Bassetthorn

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Bassetthorn

en.:basset horn it.:corne di bassetto frz.:cor de basset

Klassifikation Holzblasinstrument, Klarinettenfamilie
Tonumfang
Range basset clarinet.png
notiert
Basset-horn 6.png
Bassethorn in F, klingend


Erfinder Theodor Lotz und andere
Entstehungszeit ab 1760
Verwandte Instrumente Altklarinette, Bassettklarinette in G, Bassklarinette
Komponisten Carl Stamitz, Wolfgang Amadeus Mozart, Heinrich Backofen, Alessandro Rolla, Felix Mendelssohn Bartholdy, Richard Strauss, Karlheinz Stockhausen, Markus Stockhausen, Bernd Alois Zimmermann, Georg Benjamin, Peter Schat
Musiker Suzanne Stephens, Sabine Meyer, Gregor Arzberger, Agnes Gueroult, Graham Evens, Fynn Musco, Jessica Hall, Ashley Smith, Bruno Martinez, Nikolay Inkizhinov

Trios: Lotz-Trio, Trio Alessandro Carbonare, Trio Javi Olmeda, TutzFreqenz Basset Horn Trio

Hersteller Schwenk & Seggelke, Herbert Wurlitzer, Leitner & Kraus, Buffet Crampon, Selmer Company, Stephen Fox
Commons: Bassethorn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Mozart Divertimento for 3 Basset Horns 102x102cm.jpg
3 Bassetthornisten zur Zeit Mozarts
Bassetthorn in F-Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg-1912.1560.tif
Bassetthorn von Jakob Friedrich Grundmann, 1787


Historische Instrumente

Das Bassetthorn ist ein Mitglied der Klarinettenfamilie. Durch seinen Aufbau erreicht das Bassetthorn einen Tonumfang von vier Oktaven plus einen Ton.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bassetthorn ist der Vertreter der Tenorlage in der Klarinettenfamilie. Es transponiert in F, klingt also eine Quinte tiefer als notiert (insofern besteht eine gewisse Verwandtschaft mit dem Englischhorn in F). Üblicherweise wird sein Part im Violinschlüssel geschrieben, in älteren Werken finden sich auch tiefe Bassetthornstimmen im Bassschlüssel. Diese allerdings sollen eine Quarte höher klingen als notiert, müssen also vom Musiker nach oben oktaviert gegriffen werden. Der Tonumfang des Bassetthorns in F reicht notiert vom kleinen C bis zum viergestrichenen D, wie auch der einer Bassettklarinette, real vom großen F bis zum dreigestrichenen G, umfasst also vier Oktaven plus einen Ton.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgewinkelte Birne eines mod. Bassetthorns (dt. System, Richard Müller Bremen)

Das Bassetthorn besteht zunächst, wie die Klarinette, aus fünf Teilen (Mundstück, Birne oder Fässchen, Ober- und Unterstück, Stürze oder Becher); hinzu kommen oben an dem Instrument ein kurzes abgeknicktes oder gebogenes Verbindungsstück zwischen der Birne und dem Oberstück und unten an dem Instrument ein aufwärts gerichteter Metallbogen zwischen dem Unterstück und dem hölzernen Becher (sh. Abbildung rechts oben). Unter Verzicht auf das Verbindungsstück kann auch die Birne geknickt oder gebogen sein wie auf der Abbildung links oben. Es gibt auch einfachere Ausführungen, bei denen die Birne mit dem Verbindungsstück bzw. die abgeknickte oder gerundete Birne durch ein leicht geknicktes oder gebogenes Metallrohr ersetzt ist und auch der Becher aus Metall hergestellt wird und mit dem Metallbogen eine Einheit bildet, sh. Abbildung links unten, wobei der Becher aufwärts gerichtet ist wie bei der Bassklarinette. Bassetthörner werden wie die anderen Klarinetten mit dem deutschem und dem französischem Griffsystem sowie dem Reform-Böhm-System bzw. dem französischen System mit deutscher Innenbohrung angeboten, jeweils mit zusätzlichen Klappen (Bassettklappen) für die vier tiefsten, auf den normalen Klarinetten nicht vorhandenen Töne C, Cis, D und Dis, so wie sie auch auf einer Bassettklarinette und einer langen Bassklarinette benötigt werden[1]. Sie werden bei den historischen Instrumenten und solchen mit deutschem Griffsystem mit dem rechten Daumen gegriffen, bei modernen französischen jedoch, deutlich einfacher, mit den beiden kleinen Fingern.

