Bahnstrecke Reuth–Erbendorf

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Reuth (b Erbendorf)–Erbendorf
Bahnhof Erbendorf Nord 1993
Bahnhof Erbendorf Nord 1993
Streckennummer: 5042
Kursbuchstrecke: ex 425f
Streckenlänge: 6,5 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Hof
   
von Friedenfels
Bahnhof, Station
0,0 Reuth (b Erbendorf)
   
nach Regensburg
   
1,9 Krummennaab
   
Fichtelnaab
   
4,0 Plärn (bis 1927)
   
Bundesstraße 299
   
5,5 Erbendorf Süd
   
6,5 Erbendorf Nord

Die Bahnstrecke Reuth–Erbendorf, genannt Erbendorfer Bockl, war eine Nebenbahn in Bayern. Sie war eine Stichbahn im früheren Landkreis Kemnath in der nördlichen Oberpfalz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Tal der Fichtelnaab liegende Kleinstadt Erbendorf, die um 1910 etwa 1300 Einwohner zählte, lag wenige Kilometer westlich der 1864 von der AG der Bayerischen Ostbahnen eröffneten Nord-Süd-Strecke Eger–Weiden. Erst am 1. Oktober 1909 stellte die Bayerische Staatsbahn zu der an der Hauptstrecke liegenden Station Reuth eine 7 Kilometer lange Eisenbahnverbindung her. In Erbendorf entstanden zwei Haltestellen in nur 1,1 km Abstand: die Haltestelle Erbendorf Süd und der Endbahnhof Erbendorf Nord. Beide hatten einen regen Güterverkehr, wobei jedoch die Frequenz des Bahnhofs Erbendorf-Nord stets die von Erbendorf-Süd übertraf.

Vorausgegangen war ein langwieriger Streit um den Standort des Bahnhofs zwischen einer Nord- und einer Südpartei, über den sogar im Jahr 1907 die Pariser Zeitung Le Temps unter dem Titel „Erbendorf in Bayern – ein Modell und Beispiel deutscher Einigkeit!“ berichtet hatte. So erhielten beide Parteien ihren Bahnhof.

Die Ansiedlung des Porzellanherstellers Seltmann Weiden mit Fabriken in Erbendorf und Krummennaab ging nur auf diese Eisenbahn zurück. Für die Personenbeförderung verkehrten anfangs täglich vier Zugpaare, 1927 waren es nur drei, 1939 wieder fünf und 1950 sogar sieben. Aber bereits 1954 fuhren nur noch werktags Züge. Am 10. Oktober 1959 verkehrte zum 50-jährigen Bahnjubiläum ein festlich geschmückter Sonderzug mit je einer Lokomotive der Baureihe 70 am Anfang und Ende des Zuges.

Die Personenzuggarnituren bestanden in den letzten Betriebsjahren in der Regel aus einer Kleinlok und einem zweiachsigen Personenwagen. Im Bedarfsfall verkehrten alle Züge als PmG.[1] Am 28. Mai 1972 endete der Personenverkehr. Alle Schulkinder erhielten durch die Stadt Erbendorf Freifahrkarten, und eine „Trauerversammlung“ in Gehrock und Zylinder begleitete den Zug, gezogen von einer Lokomotive der Baureihe 64, auf seiner letzten Fahrt.

Güterverkehr wurde noch bis zum Jahresende 1997 durchgeführt. 1998 wurde die Strecke stillgelegt.[2]

Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erbendorf folgt der heutige Kurweg der ehemaligen Bahntrasse. Ein Gleisstück sowie das ehemalige Einfahrtssignal des Bahnhofes Reuth erinnern an die Strecke. 2008 wurde die ehemalige Werklok der Firma Seltmann (Deutz) neu lackiert und im Erbendorfer Werksgelände als Denkmal aufgestellt. Am 12. September 2010 wurde zudem in Höhe des früheren Lokschuppen am Nordbahnhof die ehemalige Bundeswehrlok Deutz 57526 als Denkmal aufgestellt. Sie war von der Stadt Erbendorf erworben und in Anlehnung an die zuletzt verkehrende Köf III verkehrsrot lackiert worden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerald Hoch, Andreas Kuhfahl: Nebenbahnen in der Oberpfalz. Eisenbahn-Fachbuch-Verlag Resch, Neustadt bei Coburg 2000, ISBN 3-9805967-7-X.
  • Walther Zeitler: Eisenbahnen in Niederbayern und in der Oberpfalz. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Weiden 1985, ISBN 3-924350-01-9.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Wolfgang Rogl: Abseits der großen Strecken. Alba, Düsseldorf 1983, ISBN 3-87094-086-7, S. 163.
  2. Martin Krauss: Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur 1997/98. In: Bahn-Report. 2/1999, S. 7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]