Erbendorf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Erbendorf (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Erbendorf
Erbendorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Erbendorf hervorgehoben
Koordinaten: 49° 50′ N, 12° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Höhe: 506 m ü. NHN
Fläche: 67,55 km²
Einwohner: 5150 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 76 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 92681,
92690 (Glashütte)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 09682
Kfz-Kennzeichen: TIR, KEM
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 116
Stadtgliederung: 38 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bräugasse 4
92681 Erbendorf
Webpräsenz: www.erbendorf.de
Bürgermeister: Hans Donko (CSU)
Lage der Stadt Erbendorf im Landkreis Tirschenreuth
Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Bayreuth Landkreis Neustadt an der Waldnaab Lenauer Forst Erbendorf Pullenreuth Kastl (bei Kemnath) Waldershof Kemnath Wiesau Waldsassen Tirschenreuth Reuth bei Erbendorf Plößberg Pechbrunn Neusorg Neualbenreuth Mitterteich Mähring Leonberg (Oberpfalz) Kulmain Krummennaab Konnersreuth Fuchsmühl Friedenfels Falkenberg (Oberpfalz) Ebnath Brand (Oberpfalz) Bärnau Immenreuth TschechienKarte
Über dieses Bild
Stadt Erbendorf

Erbendorf (bairisch: Armdorf) ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt im waldreichen Fichtelnaabtal, am südlichen Rand des Naturparks Steinwald.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbendorf besteht aus insgesamt 38 Stadtteilen[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt wurde erstmals urkundlich im Jahre 1109 erwähnt und war bereits im Mittelalter ein Markt mit Stadtrechten. Der Markt war Sitz eines der sieben Gerichte des Gemeinschaftsamts Parkstein-Weiden, in denen der Parksteiner Landrichter zusammen mit zwölf Geschworenen in Fällen der hohen und niederen Gerichtsbarkeit urteilte. Ab 1714 gehörte der Ort vollständig zum Herzogtum Pfalz-Sulzbach, 1777 kam er zu Kurbayern. Zwischen 1806 und 1837 war Erbendorf wie auch der gesamte heutige Landkreis Tirschenreuth, die Stadt Weiden in der Oberpfalz und ein Großteil des heutigen Landkreises Neustadt an der Waldnaab Teil des bayerischen Obermainkreises. Die formelle Stadterhebung geschah durch König Ludwig I. am 6. Juni 1842.

In den letzten gut 450 Jahren fiel die Stadt siebenmal dem Feuer zum Opfer. Der erste urkundlich nachweisbare große Brand war 1568, weitere Brände gab es 1596, 1676, 1771 und 1796. Die letzten Stadtbrände waren 1832 und 1835.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1938 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Altenstadt bei Erbendorf eingegliedert. Im Jahr 1945 oder 1946 folgte Schadenreuth aus dem Landkreis Kemnath. Grötschenreuth und Wetzldorf (mit dem im Jahr 1938 eingemeindeten Pfaben und dem im Jahr 1945 oder 1946 eingemeindeten Siegritz) folgten am 1. Januar 1972, Hauxdorf am 1. Juli 1972.[3] Wildenreuth kam mit dem 1945 oder 1946 eingemeindeten Neuenreuth am 1. Januar 1978 hinzu.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:[5]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 35,1 % 7
SPD Bayern (SPD) 27,4 % 6
Freie Wähler 20,2 % 4
Christliche Wählergemeinschaft Land (CWL) 17,3 % 3
Gesamt 100 % 20

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erster Bürgermeister ist seit 1996 Hans Donko (CSU). Am 16. März 2014 wurde er mit 62,5 % der gültigen Stimmen erneut im Amt bestätigt.
  • Seine Stellvertreter sind in der Wahlperiode 2014–2020: Zweiter Bürgermeister Johannes Reger (CSU) und Dritte Bürgermeisterin Sonja Heindl (CWL).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Schwarzer Adler auf goldenen Grund, mit roten Waffen (Schnabel/Krallen) und einem roten Fürstenhut.

Das Wappen ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Wer das Wappen verliehen hat, bleibt unklar. Auch das Salbuch des Amtes Parkstein von 1416 weiß nichts Genaues über seine Herkunft: „...die stat Erndorff die ist gefreit und auch mit einem ganzen adler den sy zum sigl haben und domit begabet worden sind von einem römischen Kaiser, dieselben briff und freyheit sind jn alle verprant und haben jetzt dermal khein versigelt briff“.

