Barnim Panorama

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Barnim Panorama
Agrarmuseum Wandlitz Plan Neubau 2011-08-03 AMA fec (1).png
Neubau des Agrarmuseums und Naturparkzentrums auf dem Baustellenschild, Stand August 2011
Daten
Ort Wandlitz
Art Landwirtschaft und Landleben
Architekt Reese Lubic Woehrlin aus Berlin-Prenzlauer Berg (für den Neubau)
Eröffnung 1955 als Heimatmuseum; 1975 Agrarmuseum; Oktober 2013 (Neubau)
Besucheranzahl (jährlich) bis zu 25.000[1]
Betreiber Gemeinde Wandlitz
Leitung Christine Papendieck
Website http://www.barnim-panorama.de/
ISIL DE-MUS-829910

Das Barnim Panorama ist im September 2013 aus dem Agrarmuseum Wandlitz und dem Naturparkzentrum Barnim hervorgegangen. Die Einrichtung gehört der Gemeinde Wandlitz und erhielt den vollständigen Namen BARNIM PANORAMA Besucherinformationszentrum • Agrarmuseum Wandlitz. Sie beherbergt die größte agrarhistorische Sammlung in Brandenburg und bietet in sechs Themenräumen einen Einblick in die zweihundertjährige Geschichte der Landwirtschaft Brandenburgs. Das Museum in der Breitscheidstraße 8–9 im Ortsteil Wandlitz entstand 1955 und konnte bis 2013 nur Provisorien nutzen. Wegen des wachsenden Platzbedarfs und einer verbesserten Präsentationsmöglichkeit ließ die Gemeinde gegenüber dem ursprünglichen Standort einen Neubau errichten.

Beginn der Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Milchladen über die Heimatstube zum Schauraum des Agrarmuseums (2005)

Im Jahr 1955 eröffnete der Wandlitzer Heimatforscher und Meiereibesitzer Walter Blankenburg (1901–1984) eine Heimatstube. Seine Frau Margot und er hatten einige Jahre mithilfe der Einwohner Gegenstände aus dem bäuerlichen Alltag und Fundstücke zusammengetragen, die nun erstmals öffentlich gezeigt werden konnten und reges Interesse fanden. Mit der Zeit und mit staatlicher Hilfe wurde die Heimatstube zu einem Museum ausgebaut, die Räumlichkeiten konnten durch Umnutzung zweier Scheunen und eines Stallgebäudes vergrößert werden. Schließlich kam eine 500 m² große Mehrzweckhalle, gestiftet vom FDGB-Bundesvorstand, für die schnell zunehmende Anzahl an interessanten Exponaten – mehr und mehr aus dem Bereich landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen – hinzu. Wissenschaftliche Unterstützung bekamen die Wandlitzer Museumsmitarbeiter durch das damalige Museum für Volkskunde aus Berlin.

Das Museum erhielt 1975 den Namen Museum der agraren Produktivkräfte.[2]

Statue Die Bäuerin vor dem Agrarmuseum (2010)

Die vor der Mehrzweckhalle in den 1980er Jahren aufgestellte Bronzeskulptur des Künstlers Walter Arnold, Die Bäuerin, offiziell auch Befreite Arbeit – Schöneres Leben genannt, war eine Dauerleihgabe eines Berliner Museums. Die Statue (Bild) wurde im Jahr 2011 an das Berliner Museum zurückgegeben.

Agrarmuseum ab 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampfpflug – bekanntestes Exponat des Agrarmuseums im Dorf Wandlitz, anno 2004 noch am alten Standort

Nach der Wende konnte das Museum mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde und durch einen neu gegründeten Museumsförderverein weiter bestehen. Im 1990 änderte das wieder gegründete Land Brandenburg den Namen des Museums in Agrarmuseum Wandlitz. In den folgenden Jahren wuchs es zur größten agrarhistorischen Sammlung in Brandenburg heran. Die räumliche Ausstellungsfläche betrug bis Frühjahr 2013 2 000 m². Auffallendstes Exponat im Freiland ist der historische Dampfpflug, bis Frühjahr 2013 gegenüber der Ausstellungshalle unter einem gesonderten Dach platziert. Zahlreiche funktionsfähige Traktoren und andere Landwirtschaftsmaschinen aus den verschiedenen Nutzungsepochen sind der Stolz des Museums (siehe Exponate (Auswahl)). In anderen Ausstellungsabteilungen wurden traditionelles Dorfhandwerk oder die dörfliche Hauswirtschaft dargestellt. Die Exponate der ersten Heimatstube gaben einen Einblick in die Geschichte des Dorfes Wandlitz und seiner Einwohner.

Das Museum unterhielt im Dorf ein Demonstrationsfeld für verschiedene Kartoffelsorten, die auf Steckschildern erklärt waren.[3]

Der alleinige Träger des Museums ist die Gemeinde Wandlitz. [4]

Die Ausstellungen in der Baracke gab es unter anderem zu den Themen Brandenburgische Landwirtschaft im Wandel der Zeiten, Wandlitz – Geschichte und Entwicklung des Dorfes und Not macht erfinderisch – Lebensmotto der Nachkriegszeit 1945.

