Azande (Ethnie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Azande (Volk))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Azande-Soldaten
Siedlungsgebiet

Die Azande (auch Zande, Zandeh, A-Zandeh, Sandeh, Zaude) sind eine ethnische Gruppe im Norden von Zentralafrika. Ihre Zahl wird auf eine bis vier Millionen geschätzt.

Sie leben hauptsächlich im nördlichen Teil der DR Kongo (Provinz Ober-Zaïre), im Südsudan (Bundesstaat Western Equatoria) und im südöstlichen Teil der Zentralafrikanischen Republik (Bezirke Rafaï, Zémio und Obo). Die Azande bildeten bis in die Kolonialzeit einen geschlossenen Stammesverband, dessen einzelne Häuptlingstümer sich aber wie bei den benachbarten Dinka oder Nuer keiner zentralen Führung unterstellten.

Ihre gleichnamige Sprache gehört zur Gruppe der Adamawa-Ubangi-Sprachen.

Die meisten Azande gehören einer Naturreligion an und glauben an Hexerei und Magie. Magie und Hexerei stellen bei den Zande einen wichtigen Teil ihres Lebens und ihres Lebensverständnisses dar.

Die Azande auf dem Gebiet der heutigen Zentralafrikanischen Republik lebten im von ihnen gegründeten Sultanat Rafai. Im 19. Jahrhundert verbreitete Georg Schweinfurth die Ansicht, die Azande seien Kannibalen gewesen.

Im ersten Bürgerkrieg im Südsudan unterstützten die Azande die Rebellenbewegung Anya-Nya, die für die Autonomie oder Unabhängigkeit des Südens kämpfte. Im zweiten Bürgerkrieg war hingegen ihr Verhältnis zur von Dinka dominierten Rebellenarmee SPLA eher distanziert.

Ursprung des Namens[Bearbeiten]

Azande bedeutet übersetzt Menschen, die viel Land besitzen und bezieht sich auf ihre Geschichte als Eroberer, die vormals große Teile des heutigen Sudan beherrschten.

Die Bezeichnung Niam-Niam wurde häufig von Fremden im 19. und frühen 20. Jahrhundert gebraucht und stammt vermutlich aus der Sprache der Dinka. Niam-Niam bedeutet dort so viel wie große Esser, wird heute aber als pejorativ aufgefasst und sollte dementsprechend nicht mehr verwendet werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edward E. Evans-Pritchard: Witchcraft, Oracles, and Magic among the Zande. Faber and Faber, London 1937. Gekürzte Fassung: Hexerei, Orakel und Magie bei den Zande. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1978
  • Edward E. Evans-Pritchard: The Azande: History and Political Institutions. Clarendon Press, Oxford 1971
  • Edward E. Evans-Pritchard: Zande Cannibalism. In: The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland, Vol. 90, No. 2, Juli-Dezember 1960, S. 238–258
  • Paola Ivanov: Cannibals, Warriors, Conquerors, and Colonizers: Western Perceptions and Azande Historiography In: History in Africa 29, S. 89-217, München 2002
  • Manfred Kremser: Archetypische Motive im Hexenwesen und ihre Kulturspezifischen Formen bei den Azande in Zentralafrika In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien Vol. 111, S. 16-33, Wien 1981
  • Manfred Kremser: Hexerei ("Mangu") bei den Azande. Ein Beitrag zum Verständnis eines zentralafrikanischen Volkes, Wien 1977

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Azande – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien