]

Mandatserweiterung – Bodengebundene Kräfte

Am 3. Februar 2016 trafen die ersten deutschen Kräfte im Camp Castor im malischen Gao ein.[25] Im April 2016 sollen 120 Soldaten des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ aus Eutin in ein Feldlager in Gao verlegt werden. Weitere 280 Soldaten werden bis Juni 2016 folgen.[26] Gestellt werden die Kräfte durch das Objektschutzregiment der Luftwaffe -ein Sicherungszug, das Spezialpionierregiment 164 aus Husum -Feldlagerbetriebszug,[27] das Panzergrenadierbataillon 401 aus Hagenow -QRF-Zug auf TPz Fuchs sowie verschiedene Pionier-, Führungsunterstützungs-, und Sanitätseinheiten.[28]

Am 1. Juni 2016 übernahm Deutschland die Führung über die gemischte Aufklärungskompanie von der Königlich Niederländischen Armee.[29] Die Kräfte dieses 3. Kontingents wurden mit Masse von der Panzerlehrbrigade 9 gestellt. Insbesondere vom Aufklärungslehrbataillon 3, dem Panzergrenadierlehrbataillon 92, dem Panzerpionierbataillon 130 und dem Versorgungsbataillon 141.[30] Ebenso gehören weiterhin Kräfte des Objektschutzregiments der Luftwaffe (insgesamt in Kompaniestärke), bestehend aus Sicherungskräften, Feldnachrichtenkräften sowie einem Air Mobile Protection Team zum Schutz der niederländischen CH-47.[31]

Die Kräfte des 4. bis 6. Kontingents werden großteils von der Gebirgsjägerbrigade 23 gestellt, im 4. Einsatzkontingent insbesondere aus dem Gebirgsaufklärungsbataillon 230 (gemischte Aufklärungskompanie), der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231(QRF-Zug)[32] und dem Gebirgsversorgungsbataillon 8 (Unterstützungskompanie[33]). Das Objektschutzregiment der Luftwaffe stellt eine Sicherungskompanie.[34]

Im März 2017 wurde bekanntgegeben, dass ab April 2017 Teile des Waffensystems MANTIS (Sensor- und Führungsanteil) zum Schutz des Feldlagers Camp CASTOR vor Raketen-, Artillerie- und Mörserangriffen nach Gao verlegt werden sollen. Bei Bedarf könnten die Geschütze nachgezogen werden. Waffensystem und Besatzung werden von der Flugabwehrraketengruppe 61 aus Todendorf gestellt, der MANTIS-Zug wurde der Objektschutzkompanie unterstellt[35] Am 24. Januar 2018 wurde die Einsatzbereitschaft des Systems gemeldet.[36]

Die Masse des 5. Kontingents wird von der 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 233 gestellt.[37]

Das 7. Einsatzkontingent wird von Januar bis Mai 2018 im Schwerpunkt durch Soldaten der Luftlandebrigade 1, vor allem des Fallschirmjägerregimentes 31, der Luftlandeaufklärungskompanie 310 und der Luftlandepionierkompanie 270 gestellt.[38] Hinzu kommen des Weiteren Feldlagerbetriebskräfte aus der 3. Kompanie des Spezialpionierregiments 164 aus Husum sowie Kräfte des Objektschutzregiments der Luftwaffe. In die Objektschutzkompanie wurde ein litauischer Sicherungszug eingegliedert.

Mandatserweiterung – Luftfahrtkomponente

Am 1. November 2016 startete das erste Mal eine Drohne vom Typ Heron zu einem Einsatzflug für MINUSMA. Sie wird in Gao von Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" aus Jagel gemeinsam mit zivilen Technikern betrieben.[39] Am 31. Januar wurde ein erster Flug mit einer Satellitenverbindung nach Deutschland durchgeführt. Über diese sollen Aufklärungsdaten geschickt werden, welche dann am Heimatstandort ausgewertet und der MINUSMA zur Verfügung gestellt werden. Somit wurde die volle Einsatzbereitschaft (Full Operational Capability, FOC) erreicht.[40] Am 7. April wurde von der Heron die 1000. Flugstunde im MINUSMA-Einsatz absolviert.[41]

Ebenso zum deutschen Einsatzkontingent gehört ein Lufttransportstützpunkt in Niamey (Niger). Zwei C-160 ESS Transall sind in erster Linie für den Transport von Verletzten oder erkrankten deutschen Soldaten, aber auch Materialtransporte vorgesehen. In Niamey wird durch den Zentralen Sanitätsdienst eine Casualty Staging Unit zur Triage und der Vorbereitung auf den weiteren Transport ins Heimatland (STRATAIRMEDEVAC) betrieben.[42]

Die Heeresflieger sollen 2017 die Königlichen Luftstreitkräfte ersetzen, wenn diese ihre Kampfhubschrauber abziehen wird. Dazu soll das Heer je drei NH90-MedEvac und Eurocopter Tiger-Kampfhubschrauber zum Schutz der NH90 sowie je ein weiterer Hubschrauber des jeweiligen Typs als Reserve nach Gao schicken. Gestellt werden die Maschinen und das Personal vom Transporthubschrauberregiment 10 aus Faßberg, dem Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten und dem Kampfhubschrauberregiment 36 aus Fritzlar. Am 27. und 29. Januar erfolgte der Transport der ersten beiden NH90 von Deutschland nach Bamako, wo die Maschinen wieder montiert wurden. Der Transport der Hubschrauber erfolgte jeweils einzeln mit AN-124 des SALIS-Programms. Am 31. Januar verlegten sie nach Gao, wo am 4. Februar auch die 3. und 4. Maschine eintrafen.[43]

Am 2. März 2017 wurde die MEDEVAC-Verantwortung von den niederländischen Streitkräften übernommen und es erfolgte der erste Einsatzflug. Hierbei wurden zwei verletzte Zivilangestellte von MINUSMA nach einem IED-Anschlag versorgt und nach Gao verbracht.[44]

Am 21. März 2017 trafen die ersten beiden Kampfhubschrauber Tiger per Lufttransport in Bamako ein, wo sie wieder einsatzbereit gemacht und im Anschluss nach Gao verlegt werden.[45] Die volle Einsatzbereitschaft (FOC – Full Operational Capability) für die Kampfhubschrauber Tiger ist ab Anfang Mai geplant. Die FOC für die NH-90 wurde am 24. April 2017 gemeldet.

Am 18. April 2017 flogen zwei deutsche NH90-MEDEVAC im Rahmen einer Verwundetenevakuierung im Auftrag der MINUSMA-Führung fünf bei einem Angriff verwundete Soldaten der malischen Streitkräfte von Gourma-Rharous nach Gao. Dort wurden die Verwundeten an die französische (Operation Barkhane) und die chinesische Role-2-Einrichtung (MINUSMA) zur Weiterversorgung übergeben.

Am 5. Mai 2017 erfolgte der erste Einsatz der Kampfhubschrauber TIGER bei MINUSMA.[46]

Am 7. Mai 2017 führte der gemischte Heeresfliegereinsatzverband eine MEDEVAC-Mission in Bourem durch. Fünf bei einem Angriff verwundete Angehörige der malischen Streitkräfte wurden nach Gao transportiert. Bis zum Februar 2018 wurden insgesamt 39 Verwundete mit den deutschen NH-90 evakuiert.[47]

Ab März 2018 sollen die deutschen Transporthubschrauber NH-90 durch NH-90 der Belgischen Luftstreitkräfte ergänzt und teilweise ersetzt werden. Am 5. Februar 2018 trafen die beiden belgischen NH-90 mittels SALIS in Bamako ein. Sie sollen mit etwa 50 belgischen Soldaten in den deutschen Heeresfliegereinsatzverband integriert werden. Am 11. Februar 2018 trafen die beiden belgischen NH-90 in Gao ein, nach Zertifizierung durch die UN sollen sie den Einsatzflugbetrieb aufnehmen.

Mandatserweiterung – Ertüchtigungshilfe

Des Weiteren unterstützt Deutschland gemeinsam mit den Vereinten Nationen eine Verbesserung der Infrastruktur im Norden Malis. Konkret wird im Rahmen der Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung der Flugplatz in Gao instandgesetzt und erneuert. Die Bundesrepublik Deutschland fördert die Erneuerung der Start- und Landebahn des Flugplatzes in Gao mit 12 Millionen Euro. Die Vorbereitungen haben bereits im August 2017 begonnen. 2018 sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein. Dann ist Gao auch wieder mit größeren Passagier- und Frachtflugzeugen zu erreichen. Diese können aufgrund der verwitterten Substanz die bisherige Bahn nicht nutzen. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen den Vereinten Nation und Deutschland wurde am 13. September 2017 im MINUSMA-Hauptquartier in Bamako unterzeichnet. Der Flugplatz hat eine Schlüsselrolle in der nordmalischen Region. Er wird vor allem von Kräften der  MINUSMA genutzt. Der deutsche Beitrag wird in den Treuhandfonds für die Unterstützung des Friedens und der Sicherheit in Mali eingebracht, der auf Antrag des Sicherheitsrates (Resolution 2085/2012) eingerichtet wurde um die langfristigen Entwicklungsperspektiven des Landes zu erhöhen. Der von MINUSMA in Mali verwaltete Fond erhält Beiträge von verschiedenen Gebern wie Deutschland, Australien, Kanada, Dänemark, Irland, Italien, Luxemburg, Norwegen, den Niederlanden, Großbritannien, der Schweiz und der Türkei.[48]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. Juli 2016 wurde eine deutsche Patrouille des MINUSMA-Kontingents nördlich von Gao mit Handfeuerwaffen beschossen. Es gab keinen Personen- oder Sachschaden.[49]

