Avio

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Avio (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die Avio S.p.A. mit Sitz in Colleferro bei Rom ist ein italienisches Raumfahrtunternehmen. Es befindet sich zu 81 Prozent im Besitz der Equity-Gruppe Cinven, der italienische Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern Leonardo-Finmeccanica hält 14 Prozent (Stand 2016).

Als Nachfolger von Fiat Aviazione stellte Avio lange Zeit Triebwerke und Turbinen für Flugzeuge und Schiffe her. Dieser Unternehmensbereich wurde im August 2013 an General Electric verkauft und besteht in Turin als GE-Tochterunternehmen Avio Aero fort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiat in Turin begann 1908 mit dem Bau von Flugmotoren und gründete 1916 zur Herstellung von Flugzeugen die Tochtergesellschaft Società Italiana Aviazione (SIA). Die SIA wurde 1918 in Fiat Aviazione umbenannt und baute in den folgenden Jahrzehnten eine Reihe von zivilen und militärischen Maschinen, darunter die Fiat G.55 und die Fiat G.91. Ab den 1950er Jahren kam der Lizenzbau von Strahltriebwerken hinzu, später Raketentriebwerke. Bei Schiffsmotoren und Gasturbinen kooperierte man lange Zeit mit General Electric.

Das 1969 von Fiat, Aerfer und Salmoiraghi gegründete Unternehmen Aeritalia übernahm bis 1972 den Flugzeugbau von Fiat-Aviazione. Bei Fiat Aviazione verblieb somit nur noch der Triebwerks- und Turbinenbau. In den 1970er Jahren beteiligte man sich u. a. an der Entwicklung und Herstellung des Turbo-Union RB199 für den Tornado.

Nachdem in den 1980er Jahren eine gewisse unternehmenspolitische Autonomie erlangt wurde, gliederte man 1989 den Fiat-Triebwerkbau im Rahmen der Neuordnung der Industrielandschaft Italiens als Fiat Avio S.p.A. aus. Zunächst noch selbständiges Unternehmen, ging es 2003 als Avio S.p.A in den Besitz von Finmeccanica und der amerikanischen Investmentgruppe Carlyle Group über. 2006 ging der Carlyle-Anteil für 2,57 Mrd. € in den Besitz des Private Equity-Funds Cinven. 2013 erwarb General Electric für 3,3 Mrd. € den Triebwerks- und Turbinenbereich des Unternehmens.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Verkauf der bedeutendsten Unternehmensteile an General Electric sieht sich die Avio S.p.A. in der Nachfolge des Raketentriebwerk-Herstellers SNIA-BPD aus Colleferro, den FiatAvio 1994 übernommen hatte. Dies erklärt auch, warum die Avio S.p.A. ihren Unternehmenssitz in Colleferro hat und sich der Unternehmensname nicht mehr auf FiatAvio bezieht, sondern als Abkürzung von Advanced Vision Into Orbit verstanden wird. Avios Aktivitäten konzentrieren sich heute auf die Raketen Ariane 5, Ariane 6, Vega und Aster. Aus diesem Grund ist es auch im Raumfahrtzentrum Kourou vertreten.

Die heutige GE-Tochter Avio Aero sieht sich weiterhin in der Tradition von Fiat Aviazione und hat somit ihren Sitz auch weiterhin in Turin. Das Unternehmen hat rund 4.700 Mitarbeiter, davon etwa 4.000 in den italienischen Werken in Rivalta di Torino, Pomigliano d’Arco und Brindisi. Weitere Niederlassungen befinden sich in Polen, Brasilien und China. Avio Aero ist heute vor allem als Zulieferer von Modulen und Komponenten für Flugzeugmotoren und in der Triebwerkinstandhaltung tätig.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]