Atakapa

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Stammesgebiet der Atakapa im 17. Jahrhundert.

Die Atakapa, Eigenname Ishak (das Volk), sind Angehörige eines nordamerikanischen Indianerstammes, dessen Sprache als isoliert gilt und bisher keiner anderen Sprache zugeordnet werden konnte. Sie lebten an der Nordküste des Golfes von Mexiko westlich des Mississippi-Deltas in den heutigen US-Bundesstaaten Louisiana und Texas. 450 Nachkommen repräsentieren heute die Atakapa-Ishak-Nation und bemühen sich seit 2006, die bundesstaatliche Anerkennung (federal recognition) als Stamm zu erhalten.

Stammesgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Atakapa werden in eine östliche und eine westliche Gruppe unterteilt.

Das traditionelle Stammesgebiet der östlichen Atapaka oder Hiyekiti Ishak lag im heutigen Acadiana, dem französisch sprechenden Teil des südlichen Louisianas. Sie bestanden aus drei regionale Bands. Die Alligator Band lebte entlang des Vermilion Rivers und der Vermilion Bay, einem Inlet des Golfes von Mexiko. Die Teche oder Snake Band lebte im Einzugsgebiet des Mermentau Rivers und in den Prärien, Küstenmarschen, sowie Bayous des südlichen Louisiana. Die Appalousa oder Heron Band hatte ihr Wohngebiet zwischen dem Atchafalaya River und Sabine River an der Grenze zwischen Texas und Louisiana.

Die westlichen Atakapa oder Hikike Ishak lebten im südöstlichen Texas und bestanden aus insgesamt sieben Bands. Die Akokisa hatten ihr Stammesgebiet entlang des Unterlaufs des Trinity und San Jacinto Rivers, sowie an der Ostküste der Galveston Bay. Die eigentlichen Atakapa lebten entlang des Calcasieu Rivers zwischen Calvasieu und Sabine Lake an der Grenze zwischen Texas und Louisiana. Die Bidai Band war am Bedias Creek zwischen Brazos und Neches River in Texas zu finden. Die Deadose hatten ihr Wohngebiet zwischen dem Zusammenfluss von Angelina und Neeches River und dem oberen Ende der Galveston Bay in Texas. Die Orcoquiza lebten nördlich der Galveston Bay am Trinity und Colorado River. Das Wohngebiet der Patiri lag nördlich des San Jacinto Rivers und westlich vom Trinity River im Gebiet zwischen den heutigen Städten Houston und Huntsville. Die Tiacopsel schließlich lebten im südöstlichen Texas in der Nähe der verwandten Bidai und Deadose. Ihr genaues Wohngebiet ist unbekannt[1].

Kultur und Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei den anderen Stämme in der Region gehörten die Vorfahren der Atakapa wahrscheinlich zur Mississippi-Kultur. Sie waren mit Sicherheit auch Moundbauer, wie aus archäologischen Funden hervorgeht. Etwas außerhalb eines zentralen Platzes lagen die konischen, oft versenkt angelegten Wohnhäuser. Diese bestanden aus in den Boden gerammten biegsamen Pfosten, die mit Flechtwerk aus Zweigen verbunden waren. Schließlich wurden die Wände innen und außen mit Lehm bestrichen und erhielten im Inneren zusätzlich eine Verkleidung aus Matten.[2]

Fische, Muscheln, Wild-Geflügel, sowie wilde Pflanzen gehörten überwiegend zur Ernährung der Atakapa. Sie benutzten zahlreiche Jagdwaffen, wie Speere, Blasrohre, Pfeil und Bogen und zum Fischfang gab es Netze, Angelhaken aus Knochen und Fischwehre. Die Atakapa rieben sich Alligator-Öl zum Schutz vor Sonnenbrand und Moskitos auf die Haut. Zur Bisonjagd zogen sie nach Norden auf die Prärie im Landesinneren. Sie sammelten Nüsse, Beeren, wilde Weintrauben, Wurzeln und wilden Honig. Als Teil eines Handelsnetzes tauschten die Atakapa getrockneten Fisch, Haizähne und Federn gegen Feuersteine, Keramik und Tierhäute, sowie Reet, Binsen und getrocknetes Moos, das für die Herstellung von Matten und Körben benötigt wurde. Im Sommer trugen die Atakapa-Männer nur minimale Kleidung, wie Lendenschurze, die im Winter gegen lange Hosen getauscht wurden. Üblich waren symbolische Verzierungen, wie Tätowierung und Schnitte an der Nase und in der Haut bei älteren Leuten.[1]

