Konflikt in Nordmali (seit 2012)

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Konfliktlage in Nordmali 2013

Der Konflikt in Nordmali ist ein seit 2012 andauernder bewaffneter Konflikt in Nordmali, an dem seit Januar 2013 auch westliche Staaten – insbesondere Frankreich – beteiligt sind.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konflikte zwischen den Tuareg, die vielfach halbnomadisch als Viehzüchter leben, und schwarzafrikanischen Volksgruppen, die traditionell sesshafte Bauern sind, haben in Afrika eine Geschichte, die bis in vorkoloniale Zeit reicht. Auch nach der Unabhängigkeit Malis gab es in den nordöstlichen Landesteilen – auch Azawad genannt – mehrfach bewaffnete Aufstände der Tuareg. Neben 2012 war dies auch in den Jahren 1963, 1991 und 2006 der Fall.[1]

Konfliktparteien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pro-Malische Kräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pro-Azawad Kräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MNLA und HCUA sind von Tuareg-Stamm der Ifoghas dominiert, repräsentieren allerdings auch weitere Stämme.

Die MAA repräsentiert die in den Regionen Kidal, Timbuktu und Gao lebenden Araber

Terroristische Gruppierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

JNIM und ISGS habe trotz der Rivalität der Dachorganisationen im Grenzland zwischen Mali, Burkina Faso und Niger eine de facto Zusammenarbeit etabliert.

Sonstige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auftrag von MINUSMA ist die Herstellung eines sichereren Umfeldes für die Bevölkerung in Nord-, und seit kurzem auch in Zentral-Mali.

Ausdrücklich kein Auftrag von MINUSMA ist die Parteinahme im Konflikt zwischen malischer Regierung, Platform und CMA, sowie die aktive Bekämpfung der terroristischen Gruppen.

  • 3 gemischte Bataillone (Stärke 600–800 Soldaten; zu gleichen Teilen bestehend aus malischer Armee, Platforme und CMA) in Gao, Kidal und Timbuktu.

Die Aufstellung wurde 2013 im Abkommen von Ouagadougou vereinbart. Auftrag der Bataillone soll die Überwachung des im Abkommen vereinbarten Disarmament, Demobilisation and Reintegration-Programme (Entwaffnung, Demobilisierung und Wiedereingliederung) sein.

Konfliktverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tuareg-Rebell in Nordmali (26. Juli 2012)

2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammesangehörige der Tuareg von der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) begannen eine erneute Rebellion gegen die malische Regierung mit dem Ziel der Unabhängigkeit des Azawad.[2] Der Konflikt begann offiziell am 17. Januar 2012 mit dem Angriff auf Menaka.[3] Insbesondere der Zulauf erfahrener Kämpfer und schwerer Waffen Infolge des Bürgerkrieges in Libyen Ende 2011 in den Norden Malis lässt die Tuareg, anders als in vorangegangenen Aufständen, gegen die wenigen in Nord-Mali dislozierten malischen Sicherheitskräfte erfolgreich vorgehen. Teilweise laufen Tuareg, die in der malischen Armee oder den Sicherheitskräften dienen, zu den Aufständischen über. Weitere Unterstützung erhalten die Tuareg durch ihre Verbindungen zu den in der Region aktiven Terrorgruppen Ansar Dine, Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO), sowie der in der Sahelzone aktive Ableger von Al-Qaida „Al-Qaida im Islamischen Maghreb“ (AQMI). Innerhalb der nächsten drei Monate dringen sie gegen den Widerstand der malischen Streitkräfte, die von schwarzafrikanischen Selbstverteidigungsmilitzen aus dem Niger-Bogen unterstützt werden, immer weiter nach Süden vor.

Im März 2012 kam es in der malischen Hauptstadt Bamako zu einem Militärputsch gegen Präsident Amadou Toumani Touré, dem die Putschisten Unfähigkeit bei der Bekämpfung des Aufstandes vorwarfen.

