Kannibalismus

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Menschenfresser ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für das Tier, das fähig ist, einen Menschen zu fressen siehe Menschenfresser (Tier); für den italienischen Film siehe Man-Eater – Der Menschenfresser.
Leonhard Kern: Menschenfresserin, Elfenbeinskulptur, um 1650

Als Kannibalismus wird das Verzehren von Artgenossen oder Teilen derselben bezeichnet. Insbesondere versteht man darunter den Verzehr von Menschenfleisch durch Menschen (Anthropophagie), aber auch im Tierreich gibt es Kannibalismus.

In fast allen menschlichen Gesellschaften ist Kannibalismus mit einem Nahrungstabu belegt. Zu unterscheiden ist Anthropophagie in Extremsituationen (aus Nahrungsmangel) von rituell bzw. religiös geprägten Erscheinungsformen, dem Glauben an eine medizinische Wirksamkeit des Verzehrs von Leichenteilen, bis hin zu entsprechenden Handlungen in sexuellen oder psychiatrischen Kontexten.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort „Kannibale“ kam in Folge der Entdeckungsfahrten des Christoph Kolumbus um 1500 in den europäischen Sprachen in Gebrauch. Im Deutschen ist es 1508 erstmals bezeugt.

Als Kolumbus auf seiner ersten Reise vor der Insel Hispaniola ankerte, notierte er in seinem Logbuch am 23. November 1492, dass die Einwohner dieser Insel in steter Furcht vor den Caniba oder Canima lebten, den angeblich einäugigen, hundsgesichtigen und menschenfressenden Einwohnern der Nachbarinsel Bohío. Die Eigenbezeichnung dieses Indianervolkes bedeutete so viel wie „tapfer“ (vgl. Tupi-Sprache caryba: „Held“). Da in ihrer Sprache die Laute l, n und r als Allophone variieren, entstand im Gebrauch der spanischen Seefahrer zum einen die Variante caribe bzw caribal, was sich im Sprachgebrauch zur Bezeichnung der Bewohner der Küsten der Karibik, die Kariben, verengte, und zum anderen canibal in der Bedeutung „Menschenfresser“.

Da man in der vorwissenschaftlichen Ethnologie der Antike und des Mittelalters fest davon überzeugt war, dass am Rand der bekannten Welt anthropophagische (menschenfressende) und "halbmenschliche" Völker lebten, konnte die Literatur des 16. Jahrhunderts in den karibischen Canibales eine besonders aktuelle und real scheinende Verkörperung dieser alten Idee entdecken. Der Name wurde zum Begriff; als solcher verbreitete er sich sehr schnell und wurde zum Synonym für den zuvor üblichen griechischen Begriff Anthropophage.

Im heutigen Deutsch wird die Bezeichnung Menschenfresser vor allem für Märchen- und Sagenfiguren oder -völker gebraucht.

Anthropophagie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschiedliche Kontexte und Motive für Kannibalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Spiel unterscheidet in seinem Buch Menschen essen Menschen – Die Welt der Kannibalen verschiedene Arten des Kannibalismus nach den Motiven und Anlässen:

  • mythisch begründeter Kannibalismus – in Weltschöpfungsmythen geschilderte Weltschöpfung durch Kannibalismus
  • religiöser Kannibalismus – Körperteil als direkte Opfergabe an die Götter (beispielsweise das Herz bei den Azteken für den Sonnengott, damit die Sonne jeden Tag neu ihren Lauf über den Himmel ausführen kann; der rohe Leichenrest für die Menschen als Omophagie)
  • ritueller Kannibalismus als „Bestattung im Menschen“ – den Geopferten oder den Verstorbenen in sich aufnehmen und so seine Wiederkehr verhindern
  • Pietätskannibalismus – den Verwandten, sei es ein Vorfahre oder ein eigenes Kind, aus Respekt, Liebe oder Trauer würdevoll ehren, aber auch sicher verwahren
  • Angst-Kannibalismus – den getöteten Feind am sichersten denkbaren Ort, in sich selbst, verwahren und so seine Wiederkehr verhindern
  • magischer Kannibalismus – Vorstellung, dass Eigenschaften wie Kraft und Mut vom Opfer durch Verzehren auf den Esser übergehen
  • justizieller oder Gerichts-Kannibalismus – das Verspeisen von Verurteilten oder das Trinken ihres Blutes
  • Kannibalismus zu Ernährungszwecken in extremen Notlagen

Nicht in den Blick genommen hat er den in Europa weit verbreitet gewesenen medizinischen Kannibalismus.

Kontroverse Bewertungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Schilderung von Kannibalismus, insbesondere in älteren Berichten, aber auch die entsprechende Interpretation archäologischer Funde, wird von einigen Autoren scharf kritisiert oder als unzutreffend angesehen. Der Vorwurf des Kannibalismus sei bis in die jüngste Vergangenheit in Europa als Vorwand für die Diskriminierung von indigenen Völkern und anderen Ethnien benutzt worden. Auch könnten Ergebnisse archäologischer Forschung nicht eindeutig bestätigt werden. Es wurden mehrmals entsprechende Fehlinterpretationen aufgedeckt, etwa indem nachgewiesen wurde, dass Kratzspuren, die zuerst als Anzeichen für Kannibalismus gedeutet wurden, von Tieren stammten. Das Fehlen von Organen könne auch von Begräbnisritualen herrühren, wenn z. B. im alten Ägypten während der Mumifizierung die inneren Organe entnommen wurden.

Die modernen Untersuchungsmethoden der Archäologie haben allerdings ausreichend glaubhafte Belege für das Vorkommen von Kannibalismus in verschiedenen Kulturräumen erbracht. Ein Beispiel sind Funde einer Forschungsgruppe 1999 in einer Höhle in Moula-Guercy, Frankreich. Die gefundenen menschlichen Knochenreste wurden nach derselben Methode zerkleinert wie tierische. In einer präkolumbianischen Siedlung der Anasazi im heutigen US-Bundesstaat Colorado wies eine Gruppe von Medizinern unter der Leitung von Jennifer und Richard Marler in den gefundenen Kochtöpfen und Exkrementen Spuren von menschlichem Myoglobin nach, die nur von der Nahrungsaufnahme menschlichen Fleisches stammen können.[1]

Archäologische Befunde in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Als archäologische Kriterien für Kannibalismus gelten Knochenzertrümmerungen, Hack- und Schnittspuren, Längsspaltung der Röhrenknochen zur Mark- und Öffnung des Schädels zur Gehirnentnahme sowie Feuereinwirkung, die in gleicher oder ähnlicher Weise auch an Tierknochen vorkommen und auf die gleiche Behandlung von Mensch und Tier schließen lassen.“[2]

Homo erectus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits rund 800.000 Jahre alte Knochenfunde von Neandertaler-Vorfahren der Art Homo erectus wurden als Beweis für kannibalistische Praktiken interpretiert, was anhand von Spuren auf Funden aus dem Jahr 1997 aus Atapuerca (nahe Burgos, Nordspanien) geltend gemacht wird.[3] In Bilzingsleben (Thüringen) wurde ein etwa 300.000 Jahre altes Pflaster-Halbrund gefunden, das als Ritualplatz gedient haben könnte. Reste von zertrümmerten Schädeln des Frühmenschen Homo erectus wurden vom Ausgräber D. Mania als Beweise einer Gehirnentnahme interpretiert (funeraler Kannibalismus).[4][5]

Neandertaler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Halbhöhle von Krapina nördlich von Zagreb (Kroatien) barg man von 1899 bis 1905 zerschlagene und teilweise angebrannte Knochenreste von mindestens 24 Neandertalern, was als „ritueller Kannibalismus“ gewertet wurde.[6][7] Dem wird entgegengehalten, dass die vermeintlich authentischen Schnittspuren an den Schädeln als Kratzer zum Teil erst nach der Konservierung entstanden sein können. Als Nachweis für Kannibalismus ist die Fundstelle ungeeignet.[8]

In einer Höhle im Hortus-Massiv (Südfrankreich) wurden Reste von bis zu 36 Menschen gefunden, deren Knochen allesamt zerbrochen waren und die inmitten von Mahlzeit- und Tierresten lagen.[9] Auch Schnittspuren an einem Unterkiefer mit Neandertalermerkmalen aus der Höhle von Les Rois (bei Mouthiers-sur-Boëme) wurden als möglicher Beleg für Kannibalismus gewertet, der von Cro-Magnon-Menschen des Aurignacien praktiziert worden sein soll. Doch widersprach dem eine Untersuchung des Jahres 2009, die zu dem Schluss kommt, dass dem Zusammenhang nach gesicherte Informationsstücke, die notwendig sind, um einem kannibalistischen Zusammenhang den Vorzug zu geben, fehlen.[10]

Jungsteinzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der jungsteinzeitlichen Bandkeramischen Kultur stammen die Funde aus der Jungfernhöhle von Tiefenellern bei Bamberg in Franken mit Schnittspuren, die als Zeichen von Kannibalismus interpretiert wurden. Die Art der Niederlegung wird heute jedoch als Sekundärbestattung gewertet.[11] Weitere Fundorte sind die Höhle Hanseles Hohl im Alb-Donau-Kreis, Ober-Hörgern im Wetteraukreis und Zauschwitz (Kreis Borna, heute Landkreis Leipzig). An diesen Orten haben Angehörige der Bandkeramischen Kultur angeblich Opfer dargebracht.

Um den Fundplatz Herxheim wurde eine weitere Kontroverse um Kannibalismus am Ende der Bandkeramik geführt.[12][13] Die Projektleiterin schloss Kannibalismus aus.[14]

Tradition, Ritual und Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der rituelle, also symbolische Verzehr von Menschenfleisch, teilweise als Menschenopfer, wurde von verschiedenen Kulturen ausgeübt. Dabei waren es vor allem die Körper oder Körperteile besiegter Feinde (Exokannibalismus), welche verzehrt wurden, um deren Kräfte zu erlangen. Die Verzehrenden wollten Eigenschaften der Toten wie Stärke oder Intelligenz mit der Mahlzeit aufnehmen. Deshalb wurden Körperteile bevorzugt, bei denen der Sitz der Zauberkraft der Seele vermutet wurde, etwa Gehirn und Herz. Einige Völker aßen jedoch vornehmlich Körperteile verstorbener Verwandter und Freunde (Endokannibalismus). Die Aufnahme in den Körper der Lebenden diente dem Erhalt der Seele des Verstorbenen.

Amerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brandspuren an Knochen der Anasazi-Indianer aus präkolumbischer Zeit werden als Hinweis auf Kannibalismus gedeutet.[15] Möglicherweise stammen die Spuren aber von Hinrichtungsritualen, die Diskussion darüber wird kontrovers geführt. Im Jahre 1150 n. Chr. wurden nach Überzeugung des Forschers R. Marlar in Colorado von den Anasazi Feinde getötet und verzehrt. Das Fleisch der Bewohner „dreier Erdhäuser“ wurde in Töpfen gegart, deren Scherben man in einer Erdgrube fand. Mit über 1.000 Schnittspuren versehene Knochen von mindestens sieben Menschen beiderlei Geschlechts blieben auf dem Hüttenboden zurück. Bevor einer der Täter den Platz verließ, verrichtete er in der Feuerstelle seine Notdurft. Die Menschenfleischspuren konnte R. Marlar mit biochemischen Methoden an den Scherben und in den Exkrementen nachweisen. „Es fand sich auch Myoglobin, ein Protein, das für die Sauerstoffspeicherung in den Muskeln zuständig ist. Diesen Stoff entdeckte er im getrockneten Kot, den er in Größe und Form als mit menschlicher Provenienz übereinstimmend befand. Myoglobin kommt im Skelett- und Herzmuskelgewebe, nicht aber im Verdauungstrakt vor. Wenn es in Exkrementen gefunden wird, kann es nur von Menschenfleisch stammen, das gegessen wurde“, so Marlar.

Im Opferkult der Azteken sollen in religiösen Schlachtfesten von 1325 bis 1519 (Beginn der spanischen Eroberung Mexikos) jeweils bis zu 14.000 Opfer verspeist worden sein. Dazu zählten oft Tausende von Kriegsgefangenen aus gegnerischen Stämmen. Das Herz ging dabei für die Verwendung in Feuer-Ritualen an die Priester, die Schädel wurden in einem Tzompantli aufgereiht. Der Rest des Körpers ging an die Familie des Kriegers, der das Opfer gefangen hatte. Bernal Díaz del Castillo fand allein in der Stadt Xocotlan über 100.000 als Reliquien aufbewahrte Schädel.[16] In Zultepec fanden Archäologen die Beweise, dass an diesem Ort 550 Menschen aus dem Tross des Pánfilo de Narváez geopfert und zum Teil verspeist wurden. Bei den Azteken gehörte ritueller Kannibalismus zu den Fruchtbarkeitsriten. Auf besonderes Interesse der europäischen Kolonisatoren stießen dabei junge männliche Priester, die mit der abgezogenen Haut einer Frau bekleidet waren.[17]

Die Ethnologin Beth Conklin von der Vanderbilt University in Tennessee beschrieb in ihrem Buch Consuming Grief den im brasilianischen Regenwald lebenden Stamm der Wari', die sowohl Endo- als auch Exokannibalismus, ersteres als Mittel des Umgangs mit der Trauer, praktizierten. Beim Verzehr von Feinden wurde dessen Körper keinerlei Respekt entgegengebracht und wie der eines erlegten Tieres behandelt (Dominanzverhalten). Eigene Stammesangehörige hingegen wurden respektvoll in aufwändigen Bestattungszeremonien partiell verspeist.[18] Allerdings beruhen ihre Feststellungen nicht auf eigener Beobachtung sondern auf den Erinnerungen der Wari'. Darüber hinaus räumt sie ein, dass anthropologische oder ethnologische Augenzeugenberichte über Kannibalismus nicht existieren.[19]

Ozeanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Cook wurde auf seiner zweiten Südseereise auf Neuseeland gemeinsam mit der gesamten Schiffsmannschaft (u. a. den Naturwissenschaftlern Georg und Johann Reinhold Forster, dem Bordastronom William Wales und dem dritten Leutnant Richard Pickersgill) Augenzeuge für den Kannibalismus der Māori. Ein Māori war bei einer Stammesfehde erschlagen worden und die Sieger hatten den Körper zerstückelt und teilweise verzehrt. Cooks dritter Offizier Richard Pickersgill kaufte einem Māori den Kopf ab und nahm ihn mit an Bord des Schiffes Resolution. Am Nachmittag kamen einige der siegreichen Māori an Bord:

„So bald sie des Kopfes ansichtig wurden, bezeugten sie ein großes Verlangen nach demselben, und gaben durch Zeichen zu verstehen, dass das Fleisch von vortrefflichem Geschmack sei. [Pickersgill] erbot sich, ihnen ein Stück von der Backe mitzutheilen […] sie wolltens aber nicht roh essen, sondern verlangten es gar gemacht zu haben. Man ließ es also in unsrer aller Gegenwart ein wenig über dem Feuer braten, und kaum war dies geschehen, so verschlungen es die Neu-Seeländer vor unsern Augen mit der größten Gierigkeit.“[20]

Die Begebenheit ist in mehreren privaten Bordtagebüchern der Reiseteilnehmer Cooks dokumentiert.[21] Der Naturwissenschaftler Georg Forster vermutete „Wut und Rachsucht“ als Ursache des Kannibalismus, während der Bordastronom William Wales meinte, dass die Māori Menschenfleisch „wegen des Geschmacks“ mochten. Einig waren sich die Beobachter, dass der Kannibalismus keinesfalls durch Hunger oder Mangel an Fleisch verursacht war.