Es gibt zwei Schöpfungsmythen: Eine davon besagt, dass ihr Volk aus einem Ozean voller großer Austernmuscheln stammt; die andere berichtet, sie seien wegen einer Sturmflut auf den Bergspitzen abgelegt worden. Die Atakapa galten als Kannibalen; es wurde ihnen der Glaube nachgesagt, dass diejenigen Menschen, die von anderen Menschen gegessen würden, kein Leben nach dem Tode hätten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Núñez Cabeza de Vaca und weitere Spanier aus der Expedition des Pánfilo de Narváez von 1528, die aufgrund eines Schiffsunglücks an der Texasküste gerettet wurden, lebten dort unter Indianern, die Cabeza de Vaca Han nannte, vermutlich jedoch Atakapa oder Karankawa aus der gleichen Gegend waren. Die Spanier wurden zunächst freundlich empfangen, was sich aber änderte, als es um den Besitz von Lebensmitteln und den Ausbruch von europäischen Krankheiten ging. Seit der Ankunft der Europäer sank die Bevölkerungszahl der Atakapa erheblich. 

Zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1721, fing der französische Entdecker Jean-Baptiste Bénard de La Harpe einige Atakapa und brachte sie nach New Orleans und 1729 halfen Krieger der Atakapa den Natchez bei deren Krieg gegen die Franzosen. Andere Atakapa wiederum kämpften als Hilfskräfte für die Franzosen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten die Spanier eine Anzahl von Missionen bei den Stämmen in Texas. 1779 unterstützten die östlichen Atakapa die Spanier im Krieg gegen die Briten. Im frühen neunzehnten Jahrhundert kamen französische Kreolen nach Louisiana und verdrängten die dort lebenden Ureinwohner. Zahlreiche Angehörige der Atakapa, auch in Texas, suchten Zuflucht bei anderen Stämmen. Dem Anthropologen John Reed Swanton folgend gab es 1698 3.500 und um 1805 nur noch 175 Stammesangehörige in Louisiana. 1908 waren nur 9 Nachkommen bekannt. Dieser Niedergang ist mit Sicherheit eine Folge von Europäern eingeschleppten Krankheiten und wurde weniger durch ständige Kriege gegen die Siedler verursacht. Im Jahr 1932 wurde vom Smithsonian Institute ein Wörterbuch der Sprache der Atakapa veröffentlicht. Daraufhin meldeten sich Angehörige anderer Stämme, die sich selbst als Nachkommen der Atakapa bezeichneten. Einige von ihnen werden zu den Entwicklern der Zydeco Musik gezählt.[3][1]

Ein Teilstück des U.S.-Highway 190 zwischen dem Sabine River und dem Ort DeRidder in Louisiana wird heute als Atakappa Coushatta Trace (Atakappa Coushatta Route) bezeichnet, weil es sich um einen ehemaligen Fuß- und Wanderweg des Stammes in ihrem Wohngebiet handelt. 450 Nachkommen repräsentieren heute die Atakapa-Ishak Nation und bemühen sich seit 2006, die bundesstaatliche Anerkennung (federal recognition) als Stamm zu erhalten.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Encyclopedia of Native American Tribes - Third Edition. Abgerufen am 20. Februar 2017.
  2. Hans Läng: Kulturgeschichte der Indianer Nordamerikas, S. 150–156, Verlag Gondrom, Bindlach, 1993. ISBN 3-8112-1056-4
  3. TSHA-Online Handbook. Abgerufen am 1. März 2017.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]