Am 31. März wird Gao kampflos den Aufständischen überlassen, am 1. April wird Timbuktu besetzt.[4][5] Am 6. April 2012 verkündete die MNLA, ihre Ziele erreicht zu haben, beendete die Offensive gegen die Regierungstruppen und erklärte die Unabhängigkeit von Azawad.[6]

Ab Juni 2012 geriet die MNLA in Konflikt mit den islamistischen Gruppierungen, nachdem die Islamisten mit der zwangsweisen Einführung der Scharia in Azawad begonnen hatten.[7] Bis zum 17. Juli 2012 hatten MUJAO und Ansar Dine sowie AQMI die MNLA gewaltsam aus allen bedeutenden Städten verdrängt.[8][9] Am 1. September 2012 wurde Douentza, eine Stadt in der Region Mopti unter der Kontrolle der Ganda-Iso-Miliz, von der MUJAO eingenommen.[10] Am 28. November 2012 vertrieb die Ansar Dine die MNLA aus Léré, einer Kleinstadt im Kreis Niafunké in der Region Timbuktu.[11]

Bis zum Jahresende 2012 verschlechterte sich die militärische Situation der malischen Armee nach mehreren Monaten von Kämpfen zusehends. Als im Januar 2013 der Kollaps der malischen Armee und ein Durchmarsch der Islamisten in die Hauptstadt Bamako drohte, bat der malische Präsident Dioncounda Traore den Präsidenten Frankreichs, François Hollande, sowie UN-Generalsekretär Ban Ki-moon um Hilfe.[12] Dies war der Startschuss für einen Militäreinsatz gegen die Rebellen, welcher als Opération Serval bekannt ist.

2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Januar 2013 eroberten französische und malische Truppen mehrere Städte, darunter die strategisch wichtigen Städte Gao und Timbuktu, zurück.[13] Bei der Befreiung von Timbuktu führt das 2e régiment étranger de parachutistes den ersten Gefechts-Absprung vom Fallschirmjägern seit der US-Invasion in Grenada (1983) durch.[14] Zur gleichen Zeit verstärkten mehrere westafrikanische Staaten der ECOWAS, die im Rahmen der Operation AFISMA Truppen zur Verfügung gestellt hatten, ihre Kontingente in Mali.[15]

Am 1. Juli wird AFISMA in die Mission der Vereinten Nationen MINUSMA überführt.

Am 18. Juni 2013 wird das Abkommen von Ouagadougou zwischen der Republik Mali und den bewaffneten Rebellengruppen der MNLA und der HCUA unterzeichnet. Die Tuareg kündigten eine Waffenruhe an.[16]

Bei der im Juli stattfindenden Präsidentschaftswahl gewann Ibrahim Boubacar Keïta die meisten Stimmen und löste somit die Übergangsregierung des Militärs ab.[17]

Im September desselben Jahres kündigte die MNLA den Waffenstillstand auf, nachdem Regierungstruppen das Feuer auf Steine werfende Demonstranten eröffnet hatten. Der Vizepräsident der MNLA, Mahamadou Djeri Maiga, sagte zum Vorfall: „Was passiert ist, ist eine Kriegserklärung.“[18]

2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Januar 2014 wurde bekannt, dass bei einer französischen Militäroperation nördlich von Timbuktu 11 „muslimische Kämpfer“ getötet wurden.[19]

Am 13. Juli 2014 kündigt der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian das Ende der Operation Serval und die Einrichtung der Operation Barkhane zum 1. August 2014 an. Diese sieht den Einsatz von ca. 3.000 Soldaten in der gesamten Sahelzone und in der Sahara vor. Ziel der Operationen soll die Terrorismusbekämpfung sein.[20]

Ende des konventionellen Konfliktes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damit endete im Wesentlichen der konventionelle Konflikt um die Unabhängigkeit des Azawad. Das Wesen des Konfliktes wurde zu einem Gemisch aus

  • dschihadistischen Angriffen gegen malische sowie internationale Sicherheitskräfte sowie Einflussnahme auf die Bevölkerung,
  • eskalierenden zwischenethnischen Konflikten
    • in Nord-Mali zwischen CMA und GATIA („Tuareg-Bürgerkrieg“)
    • in Zentral-Mali zwischen Fulbe auf der einen und Songhai und Dogon auf der anderen Seite.