In Papua-Neuguinea soll für den Stamm der Fore belegt sein, dass sie das Fleisch der verstorbenen Angehörigen aus rituellen Gründen essen. Darauf soll auch die Ausbreitung der Kuru-Krankheit zurückzuführen sein. Dies wird allerdings von manchen Autoren in Frage gestellt.[22] Von rituellem Kannibalismus wird zumindest bis zur späten Mitte des 20. Jahrhunderts beim Volk der Korowai-Waldnomaden in der Provinz Papua im südöstlichen Teil Westpapuas berichtet. Personen, von denen man annahm, sie seien der Hexerei verfallen (khakhua), tötete man mit einem Pfeilschuss ins Herz. Danach wurden sie ausgeweidet, zerlegt und in Bananenblättern verzehrfertig gemacht.[23]

Am 21. Juli 1867 soll der englische Missionar Thomas Baker in dem Dorf Nabutautau, das zu Fidschi gehört, auf Grund einer Tabuverletzung verspeist worden sein. Denn es gilt auf den Fidschi-Inseln als Beleidigung, wenn man die Kopfhaare eines anderen berührt. Die Bewohner der Insel entschuldigten sich bei den Nachfahren Bakers im Jahr 2003 in feierlicher Form.[24]

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In China haben sich bis in die heutige Zeit spezielle Bestattungsrituale und ein Ahnenkult erhalten, die wesentliche Bestandteile der chinesischen Kultur sind. Den Verstorbenen werden vor ihrer Beerdigung von den leiblichen Verwandten Opferspeisen dargebracht, die heute vor allem aus Reisgerichten bestehen. Die Quellen belegen jedoch, dass früher auch Menschenopfer üblich waren, die dann auch rituell verspeist wurden. „Über die Länge der chinesischen Geschichte hinweg lässt sich bei den Opferspeisen eine Entwicklung ablesen. Sie reicht vom Menschenopfer zum Tieropfer und schließlich zum vegetarischen Opfer. (…) Das Opfern von Menschen bedeutete zugleich das Verspeisen von Menschen.“[25]

Auch verhasste Feinde wurden mitunter als besondere Strafe und als Ausdruck des Triumphes im alten China verspeist, ebenfalls zu Ehren der eigenen Ahnen. „Als zum Beispiel Zhou, der letzte Herrscher der Shang-Dynastie, sich durch Vorwürfe zweier Herren in seiner Ehre getroffen fühlte, ließ er den einen zu Hackfleisch in Pökelsoße verarbeiten, den anderen kochen und ihn, gewürzt und in Scheiben geschnitten, servieren. Diese Speise opferte er unter Beachtung der Riten im Tempel seiner Ahnen.“[26] Obwohl Kannibalismus unter dem Einfluss des Buddhismus unüblich wurde, kam er Quellen zufolge auch in jüngster Vergangenheit noch vor, allerdings nicht mehr religiös motiviert. Der bekannte chinesische Schriftsteller Zheng Yi dokumentierte einige Fälle von Kannibalismus während der Zeit der Kulturrevolution in der Provinz Guangxi, wo angebliche Klassenfeinde zu Opfern wurden.[27]

„Kannibalismus gab es in historischer Zeit auch, wenn jemand eines natürlichen Todes in der Familie gestorben war. Hier diente der Kannibalismus zugleich dazu, die Knochen des Toten von der Verunreinigung durch das sich zersetzende Fleisch des Leichnams zu befreien. Der Leichnam wurde auf diese Weise rituell gereinigt. Dies geschah dadurch, dass der Nachfolger des Verstorbenen in der Familienhierarchie vom Fleisch des Verstorbenen aß oder eine davon bereitete Brühe trank. (…) Dieser innerhalb der Familie praktizierte Kannibalismus galt als eine Pflicht der Pietät gegenüber dem Verstorbenen.“[27]

Medizinischer Kannibalismus (Europa)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im alten Rom wurde frisches Gladiatorenblut gegen Epilepsie gereicht.[28]

Neueren medizinhistorischen Forschungen der Kulturhistorikerin Anna Bergmann (2004) und des britischen Medizinhistorikers Richard Sugg (2006)[28] zufolge gab es in Europa bis ins 18. Jahrhundert hinein einen weit verbreiteten medizinischen Kannibalismus. Körperteile von Hingerichteten sowie deren Blut wurden vom Henker an das Volk und an Apotheker verkauft und dann für medizinische Zwecke genutzt. Das Fett („Armensünderfett“) und das Fleisch („Schelmenfleisch“) der „armen Sünder“ – auch das ungeborener und ungetauft gestorbener Kinder – wurden zu allerlei magischen Ingredienzien weiterverarbeitet, die man teilweise schluckte, teilweise sich als Salben ins Gesicht und auf den Körper schmierte. Man versprach sich Abhilfe etwa gegen Gicht und Arthrose und gegen Krankheiten, für deren Entstehung das verhängnisvolle Wirken von Dämonen als ursächlich angenommen wurde. Aus dem 17. Jahrhundert ist z. B. ein Rezept des deutschen Arztes Johann Schröder überliefert, das die Zubereitung von menschlichem Muskelfleisch beschreibt. Ähnlich beschreibt die amerikanische Anthropologin Beth A. Conklin[29] unter Berufung auf die 1896 erschienene Veröffentlichung von Mabel Peacock: In Dänemark wurde von Epileptikern berichtet, die, mit einer Schale zur Hand, in Gruppen um das Schafott standen, bereit das rote Blut zu trinken, das aus den noch zitternden Körpern floss.[30] Noch in den 1870er Jahren – z. B. 1879 in Berlin und somit nach Schaffung des jetzt noch gültigen (Reichs-)Strafgesetzbuchs StGB – kam es in Norddeutschland zu Grabschändungen, wobei Leichen Fleischstücke und Blut entnommen wurde, in der Absicht, damit Kranke zu "kräftigen".

Der britische König Karl II. soll täglich ein Destillat aus menschlichen Hirnen („des Königs Tropfen“) zu sich genommen haben. Diese Form der magischen Medizin beruhte auf der Vorstellung von Einheit von Körper und Seele sowie dem Glauben, dass die Inkorporierung von Teilen eines geläuterten Sünders heilende Wirkung habe.[31][32]

Seit dem Mittelalter wurden auch pulverisierte ägyptische Mumien unter der Bezeichnung Mumia als Heilmittel betrachtet und in europäischen Apotheken verkauft. Dahinter stand die Annahme, dass der gute Erhaltungszustand der einbalsamierten Körper ein Zeichen für darin enthaltene besondere Heilkräfte sei. Seit dem 16. Jahrhundert galt die Mumia, die aus Körperteilen von Hingerichteten hergestellt wurde, als besonders wirkungsvoll. Es gab jahrhundertelang bis in die 1920er Jahre hinein einen ausgedehnten Handel mit echten und gefälschten Mumien. Aus dem Pulver wurden Tinkturen und Salben hergestellt, die innerlich oder äußerlich angewendet bei diversen Beschwerden und Krankheiten helfen sollten. Seit dem 19. Jahrhundert fand Mumia aber fast nur noch in der Tiermedizin Verwendung.[33]

Kannibalismus in Extremsituationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Klimaverschlechterung in Mitteleuropa wird zum extremen Hungerjahr 784 über vereinzelte Fälle von Kannibalismus berichtet.[34] Während des Massakers von Maarat an-Numan im Jahr 1098 kam es aufgrund einer Hungersnot zu Kannibalismus durch christliche Kreuzritter an der einheimischen muslimischen Bevölkerung.

Im „Hungerwinter“ 1609/1610 verspeisten Bewohner von Jamestown (Virginia), der ersten dauerhaft besiedelten englischen Kolonie in Nordamerika, ein 14 Jahre altes Mädchen, um dem Hungertod zu entgehen.[35]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Floß der Medusa (Théodore Géricault, 1819)

Mitunter wurde bei Schiffbruch Kannibalismus praktiziert, um das eigene Leben zu erhalten, wenn auch nur wenige Fälle dokumentiert sind. Das Bild Das Floß der Medusa (1819) von Théodore Géricault behandelt dieses Thema.

