Artur Lauinger

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Artur Lauinger (* 23. August 1879 in Augsburg; † 15. Oktober 1961 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Wirtschaftsjournalist.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artur Lauinger wurde als Sohn des jüdischen Kaufmanns Heinrich Lauinger geboren. Nach dem Abitur in Karlsruhe studierte er in Tübingen und München. Ab 1902 schrieb er als Handelsredakteur/Börsenredakteur für das Berliner Tageblatt. Im Oktober 1907 wechselte er in das Wirtschaftsressort der Frankfurter Zeitung, bei der er über 30 Jahre in leitender Stellung stand. Sein Spezialgebiet war das Versicherungswesen. Nach Aufdeckung von Misswirtschaft bei der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs AG, dem sogenannten FAVAG-Skandal, wurde er 1927 in den Beirat des Reichsaufsichtsamtes für das Versicherungswesen berufen. Außerdem war er vor 1933 Erster Vorsitzender des Vereins der Frankfurter Presse. Dann stellte er sein Amt mit der Begründung zur Verfügung, „er wolle seinen Kollegen nicht zumuten, einen jüdischen Vorsitzenden zu halten, auch wenn es sich um einen jüdischen Frontsoldaten handele, der immer auf sein Deutschtum stolz gewesen sei“.[1]

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er als Jude mit Berufsverbot belegt und musste aus der Redaktion vor 1938 ausscheiden. Im November 1938 wurde er von einem Kollegen denunziert, verhaftet und ins KZ Buchenwald verschleppt und interniert. Noch vor Kriegsausbruch 1939 flüchtete er nach England, wo er als freier Mitarbeiter für britische und Schweizer Blätter schrieb sowie für Versicherungen arbeitete. Zuletzt war er kleiner Angestellter bei der Oxford Olympia Press.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er 1946 nach Frankfurt am Main zurück, schrieb für die Stuttgarter Zeitung sowie die Frankfurter Allgemeine Zeitung und wurde zunächst Redakteur der Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung und später Chefredakteur der Zeitschrift Versicherungs-Wirtschaft, bevor er in die Redaktion der Frankfurter Neuen Presse überwechselte.

Er wirkte aktiv an der Neugründung des Versorgungswerks der Presse mit, in dessen Verwaltungsrat er 1949 berufen wurde.[2]

1954 hielt er eine Gastvorlesung an der Universität Frankfurt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Arnsberg: Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution: Bd. 3: Biographisches Lexikon der Juden in den Bereichen Wissenschaft, Kultur, Bildung, Öffentlichkeitsarbeit in Frankfurt am Main. Roether, Darmstadt 1983.
  • Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon. Erster Band. A–L (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission. Band XIX, Nr. 1). Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7829-0444-3.
  • Bettina Leder: Lauingers. Eine Familiengeschichte aus Deutschland. Hentrich und Hentrich, Berlin 2015, ISBN 978-3-95565-080-3 (= Jüdische Memoiren, Band 26; über Artur Lauringer und seinen Sohn Wolfgang).[4]
  • Horst Köpke: Die ersten fünfzig Jahre – Geschichte des Hessischen Journalisten-Verbandes [1947–1997]. Hrsg. vom Hessischen Journalisten-Verband, Frankfurt am Main 1997, S. 4, 9, 52 (dort wird der Vorname mit Arthur angegeben).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Köpke: Die ersten fünfzig Jahre – Geschichte des Hessischen Journalisten-Verbandes [1947–1997]. Hrsg. vom Hessischen Journalisten-Verband, Frankfurt am Main 1997, S. 9.
  2. Horst Köpke: Die ersten fünfzig Jahre – Geschichte des Hessischen Journalisten-Verbandes [1947–1997]. Hrsg. vom Hessischen Journalisten-Verband, Frankfurt am Main 1997, S. 9, 52.
  3. Horst Köpke: Die ersten fünfzig Jahre – Geschichte des Hessischen Journalisten-Verbandes [1947–1997]. Hrsg. vom Hessischen Journalisten-Verband, Frankfurt am Main 1997, S. 4, 52.
  4. Die Lauingers – eine böse Familiengeschichte. In: FAZ vom 2. Juni 2015, S. 31.