Versorgungswerk der Presse

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Das Versorgungswerk der Presse (oft auch kurz Presse-Versorgung) ist eine Versorgungseinrichtung für Journalisten und Medienfachleute. Angesiedelt in Stuttgart hat die Non-Profit-Gesellschaft einen Versicherungsbestand von circa 10 Milliarden Euro, besitzt fast sechs Milliarden Euro Kapitalanlagen und verwaltet rund 160.000 Versicherungsverträge.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Presse-Versorgung versichert Journalisten und Personen aus der Kommunikations- und Medienbranche. Das Versorgungswerk versichert diesen Personenkreis im Bereich der Alters-, Hinterbliebenen-, Berufsunfähigkeits- und Pflegevorsorge.[1]

Den Gesellschafterkreis der Non-Profit-Gesellschaft bilden der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) sowie der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) mit seinen Landesverbänden und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in den Fachbereichen Medien, Kunst und Industrie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts fristeten viele Schriftsteller und Journalisten ein entbehrungsreiches Dasein. Miserable Löhne und unzureichender Schutz bei Krankheit, Berufsunfähigkeit und Tod kennzeichneten die Situation vieler Zeitungsredakteure. Nur wenige Großverlage wie Rudolf Mosse in Berlin, M. DuMont Schauberg in Köln oder Girardet in Essen sahen bereits eine Pension für Redakteure vor.

In den frühen 1890er-Jahren gelang es, mit der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller eine erste Versorgungseinrichtung zu schaffen. Die Beiträge zur Pensionsanstalt jedoch hatten die Journalisten alleine aufzubringen. Lediglich zehn Prozent der damals rund 10.000 Journalisten traten der Pensionsanstalt bei. Die geringe Nachfrage führte in Verbindung mit der rasanten Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zur Einstellung des Geschäftsbetriebes im Jahre 1924.

Die Vorläuferversion des heutigen Presse-Versorgungswerks wurzelt im Jahr 1926. Am 9. Januar 1926 wurde die Versorgungsanstalt der Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse als erstes berufsständisches Vertragswerk auf tarifrechtlicher Basis in Berlin gegründet. Gesellschafter waren der Reichsverband der deutschen Presse (RDP) als Journalistenorganisation und der Arbeitgeberverband des deutschen Zeitungsgewerbes.

Bis 1945 wuchs der Versicherungsbestand auf fast 6500 Versicherungsverträge, die Einnahmen betrugen um die 3,5 Millionen Reichsmark. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das gesamte Vermögen der Versorgungsanstalt jedoch verloren. Die Besatzungsmächte verhängten ein Prämienzahlungsverbot und beschlagnahmten alle Guthaben der Anstalt, wodurch diese völlig lahmgelegt wurde. Somit wurde ein Neuaufbau der Altersversorgung für Journalisten dringend erforderlich.

Neugründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antreibende Kräfte für eine Neugründung waren insbesondere Verleger und Journalisten aus der britischen Besatzungszone, die sich ab August 1946 in der Arbeitsgemeinschaft Nordwestdeutsche Presse zusammenfanden. Aus der dort neuentstandenen Sozialeinrichtung (Versorgungswerk der Nordwestdeutschen Presse) entstand in seiner heutigen Form das Versorgungswerk der Presse GmbH, dessen Gründungsversammlung am 28. Mai 1949 im historischen „Magister Dr. Faust Haus“ in Bad Kreuznach abgehalten wurde. Zu den Mitgliedern des siebenköpfigen Verwaltungsrates gehörten u. a. die Verleger Dietrich Oppenberg und Artur Lauinger, Paul Heile aus Hamburg wurde zum Vorsitzenden gewählt.[2]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschafter (regionale Zeitungsverleger- und Journalistenverbände) übertrugen den Versicherungsschutz einem Konsortium von Lebensversicherern. In der Gründungsphase waren dies die Allianz, daneben Gerling und die Colonia. Colonia ging in der Folge in der Axa auf und Gerling im HDI. Heute werden die Versicherungsrisiken von Allianz (federführend; mit einem Anteil von 84,3 Prozent), HDI (10,7 Prozent) und AXA (5,0 Prozent) getragen.

Die zur Altersversorgung abgeschlossenen Verträge waren betrieblich veranlasst, die Beiträge wurden paritätisch von den Verlagen und Redakteuren gezahlt. Alle Gesellschafter verzichteten von Beginn an auf Gewinnausschüttungen. Durch einen gesonderten Abrechnungsverband für die Kapitalanlagen wurde eine Vermischung mit den Anlagegeldern der Konsortialpartner vermieden und es konnten eigene Strategien und Anlageschwerpunkte gewählt werden. Zur Bewältigung der Versorgungsprobleme für die Redakteure der Kriegsgeneration, wurde 1953 zusätzlich die Versorgungskasse der Deutschen Presse gegründet. In diese „Unterstützungskasse“ zahlten die Verleger einen Beitrag von 2,5 Prozent des Gehalts ihrer Redakteure ein. Im Jahr 1974 gelang ein großer Schritt durch den Abschluss einer tarifvertraglichen Lösung für die Zeitschriftenredakteure, weshalb der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), die Industriegewerkschaft IG Druck und Papier sowie die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) als zusätzliche Gesellschafter dem Versorgungswerk beitraten. Als 1998 die Versorgungskasse für Neuzugänge geschlossen wurde, zahlten die Verleger ihre Beiträge für eine zusätzliche Versicherung ihrer Redakteure in das Versorgungswerk ein. Für Zeitschriftenredakteure, die seit April 2013 erstmals beim Presse-Versorgungswerk angemeldet werden, gilt ein neuer Tarifvertrag mit paritätischer Beitragszahlung (Redakteur und Verlag je 4 %).

Neben der „Pflichtversorgung“ spielte zunehmend das „freiwillige Versicherungsgeschäft“ eine immer größere Rolle für das Unternehmen. Der Anteil des zweiten Geschäftsbereichs ist seit 2012 auf rund 70 Prozent des Gesamtbestandes gestiegen. Durch die zunehmende Verbreitung neuer Technologien in der Medienbranche entstehen ständig neue Berufsfelder, die eine Erweiterung des versicherbaren Personenkreises erfordern. Hinzu kommen neue gesetzliche Bestimmungen zur Förderung betrieblicher und kapitalgedeckter privater Altersversorgung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Versicherbarer Personenkreis des Versorgungswerks
  2. Dietrich Oppenberg, in der Festschrift: 50 Jahre Versorgungswerk der Presse GmbH. Zeitzeugen erzählen, Stuttgart 1999 (S.14f)