Am 20. November 1820 sank im Pazifik der von einem wütenden Pottwal gerammte Walfänger Essex. Die überlebenden Matrosen konnten sich mit den kleinen Walfangbooten retten und trieben wochenlang im Pazifik. Den Strapazen nicht mehr gewachsen, begannen die Männer der Essex zu sterben. Die zwei ersten Toten bestattete man noch nach Seemannsart. Dann begannen die halb verhungerten Seeleute, ihre toten Kameraden zu verspeisen. Als auch das nicht mehr satt machte, zogen sie das Los. Ein anderer Walfänger fand schließlich die letzten zwei Überlebenden, „die Haut mit Geschwüren übersät, nagten die Schiffbrüchigen mit hohlwangigen Gesichtern an den Knochen ihrer toten Kameraden. Selbst als schon die Retter herbeieilten, wollten sie nicht von ihrem grausigen Mahl lassen.[36]

1822 flüchteten sieben Häftlinge und Alexander Pearce von der Strafkolonie Macquarie Harbour auf Sarah Island und versuchten die etwa 215 km lange Strecke nach Hobart zurückzulegen. Der Weg führte dabei durch die unbewohnte und unwirtliche Westküste Tasmaniens. Zwei der Häftlinge gaben auf und starben nach ihrer Rückkehr aufgrund der Anstrengungen, vier weitere wurden nach und nach mit einer Axt erschlagen, um als Nahrung für die anderen zu dienen. Am Ende überlebte nur Alexander Pearce, der das Fleisch aller vier gegessen hatte. Nach über 100 Tagen wurde er wieder gefasst, wobei ihm mit seinem Mithäftling Thomas Cox erneut die Flucht gelang. Diesen tötete er nach kurzer Zeit und verspeiste Teile von dessen Leiche, weitere Teile nahm er als Verpflegung mit. Alexander Pearce wurde zehn Tage später erneut gefasst und 1824 hingerichtet. Sein Schädel befindet sich bis heute im Besitz der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sein Leben wurde in mehreren Filmen, darunter in The Last Confession of Alexander Pearce verfilmt.[37]

Die Donner Party war eine Reisegruppe von 87 amerikanischen Siedlern, die im Jahr 1846 nach Westen reisten und Kalifornien erreichen wollten. In der Sierra Nevada wurden sie vom Winter überrascht und litten Hunger. 34 Teilnehmer des Trecks starben. Die anderen überlebten laut Tagebuchaufzeichnungen teilweise durch Kannibalismus.

1884 geriet das englische Segelschiff Mignonette im Südatlantik in Seenot. Vier Besatzungsmitglieder konnten sich in ein kleines Ruderboot retten. Nachdem sie fast drei Wochen gehungert hatten, beschlossen sie, den 17-jährigen Schiffsjungen zu töten und zu verspeisen. Dieser war angeblich bereits todkrank, da er Meerwasser getrunken hatte. Später wurden die verbliebenen drei von einem deutschen Segelschiff gerettet. Drei Monate später wurden sie in England wegen Mordes angeklagt und verurteilt.[38]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Während einer Hungerkatastrophe in Russland, 1921

In der Sowjetunion ist Kannibalismus im Zuge großer Hungersnöte aufgetreten,[39] sowie im Zuge von Deportationen während der Stalinzeit, etwa die Tragödie von Nasino.[40] Der Verzehr von Leichen in Notsituationen ereignete sich vielfach im Zweiten Weltkrieg, so während der Leningrader Blockade (1941–1944). Belegt ist Kannibalismus aus Hunger auch unter Kriegsgefangenen in sowjetischen Lagern dieser Zeit. Ein in sowjetische Gefangenschaft geratener deutscher Arzt sagte bei seiner späteren Befragung: „Aus dem Lager, in dem ich selbst war, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass der Hunger dort zum Kannibalismus führte. Von den nachts Gestorbenen waren am nächsten Morgen sichtbar Leichenteile angeknabbert.[41]

Weitere Fälle von Kannibalismus während des Zweiten Weltkrieges ereigneten sich im Pazifik. 1942 waren 160.000 Japaner auf Papua-Neuguinea stationiert und kämpften dort gegen die Alliierten. Die Soldaten wurden von der japanischen Armee nicht mehr mit Nahrung versorgt, und die Nahrungssituation dort spitzte sich rasch zu. Daher wurden zunächst gefallene Australier verspeist. Doch rasch wurden auch lebende australische Kriegsgefangene zum Verzehr getötet, vereinzelt auch japanische Soldaten. Von den japanischen Soldaten überlebten nur rund 10.000. Der japanische Historiker Yuki Tanaka geht davon aus, dass der Großteil dieser Überlebenden Kannibalismus praktiziert hätten. Ähnliche Berichte sind von japanischen Soldaten auf den Philippinen bekannt.[42]

Zwischen 1959 und 1961 kam es während der Kampagne Großer Sprung nach vorn zur Großen Chinesischen Hungersnot, die zu verschiedenen Formen von Kannibalismus führte, über den in umfassenden mündlichen Berichten sowie einigen offiziellen Dokumenten berichtet wird.[43][44][45] Aufgrund des Umfangs der Hungersnot wurde der daraus resultierende Kannibalismus als so noch nie in der Geschichte des 20. Jahrhunderts dagewesen beschrieben.[43][44]

Mediale Aufmerksamkeit erfuhr ein Flugzeugabsturz in den chilenischen Anden 1972, der auch unter dem Titel Überleben! verfilmt wurde.

In dem Dokumentarfilm Children of the Secret State (2001)[46] berichten Flüchtlinge aus Nordkorea über die dortige Hungersnot, die auch zu Kannibalismus führt.[47] Den Berichten zufolge wird Menschenfleisch auf dem Schwarzmarkt als Schweinefleisch verkauft.[48]

Psychiatrische Erscheinungsformen, Psychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Psychiatrie wird Kannibalismus als Paraphilie bzw. sexueller Fetischismus eingeordnet.

Die Begriffe Gynophagie (griech. gynä = Frau, phágein = essen), und analog dazu Androphagie, bezeichnen Paraphilien, bei denen kannibalistische Handlungen Gegenstand sexueller Fantasien oder Taten sind. Seit den 1990er Jahren wurden im Internet Comiczeichnungen von Dolcett verbreitet, welche sich im Wesentlichen mit Gynophagie beschäftigen.

Die Theorie der an Sigmund Freud angelehnten Psychoanalyse interpretiert das Nuckeln des Säuglings an der Mutterbrust als sowohl sexuelle wie kannibalistische Identifikation des Kindes mit der Mutter.[49]

Tiefenpsychologen sehen in Geschichten, die von Menschenfresserei handeln, Probleme, Ängste und Traumata der beginnenden Geschlechtsreife und Mutter/Kind-Ablösung, Sexualität und Trieb, aber auch die Angst vor dem eigenen Alter und Tod literarisch verarbeitet und umgesetzt.

Kriminalfälle im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt gewordene Fälle von Kannibalismus im 20. und 21. Jahrhundert haben oftmals über die Medien weite Verbreitung und Beachtung gefunden und erregten starkes Aufsehen in der Öffentlichkeit.[50][51]

Karl Denke ermordete während des Ersten Weltkrieges mindestens 26 Männer und 5 Frauen. Bei ihm wurden Behälter mit gepökeltem Menschenfleisch gefunden. Der Serienmörder Joachim Kroll wurde 1976 von der Polizei festgenommen, als er gerade die Hand seines letzten Opfers zum Verzehr zubereitete. Issei Sagawa tötete 1981 in Paris eine Frau und aß Teile ihres Körpers.

Der US-amerikanische Serienmörder Jeffrey Dahmer, der als Kannibale von Milwaukee bekannt wurde, beging in den Vereinigten Staaten 17 Morde. In seiner Wohnung wurden tiefgefrorene, gekochte und verweste Überreste seiner Opfer gefunden.[50] Der ukrainisch-russische Serienmörder Andrei Tschikatilo wurde 1994 als Monster von Rostow wegen 53 Morden vor allem an Frauen und Kindern, die er teilweise gegessen hatte, hingerichtet.