Die sechs Tonlöcher auf der Oberseite können ungedeckelt sein, wie bei den höheren Klarinetten oder auch gedeckelt wie bei der Bassklarinette; möglich auch eine Variante, bei der nur die unteren drei oder vier Tochlöcher gedeckelt sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bassklarinette, Bassetthorn und Bassettklarinette im Vergleich (Herbert Wurlitzer, Leitner & Kraus)

Um 1760 wurden die ersten Bassetthörner gebaut, damals noch in verschiedenen Stimmungen von D bis G. Da die tiefere Stimmung eine längere Luftsäule erforderte, wurden die ersten Instrumente in Form eines Halbkreises hergestellt, damit sie trotz ihrer Länge handlich blieben. Es ist anzunehmen, dass der Name Bassett-Horn einerseits von dieser charakteristischen Form herrührt, andererseits vom metallenen Schallstück, das die Klarinette nicht hatte. Eine weitere Verlängerung des Rohres wurde gewunden und in einem Holzquader am unteren Ende des Bassetthorns angebracht.

Später wurde die runde Form zugunsten einer abgewinkelten Bauart aus zwei geraden Teilen aufgegeben und das Klappensystem entwickelte sich parallel zur Klarinettenmechanik weiter. Eine Mischform zwischen Bassetthorn und Klarinette ist die Bassettklarinette in A oder B, für die Mozart sein Klarinettenkonzert ursprünglich komponierte; sie wurde von Anton Stadler, einem Freund Mozarts, entwickelt. Er verlängerte die normale A-Klarinette um ca. 18 cm und versah sie mit zusätzlichen Klappen für die oben genannten vier tieferen Töne. Die gestreckte, gerade Bauform für das Bassetthorn begann sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts durchzusetzen. Zugleich erlebte das Instrument in diesen Jahrzehnten aber eine Abwertung, einerseits weil es zu leise für das romantische Orchester war, andererseits, weil sich die Bassklarinette durchzusetzen begann. Abgesehen von Richard Strauss, der das „altmodische“ Bassetthorn sehr gerne einsetzte, geriet das Instrument in Vergessenheit und wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts wiederbelebt. Dies geschah zum einen in Verbindung mit der historischen Aufführungspraxis, aber auch mit der neu entstehenden Literatur für Klarinettenquartett (zwei Klarinetten, Bassetthorn und Bassklarinette).

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eigentümliche Klang des Bassetthorns, der dunkler, zarter und mischfähiger als der der Klarinette ist, wurde nur von wenigen Komponisten eingesetzt.

Besonders geliebt haben soll es aber Wolfgang Amadeus Mozart, der neben Bassetthorntrios (Divertimenti, KV439b) und -duos (KV 487) auch dreistimmige Kanzonetten für Gesang und Bassetthörner komponierte und es im Orchester gerne für religiöse Inhalte einsetzte: Im Requiem trägt es zur dunklen Orchesterfarbe bei und in der Zauberflöte wird es mit Sarastro und seinen Priestern in Verbindung gebracht. In Mozarts Oper La clemenza di Tito ist die Arie der Vitellia (Nr. 23) Non più di fiori mit konzertierendem Solo-Bassetthorn komponiert. Weitere frühe Werke für Bassetthorn sind ein Konzert für Bassetthorn in G und kleines Orchester von Carl Stamitz, das für konventionelles Bassetthorn in F arrangiert und auf diesem Instrument von Sabine Meyer aufgenommen wurde und Konzert in F-Dur von Heinrich Backofen und Alessandro Rolla.

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte zwei reizvolle Konzertstücke für Klarinette, Bassetthorn und Klavier und Richard Strauss setzte das Instrument in einigen seiner Opern und in der Bläserkammermusik ein. Hartmut Schmidt bearbeitete die Englischhornstimme seines Englischhornquartetts für Bassetthorn, weiter wird in seinen Postkastengeschichten zur Charakterisierung des Frosches das Bassetthorn verwendet.

Exemplarisch für die Renaissance des Instruments Ende des 20. Jahrhunderts stehen die Werke, die Markus Stockhausen für die Musikerin Tara Bouman komponierte. Auch sein Vater Karlheinz Stockhausen verwendete das Bassetthorn, unter anderem auf der Bühne als Figur der „EVA“ in seinem Licht-Opernzyklus. Bernd Alois Zimmermann verwendet das Bassetthorn in seiner Komposition Photoptosis und Georg Benjamin in seiner ersten Oper The little Hill. Peter Schat verlangt drei Bassetthörner im Orchester in seinen Etüden für Klavier und Orchester. Jochen Feucht und Burkard Kunkel benutzen das Instrument im Jazz.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Grass, Dietrich Demus, Das Bassetthorn. Seine Entwicklung und seine Musik. 2. Auflage. 2004, ISBN 3-8311-4411-7.
  • Josef Saam, Das Bassetthorn – seine Erfindung und Weiterentwicklung. B. Schott, Mainz 1971
  • Hoeprich, Eric. 2008. The Clarinet. The Yale Musical Instrument Series. New Haven and London: Yale University Press. ISBN 978-0-300-10282-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bassethorn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johan van Kalker: Die Geschichte der Klarinetten. Verlag Textilwerkstatt Oberems, Oberems 1997, ISBN 3-9804301-1-1, S. 172.