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Antonio Tejero

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Antonio Tejero, 1981

Antonio Tejero Molina (* 30. April 1932 in Alhaurín el Grande, Provinz Málaga) war Oberstleutnant der spanischen Guardia Civil (ab 1974) und im Februar 1981 in einen fehlgeschlagenen Umsturz verwickelt, den sogenannten 23-F-Putsch.

Militärkarriere

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Antonio Tejero trat 1951 in die Guardia Civil ein, eine mit der Gendarmerie vergleichbaren militärischen Einheit, die sowohl Landesverteidigungs- als auch Polizeiaufgaben übernimmt. Nach der Offiziersausbildung an der Militärakademie in Saragossa wurde er 1955 zum Leutnant ernannt. Im Lauf seiner Karriere war er in verschiedenen Provinzen des spanischen Festlands und den Kanaren stationiert. Nach seiner Beförderung zum Oberstleutnant (teniente coronel) 1974 wurde er als Chef des Stabes in der Kommandantur der Guardia Civil in San Sebastián, ab 1975 als Leiter der Kommandantur in Vitoria (beide im Baskenland) und ab 1976 als Leiter der Kommandantur erneut in San Sebastián eingesetzt. Letztere galt als schwierigster Posten der Guardia Civil in ganz Spanien, dort war Tejero für Einsätze gegen die militante baskisch-nationalistische Untergrundorganisation ETA verantwortlich.[1]

Auch nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975 und dem Beginn der Transición zur Demokratie blieb Tejero dem Ideal eines einheitlichen, zentralistischen und kastilischsprachigen Spaniens verpflichtet und lehnte regionale Autonomien sowie jede Kritik am Franco-Regime ab.[2] Anfang 1977 wurde er als Leiter der Kommandantur nach Málaga versetzt. Wegen Ungehorsam bereits früher wiederholt disziplinarisch belangt (u. a. Disziplinararrest), wurde er aufgrund einer Eigenmächtigkeit auch seines Postens in Málaga enthoben. Er hatte seine Truppen im Oktober 1977 angewiesen, eine vom zuständigen Zivilgouverneur erlaubte Demonstration zu verhindern, weil kurz zuvor ein Angehöriger der Guardia Civil gestorben war und deshalb nach Tejeros Ansicht ein Trauertag war, an dem niemand demonstrieren dürfe. Dank der Protektion durch José Utrera Molina, einen ehemaligen Abgeordneten und Minister der Franco-Regierung, wurde er im Februar 1978 zum Leiter der Abteilung für Einsatzorte in der Generaldirektion der Guardia Civil in Madrid ernannt. Er hatte aber keine direkte Befehlsgewalt mehr über Truppen.[3]

Operación Galaxia

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Am 11. November 1978 war Tejero an der Verschwörung „Operación Galaxia“ beteiligt und wurde dafür am 8. Mai 1980 vor ein Militärgericht gestellt und zu sieben[4] Monaten und einem Tag Disziplinararrest verurteilt. Eine Degradierung erfolgte allerdings nicht.

Der 23-F-Putsch

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Am 23. Februar 1981 betrat Tejero, begleitet von Angehörigen der Guardia Civil, während der Einsetzung von Leopoldo Calvo-Sotelo zum Regierungschef das Parlament und setzte die amtierende Regierung sowie die Abgeordneten fest. Als er sah, dass sein Coup fehlschlug, ergab er sich und wurde verhaftet. Dieser Putschversuch wird in Spanien auch 23-F genannt. Tejero wurde vor Gericht gestellt, zu 30[4] Jahren Haft wegen Rädelsführerschaft verurteilt und musste die Guardia Civil verlassen.

Solidaridad Española

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Er nahm 1982 – eineinhalb Jahre nach seinem gescheiterten Putschversuch – erfolglos für eine unter seiner Führung gegründete Rechtspartei namens Solidaridad Española an der Parlamentswahl teil, um als Abgeordneter Immunität zu erlangen. Dieser Plan scheiterte jedoch: Die Partei erhielt nur 0,14 Prozent der Stimmen[5] und löste sich 1984 auf.

Ab September 1993 kam er in den offenen Haftvollzug; im Dezember 1996 wurde seine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt und Tejero als letzter Putschteilnehmer am 2. Dezember 1996 aus der Haft entlassen. Er lebt mit seinem Sohn in der Nähe von Málaga.[6]

Anfang 2006 machte er durch einen Leserbrief an den Herausgeber der Zeitung Melilla Hoy auf sich aufmerksam, in welchem er das katalanische Autonomiestatut kritisierte.[7]

Am 24. Oktober 2019 nahm er, mittlerweile 87 Jahre alt, an einer Protestkundgebung gegen die Umbettung der sterblichen Überreste des Diktators Francisco Franco in Madrid teil.[8]

Auf den Putschversuch spielt auch eine Szene in dem 2014 erschienenen spanischen Animationsfilm Clever & Smart in geheimer Mission (Original: Mortadelo y Filemón contra Jimmy el Cachondo) an. Darin befiehlt Fred Clever, als Offizier der Guardia Civil verkleidet und deutlich als Antonio Tejero erkennbar, den Kandidaten einer Reality-TV-Show, sich auf den Boden zu legen, und schießt mit einer Pistole zweimal in die Decke des Fernsehstudios.

Commons: Antonio Tejero – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • José Luis Barbería, Joaquín Prieto: Tres tramas en la sombra. In: El País. 21. Februar 2011; (spanisch, Sonderartikel zum 30. Jahrestag des 23-F).

Einzelnachweise

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  1. Roberto Muñoz Bolaños: Deconstruyendo la figura del ex teniente coronel Antonio Tejero Molina. In: Aportes, Jahrgang XXXI (2016), Nr. 90, S. 137–173, hier S. 143–145.
  2. Roberto Muñoz Bolaños: Deconstruyendo la figura del ex teniente coronel Antonio Tejero Molina. In: Aportes, Jahrgang XXXI (2016), Nr. 90, S. 137–173, hier S. 145.
  3. Roberto Muñoz Bolaños: Deconstruyendo la figura del ex teniente coronel Antonio Tejero Molina. In: Aportes, Jahrgang XXXI (2016), Nr. 90, S. 137–173, hier S. 148–149.
  4. a b Matthieu Trouvé: Histoire politique de l’Espagne après Franco (de 1975 à nos jours) (= Collection Parcours Universitaires – Histoire). Presses Universitaires de Bordeaux, Pessac (Bordeaux) 2024, ISBN 979-1-03001113-5, S. 106, 108.
  5. Solidaridad Española (SE), 28.451 gültige Stimmen (0,14 %). In: Elecciones Congreso de los Diputados Octubre 1982 (Memento vom 9. Februar 2009 im Internet Archive) (spanisch)
  6. Malaga101: ¿Qué fue del golpista Tejero? (Memento vom 26. Februar 2011 im Internet Archive) (spanisch).
  7. Melilla Hoy: ¿Hasta cuándo… Zapatero? (Memento vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive)
  8. Thomas Urban: Des Diktators allerletzte Ruhe. In: sz.de, 24. Oktober 2019.