Audrey I. Richards

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Audrey Isabel Richards (* 8. Juli 1899 in London; † 29. Juni 1984 in Midhurst) war eine britische Ethnologin und Ernährungssoziologin. Zuletzt war sie Präsidentin des Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland.

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Audrey Richards wird als Kind der gehobenen englischen Gesellschaft geboren und siedelt als Fünfjährige mit der Familie nach Indien um. Sie verbringt somit ihre Kindheit in einer britischen Kolonie. Später muss sie zum Schulbesuch nach England zurück und bleibt zunächst ohne Abschluss, wie seinerzeit für Mädchen nicht unüblich. Sie lernt stattdessen Stenographie und Maschinenschreiben und entwickelt eine innige Beziehung zu ihrem Lehrer Bronisław Malinowski.

Später studiert sie unter diesem bedeutenden Soziologen und promoviert 1930 zum Thema Landbau und Ernährung der Bemba (im heutigen Sambia). Malinowski entwickelte mit den Studenten während der Vorlesung seinen ideenanregenden Diskussionsstil, war bekannt für seine Lehrer-Schüler-Bindungen und verbrachte seine Urlaube mit den Studenten in Südtirol mit Feldforschung.

Forschung[Bearbeiten]

1931 schreibt sie über die matrilokale Gesellschaft der Bemba in Nordrhodesien (heute Sambia). Richards führt ihre Arbeit beim Völkerbund im Einsatz für die Opfer des 1. Weltkrieges in Deutschland fort und lernt Not und Hunger kennen. Anschließend wird sie Lektorin an der London School of Economics and Political Science. Sie betreibt Feldforschung in Nord-Transvaal. Während des Zweiten Weltkrieges bekleidet sie eine leitende Position im Colonial Office (eine in Großbritannien sehr übliche Verbindung zwischen Kolonialverwaltung und Anthropologie), später wird sie Reader an der University of London und 1950 zur Direktorin des East-Africa Institute of Social Research am Makerere Institute in Kampala (Uganda) berufen, dessen späterer Ruf ihr viel verdankt. Sodann kehrt sie an die Universität Cambridge zurück. Dort ist sie an der Gründung des Centre for African Studies beteiligt. Aufrey Richards untersuchte Rituale auf verschiedenen Ebenen und unterrichtet zum Thema Feldforschungstechnik mit Hilfe des Filmes: „On Field Technics“. Sie wird mit der Zeit für ihre (damals) unorthodoxen Forschungsmethoden bekannt. So schickt sie z. B. ihre Schüler auf Märkte, um Daten zu erheben.

Sie arbeitet mit Ökonomen, Historikern und Psychologen eng zusammen und vergleicht die Ansätze verschiedener Wissenschaften. Ihr Ziel ist es, durch ihre Arbeit immer mehrere Wissenschaftsbereiche einzubeziehen.

1956 schreibt sie ihr drittes Buch: „Chisungu“. Es befasst sich mit einem weiblichen Initiationsritual. Richards gibt häufige Radiointerviews und erhält 1955 für ihre Arbeit den C.B.E. Als Präsidentin des Royal Anthropological Institute arbeitet sie bis zu ihrem Tod.

Persönlich[Bearbeiten]

Ursprünglich war die Beziehung zu ihrem Lehrer, Malinowski eher platonisch; doch nach dem Tod seiner Frau wird sie Ersatzmutter seiner Kinder. Zur Heirat kommt es nicht. Ihr Briefwechsel mit ihrer Familie ist erhalten. Sie gilt als abenteuerlustig und genießt die Feldforschung. Sie schießt ihre Nahrung selbst und ist mit Zelt und Fahrrad auf Forschungsreise. Zeitgenossen beschreiben sie als temperamentvoll, quirlig, ironisch, humorvoll, spitzzüngig, witzig und engagiert. Sie sei intelligent, aber weniger hübsch. Ihre Motive sind vor allem das soziale Engagement (auch durch die eigene Familie) sowie eine starke Beziehung zu Hunger- und Ernährungsfragen auf Grund ihrer eigenen Kindheit in Indien. Das starke soziale Engagement der Anthropologinnen dieser Zeit wurde von Seiten der britischen Kolonialbeamten als störend empfunden und eher negiert. Diese Ablehnung überwand Audrey Richards durch ihre stetige Arbeit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Sybil La Fontaine (Hrsg.): The interpretation of ritual. Tavistock, London 1972
  • Pottier, Johan (Hrsg.): Food systems in central and southern Africa. SOAS, London 1985. ISBN 0-7286-0126-5

Weblinks[Bearbeiten]