Seither sind Anschläge mit improvisierten Sprengfallen, Hinterhalte und lokal begrenzte Gefechte, im Falle der zwischenethnischen Konflikte auch mit vielen Toten, an der Tagesordnung.

2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Jahresanfang beginnt die Ausweitung der dschihadistischen Gruppen nach Zentral-Mali. Am 5. Januar wird die Stadt Nampala angegriffen und für mehrere Stunden von den Dschihadisten eingenommen, elf malische Soldaten wurden getötet.[21] In der Nacht von 6. auf den 7. Januar greifen Dschihadisten in der Region Mopti die Ortschaft Djura an[22], am 16. Januar Ténenkou.[23]

Am 7. März 2015 wird auf die bei Ausländern beliebte Bar La Terrasse in Bamako ein Anschlag verübt. Bei dem Angriff kommen 5 Menschen ums Leben, 9 weitere werden verletzt.

Am 15. Mai bzw. am 20. Juni 2015 wird das Abkommen von Algier in Bamako unterzeichnet. Zunächst unterzeichnen die malische Regierung und die Platforme. Die CMA verweigert zunächst die Unterschrift, ratifiziert dann jedoch unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft das Abkommen.

Am 13. Mai 2015 erklärt eine Gruppe von Al-Mourabitoune unter der Führung des Emirs Adnan Abu Walid Al-Sahrawi ihre Treue zum Islamischen Staat.[24] Zwei Tage später bestritt der Führer von Al-Mourabitounes, Mokhtar Belmokhtar, die Treue zum IS und erklärte, dass die Pressemitteilung von Al-Sahrawi "nicht vom Shura-Rat stammte".[25]

Am 20. November 2015 gegen 7 Uhr morgens greifen zwei mit AK-47-Gewehren bewaffnete junge Dschihadisten das Radisson Blu Hotel in Bamako an. Bis zu 170 Personen, darunter 140 Kunden und 30 Mitarbeiter, werden zeitweise als Geiseln genommen. Die Zahl der Todesopfer lag offiziell bei 21 (18 Geiseln, 2 Terroristen und 1 malischer Gendarm). Verletzt wurden insgesamt 10 Personen, darunter 7 Geiseln und 3 Polizisten der malischen Spezialeinheiten, die das Gebäude stürmten.

Ende 2015 startete die malische Armee als Reaktion auf die dschihadistischen Angriffe im Zentrum die drei Monate lang anhaltende Operation Seno[26] (Sand, Erde; in Fulbe-Sprache) mit Soldaten der Armee, Gendarmen und Elemente der Nationalgarde. Diese Operation war eine der größten Operationen der malischen Armee seit 2013. Während der Operation wird die malische Armee von "Jägern" der Dogon unterstützt. Dies befeuert den zwischenethnischen Konflikt zwischen Dogon und Songhai mit den Fulbe.

2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. März 2016 wurde das Hauptquartier der europäischen Mission EUTM Mali in Bamako von drei mit Sturmgewehren bewaffneten Angreifern attackiert. Ein Angreifer wurde während des Feuergefechtes getötet, die beiden anderen Tage später von der malischen Polizei verhaftet.