Im Jahr 2001 stellte sich ein Mann als Opfer für ein kannibalisches Essen zur Verfügung, das der Rotenburger Armin Meiwes vornahm. Mit Einwilligung des Opfers hat Meiwes diesen vor laufender Kamera getötet und Teile dessen Körpers gegessen. Meiwes wurde als Kannibale von Rotenburg bekannt.

Krankheitsübertragung durch Kannibalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die für die Rinderkrankheit BSE und die Scrapie der Schafe verantwortlichen Prionen werden insbesondere durch den Verzehr befallener Organe des zentralen Nervensystems (ZNS) oder kontaminierter anderer Teile übertragen. Dies ist auch der Fall bei der Krankheit Kuru, die Mitte des 20. Jahrhunderts epidemisch bei dem Stamm der Fore in Papua-Neuguinea beobachtet und ursächlich auf rituellen Kannibalismus zurückgeführt wurde. Nach dem Verbot des Kannibalismus 1954 nahm auch die Erkrankungshäufigkeit stetig ab, um gegen Ende des Jahrhunderts auf null zu gehen. Es werden auch alternative Erklärungen diskutiert.[22][52]

Kulturelle Bearbeitungen des Themas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Francisco de Goya: Saturn frisst eines seiner Kinder
  • In der griechischen Mythologie verspeist Kronos seine Kinder, weil er um seine Herrschaft fürchtet. Zeus überlebt, weil seine Mutter Rhea dem Kronos statt seiner einen in eine Windel gewickelten Stein gibt.
  • Die Göttin Athene entspringt dem Kopf ihres Vaters Zeus, der sie mitsamt ihrer schwangeren Mutter zuvor gefressen hatte. Athene jedoch überlebt und wandert im Körper ihres Vaters bis in seinen Kopf.
  • Prokne, die Frau des Tereus, kochte den gemeinsamen Sohn und setzte ihn dem unwissenden Ehemann zum Essen vor, weil dieser ihre Schwester Philomele vergewaltigt hatte. Der Stoff wurde um 1387 von Geoffrey Chaucer in The Legend of Good Women wiedererzählt.
  • Die Schöpfungsgeschichte der südamerikanischen Yanomami handelt davon, wie sich die „ersten Wesen“ in einem Wechselspiel aus Mord, Vergewaltigung und Kannibalismus gegenseitig ausrotten, so dass aus einem überlebenden Geist die ersten Yanomami werden. Unter anderem töten zwei junge Männer einen älteren Mann, der ein Kind aufaß, woraufhin sie eine Frau vergewaltigen und ihre Vagina in einen Mund mit Zähnen verwandeln, damit dieser den nächsten Penis esse. Im weiteren Verlauf der Geschichte verwandelt sich die Frau in eine große Schlange, die noch heute darauf lauert, Yanomami-Männer zu essen. Die zahlreichen Bemerkungen von „Hunger aufeinander“ in der Gründungsgeschichte sind doppeldeutig, da kopulieren und essen in der Sprache der Yanomami durch dasselbe Verb gekennzeichnet werden.[54]
  • Das Wendigo-Fabelwesen der nordamerikanischen Algonkin heiratet in einer Geschichte im Sommer die Tochter einer Familie, der er mit Nahrungsmitteln über ihre Hungersnot geholfen hat, um sie im Winter zu verspeisen.[55]

In der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Shakespeares früher Tragödie Titus Andronicus wird der Gotenkönigin Tamora eine Pastete vorgesetzt, die aus dem Fleisch ihrer beiden Söhne zubereitet wurde.
  • Aus Grimms Märchen ist die menschenfressende Hexe bekannt, welche Hänsel und Gretel erst backen und dann verspeisen will. Ähnliche Motive erscheinen in einigen Bildergeschichten Wilhelm Buschs.
  • In französischen Vor-Grimm-Rotkäppchen-Fassungen wird dieser vom Wolf das Blut ihrer Großmutter zu trinken und deren Fleisch zu essen gegeben.[56]
  • Eine schottische Legende erzählt von Alexander „Sawney“ Bean, der Anfang des 15. Jahrhunderts gelebt und mit seiner Familie mehr als 1000 Menschen verspeist haben soll.
  • Die Satire A Modest Proposal von Jonathan Swift schlägt zur Bekämpfung der Armut im Irland seiner Zeit den Export von Menschenfleisch vor.
  • William Blake beschreibt in The Marriage of Heaven and Hell, wie stärkere Affen schwächere fangen, Geschlechtsverkehr mit ihnen haben, und sie danach körperlich auseinandernehmen.[57]
  • In seiner Kurzgeschichte „Tagebuch eines Verrückten“ wendet Lu Xun die Allegorie des Kannibalismus an, um die traditionelle chinesische Kultur und konfuzianische Ethik zu kritisieren.
  • Die Geschichte von Alfred Packer wurde in Cannibal! The Musical satirisch mit schwarzem Humor verfilmt.
  • In Sławomir Mrożeks absurdem Theaterstück Auf hoher See stimmen drei Schiffbrüchige in einem scheindemokratischen Prozess darüber ab, wer von ihnen gegessen werden soll.
  • In dem 1846 erschienenen Erstlingswerk Typee des amerikanischen Autors Herman Melville schildert dieser eine Gefangenschaft im Tal der als kannibalisch bezeichneten Taipi.
  • In der 1862 uraufgeführten Faschingsburleske Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl von Johann Nestroy wird der Kannibalismus „auf einer der fernsten Inseln Australiens“ ironisch thematisiert.
  • Die Kurzgeschichte „Der Überlebenstyp“ (Survivor Type) aus dem Buch „Der Fornit“ von Stephen King handelt von einem Arzt, welcher auf einer einsamen Insel strandet und durch seinen Hunger dazu gezwungen ist, sich nacheinander diverse Körperteile zu amputieren und diese zu verspeisen.
  • Einige Kurzgeschichten und Romane von Jack London schildern Kannibalismus in der Südsee, etwa „Jerry, der Insulaner“. Forscher seiner Zeit kritisierten ihn der Übertreibung, London dagegen verteidigte mehrfach die Authentizität seiner Erzählungen durch Berichte und Dokumente.
  • Der in einer post-apokalyptischen Umgebung spielende Roman Die Straße thematisiert unter anderem die Hinwendung der Menschen zum Kannibalismus nach dem Untergang der Gesellschaft.
  • Im Kurzgeschichten-Band „Ein Kannibale auf der Eisenbahn – und andere Geschichten“ von Mark Twain wird das Thema Kannibalismus zusammen mit Politik satirisch aufgegriffen.
  • Die US-amerikanische Trägerin des Pulitzer-Preises Willa Cather schildert in ihrem Roman Sapphira and the Slave Girl (1940), der in der Zeit der Sklaverei in den US-Südstaaten spielt, wie die weiße Sklavenhalterin versucht, die Sexualität der jungen Sklavin Nancy zu kontrollieren, wozu sie unter anderem auch eine Vergewaltigung Nancys arrangiert, während die Sklavin Jezebel ihre kannibalischen Instinkte wiederentdeckt, wenn sie an Nancy denkt. Offensichtlich arbeiten Sapphira und Jezebel zusammen und handeln in geistig-emotionaler Übereinstimmung. Im Buch selber gibt es mehrere Andeutungen, dass Sapphira immer mehr an Gewicht zulegt, während gleichzeitig die Sklavinnen mysteriös verschwinden.[58]
  • Die kroatische Autorin Slavenka Drakulic erzählt in Das Liebesopfer, wie eine heftige körperliche Beziehung darin endet, dass die Protagonistin ihren Partner mit Fleischermesser und Knochensäge seziert und verspeist.
  • Patrick Süskinds Roman Das Parfum endet mit einer kannibalistischen Szene: Der Protagonist Grenouille, der aus den Körperdüften junger Frauen ein Parfum hergestellt hat, von dem schon ein Tropfen eine ganze Menschenmenge zu einer Massenorgie verleitet hatte, überschüttet sich in einem Pariser Elendsviertel (seinem Geburtsort) mit der ganzen Flasche des Duftwassers, worauf die umstehenden Bettler und Ausgestoßenen, die ihn wegen der Wirkung des Parfums für einen Engel halten, ihn in der Absicht, einen Teil von ihm zu besitzen, mit Haut und Haaren verspeisen.