Das Wappen dürfte im 12. Jahrhundert verliehen worden sein, als Erbendorf unmittelbarer Reichsbesitz war, wobei nicht auszuschließen ist, dass dies durch Kaiser Friedrich Barbarossa selbst geschah. Der Fürstenhut ist späteren Ursprungs.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bergbau- und Heimatmuseum Erbendorf wurde 1995 eröffnet.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus Erbendorf
Ehemaliges Amtsgericht Erbendorf
Zu der frühen Baugeschichte der katholischen Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt gibt es nur wenige gesicherte Daten. Erstmals wurde das Gotteshaus 1416 erwähnt. Eine Steintafel mit der Inschrift „Anno 1474 inceptio chori“ erinnert an den Baubeginn des Chores 1474. Die großen Stadtbrände zerstörten mehrmals auch das Gotteshaus. Nach dem Brand von 1771 wurde unter großen finanziellen Opfern der Bevölkerung die Kirche auf dem stehengebliebenen Langhaus neu errichtet. Doch auch dieses Gotteshaus brannte 1796 nieder. Unter Beibehaltung der Umfassungsmauern des spätgotischen Chores wurde der Neubau schnell hochgezogen und 1799 eingeweiht. 1866 wurde der alte Turm bis auf das erste Stockwerk abgetragen und als Sakristei umfunktioniert. Der neue Kirchturm wurde 1865–1866 mit einer Höhe von 63,5 m[6] in den Formen der Neuromanik erbaut. Nach der Auflösung des Simultaneums erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts eine grundlegende Umgestaltung im Sinne des Neubarocks. An der Orgel der Pfarrkirche komponierte und erprobte Max Reger 1899 seine Morgenstern-Fantasie („Wie schön leucht uns der Morgenstern“). Nach einigen technischen Veränderungen der Orgel in der Vergangenheit weist sie heute erhebliche Mängel auf. Am 20. November 2010 wurde der Orgelbauverein Pfarrei Mariä Himmelfahrt Erbendorf e. V. gegründet, welcher das Ziel verfolgt, durch Spenden den Neubau einer Orgel zu ermöglichen.
  • Martin-Luther-Kirche
Nach der Auflösung des Simultaneums baute die evangelische Gemeinde ein neues Gotteshaus. Dazu erwarb sie an der Bräugasse ein Grundstück, das wegen seiner erhöhten Lage besonders gut geeignet war. Vorher stand an dieser Stelle ein Malzhaus. Die Pläne für die neue Kirche fertigte der Architekt Karl Brendel aus Nürnberg. Er vermied den bis dahin üblichen Kirchenstil und versuchte eine zeitgemäße Lösung. Am 4. Dezember 1921 konnte der Grundstein gelegt werden. Nach nicht einmal zweijähriger Bauzeit feierte die Gemeinde die Einweihung. Das verwendete Baumaterial ist Sandstein aus Schweißenreuth. Das Bauwerk ist ein Sinnbild für das Lied Ein feste Burg ist unser Gott von Martin Luther.
Den Bau begleiteten große Sorgen wegen der fortschreitenden Inflation. Mit seinen enormen Ausmaßen erschien das Bauwerk viel zu groß geraten für die damalige kleine Kirchengemeinde. Als aber nach 1945 viele evangelische Flüchtlinge in Erbendorf ihre neue Heimat fanden, lobte man die großzügige Planung.
Nach mehreren Romreisen war es dem katholischen Pfarrer Johann Michael Pfreumbter 1751 gelungen, die Gebeine des Heiligen Faustinus, eines Römers, der im Alter von 18 Jahren den Märtyrertod erlitten haben soll, für die Lorettokapelle zu erwerben. Pfarrer Pfreumbter stiftete 1768 das Frühmessbenefizium, die kleine Kapelle diente ihm als Hauskapelle. Diese brannte 1771 ab und wurde durch einen Neubau ersetzt, der aber beim großen Stadtbrand 1796 erneut beschädigt wurde. Unter dem Benefiziaten Anton Hösl wurde die Kapelle durch den Maurermeister Wolfgang Bauer 1818–1850 neu erbaut. Hierbei verlegte man den Eingang nach Osten und den Altarraum nach Westen, um den Zugang von der Straße her zu ermöglichen. Die Reliquie des Faustinus, die der Lebküchler Johann Baptist Schultes in Wachs fasste, ruht unter der Mensa des Altares.
Den äußeren Akzent der Kapelle bildet der achteckige Dachreiter über dem Eingang. Die Erbendorfer Lorettokapelle ist ein Beispiel einer weitgehend erhaltenen neugotischen Einrichtung und daher kunstgeschichtlich von besonderer Bedeutung. Die ursprüngliche Einrichtung hatte der erst 15-jährige Schreinerssohn Johann Tretter aus Wäldern geschaffen. Der Altar wurde jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts durch einen neuen Schnitzaltar ersetzt.
  • Windisch-Kapelle
Die Feldkapelle an der Tirschenreuther Straße wurde um 1860 erbaut. Sie war lange Zeit im Besitz der Familie Windisch, die in Erbendorf mehrmals Bildhauer hervorgebracht hat. Neben der Kapelle steht eine etwa 400 Jahre alte Linde. Die Kronenbreite des Baums beträgt rund 15 Meter, der Baum ist rund 30 Meter hoch und hat einen Stammdurchmesser von sieben Metern.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbendorf ist an die B 22 und die B 299 angeschlossen. Die B 22 verbindet den Ort mit Bayreuth (40 km Entfernung), der Bundesautobahn 9 Nürnberg-Berlin und mit Weiden (Entfernung: 25 km). Über die B 299 erreicht man nach 10 Kilometern die Anschlussstelle Falkenberg der Bundesautobahn 93 Hof-Regensburg.