Im Laufe des März führten französische und malische Armee die Operation Ossau in der Region Gao durch, in deren Verlauf ein Dutzend Aufständische „neutralisiert“ wurden.[27]

Die vierte Schlacht von Kidal fand am 21. und 22. Juli 2016 zwischen der GATIA, die von den Tuaregs des Stammes Imghad dominiert wird, und der CMA (insbesondere der HCUA, die von den Ifoghas dominiert wird) statt und endete mit einem Sieg der CMA. Vorangegangen war die Rückkehr der GATIA als Teil der Platforme nach Kidal am 1. Februar. Dies war im Vertrag von Algier auch so vorgesehen. Allerdings empfanden viele Anhänger der CMA das Gebaren der GATIA als Provokation, was zu einer Eskalation führte. Nach der Schlacht wurde Kidal durch die GATIA eingeschlossen.

2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Januar verübte ein Selbstmordattentäter einen Anschlag auf ein Feldlager in Gao, in dem ein gemischtes Bataillon bestehend aus malischer Armee, Platforme und CMA aufgestellt wird. Im Vertrag von Algier war vereinbart worden, zur Überwachung des Entwaffnungs- und Reintegrationsprozesses in den drei nördlichen Regionen Gao, Kidal und Timbuktu jeweils ein gemischtes Bataillon aufzustellen. Bei dem Anschlag sterben je nach Quelle zwischen 54 und 77 Menschen.

Zwischen Februar und März kommt es immer wieder in Zentralmali zu zwischenethnischen Zusammenstößen mit mehreren Toten.

Am 1. März erklären Ansar Dine, Front de libération du Macina, Al-Mourabitounes und der im Sahel aktive Ableger von al-Qaida im islamischen Maghreb ihren Zusammenschluss zu Jama'at Nasr al-Islam wal Muslimin (JNIM).

Zwischen dem 27. März und 10. April führen 1.300 malische, burkinabische und französische Soldaten im Wald von Foulsaré, auch Wald von Fhero genannt, an der Grenze zwischen Mali und Burkina Faso die Operation Panga durch.[28]

Anfang Juni bricht die CMA den von der Platforme um Kidal gelegten Belagerungsring auf und drängt die Platform weit nach Süden zurück. Am 29. Juli gelingt der CMA die Einnahme von Menaka. Erst wenige Kilometer vor Gao kann die Platforme die CMA aufhalten. Am 22. August einigen sich beide Parteien auf einen Waffenstillstand, der den status quo anerkennt.[29]

In einem UN-Bericht im Oktober wurde bedauert, dass "im Laufe des Jahres fast keine Fortschritte bei der Umsetzung des Friedensabkommens erzielt wurden."[30]

2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Januar berät der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die Situation in Mali und kritisiert die Langsamkeit des malischen Staates bei der Umsetzung des Friedensabkommens von Algier. Dabei drohte er Bamako erstmals mit Sanktionen im Falle einer weiteren Verzögerung.[31]

Am 18. Mai 2018 sind mehrere Missionsangehörige von EUTM Mali und Barkhane von einem Anschlag auf die Ferienanlage Le Campement bei Bamako betroffen. Bei dem Feuergefecht zwischen den Angreifern und Soldaten der Missionen wurde der portugiesische Sargento-Ajudante Fernando Benido (EUTM) tödlich getroffen.

Am 29. Juni wird das Hauptquartier der G5-Sahel in Sévaré von einem Kommando aus sechs Dschihadisten angegriffen: Zwei der Angreifer werden getötet, darunter ein Selbstmordattentäter, der ein mit einer Sprengfallen präpariertes Fahrzeug fährt, sowie zwei Soldaten und ein Zivilist.[32]

Am 1. Juli starben bei einem Selbstmordanschlag auf eine französisch-malische Patrouille in Gao vier Zivilisten, vier französische Soldaten und 23 weitere Zivilisten wurden verletzt.[33]

2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2019 wurde das Training Center von EUTM an der malischen Offizierschule in Koulikoro von mehreren Angreifern mit Handfeuerwaffen sowie zwei als Sprengsätzen präparierten Autos angegriffen. Der Angriff wurde von malischen und spanischen Sicherungskräften abgewehrt. Hierbei wurden drei malische Soldaten, die den Zugang bewachten, verletzt. Missionsangehörige kamen nicht zu Schaden.

Am 23. März kam es zum Massaker von Ogossagou: gegen 5 Uhr morgens griffen mehrere hundert mit automatischen Gewehren und Granaten bewaffnete Dogon-Jäger das überwiegend von Fulbe bewohnte Dorf Ogossagouan an. Die von 54 bis 70 Fulbe-Milizionären gehaltene Garnison versuchten zunächst Widerstand zu leisten. Als ihnen die Munition ausging, flohen die Verteidiger. Sie hinterließen dreizehn Tote. Nach den Kämpfen übernahmen die Angreifer das Dorf und griffen wahllos die Zivilbevölkerung an. Fast alle Hütten im Dorf wurden in Brand gesetzt. Laut Cheick Harouna Sankaré, Bürgermeister der Nachbargemeinde Ouenkoro, wurden Frauen mit Macheten aufgeschlitzt und schwangere Frauen ausgeweidet. Andere Berichte weisen darauf hin, dass Menschen lebendig verbrannt, enthauptet oder in einen Brunnen geworfen wurden. Der Angriff dauerte zwei Stunden. Mindestens 134 Zivilisten wurden getötet, 55 weitere verletzt.[34]

Die Fulbe rächten sich an den Dogon mit den Massakern von Sobane Da (ca. 100 Tote, verbrannt) in der Nacht vom 9. auf 10. Juni und von Gangafani und Yoro (41 Tote) am 17. Juni.

2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Februar 2020 kehrte die malische Armee nach langen Verhandlungen mit der CMA und gemäß dem Abkommen von Algier nach Kidal zurück, sechs Jahre nachdem sie von den Tuareg-Rebellen vertrieben worden war. Von 200 Friedenstruppen begleitet, wird im Lager ein Bataillon von 240 Soldaten der „wiederhergestellten“ malischen Armee eingerichtet, die sich aus 80 Soldaten der malischen Armee, 80 ehemaligen Milizsoldaten von der Plattform und 80 ehemaligen CMA-Rebellen zusammensetzt.[35]

Die immer wiederkehrenden Proteste gegen Präsident Ibrahim Boubacar Keita (IBK) in Bamako schlugen Anfang Juli 2020 in gewalttätige Ausschreitungen um. Aufgebrachte Demonstranten blockieren Hauptverkehrsstraßen und errichten brennende Barrikaden. Andere stürmen die Räume des staatlichen Rundfunksenders ORTM, der daraufhin die Ausstrahlung des Programms unterbricht. Demonstranten schleudern Steine gegen das Parlamentsgebäude. Die Nationalgarde setzt Tränengas gegen die Randalierer ein. Es fallen Schüsse. Nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern werden bei den Protesten ein Mensch getötet und etwa 20 Personen verletzt.[36]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flüchtlingsproblematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) teilte am 15. Januar 2013 mit, dass knapp 150.000 Menschen aus den Kriegsgebieten ins Ausland geflohen sind und 230.000 weitere Menschen ihre Wohnorte verlassen haben, sich aber noch innerhalb Malis befinden. Für die Versorgung der Malier mit Lebensmitteln würden laut Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen 129 Millionen US-Dollar benötigt.[37]

Laut einem Bericht der BBC wurden seit Beginn des Konfliktes im Jahr 2012 insgesamt 228.918 Menschen innerhalb von Mali aus ihrer Heimat vertrieben. Bis zum Jahresende 2012 flohen 144.500 Malier ins Ausland, davon 54.100 nach Mauretanien, 50.000 nach Niger, 38.800 nach Burkina Faso und 1500 nach Algerien. 5000 Einwohner der Stadt Konna flohen vor den Kämpfen.[38]

Bedrohung des Weltkulturerbes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die UNESCO forderte zum Schutz der Weltkulturerbestätten in Mali auf.

Die historische Stadt Timbuktu mit ihren Lehmmoscheen ist eine Stätte des UNESCO-Welterbe von hoher kultureller Bedeutung, jedoch ist das sorgfältig bewahrte Erbe wegen des anhaltenden Konfliktes in Mali in Gefahr geraten. Zerstörungen betrafen insgesamt 14 der 16 Heiligengräber; diese wurden inzwischen wiederaufgebaut. Die Lehmmoscheen leiden auch aktuell unter mangelnden Instandsetzungsmaßnahmen, die aufgrund der Fragilität des Materials Lehm regelmäßig vorgenommen werden müssten. Etwa 4200 Exemplare der berühmten Timbuktu-Manuskripte sind von den Rebellen gestohlen oder zerstört worden, jedoch konnten über 300.000 Exemplare in die Hauptstadt Bamako verbracht werden und entgingen mithin der Vernichtung. Aktuell werden sie digital dokumentiert und konservatorischen Maßnahmen unterzogen. Die sagenumwobene Stadt Timbuktu, deren Name in westlichen Kulturen als Synonym für einen weit entfernten Ort verwendet wurde, war früher das Zentrum des Handels in der Sahara. Im Jahr 2012 zerstörten der Al-Qaida angehörige Rebellen aus dem Nordmali dort historische und religiöse Wahrzeichen mit der Begründung, solche Relikte seien abgöttisch. Nun wird die Stätte durch den Krieg gefährdet. Die Generalsekretärin der UNESCO, Irina Bokova, nahm dazu folgend Stellung:

„Ich fordere alle Streitkräfte dazu auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um das kulturelle Erbe des Landes, welches bereits schwer beschädigt ist, zu beschützen. Das kulturelle Erbe von Mali ist ein Juwel, dessen Schutz für die gesamte Menschheit wichtig ist. Das ist unser gemeinsames Erbe, nichts kann es rechtfertigen es zu beschädigen.“[39]

Nach der Einnahme Timbuktus durch französische und malische Truppen Ende Januar 2013 wurden erste Bilder der Zerstörungen bekannt.[40] Neben den Lehmmoscheen haben insbesondere die Manuskripte des Institut des hautes études et de recherches islamiques Ahmed Baba gelitten, obwohl die Mehrzahl rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden war.[41]

Im September 2016 wurde der Rebellenführer Ahmad Al Faqi Al Mahdi vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) zu neun Jahren Haft verurteilt aufgrund Kriegsverbrechen, bei denen das kulturelle Erbe in Timbuktu erheblich beschädigt worden war.[42] Al Faqi Al Mahdi, der der Rebellenbewegung Ansar Dine angehörte, bekannte sich schuldig.[42][43]

Menschenrechtsverletzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinten Nationen haben Fälle von Amputationen, Auspeitschungen und Hinrichtungen wie zum Beispiel einer Steinigung eines Paares im Juli 2012, welches angeblich eine Affäre hatte, festgestellt. Der Internationale Strafgerichtshof hat eine Untersuchung auf Kriegsverbrechen aufgrund von Berichten über Verstümmelungen und Tötungen von Bewohnern, welche den Islamisten nicht Folge leisteten, angeordnet.

„Die derzeitige die Menschenrechte betreffende Lage ist mit langjährigen und ungelösten Problemen verbunden. Menschenrechtsverletzungen wurden sowohl im Norden als auch im Bereich unter Kontrolle der Regierung begangen“, erklärte der UN-Menschenrechtsrat unter Berufung auf Missbräuche seit Januar 2012. Der Rat stellte fest, dass „im nördlichen Mali seit Januar 2012 schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen stattgefunden haben, einschließlich Massenhinrichtungen und Tötungen ohne Gerichtsverfahren.“

