Astro TV

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Astro TV
Senderlogo
Astro-TV.svg
Allgemeine Informationen
Empfang: Kabel, Satellit, DVB-C, DVB-S und IPTV
Eigentümer: adviqo GmbH
Geschäftsführer: Bryan Leppi, Ulrich Kohl[1]
Sendebeginn: 14. Juni 2004
Rechtsform: privatrechtlich
Programmtyp: Spartenprogramm
Liste von Fernsehsendern

Astro TV ist ein privater Fernsehsender aus Deutschland, der von Adviqo betrieben wird und sich mit Astrologie und Esoterik befasst. Er wird in allen deutschen Kabelnetzen und zudem auf Programmplätzen mehrerer anderer Sender verbreitet. Seit 2018 gehört adviqo mit ihrem Sender Astro TV einer Gruppe Investoren um einen Teil der Gründer.[2]

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm beschäftigt sich hauptsächlich mit Astrologie, Horoskopen, Hellsehen und Kartenlegen. Interessierte Zuschauer können unter einer kostenpflichtigen Rufnummer anrufen. Sollte ein Zufallsgenerator den Zuschauer ausgewählt haben, kann sich dieser live in der Fernsehsendung beraten lassen. Zudem bietet Astro TV allen Erstanrufern ein Gratisgespräch unter einer kostenfreien 0800-Nummer. Dort gibt es laut Astro TV keinen Zufallsgenerator, der einen Zuschauer auswählt, sondern die Reihenfolge der Anrufer sei entscheidend. Ab und zu werden Erstanrufer live geschaltet, um in einem Live-Interview für diese Beratung zu werben.

Programmbegleitend wurde auf der Homepage des Senders acht Jahre bis zu seiner Einstellung ca. Ende 2014 ein Webshop betrieben, der themenrelevante Produkte zur Astrologie bewarb und auch über eine 0800-Telefonnummer aus Deutschland erreichbar war.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem kritischen Feuilletonbeitrag der FAZ von 2007 wurde kritisiert, dass die Aussagen der Lebensberater meist sehr vage seien, sodass sie auf jeden zutreffen könnten. Nicht jeder anrufende Zuschauer gelange auch live in eine Sendung, um direkt über sein Anliegen zu sprechen. Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Matthias Pöhlmann, sieht im selben Beitrag zudem ein großes Risiko seelischer Abhängigkeit.[4]

Am 12. Februar 2015 schleusten Aktionskünstler vom Peng Collective einen falschen Clown in eine Sendung von AstroTV. Dieser zerdrückte während der Live-Sendung ein Ei am Kopf des Moderators und sagte, dass der Sender Betrug sei und ihm die Lizenz entzogen gehöre.[5] Die Aktionskünstler wollen mit der Aktion auf die zweifelhaften Methoden des Senders aufmerksam machen.[6] Der Blog der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) wies darauf hin, dass die Aktion durch Mitglieder der Hamburger GWUP-Regionalgruppe unterstützt wurde,[7] ohne jedoch Details zu nennen. Der Sender reagierte auf die Aktion, indem er den Aktivisten eine Abmahnung schickte, in der er forderte, die weitere Verbreitung des Videos der Aktion zu unterlassen.[8] Peng drehte daraufhin ein Video, dem der ursprüngliche, erneut als „Clown“ verkleidete Aktionskünstler die Telephon-Hotline von Astro TV um Hilfe bat, weil ein Video von ihm von Youtube entfernt werden solle; der Zusammenhang des Anrufs zur Peng-Unterlassungsklage wurde im Telephonat selbst jedoch nicht aufgelöst. Anschließend unterzeichnete Peng eine Unterlassungserklärung. Die Adviqo AG verklagte Peng danach auf Schadensersatz (mindestens 3.000 Euro) und entstandene Rechtsanwaltskosten (ca. 1.140 Euro) wegen der Verbreitung von Ausschnitten aus der Astro-TV-Clown-Sendung in einem Youtube-Video von Peng. Das erstinstanzlich zuständige Landgericht Berlin wies die Klage 2017 laut der Anwältin des Peng-Künstlers ab „mit der Begründung (...), dass der Inhalt des YouTube-Videos eine medienpolitische Meinungsäußerung in Form einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Geschäftsmodell von AstroTV ist und das Video daher ein selbstständiges Werk ist.“[9]

Im März 2015 berichtete digitalfernsehen.de von einer Petition, die offenbar anlässlich der Protestaktion der (nicht namentlich genannten) Künstlergruppe Peng und aufgrund eines Berichts in der ARD-Talkshow Beckmann unter dem Titel „AstroTV ist böse“ dazu aufrief, sich mit Beschwerden an die Medienanstalt Berlin-Brandenburg zu wenden. Diese erklärte, es lägen rund 100 Beschwerden „wegen zweifelhafter Angebote und betrügerischer Machenschaften“ vor.[10] Astro TV bestritt in einer Stellungnahme unseriöse Geschäftspraktiken und verwies auf „mehr als 1.250.000 Anrufer“ und seine „Beliebtheit bei den Ratsuchenden“, den Zuschauern.[11]

Ebenfalls 2015 berichtete die Zeit aus zweiter Hand über einen internen Astro-TV-Gesprächs-Leitfaden, der Christ & Welt vorliege. Darin würden die Astro-TV-Mitarbeiter konkrete Gesprächsbeispiele für die Manipulation von Kunden erhalten, wie zum Beispiel in der Zeit auch zitiert wird, mit der Schlussfolgerung: „Betrug à la carte“.[12]

Astro TV wurde 2016 mit dem Negativpreis Goldener Aluhut in der Kategorie „Esoterik“ ausgezeichnet.[13]