Am 12. April 2017 wurde eine Patrouille des deutschen Einsatzkontingents der MINUSMA in Gao mit Handfeuerwaffen beschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und wichen aus. Es gab bei diesem Vorfall keinen Personen- oder Sachschaden.[50]

Am 26. Juli 2017 stürzte ein Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr bei Tabankort (Kreis Bourem, Region Gao) im Norden Malis bei der Beobachtung von Konfrontationen am Boden ab.[51] Beide Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Laut Bundeswehr ist die Absturzursache bislang unklar.[52] Der Hubschrauber brannte vollständig aus.

Am 14. November 2017 versuchte ein malischer Zivilist in das UN-Feldlager Camp Castor in Gao einzudringen. Während der Befehlsausgabe der deutschen Sicherungskräfte kam es zu einer ungewollten Schussabgabe in einem Transportpanzer Fuchs, dabei wurden zwei deutsche Soldaten leicht verletzt. Sie wurden vor Ort behandelt. Der Zivilist wurde nach Abgeben eines Warnschusses mit der Signalpistole am Außenzaun des Camps aufgegriffen und an die örtliche UN-Militärpolizei übergeben.[53]

Deutsche Kontingentführer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Heimatdienstposten
1. Oberstleutnant Marc Vogt 3. Februar 2016[54] 1. Juni 2016 Kommandeur 1. Bataillon Objektschutzregiment der Luftwaffe
2. Oberstleutnant Alexander Radü 1. Juni 2016[55] 6. Oktober 2016 Kommandeur Aufklärungsbataillon 6 in Eutin
3. Oberstleutnant Michael Hoppstädter 6. Oktober 2016[56] 24. Januar 2017 Kommandeur Aufklärungslehrbataillon 3 in Lüneburg
4. Oberstleutnant Marc Paare 24. Januar 2017[57] 29. Juli 2017 Kommandeur Gebirgsaufklärungsbataillon 230 in Füssen
5. Oberst Johannes Gerhard Derichs 29. Juli 2017[58] 31. Januar 2018 Kommandeur Lehrgruppe A der Offiziersschule des Heeres in Dresden
6. Oberst Johannes Aslak Heisner 31. Januar 2018[59] Kommandeur Brigadeeinheiten und Stellvertretender Kommandeur Luftlandebrigade 1 in Saarlouis

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MINUSMA Leadership. Abgerufen am 14. Mai 2017.
  2. a b c d e Kevin Sieff: "The world’s deadliest U.N. mission" Washington Post vom 17. Februar 2017
  3. UN: UN Peacekeeping Operations. Abgerufen am 14. Mai 2017 (PDF, englisch).
  4. Security Council Extends Mandate of Mission in Mali, Unanimously Adopting Resolution 2364 (2017). In: un.org. 29. Juni 2017, abgerufen am 1. November 2017.
  5. Security Council updates mandate of UN mission in Mali, extends two other operations. United Nations News Centre, 25. Juni 2014, abgerufen am 2. August 2014 (englisch).
  6. Resolution 2364 (2017). UN, 30. Juni 2017, abgerufen am 8. Juli 2017 (PDF).
  7. MINUSMA Facts and Figures. United Nations, 31. März 2015, abgerufen am 20. November 2015 (englisch).
  8. Mali. Abgerufen am 1. November 2017 (englisch).
  9. C-130 rende C-295 em Força Nacional Destacada no Mali. 16. März 2015, abgerufen am 1. November 2017 (por).
  10. Terrorgruppe: Anschlag in Mali Reaktion auf Gauck-Besuch. Deutsche Welle, 13. Februar 2016, abgerufen am 13. Februar 2016.
  11. United Nations News Service Section: UN News – Mali: Security Council, UN mission condemn attack on Kidal base that kills one 'blue helmet'. 24. Januar 2017, abgerufen am 6. März 2017 (englisch).
  12. UN blue helmets and Malian forces targeted in ‘cowardly’ terrorist attacks. Abgerufen am 19. April 2017.
  13. ‘Blue helmet’ killed in attack on UN Mission camp in Timbuktu, Mali. Abgerufen am 5. Mai 2016.
  14. Swedish soldiers injured in Mali mortar attack. Abgerufen am 5. Mai 2016.
  15. http://www.tt.com/home/13016976-91/zwei-tote-bei-angriff-auf-un-friedenstruppe-in-mali.csp
  16. Mali: Three UN peacekeepers killed in attack in Kidal. Abgerufen am 15. Juni 2017.
  17. UN, Security Council condemn deadly attacks on peacekeeping mission in Mali. 14. August 2017, abgerufen am 18. August 2017 (englisch).
  18. Mali: Guterres strongly condemns deadly attack against UN mission convoy. 26. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017 (englisch).
  19. Mali : un quatrième Casque bleu tchadien décédé suite à l'attaque du 26 octobre dans la région de Kidal. Abgerufen am 21. November 2017 (französisch).
  20. Thomas Wiegold: Gefechte in Mali: Blauhelme getötet, Bundeswehr-Hubschrauber im Einsatz (m. Korrektur). In: Augen Geradeaus! Abgerufen am 24. November 2017.
  21. Associated Press: 4 UN peacekeepers, 1 Malian soldier killed in 2 attacks. Abgerufen am 25. November 2017.
  22. https://www.un.org/press/en/2017/sga1711.doc.htm
  23. Bundeswehr soll ein Jahr länger in Mali bleiben. Deutscher Bundestag, 27. Januar 2016, abgerufen am 28. Januar 2016.
  24. 152. Sitzung des Deutschen Bundestages: Endgültiges Ergebnis der Namentlichen Abstimmung Nr. 1 zum Bundeswehreinsatz in Mali. Deutscher Bundestag, 28. Januar 2016, abgerufen am 28. Januar 2016 (PDF).
  25. http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/a/einsatzbw/!ut/p/c4/LYvBCoMwEET_KGtKaaU3xUuhXorQ2ktZzSJLYyJxrSD9-CbgDAzMPAZeEO3wywMKe4cWntD2fOlW1a2G3sRuRtlixY8sZO0-kWwEj3Q2pHrvSFIKOeGYQ0DxQU0-iE1kCSESxQbaTFelPh-zXfpXnJpbnef6UF3LO0zjWPwBeXTPOA!!/
  26. 120 Soldaten aus Eutin bereiten sich auf Mali-Einsatz vor. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 28. Januar 2016, abgerufen am 12. Februar 2016.
  27. Streitkräftebasis: Februar. In: www.streitkraeftebasis.de. Abgerufen am 29. November 2016.
  28. http://augengeradeaus.net/2016/02/einsatz-in-mali-erste-deutsche-soldaten-fuer-minusma-mission-in-gao-eingetroffen/#comments
  29. Bundeswehr übernimmt Aufklärungsauftrag bei MINUSMA. In: www.einsatz.bundeswehr.de. Abgerufen am 18. November 2016.
  30. Gemischte Aufklärungskompanie bereitet sich auf Mali-Einsatz vor. Abgerufen am 9. Februar 2016.
  31. Schutz in der Wüste – Die Objektschützer bei MINUSMA (Teil 2). Abgerufen am 19. Februar 2017.
  32. Ein Stück von Bad Reichenhall im Herzen Afrikas. Abgerufen am 31. Mai 2016.
  33. Gebirgsversorger gehen nach Mali in den Einsatz. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  34. Mali-Mission geht für Objektschützer ins zweite Jahr. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  35. Mehr Schutz für die Soldaten in Mali. Abgerufen am 18. März 2017.
  36. MANTIS – Schutz auf höchstem Niveau. In: www.bmvg.de. 26. Januar 2018, abgerufen am 14. Februar 2018.
  37. Patrouille im Glutofen für das Gebirgsjäger-Bataillon 233. Abgerufen am 31. Mai 2017.
  38. Seedorf: Fast 400 Soldaten gehen in den Einsatz. 21. November 2017, abgerufen am 14. Januar 2018.
  39. bundeswehr.de: Mali: Erster operationeller Flug der Heron. In: www.bundeswehr.de. Abgerufen am 18. November 2016.
  40. Aufklärung in Mali: Heron sind voll einsatzbereit. Abgerufen am 9. Februar 2016.
  41. MINUSMA: 1000. Flugstunde der Heron 1 über Mali. Abgerufen am 30. April 2016.
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