Im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kannibalenfilm

Kannibalismus im Tierreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktiver und passiver Kannibalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teichfrosch verschlingt einen kleineren Artgenossen

Beim Kannibalismus unter Tieren unterscheiden Zoologen zwischen aktivem und passivem Kannibalismus. Ein aktiver Kannibale jagt und tötet Artgenossen, bevor er sie frisst, während ein passiver Kannibale nur bereits tote Artgenossen verspeist. Letztere sind häufig Raubtiere und Allesfresser wie unter anderem Krähen und Möwen oder Aasfresser wie verschiedene Arten von Krabben oder auch viele Schnecken.

  • Aktiver Kannibalismus ist sehr häufig unter Fischen zu beobachten. Es wird geschätzt, dass bis zu 90 Prozent aller jungen Hechte von größeren Artgenossen gefressen werden. Ähnliches gilt für den Flussbarsch sowie viele andere Raubfische. Der Barsch kann auf diese Weise in Gewässern überleben, in die er als einzige Fischart gelangt ist.
  • Filialer Kannibalismus bezeichnet den Akt, wenn Eltern sich an ihrem eigenen Nachwuchs vergreifen. Dieses Verhalten ist sehr verbreitet unter Teleostei.
  • Männliche Alligatoren, Warane und Schlangen töten häufig Artgenossen, denen sie überlegen sind, und fressen diese.
  • Beim intrauterinen Kannibalismus, der bei einigen ovoviviparen Haien vorkommt, fressen die Embryonen noch im Mutterleib andere (meist) unbefruchtete Eier (Oophagie). Im Falle der Tigerhaie und anderer großer Hochseehaie fressen die Jungtiere andere Föten, so dass vom gesamten Wurf lediglich zwei Jungtiere geboren werden, die in zwei getrennten Gebärmuttern herangewachsen sind (Adelphophagie).
  • Insbesondere Echte Webspinnen verzehren bisweilen unvorsichtige Artgenossen als Beute. Häufig geschieht dies auch während der Paarung, obwohl die Männchen versuchen, ihre Partnerin zu überraschen, zu umwerben oder durch Fesseln oder „Brautgeschenke“ (Raubspinnen) ruhigzustellen.
  • Bei Gottesanbeterinnen (Mantodea) kommt es gelegentlich vor, dass das Weibchen das kleinere Männchen während der Paarung aufzufressen beginnt.

Kannibalismus in der (Massen-)Tierhaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch bei der Haltung von Mäusen und Ratten kann Kannibalismus auftreten. Bei starker Zunahme der Populationsdichte werden häufig Jungtiere von stark gestressten Erwachsenen getötet und gefressen. Dieses Phänomen tritt auch bei der Massentierhaltung auf. Hier fressen Schweine einander die Schwänze oder Ohren ab, Hühner verletzen oder töten einander durch Anpicken.

Zu den problematischsten Verhaltensauffälligkeiten bei der Haltung von Hybridhühnern zur Eier- und Fleischproduktion in großen Gruppen gehört der Kannibalismus. Oft schädigen die Hühner durch Federpicken das Federkleid der Artgenossen – bis die Haut und auch die Kloake blank liegt. Über diese Stellen werden einzelne Tiere dann im weiteren Verlauf der Pickattacken „regelrecht ausgeweidet“. In der Freilandhaltung kann auch ein geschädigtes Federkleid zum Tod der Tiere führen, da diese auskühlen. Als ursächlich für den Kannibalismus und das Federpicken sehen einige Forscher ein fehlgeleitetes Erkundungsverhalten. Wildhühner erkunden ihre Umgebung, indem diese den Boden bepicken und so Nahrung wie Würmer, Insekten und Körner finden. Wenn in der industriellen Haltung Kraftfutter eingesetzt wird, kann dieser natürliche Trieb nicht ausgelebt werden. Das Federpicken und der Kannibalismus ist damit als eine Ersatzhandlung einzuordnen. Als Gegenmaßnahme wird den Eintagsküken oft der Schnabel gekürzt, was aus tierschutzrechtlichen Gründen fragwürdig ist und die Tiere bei der Nahrungsaufnahme behindert.[59] Die Sterberate in großen Ställen kann durch das Federpicken auf bis zu 20 Prozent steigen. Genetische Ursachen werden erforscht. Auch ist zu beobachten, dass die Tiere das Federpicken und den Kannibalismus in großen Herden erlernen, und dass das Phänomen in Wellen auftritt.[60]

Auch Puten haben einen arttypischen Trieb in ihrer Umgebung nach Futter zu suchen. Können sie diesen Trieb nicht ausleben, fangen auch diese an andere Puten zu bepicken, was bis zum Kannibalismus führen kann. Verletzungen werden überwiegend an unbefiederten Körperstellen (Kopf, Hals, Nacken, Nasenzapfen) und in der Umgebung der Kloake und an der Brust- und Rückenregion zugefügt. Neben der Beinschwäche ist dies das gravierendste Problem in der Putenhaltung. Außer dem Leiden der Tiere konnte auch eine erhöhte Anfälligkeit der Tiere für Infektionskrankheiten und daraus resultierende Todesfälle nachgewiesen werden. Neben anderen Faktoren entscheidet in der Haltung auch die Besatzdichte der Ställe über die Häufigkeit von Kannibalismus und Federpicken.[61] Um den Kannibalismus in den Beständen zu senken, werden den Küken die Spitzen der Schnäbel kupiert.[62]

Verwendung des Begriffs „Kannibalismus“ in anderen Bereichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Astronomie bedeutete der Begriff das „Verschlucken“ kleiner Galaxien durch größere.

Ebenfalls übertragen wurde der Begriff auf die Fertigungssteuerung: Hier bezeichnet er (allerdings nicht normgerecht) den Ausbau von Teilen aus bereits montierten Baugruppen oder Produkten mit dem Ziel, die so „kannibalisierten“ Teile in andere Baugruppen einzubauen, die schneller fertig werden müssen.

In der Wirtschaft gibt es den sinnverwandten Begriff der Kannibalisierung.

Der US-Indianer Jack D. Forbes verwendet den Ausdruck Kannibalismus in seiner Philosophie der „Wétiko-Psychose“ – die einen krankhaft entstandenen Kannibalismus bei den Cree-Indianern bezeichnet – im übertragenen Sinne für den hemmungslosen Verzehr von Mensch und Natur durch die legalisierten Auswüchse der kapitalistischen Marktwirtschaft.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cǎtǎlin Avramescu: An Intellectual History of Cannibalism. Princeton University Press, Princeton NJ 2009, ISBN 978-0-691-13327-0.

Urgeschichte, Anthropologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Orschiedt: Manipulationen an menschlichen Skelettresten. Taphonomische Prozesse, Sekundärbestattungen oder Kannibalismus? (= Urgeschichtliche Materialhefte. 13). Mo Vince Verlag, Tübingen 1999, ISBN 3-9804834-7-9 (Zugleich: Tübingen, Universität, Dissertation, 1996).
  • William Arens: The Man-Eating Myth. Anthropology and Anthrophagy. Oxford University Press, New York NY 1979, ISBN 0-19-502506-7.

Ethnologisch-historische Fragestellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annerose Menninger: Die Macht der Augenzeugen. Neue Welt und Kannibalen-Mythos, 1492–1600 (= Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte. Bd. 64). Steiner, Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06723-X (Zugleich: Bamberg, Universität, Dissertation, 1993).
  • Simon Haberberger: Kolonialismus und Kannibalismus. Fälle aus Deutsch-Neuguinea und Britisch-Neuguinea 1884–1914 (= Quellen und Forschungen zur Südsee. Reihe B: Forschungen. Bd. 3). Harrassowitz, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-447-05578-9 (Zugleich: Bayreuth, Universität, Dissertation, 2005).
  • Manfred Riße: Abendmahl der Mörder. Kannibalen – Mythos und Wirklichkeit. Militzke, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86189-776-7.
  • Heidi Peter-Röcher: Mythos Menschenfresser. Ein Blick in die Kochtöpfe der Kannibalen (= Beck'sche Reihe. Bd. 1262). Beck, München 1998, ISBN 3-406-42062-1.
  • Hedwig Röckelein (Hrsg.): Kannibalismus und europäische Kultur (= Forum Psychohistorie. Bd. 6). Edition Diskord, Tübingen 1996, ISBN 3-89295-582-4.
  • Josef Nussbaumer, Guido Rüthemann: Hungernde, Unwetter und Kannibalen (= Gewalt, Macht, Hunger. Bd. 2 = Geschichte & Ökonomie. Bd. 14). StudienVerlag, Innsbruck u. a. 2004, ISBN 3-7065-1831-7.
  • Gereon Janzing: Kannibalen und Schamanen. Verbreitete Irrtümer über fremde Völker (= Der Grüne Zweig. Bd. 247). Werner Pieper & The Grüne Kraft, Löhrbach 2006, ISBN 3-922708-59-5.
  • Silvia Freiin Ebner von Eschenbach: Speise für die Toten – Speise aus den Toten. Ahnenopfer und Kannibalismus in China. In: Perry Schmidt-Leukel (Hrsg.): Die Religionen und das Essen (= Diederichs gelbe Reihe. Bd. 163). Diederichs, München u. a. 2000, ISBN 3-7205-2115-X, S. 203–223.

Einzelstudien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Volker Werthmann: Die Leere war weg! Psychoanalytische Anmerkungen zum Rotenburger Kannibalismus-Fall. In: Psyche. Bd. 60, Heft 8, 2006, ISSN 0033-2623, S. 763–775.
  • Günter Behm-Blancke: Höhlen, Heiligtümer, Kannibalen. Archäologische Forschungen im Kyffhäuser Dingsda-Verlag, Querfurt 2005, ISBN 3-928498-86-X.

Rezeption in Kunst, Kulturwissenschaften, Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annette Keck, Inka Kording, Anja Prochaska (Hrsg.): Verschlungene Grenzen. Anthropophagie in Literatur und Kulturwissenschaften (= Literatur und Anthropologie. Bd. 2). Narr, Tübingen 1999, ISBN 3-8233-5701-8.
  • Dominik Schrey: „If I die, you can eat me“ – Kannibalismus als Motiv im Spielfilm. In: Christian Hoffstadt, Franz Peschke, Andreas Schulz-Buchta, Michael Nagenborg (Hrsg.): Der Fremdkörper (= Aspekte der Medizinphilosophie. Bd. 6). Projektverlag, Bochum u. a. 2008, ISBN 978-3-89733-189-1, S. 551–570.
  • Michael Schneider: Tödliches Begehren. Kannibalen und Serienmörder. (Fälle – Fakten – Hindergründe). Books on Demand GmbH, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-1269-0.
  • Walter Pape, Daniel Fulda (Hrsg.): Das Andere Essen. Kannibalismus als Motiv und Metapher in der Literatur (= Rombach-Wissenschaften. Reihe: Litterae. Bd. 70). Rombach, Freiburg (Breisgau) 2001, ISBN 3-7930-9258-5.
  • Volker Mergenthaler: Völkerschau – Kannibalismus – Fremdenlegion. Zur Ästhetik der Transgression (1897–1936) (= Hermaea. Germanistische Forschungen. NF Bd. 109). Niemeyer, Tübingen 2005, ISBN 3-484-15109-9.

Ältere Publikationen (vor 1990)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Spiel: Menschen essen Menschen. Die Welt der Kannibalen (= Fischer-Taschenbücher 6256 Bücher des Wissens). Überarbeitete Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-436-01952-6.
  • Reay Tannahill: Fleisch und Blut. Eine Kulturgeschichte des Kannibalismus (= Goldmann-Sachbücher 11215). Goldmann, München 1979, ISBN 3-442-11215-X.
  • Wilhelm Tomaschek: Androphagoi. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 2168 f.
  • Herbert Ullrich: Kannibalismus im Paläolithikum. In: F. Schlette, D. Kaufmann (Hrsg): Religion und Kult in Ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Akademie-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-05-000662-5, S. 51ff.
  • Ewald Volhard: Kannibalismus (= Studien zur Kulturkunde. Bd. 5, ISSN 0170-3544). Strecker & Schröder, Stuttgart 1939 (Die umfangreichste ethnologische Studie zum Thema)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kannibalismus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kannibalismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Kannibalismus – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph Jurt: Die Kannibalen: erste europäische Bilder der Indianer – von Kolumbus bis Montaigne. (PDF-Datei; 54 kB) 2002
  2. Ulrike Zischka u. a. (Hrsg.): Die anständige Lust. Von Esskultur und Tafelsitten. München 1994, S. 37.
  3. Y. Fernández-Jalvo, J. C. Déz, J. M. Bermúdez de Castro, E. Carbonell, J. L. Arsuaga: Evidence of early Cannibalism. In: Science. Band 271, 1996, S. 269–270 doi:10.1126/science.271.5247.277
  4. Jörg Orschiedt: Manipulationen an menschlichen Skelettresten. Taphonomische Prozesse, Sekundärbestattungen oder Kannibalismus? Tübingen 1999, S. 60.
  5. Jörg Orschiedt: Zur Frage der Manipulationen am Schädel des „Homo steinheimensis“. In: I. Campen, J. Hahn, M. Uerpmann (Hrsg.): Spuren der Jagd – Die Jagd nach Spuren. Festschrift Prof. H. Müller-Beck. (Tübinger Monographien zur Urgeschichte Bd. 11) Tübingen 1996, S. 467–472.
  6. Erik Trinkaus: Cannibalism and burial at Krapina. In: Journal of Human Evolution. Band 14, Nr. 2, 1985, S. 203–216.
  7. The Krapina Neandertals. A Comprehensive, Centennial, Illustrated Bibliography. (Bibliographie aller Forschungsarbeiten zu Krapina)
  8. Jörg Orschiedt: Der Fall Krapina – neue Ergebnisse zur Frage von Kannibalismus beim Neandertaler. In: Quartär. Band 55, 2008, S. 63–81.
  9. Website Hortus-Höhle, 2002.
  10. Fernando V. Ramirez Rozzi, Francesco d’Errico, Marian Vanhaeren, Pieter M. Grootes, Bertrand Kerautret, Véronique Dujardin: Cutmarked human remains bearing Neandertal features and modern human remains associated with the Aurignacian at Les Rois. In: Journal of Anthropological Sciences. Band 87, 2009, S. 153–185, hier: S. 174 („In our case, however, contextual pieces of information needed to favour the cannibalistic interpretation are missing.“).
  11. Jörg Orschiedt: Manipulationen an menschlichen Skelettresten. Taphonomische Prozesse, Sekundärbestattungen oder Kannibalismus? Tübingen 1999, S. 164–175.
  12. Bruno Boulestin, Andrea Zeeb-Lanz, Christian Jeunesse, Fabian Haack, Rose-Marie Arbogast, Anthony Denaire: Mass cannibalism in the Linear Pottery Culture at Herxheim (Palatinate, Germany). In: Antiquity. Band 83, Nr. 322, 2009, S. 968–982.
  13. Andrea Zeeb-Lanz zum Herxheim-Projekt
  14. Stellungnahme zur Frage Kannibalismus in Herxheim
  15. Steven A. LeBlanc: Prehistoric Warfare in the American Southwest. University of Utah Press, Salt Lake City, Utah 1999, ISBN 0-87480-581-3.
  16. Bernal Díaz del Castillo: Die Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Mexiko. S. 153.
  17. Merry E. Wiesner-Hanks: Christianity and Sexuality in the Early Modern World: Regulating Desire, Reforming Practice. Routledge, New York 2000, S. 146.
  18. Beth A. Conklin: Consuming Grief: Compassionate Cannibalism in an Amazonian Society, University of Texas Press, 2001. Vgl. Wari': Funerary cannibalism. Englischer Artikel auf der Website Povos Indígenas no Brasil (Indigene Völker in Brasilien).
  19. Rezension von James R. Welch, in: Tipití: Journal of the Society for the Anthropology of Lowland South America 1 (2003), S. 136 f.
  20. Georg Forster: Reise um die Welt. 1983, S. 443–445.
  21. J. C. Beaglehole (Hrsg.): The Journals of Captain James Cook on his Voyages of Diascovery. Vol II, 1969, S. 292–294, 776, 818.
  22. a b Lyle B. Steadman, Charles F. Merbs: Kuru and Cannibalism. In: American Anthropologist. 84 1982, S. 611–627.
  23. Paul Raffaele: Sleeping with Cannibals. In: Smithsonian. September 2006, S. 3.
  24. Eaten missionary's family get apology. In: bbc.co.uk. 13. November 2003, abgerufen am 8. Januar 2014 (englisch).
  25. Silvia Freiin Ebner von Eschenbach: Speise für die Toten – Speise aus den Toten – Ahnenopfer und Kannibalismus in China. In: Perry Schmidt-Leukel (Hrsg.): Die Religionen und das Essen. Kreuzlingen 2000, S. 214.
  26. Silvia Freiin Ebner von Eschenbach, S. 215.
  27. a b Silvia Freiin Ebner von Eschenbach, S. 216.
  28. a b Dr. Richard Sugg: ‘Good Physic but Bad Food’: Early Modern Attitudes to Medicinal Cannibalism and its Suppliers. In: English Studies, Durham University, Durham DH1 3HP, UK. Soc Hist Med 19. Durham, S. 225–240 (dur.ac.uk The subject of medicinal cannibalism in mainstream western medicine has received surprisingly little historical attention. This paper argues that this phenomenon, far from being as marginal as its neglected status might imply, was closely integrated with many underlying medical theories in the early modern period. Moreover, the phenomenon sheds valuable light on the authority of learned medicine, attitudes to cannibalism and to the often emphatically spiritual basis of Paracelsian medicine. This article aims to show that, while widely accepted by patients and practitioners, corpse medicine was legitimised by a mixture of potentially incompatible factors, including rarity, spiritual virtue, learned authority and commercial normalisation. As historical circumstances changed, these factors would ultimately undermine a once mainstream medical treatment.).
  29. Beth A. Conklin: Consuming grief: compassionate cannibalism in an Amazonian society. University of Texas Press, Austin 2001, ISBN 0-292-71236-7.
  30. Mabel Peacock: Executed criminals and folk medicine. In: Folklore. [London Folklore Society] 7 1896, S. 268–283.
  31. Vitalkraft intus oder Kannibalismus in Europa, abgerufen am 6. Februar 2009
  32. Geschichte : Die Heilkraft des Todes, Spiegel Online vom 26. Januar 2009
  33. Beatrix Geßler-Löhr: Mumia vera aegyptiaca im Abendland (PDF-Datei; 9 kB)
  34. Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Mit Prognosen für das 21. Jahrhundert. Darmstadt 2008, S. 58.
  35. Joseph Stromberg: Starving Settlers in Jamestown Colony Resorted to Cannibalism. New archaeological evidence and forensic analysis reveals that a 14-year-old girl was cannibalized in desperation. In: Smithsonian.com, 1. Mai 2013 (englisch). Abgerufen am 17. Juni 2013.
  36. Tränen aus Blut in Der Spiegel, Ausgabe 19/2000
  37. A journey through hell’s gate. The Age, abgerufen am 25. Juli 2009.
  38. Neil Hanson: The Custom of the Sea
  39. Hierzu Steven Bela Várdy, Agnes Huszar Várdy: Cannibalism in Stalin’s Russia und Mao’s China. In: East European Quarterly. XLI, No. 2, June 2007, S. 223–238, hier 226–233. (PDF-Datei, 856 KB)
  40. Nicolas Werth: Die Insel der Kannibalen: Stalins vergessener Gulag. Siedler, München 2006, ISBN 3-88680-853-X.
  41. Albrecht Lehmann: Hungerkultur. Zur Erfahrung des Nahrungsmangels in der totalen Institution sowjetischer Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkriegs. In: Uwe Spiekermann (Hrsg.): Ernährung in Grenzsituationen. Berlin 2002, S. 113.
  42. Yuki Tanaka: Japan admits war crimes conducted in WWII.
  43. a b Richard Bernstein: Horror of a Hidden Chinese Famine, New York Times. 5. Februar 1997. 
  44. a b Jasper Becker: Hungry Ghosts: Mao’s Secret Famine. Free Press, 1997, ISBN 978-0-68483457-3, S. 352.
  45. Frank Dikötter: 36. Cannibalism. In: Mao’s Great Famine: The History of China’s Most Devastating Catastrophe, 1958–1962 2010, ISBN 978-0-80277768-3, S. 320–323.
  46. Children of the Secret State Preview (9:59 Min.) und Filmbeschreibung bei topdocumentaryfilms.com (englisch)
  47. Filmbesprechung im Guardian, 19. Oktober 2000. Zitat: “There are many cases of killing people and eating the flesh”, one man attests. All the refugees we interviewed know about cannibalism. („Es kommt oft vor, dass Menschen getötet werden und das Fleisch gegessen wird“, berichtet ein Mann. Alle Flüchtlinge, die wir befragten, wissen von Kannibalismus.)
  48. Ausschnitte aus dem Film bei documentarytube.com (9:04 Min.) mit deutschsprachigen Kommentaren. Zum Thema Kannibalismus siehe 4:45 bis 5:27.
  49. John McLeish: Theory of Social Change: Social Theory and Methodology. Routledge, London 2003, S. 38.
  50. a b Spektakuläre Fälle von Kannibalismus. In: faz.net. 12. Dezember 2002, abgerufen am 28. Dezember 2013.
  51. Kannibalismus: Wenn Leichen zu Schaschlik verarbeitet werden. In: stern.de. 23. Juli 2003, abgerufen am 28. Dezember 2013.
  52. Gereon Janzing: Kannibalen und Schamanen. Verbreitete Irrtümer über fremde Völker. 2007.
  53. Alexandre Piankoff: The Shrines of Tut-Ankh-Amon (= Bollingen Series 40, 2, ZDB-ID 844375-0 = Egyptian religious Texts and Representations 2). Pantheon Books, New York NY 1955, Taf. 48.
  54. Peggy Reeves Sanday: Female Power and Male Dominance: On the Origins of Sexual Inequality. Cambridge University Press, Cambridge 1981, S. 48 f.
  55. Peggy Reeves Sanday: Divine Hunger: Cannibalism as a Cultural System. Cambridge University Press, Cambridge 1986, S. 108.
  56. Kurt Ranke, Hermann Bausinger, Rolf Wilhelm Brednich: Enzyklopädie des Märchens. Walter de Gruyter, 1977, ISBN 3-11-011763-0, S. 99.
  57. Debbie Lee: Slavery and the Romantic Imagination. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2004, S. 78 ff.
  58. Robin Hackett: Sapphic Primitivism: Productions of Race, Class, and Sexuality in Key Works of Modern Fiction. Rutgers University Press, Piscataway, NJ 2004, S. 138 ff.
  59. Fries, R. und Flisikowski, K., Hans Eisenmann-Zentrum, TU-München, Molekulargenetik des Federpickens bei Legehennen, 2009
  60. Universität Hohenheim, Forschungsprojekt: Vorstufe zum Kannibalismus: Universität Hohenheim erforscht Federpicken bei Hühnern, 2012
  61. Olga Ermakow, Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doctor medicinae veterinariae (Dr. med. vet.) durch die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, Ergebnisse der Fleischuntersuchung bei Puten aus ökologischer und konventioneller Haltung, S. 42 ff, 2012
  62. Albert Schweitzer Stiftung, Puten