Seit der Mitte der 2000er Jahre gehört AstroTV zu den bevorzugten Zielen von Oliver Kalkofe in dessen Medien-Satiresendung Kalkofes Mattscheibe.[14]

Ein prominenter Gesellschafter der Adviqo AG, zu der neben Astro TV weitere Esoterikunternehmen wie z. B. Questico und Viversum gehören, ist der bekannte Bundesligaschiedsrichter Deniz Aytekin.[15]

Folgen für Anrufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FAZ berichtete im Jahr 2007 in ihrem kritischen Feuilletonbeitrag von einer Frau, die zwischen März 2006 und März 2007 38.000 Euro vertelefonierte und sich schließlich in psychologische Beratung begab; unter den 60 angerufenen „Experten“ hätten laut Aussage der Eltern der Frau nur zwei oder drei „zu professioneller Hilfe geraten“; ansonsten sei einfach das Geschäftsmodell durchgezogen worden, durch das sich die Frau schließlich verschuldet habe. Erst als die Frau sich ihren Eltern anvertraute, wandten sich diese an die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, die zwar nicht für den Sender mit seiner Sendebewilligung in Berlin zuständig ist, aber das Problem in Gespräche der Medienaufseher aller Länder einbrachte, die Gemeinsame Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz.[16]

Laut einem Zeit-Artikel von 2015 seien „Sektenbeauftragte[n] und Suchttherapeuten“ zahlreiche sucht-ähnliche Verläufe bekannt, in die sich Anrufer verstricken, aus Scham darüber lange schweigen und nach und nach hohe Summen vertelephonieren. Zitiert wird im Artikel der Münchner „Suchttherapeut Christoph Teich, der schon viele Betroffene beraten hat. ‚Zu 70 Prozent Frauen, die meisten alleinstehend, aus allen Bildungsniveaus.‘“[12] Das Problem der Telefonkosten ist Astro TV bewusst und weist in seinen Nutzungsbedingungen auf die möglichen hohen Telefonkosten hin und rät das Anrufverhalten regelmäßig zu überprüfen.[17]

Empfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sender ist ganztägig digital zu empfangen sowie über großen digitalen Kabelnetze wie beispielsweise Vodafone Kabel Deutschland, Unitymedia oder Kabel BW. Zusätzlich wird, bzw. wurde Astro TV zu bestimmten Sendezeiten auch in das reguläre Programm von Hamburg1 (bis August 2014) und sonnenklar.TV eingespielt. Bis zum 1. Januar 2011 war Astro TV von 21 bis sechs Uhr auch über Astra 19,2° Ost analog zu empfangen, danach übernahm der Frauensender sixx die Frequenz.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum auf der Website des Senders astrotv.de, abgerufen am 21. Januar 2019
  2. Gruppe um einen Teil der Gründer erwirbt die adviqo AG. Pressemeldung auf ebnerstolz.de vom 19. Januar 2018
  3. Startseite TV Shop (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.astrotv.de auf der Homepage des Senders (wörtlich: „Auf dem Weg in den Advent und die Weihnachtszeit verabschiedet sich Deutschlands […] TV-Shop…“), abgerufen am 29. März 2015
  4. Melanie Mühl, Michael Hanfeld: Das Geschäft mit der Astrologie: Die Seelenverkäufer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. Juli 2007, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. April 2019]).
  5. Astro TV – “Hack” PENG-Kollektiv – Video der Aktion.
  6. Berliner Aktionskünstler sprengen AstroTV-Livesendung In: Berliner Zeitung.
    Aktivist kapert Astro-TV-Sendung und fordert Lizenzentzug. auf Stern.de.
    Moderator bekommt Ei auf den Kopf: Protestgruppe „Peng!“ sprengt Astro-TV-Sendung. auf BILD.de.
    Moderator kriegt Ei auf den Kopf: Protestgruppe kapert AstroTV. auf T-Online.
  7. Ein Ei drüber: „Peng! Collektive“ sprengt Live-Sendung von AstroTV. (GWUP-Blog)
  8. Was für Eierköppe! AstroTV will PENG-Video aus dem Netz haben. (GWUP-Blog)
  9. Marcel Pohlig (28.1.2017). Protest im TV: Gericht gibt Astro-TV-Kritikern recht. Medienmagazin DWDL.de
  10. Über 100 Beschwerden: Wird Astro TV die Lizenz entzogen? digitalfernsehen.de, 27. März 2015
  11. Stellungnahme „Fakten über AstroTV“ (Memento vom 29. März 2015 im Internet Archive) auf der Website des Senders, Rubrik „Über uns“
  12. a b Antje Hildebrandt (22.3.2015). Die Sinn-Gewinnler. Zeit
  13. Viola Ulrich: Conspiracy: Das sind die Preisträger des Goldenen Aluhuts 2016. In: welt.de. 1. November 2016, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  14. 'Astro TV' in Kalkofes Mattscheibe. Granatenmaessigrecherchiert, abgerufen am 6. April 2019.
  15. Gesellschafter der Adviqo GmbH. Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich KEK, 12. Juli 2016, abgerufen am 6. August 2018.
  16. Michael Hanfeld: Telefonberatung von „Astro TV“: Eine Frau telefoniert sich in den Ruin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 23. Oktober 2007, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. April 2019]).
  17. Nutzungs- und Teilnahmebedingungen. In: AstroTV. Archiviert vom Original am 21. Januar 2018; abgerufen am 7. April 2019 (englisch).
  18. DWDL.de: Frauenkanal Sixx ab 2011 auch analog über Satellit. aufgerufen am 7. Oktober 2010.