Zwischen 1909 und 1997 gab es durch die Bahnstrecke Reuth–Erbendorf eine Eisenbahnanbindung, die 1972 im Personen- und 1997 im Güterverkehr stillgelegt wurde. Heute gehört Erbendorf zum Einzugsgebiet des Bahnhofs Reuth bei Erbendorf (Verkehr im Stundentakt) an der Hauptstrecke Hof-Regensburg/München (Kursbuchstrecke 855).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Städtische Kinderkrippe
  • Evangelischer Kindergarten Regenbogen
  • Katholischer Kindergarten St. Elisabeth
  • Städtischer Kindergarten Kunterbunt
  • Volksschule (Grund- und Mittelschule) mit Ganztageszug in der Hauptschule
  • Städtischer Kinderhort (in der Volksschule Erbendorf)
  • Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Erbendorf

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Beruf Verleihung
Thomas Stark Lehrer 1885
Theodor Roll Oberlehrer 1899
Joseph Höser Hauptlehrer 1926
Franz Seraph Lederer Pfarrer 1926
Hans Schultes Direktor 1926
Max Dobmeier Oberlehrer 1927
Adolf Wagner Bergwerksdirektor und NS-Funktionär 1933
Wilhelm Seltmann Fabrikbesitzer 1958
Wilhelm Gollwitzer Schulrat 1967
Hans Müller Bundestagsabgeordneter 1973
Willy Schneider Fabrikant 1975
Georg Bertelshofer Stadtpfarrer 1987
Wilhelm Schraml Bischof von Passau 2001

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sigmund Windisch (1709–1787), Bildhauer
  • Josef Schraml (1895–1954), Bäckermeister, Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung für Bayern 1946 und Mitglied des Bayerischen Landtags 1946–1950 (CSU)
  • Norbert Scharf (1952–2010), Landtagsabgeordneter (SPD), war von 2005 bis 2008 Mitglied des Stadtrats von Erbendorf

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Erbendorf ist der Erbendorfkörper benannt, ein noch weitgehend unerforschter, seismisch auffälliger Bereich in der Erdkruste unterhalb des Gebiets um Erbendorf, dessen Obergrenze zwischen 8,5 und zwölf Kilometer unter der Erdoberfläche liegt.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Höser: Geschichte der Stadt Erbendorf und deren Pfarreien. Laßleben, Kallmünz 1926.
  • Radu Chinta: Bergbau um Erbendorf (Historische Notizen über die abgebauten Bodenschätze). Oberpfälzer Heimat, 27. Band, Weiden 1983.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111107/194031&attr=OBJ&val=1078
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 537.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 663.
  5. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
  6. Kirchenmusik Erbendorf: Erweiterung des Geläuts um drei Glocken. Abgerufen am 21. April 2012
  7. Erwähnt (mit Tiefenangaben) in [1], aufgerufen 19. Dezember 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erbendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Erbendorf – Reiseführer