Bahnhof Friedrichsruh

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Friedrichsruh
Ehemaliges Empfangsgebäude
Ehemaliges Empfangsgebäude
Daten
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung AFRD
Kategorie 7
Eröffnung 1846
Profil auf Bahnhof.de 1950
Architektonische Daten
Baustil Spätklassizismus
Lage
Stadt/Gemeinde Aumühle
Ort/Ortsteil Friedrichsruh
Land Schleswig-Holstein
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 31′ 40″ N, 10° 20′ 28″ OKoordinaten: 53° 31′ 40″ N, 10° 20′ 28″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Schleswig-Holstein
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Der Bahnhof Friedrichsruh ist ein Haltepunkt an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg im Ortsteil Friedrichsruh der schleswig-holsteinischen Gemeinde Aumühle im Kreis Herzogtum Lauenburg. Das Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete, denkmalgeschützte Empfangsgebäude ist eines der ältesten erhaltenen Bahnhofsgebäude Schleswig-Holsteins[1] und das einzige an der Strecke auf dem Gebiet des Bundeslandes, das noch aus der Bauzeit der Bahnstrecke stammt.[2] In ihm sitzt seit dem Jahr 2000 die Otto-von-Bismarck-Stiftung.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt liegt am Streckenkilometer 259,7 der Bahnstrecke Berlin–Hamburg. Der Ort Friedrichsruh befindet sich im Sachsenwald und war früher ein beliebter Ausflugsort der Einwohner der nahen Stadt Hamburg. Die beiden Seitenbahnsteige liegen versetzt zueinander. Reisende gelangen durch eine Unterführung auf die jeweils andere Gleisseite. Östlich des Haltepunktes überführt die Landesstraße 208 die Bahnstrecke.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschmückter Bahnhof anlässlich des 80. Geburtstags Bismarcks am 1. April 1895
Ehemaliges Toilettenhäuschen, heute Archiv der Bismarck-Stiftung

Im Zuge des Baus der Bahnstrecke Berlin–Hamburg wurde in Friedrichsruh das bis heute erhaltene Empfangsgebäude errichtet.[1] Wie fast alle Bauten der Berlin-Hamburger Bahn wurde es im spätklassizistischen Stil erbaut.[3] So bestehen unter anderem Ähnlichkeiten zu den Gebäuden in Friesack in Brandenburg und Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, beide genannten erhielten jedoch später Anbauten.

Der Ort Friedrichsruh erlangte nach 1871 dadurch Bedeutung, dass Reichskanzler Otto von Bismarck von Kaiser Wilhelm I. den Sachsenwald geschenkt bekam und Bismarck sich wegen der guten Verkehrsanbindung nach Berlin vermehrt dort aufhielt. Nach seiner Entlassung 1890 wurde Friedrichsruh zu Bismarcks Ruhesitz.[1] Sein Anwesen lag nahe den Gleisen am Bahnhof. Bismarck erwirkte für sich und seine Staatsgäste Ausnahmegenehmigungen zum Halt der Züge an seinem Grundstück, etwa 250 Meter neben dem Empfangsgebäude.[4] Nach Bismarcks Tod 1898 besuchten etwa 100.000 Menschen jährlich den Ort, zumeist reisten sie per Bahn an.[5]

Bis in die 1970er Jahre befand sich im Bahnhofsgebäude das Restaurant Historischer Bahnhof. Danach stand es leer. Anfang der 1980er Jahre nutzte der RAF-Terrorist Christian Klar den Keller als Versteck. Er wurde 1982 bei Friedrichsruh festgenommen. Zwischenzeitlich kamen Asylbewerber im Bahnhofsgebäude unter. Bis Ende der 1990er Jahre war es dem Verfall preisgegeben. Nach der Sanierung bezog die Otto-von-Bismarck-Stiftung im Jahr 2000 das ehemalige Empfangsgebäude und unterhält dort neben den Forschungseinrichtungen auch ein Museum mit einer Dauerausstellung zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts.[5][4]

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt wird im Nahverkehr von Regionalbahnen auf der Linie Hamburg Hbf–Büchen sonntags zweistündlich bedient. Andere Züge des Nahverkehrs und der Fernverkehr passieren Friedrichsruh ohne Halt.

Linie Strecke Taktfrequenz
RE 1 Hamburg HbfHamburg-BergedorfFriedrichsruh – Schwarzenbek – Müssen – Büchen Mo–Sa kein Verkehr,
sonn- und feiertags zweistündlicher Halt[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Friedrichsruh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Website der Otto-von-Bismarck-Stiftung
  2. Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung des Landes Brandenburg (Hrsg.): Berlin-Hamburger Eisenbahn. Bahnhofsbauten des Klassizismus in Brandenburg. (PDF; 5,5 MB)
  3. Erich Preuß: Ludwigslust In: Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe. GeraMond Verlag, München 2006, ISSN 0949-2127
  4. a b Bergedorfer Zeitung: An diesem Wochenende kam einst der Kaiser.@1@2Vorlage:Toter Link/www.bergedorfer-zeitung.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. 28. Oktober 2011.
  5. a b Marc-Oliver Rehrmann: Ein kleiner Bahnhof mit großer Geschichte. ndr.de
  6. NahverkehrHAMBURG.de: Fahrplanwechsel: Mehr Züge Richtung Ahrensburg, weniger nach Friedrichsruh. 01. Dezember 2017.