Erweiterungsbauten und Namenszusammenfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fortschreitende Bauarbeiten Anfang August 2011

Ein lange geplanter Neubau (Arbeitstitel Barnim Hof) anstelle der Baracke konnte 2011 in Angriff genommen werden. In unmittelbarer Nähe des bisherigen Standortes errichtete die Gemeinde einen neuen Gebäudekomplex, der sowohl das Agrarmuseum Wandlitz als auch ein Besucherinformationszentrum des Naturparks Barnim beherbergt und unter dem Namen Barnim Panorama zusammengefasst wurde. Die Grundsteinlegung für den Neubau erfolgte im Rahmen des 32. Museumsfestes am 15. Mai 2011. Der neue Museumskomplex ist der ortsüblichen Dorfbebauung Stall, hölzerne Scheune und steinernes Haupthaus nachempfunden und stellt einen historischen Dreiseithof dar. Die benachbarte denkmalgeschützte Gemeindeschule wurde in das neue Zentrum integriert und ist Sitz der Naturpark- und Museumsverwaltung. Die Baupläne stammen von dem aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Architekturbüro Reese Lubic Woehrlin aus Berlin-Prenzlauer Berg.[5] Als Gesamtkosten entstanden rund 6,2 Millionen Euro, davon etwa fünf Millionen für die Bauten. Die EU und das Bundesland Brandenburg stellten davon 3,7 Millionen Euro Fördermittel bereit.[6][1]

Im Jahr 2012 schlugen Wandlitzer Einwohner vor, das Ensemble nach dem Museumsgründer Walter Blankenburg zu benennen. Von der Kulturamtsleiterin wurde daraufhin eine Beschlussvorlage ausgearbeitet, den Baukomplex (das Barnim Panorama) Walter-Blankenburg-Hof zu nennen. Der Förderverein Agrarmuseum mit seinem Vorsitzenden Reinhold Dellmann und eine Verwandte von Walter Blankenburg stimmten diesem Vorschlag nicht zu, weil der Grund und Boden nicht im Eigentum der Familie Blankenburg war. Stattdessen solle der gesamte Platz Walter-Blankenburg-Platz heißen. Eine amtliche Entscheidung wurde bisher nicht bekannt.[7]

Die feierliche Eröffnung des Barnim Panorama erfolgte am 7. September 2013.[8] Das Brandenburgische Bauministerium zeichnete das Architektenteam um Stefan Woehrlin am 16. Oktober 2013 mit dem Baukulturpreis aus. Die Begründung bezieht sich auf die vorwiegende Verwendung ökologischer Baustoffe und auf die Auslegung als Niedrigenergiehaus mit sogar Nullemission. Das Preisgeld in Höhe von 2 500 Euro stellte der Architekt dem Förderverein des Museums und Naturpark Barnim zur Verfügung.[9] Besonderheiten sind vor dem Gebäudekomplex eine begehbare Bodenkarte und ein großzüger Außenbereich, der auch Spielmöglichkeiten für Besucherkinder bereithält. Die Traktoren befinden sich nun in einer gläsernen Ausstellungshalle und die übrigen Exponate sind auf 1 650 m² neu geordnet worden.

Der Neubau ist vollständig barrierefrei gehalten.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historischer Dampfpflug, restauriert und nach Fertigstellung des Museumsneubaus unter neuem Dach (August 2015)

Das gesamte ehemalige Museum nutzt im Neubau nunmehr drei Etagen, die Exposition steht unter dem Motto Geformte und genutzte Landschaft. Im Erdgeschoss befinden sich neben dem Foyer mit einem Shop die Exponatteile Wilder Barnim (eine Multimediainstallation; seit Herbst 2014), Bewegte Böden und die Traktoren-Herde. Von hier aus besteht ein Ausgang zum Schaugarten und zum Schaudepot Mähdrescher. Im Obergeschoss sind die Themen Barnim-Geschichten und Land-Leben dargestellt und eine Fläche ist für wechselnde Sonderausstellungen vorbehalten. Schließlich gibt es im Obergeschoss ein Panoramafenster, das die Aussicht auf den Wandlitzer See ermöglicht und eine begehbare Karte des Naturparks Barnim Blicke aus der Vogelperspektive simuliert.[10] Das Barnim Panorama im Siedlungsbereich Wandlitz-Dorf ist ganzjährig (außer freitags) jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der reguläre Eintritt für erwachsene Einzelpersonen beträgt 6 Euro (Stand Sommer 2015).

Exponate (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilder Barnim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese moderne technische Darstellung wurde nach einem begrenzten Wettbewerb von der Firma Bärlin Team Eventdesign zusammen mit ihrem Filmlabel filmfritzen.tv erstellt. Auf einer gebogenen Projektionsfläche von 14 × 3 m wird ein Endlosfilm abgespielt, der die Formung der Landschaft Barnim in eindrucksvollen Bildern verdeutlicht. Sieben Filmszenen, die ohne Sprechertexte aber mit Naturgeräuschen und eigens komponierten Soundeffekten ausgestattet wurden, bringen den Besuchern die Eiszeit, das anschließende Abschmelzen der Gletscher sowie die Entstehung von Seen, Wäldern und Mooren nahe. Die Multimediashow wird schließlich von abgestimmten Lichteffekten unterstrichen.[11]

Traktoren und Erntemaschinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Maschinen und Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dampfpflug, seit Sommer 2013 an einem neuen Platz vor dem Zugang zum Neubau des Barnim Panorama
  • Kartoffellegemaschine
  • Siebkettenvorratsroder E 648
  • Schleuderradroder
  • Pflanzenschutzmaschine
  • eine 1000er Milchviehanlage
  • eine Buttermaschine
  • Wagen und Kutschen
  • Feuerwehrgerätschaften wie die erste Handdruckspritze aus dem Jahr 1911
  • Milchverkaufswagen (2011 ebenfalls restauriert)[13]

Sonstige Exponate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Sammlung zeigte in der früheren Ausstellungshalle im Vorraum einige Kleidungsstücke und Gerätschaften der Freiwilligen Feuerwehr Wandlitz.

Eine originale Bodenreform-Urkunde aus Wandlitz wurde dem Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte in Potsdam als Leihgabe überlassen.[13]

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014: Raus ins Grüne

Veranstaltungen im Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Technik wird für das Museumsfest 2005 bereitgestellt.

Bereits im Jahr 1979 wurde ein erstes Museumsfest veranstaltet, zu dem Musikanten auftraten und einige funktionstüchtige Exponate wie historische Traktoren in einem Umzug gezeigt wurden. Dieses Fest konnte alljährlich im Mai fortgesetzt werden und lockt auch mit traditionellem Dorfhandwerk in Aktion und mit Vorführungen aus dem Museumsfundus bis zu 2.500 Besucher in den historischen Dorfkern von Wandlitz. An der Ausrichtung des Museumsfestes beteiligen sich zahlreiche kleine Technikunternehmen, Handwerkerbetriebe, Kunsthandwerker, Wandlitzer Vereine und die Naturwacht und Naturpark Barnim GmbH.[14]

Seit etwa 1983 lädt die sommerliche Konzertreihe Musik im Museum zu einem Museumsbesuch etwas anderer Art ein. Solisten der Komischen Oper Berlin spielen zu vier Terminen zwischen Juni und September inmitten der Kulisse des Agrarmuseums. Im Juli 2009 kamen beispielsweise Melodien von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven zu Gehör.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Papendieck: Museum der agraren Produktivkräfte Wandlitz, 1987, Hrsg. das Museum

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naturparkschau und Agrarmuseum unter einem Dach, In: Märkische Oderzeitung, 6. November 2010; abgerufen am 6. Januar 2013
  2. Museum der agraren Produktivkräfte, ... S. 1/2.
  3. Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 15. Juli 2006; Bild der Museumsleiterin Dr. Christine Papendieck in dem Feld.
  4. Über uns; Teil der Barnim Panorama Webseite, abgerufen am 26. Juli 2015.
  5. Homepage von R-L-W mit Visualisierung des Neubaus, abgerufen am 8. August 2011.
  6. Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 28. Mai 2011: Grundstein für neues Besucherzentrum gelegt. Agrarmuseum und Naturpark Barnim ab 2013 unter einem Dach., S. 14.
  7. Sabine Rakitin: Wandlitz streitet um Ehrung für Museumsgründer In: Märkische Oderzeitung, 18. September 2012; abgerufen am 18. September 2012.
  8. Eröffnung Barnim Panorama mit vielen Bildern auf www.moz.de
  9. Preis für Barnim Panorama in der Zeitung Der Blitz vom 26./27. Oktober 2013.
  10. Flyer Natur und Technik erleben. vom Sommer 2014.
  11. Den Schlussstein setzen. In: Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz Nr. 11/2014, S. 18.
  12. Amtsblatt der Gemeinde Wandlitz vom 25. Juni 2011; S. 21: Auf zur Schönheitskur nach Harsewinkel (PDF; 3,3 MB), abgerufen am 9. August 2011
  13. a b c Museumsmitteilungen. Milchverkaufswagen und Schmiedeblasebalg zur Restaurierung. In: Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz, Nr. 8/2011, S. 31
  14. a b Ländliches Leben heute und gestern. Eine runde Sache: 30 Jahre Museumsfest, 10 Jahre Naturpark Barnim. In: Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 27. Juni 2009, S. 21

Koordinaten: 52° 45′ 9″ N, 13° 27′ 14″ O