Der Menschenrechtsrat führte in seiner Erklärung einige Fälle im Detail aus.[39]

Human Rights Watch (HRW) erklärte am 19. Januar 2013, dass sie im Besitz von belastbaren Informationen über schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, einschließlich Mord, sind, die von malischen Sicherheitskräften gegen Zivilisten in der Stadt Niono verübt wurden. Laut HRW sind vor allem Tuareg und Araber, von denen die meisten Rebellen abstammen, betroffen. Die Nichtregierungsorganisation forderte „die malischen Behörden und Soldaten, auch die Franzosen und Westafrikaner, dazu auf, ihr Möglichstes zu tun, um den Schutz aller Zivilisten zu gewährleisten.“[44]

Die Fédération internationale des ligues des droits de l’Homme (FIDH), eine französische Menschenrechtsorganisation, beschuldigte am 22. Januar die malische Armee der Massenerschießungen sowie Misshandlungen in mindestens 33 Fällen im Raum Sévaré, Mopti und Niono. In Bamako sollen durch die Truppen Häuser geplündert sowie deren Tuareg-Einwohner eingeschüchtert worden sein.[45]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Konflikt in Nordmali – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Orphans of the Sahara (Episode 1: Return 46:30 – Episode 2: Rebellion 47:26 – Episode 3: Exile 47:30) (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Isla Baines: Mali Political Conflict. Bobby Digital, Elfenbeinküste 2017.
  2. Mali Besieged by Fighters Fleeing Libya. Stratfor. Abgerufen am 22. März 2012.
  3. Bilans contradictoires de l’armée et des rebelles au sujet des combats dans le nord-est du Mali. 20. Januar 2012, abgerufen am 4. April 2020 (französisch).
  4. L’armée cesse le combat à Gao, ville stratégique. In: 20minutes ch. Abgerufen am 4. April 2020 (französisch).
  5. Mali. Le pouvoir laisse Gao aux mains des rebelles. Abgerufen am 4. April 2020 (französisch).
  6. Tuareg rebels declare the independence of Azawad, north of Mali, Al Arabiya. 6. April 2012. 
  7. Serge Daniel: Islamists seize north Mali town, at least 21 dead in clashes, Google News. 27. Juni 2012. Archiviert vom Original am 23. November 2012. 
  8. Adam Nossiter: Jihadists’ Fierce Justice Drives Thousands to Flee Mali. In: The New York Times, 18. Juli 2012. Archiviert vom Original am 23. November 2012. Abgerufen im 23. November 2012. 
  9. Die Akteure in Mali: Islamisten und Drogenhändler. In: taz. 13. Januar 2013, abgerufen am 2. Februar 2013.
  10. Mali: des islamistes à la lisière Nord-Sud. In: Le Figaro, 1. September 2012. Abgerufen am 13. Januar 2013. 
  11. Ban Ki-moon met en garde contre une intervention au Mali. In: Le Monde, 29. November 2012. Abgerufen am 13. Januar 2013. 
  12. Malischer Präsident bittet Frankreich um Hilfe gegen Islamisten. In: welt.de. 11. Januar 2013, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  13. Französische und malische Truppen nehmen Gao ein. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Tagesschau. 26. Januar 2013, archiviert vom Original am 28. Januar 2013; abgerufen am 2. Februar 2013.
  14. Mali. La Légion a sauté sur Tombouctou! In: Ouest-France. 27. Januar 2013, abgerufen am 4. April 2020 (französisch).
  15. Afrikas Staaten stocken Truppen für Mali auf. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Tagesschau. 27. Januar 2013, archiviert vom Original am 28. Januar 2013; abgerufen am 2. Februar 2013.
  16. faz.net
  17. Malis neuer Präsident Keita vereidigt. (Memento vom 21. Dezember 2013 im Internet Archive) Zeit Online, September 2013
  18. Mali’s Tuareg fighters end ceasefire. 30. November 2013. Abgerufen am 28. Dezember 2013. 
