Bailey-Brücke

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Bau einer Bailey-Brücke über den Rhein im Zuge der Operation Plunder, 25. März 1945

Die Bailey-Brücke ist eine transportable, aus vormontierten Einzelbauteilen zusammensetzbare, Not- oder Behelfsbrücke. Sie benötigt keine Spezialausrüstung und Geräte zum Aufbau, kann mit Lastkraftwagen transportiert werden und kann schwerste Lasten bis hin zu Panzern tragen. Ursprünglich für den militärischen Bereich entwickelt, wurde sie ebenso im zivilen Bereich für vorübergehende Überbrückungen eingesetzt.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bailey-Brücken sind mit relativ wenig Aufwand aufbaubar und werden daher nicht nur von Militärs weltweit eingesetzt, auch große Hilfsorganisationen verwenden Bailey-Brücken. Sie werden auch als Brückengeräte oder als Pionierbrückengeräte bezeichnet. So hat die Fachgruppe Brückenbau des THW neben der D-Brücke auch die Bailey-Brücke im Einsatz.

In Deutschland werden in bundeseigenen Brückenlagern auch 2360 t Elemente für Bailey-Brücken vorgehalten; dies entspricht einer Gesamtlänge von rund 790 Metern.[1] Die Segmente bestehen aus Stahlfachwerk. Im Jahr 2016 bestanden 12 % des Brückengerätes des Bundes aus Bailey-Elementen, gemessen am Gewicht. Eine Ausmusterung ist nicht geplant.[2]

Historisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Entwicklung wurde in Deutschland durchgeführt, die wesentliche Weiterentwicklung fand dann aber in Großbritannien statt. Donald Coleman Bailey, ein Armeeangestellter, der Modellbrücken zu seinem Hobby hatte, schlug diese Konstruktionsweise seinen Vorgesetzten vor. Die ersten Brücken waren 1944 einsatzbereit.

Im Zweiten Weltkrieg kamen Bailey-Brücken beispielsweise in folgenden Fällen zum Einsatz:

Bailey-Brücken in neuerer Zeit:

  • Behelfsbrücke in Glashütte (Sachsen), nach dem Elbehochwasser 2002 erbaut durch das THW Müllheim und THW Pfedelbach.
  • Behelfsbrücke in Judenburg während des Neubaus der Murbrücke (2009–2010)
  • Behelfsbrücke im Kirnitzschtal nach dem Hochwasser 2010, erbaut durch das THW Dresden (erbaut 10/2010, bis 09/2012 in Betrieb)[4]
  • Behelfsbrücke in Eisenach (Thüringen) – Grabental, Ersatz für beschädigte Strassenbrücke, seit 2008[5]

Für andere Zwecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Startturm für den Start der Skylark-Raketen in Woomera, Australien wurde aus Segmenten von Bailey-Brücken zusammengesetzt.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einzelbauteile haben ein maximales Gewicht von 259 kg und können auch auf kleineren Fahrzeugen transportiert werden.[6] In den USA gibt es drei Army-Normgrößen für Bailey-Brücken, genannt M1, M2 und M3.

Bailey-Brücken sind heute technisch überholt, es kommen aber eine Reihe anderer Brückengeräte zum Einsatz, etwa die Z-Brücke oder das Brückengerät SBG 66.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Steinmüller: Die Brücke als System, in: VDI nachrichten Nr. 50/51/52-2016 vom 16. Dezember 2016, S. 26f, online

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.strassen.nrw.de, abgerufen am 8. März 2012
  2. Peter Steinmüller: Die Brücke als System, in: VDI nachrichten Nr. 50/51/52-2016 vom 16. Dezember 2016, S. 27, hier:
  3. Pattonbrücke auf www.ebertplatz.de
  4. Bericht zum Brückenabbau auf thw-dresden.de, abgerufen am 11. Dezember 2012
  5. Meldung in den Kyffhäuser Nachrichten
  6. Peter Steinmüller: Die Brücke als System, in: VDI nachrichten Nr. 50/51/52-2016 vom 16. Dezember 2016, S. 26, hier: