Barthélemy Menn

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Barthélemy Menn, Selbstporträt mit Strohhut, 1872

Barthélemy Menn (* 20. Mai 1815 in Genf; † 11. Oktober 1893 ebenda) war ein Schweizer Landschaftsmaler. Er ist der wichtigste Vertreter der Freilichtmalerei in der Schweiz.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menns Vater war der Engadiner Konditor Not Jon Menn[1] aus Scuol, der sich später Louis John Menn[1] nannte. Dieser heiratete Charlotte Madeleine Marguerite Bodmer,[1] eine Bauerntochter aus dem waadtländischen Dorf Coinsins.[1] Im Alter von zehn[1] Jahren erhielt Menn den ersten Zeichenunterricht beim Porzellanmaler Abraham Constantin[1] (1785–1855). Der junge Menn begann seine Kunststudien an der Genfer Société des arts bei Wolfgang-Adam Töpffer[1] und dem Historienmaler Jean-Léonard Lugardon,[1] bevor er 1833[1] nach Paris ging, um sich bei Jean-Auguste-Dominique Ingres[1] fortzubilden.

1835 folgte er diesem nach Rom.[1] In Italien schloss er Freundschaften mit den Malerkollegen Paul[1] und Hippolyte Flandrin[1] und Dominique Papety.[1] 1838 kehrte er über Genf nach Paris zurück, wo er von den Landschaftsmalern von Barbizon wie Charles-François Daubigny,[1] Théodore Rousseau[1] und Jean-Baptiste Camille Corot[1] angezogen war und sich mit den Ideen des Utopischen Sozialismus[1] von Charles Fourier[1] befasste. Er verkehrte auch mit George Sand[1] (deren Sohn Maurice Dudevant er unterrichtete), Frédéric Chopin und Eugène Delacroix,[1] der ihm das Angebot machte, im Palais Bourbon[1] und im Palais du Luxembourg[1] an dessen Projekten mitzuarbeiten, was Menn jedoch ausschlug. 1843 liess er sich endgültig in Genf nieder. 1851[1] wurde als Lehrer für figürliches Zeichnen und Malen an die Genfer Ecole des beaux-arts berufen.

In den Sommermonaten war Menn regelmässiger Gast in der Künstlerkolonie von Crémieu, dem Barbizon von Lyon,[1] und auf Schloss Greyerz,[1] wo die Besitzerfamilie Bovy, zu der auch Auguste Baud-Bovy gehörte, zahlreiche Maler um sich versammelte. 1857, 1859 und 1861 veranstaltete Menn eine gemeinsame Ausstellung mit französischen Malern in Genf und erreichte den Ankauf von zwei Gemälden Corots durch den Kanton Genf. Die sehr zurückhaltende Reaktion des Genfer Publikums auf sein Werk veranlasste Menn, ab etwa der Mitte der 1860er Jahre seine Arbeiten nicht mehr zum Verkauf anzubieten oder öffentlich auszustellen. 1867 folgte ein Besuch an der Weltausstellung von Paris[1] und ein weiterer Aufenthalt in Barbizon.[1] Im Alter von 76 Jahren gründete er mit Albert Trachsel[1] die Gruppe der Humanisten,[1] die sich mit Fragen der Ästhetik und Pädagogik befasste.

Werk und Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barthélemy Menn ist vor allem für seine poetisch-idyllischen Landschaften bekannt. Er war mit Alexandre Calame der Hauptvertreter der Genfer Schule der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in Kontakt mit Jean-Baptiste Camille Corot (mit dem zusammen er den grossen Salon des Schlosses von Gruyère in 1859–1857 dekorierte), Gustave Courbet und Jacques Alfred van Muyden.

Er war während langer Jahren Professor an der Genfer Kunstschule. Sein bekanntester Schüler war von 1872 bis 1878 Ferdinand Hodler.[1] Menn unterrichtete auch Albert Bartholomé, Auguste Baud-Bovy, Eugène Burnand, Édouard Castres, Albert Gos, John Graff, Edouard Jeanmaire, François Furet, Simon Durand und Alfred Rehfous. Einen Teil seiner eigenen Werke hat Menn nach 1880[1] selbst verbrannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisa Perini: Die Bündner Familie Menn in Genf. In: Bündner Monatsblatt: Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde, Heft 9, 1951, S. 283–288 (Digitalisat).
  • Jura Brüschweiler: Barthélemy Menn 1815-1893. Étude critique et biographique. Fretz & Wasmuth, Zürich 1960.
  • Georges Vigne: Les élèves d’Ingres. Ausstellungskatalog Montauban, Musée Ingres. Besançon 2000, S. 20–21.
  • Marc Fehlmann: Menn Copiste I. Barthélemy Menn et l’Antiquité. In: Genava. Revue d’histoire de l’art et d’archéologie, Bd. 56, 2008, S. 25–41.
  • Marc Fehlmann: Menn Copiste II. Barthélemy Menn et ses contemporains. In: Genava. Revue d’histoire de l’art et d’archéologie, Bd. 57, 2009, S. 61–91.
  • Matthias Fischer: Der junge Hodler. Eine Künstlerkarriere 1872–1897. Nimbus, Wädenswil 2009, ISBN 978-3-907142-30-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Barthélemy Menn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag Alberto de Andrés, et al.: Im Licht der Romandie – Oskar Reinhart als Sammler von Westschweizer Kunst. Hrsg.: Lukas Gloor, Peter Wegmann. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2001, ISBN 3-908196-01-9, S. 178–191, hier insbesondere 180 f.