  19. French troops kill 11 Muslim fighters in Mali, Press TV. 25. Januar 2014. 
  20. Guerre au Mali: ce que l’on sait de l’opération Barkhane. Abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  21. Mali: nouvelle attaque d’une localité dans le centre, un civil tué - Africa Radio. Abgerufen am 22. März 2020.
  22. Au Mali, une nouvelle attaque contre une localité près de la frontière mauritanienne. In: Le Monde.fr. 7. Januar 2015 (lemonde.fr [abgerufen am 22. März 2020]).
  23. Mali: deux militaires maliens tués dans une attaque jihadiste dans le Centre. Abgerufen am 22. März 2020.
  24. Alakhbar | Le groupe El-Mourabitoune prête allégeance à l’Etat islamique. Abgerufen am 22. März 2020.
  25. Alakhbar | Bel Mokhtar dément l’allégeance du groupe El-Mourabitoune à l’Etat Islamique. Abgerufen am 22. März 2020.
  26. Mali: début d’une opération militaire anti-jihadiste en pays Dogon. 27. Oktober 2015, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  27. Mamadou Makadji: Mali: Opération antiterroristes: ”Osseau” frappe à Gao. Abgerufen am 22. März 2020 (fr-FR).
  28. Barkhane: opération transfrontalière Panga dans la boucle du Niger élargie. Französisches Verteidigungsministerium, 14. April 2017, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  29. Mali: retour du gouverneur à Kidal, trêve entre CMA et Gatia. 22. August 2017, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  30. Mali: le rapport alarmant de l’ONU sur la situation au Nord. 3. Oktober 2017, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  31. Mali: l’ONU hausse le ton contre Bamako. 24. Januar 2018, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  32. Attaque contre le QG de la force régionale G5 Sahel, dans le centre du Mali. 29. Juni 2018, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  33. AFP: Mali: attaque "terroriste" contre les soldats français de Barkhane à Gao. Europe1, 1. Juli 2018, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  34. Plus d’une centaine de civils tués au Mali. 23. März 2019, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  35. De retour à Kidal, l’armée malienne veut incarner la restauration de l’autorité de l’État. 13. Februar 2020, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  36. Deutsche Welle (www.dw.com): Protest in Mali schlägt in Gewalt um | DW | 10. Juli 2020. Abgerufen am 23. Juli 2020 (deutsch).
  37. Über 100'000 Malier flüchten ins Ausland. Tagesschau, 15. Januar 2013, abgerufen am 15. Januar 2013.
  38. Mali conflict: French set for key ground combat. BBC News, 16. Januar 2013, abgerufen am 16. Januar 2013.
  39. a b French, Malians seize town from Islamists. CNN, 19. Januar 2013, abgerufen am 20. Januar 2013.
  40. zu den Zerstörungen der Überblick bei Terroristen, Milizen und Glaubensfanatiker – Instrumentalisierung des Kulturerbes in Mali. Archaeologik, 8. Januar 2013
  41. Ausgetrickst – Timbuktu Manuskripte wurden rechtzeitig versteckt. Archaeologik, 30. Januar 2013
  42. a b Case Information Sheet - Ahmad Al Faqi Al Mahdi. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) IStGH, 17. August 2017, archiviert vom Original am 9. Oktober 2017; abgerufen am 8. Oktober 2017 (englisch).
  43. Summary of the Judgment and Sentence in the case of The Prosecutor v. Ahmad Al Faqi Al Mahdi. (PDF) IStGH, 26. September 2016, abgerufen am 8. Oktober 2017 (englisch).
  44. Les populations civiles du nord du Mali sont menacées. In: Le Monde. 19. Januar 2013, abgerufen am 20. Januar 2013.
  45. Mali army accused of 'summary executions’ by rights group. CBC, 23. Januar 2013, abgerufen am 23. Januar 2013.