Buffet Crampon

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Buffet Crampon ist ein französischer Hersteller hochwertiger Holzblasinstrumente mit Sitz in Mantes-la-Ville, Département Yvelines. Am bekanntesten ist das Unternehmen von jeher für seine Klarinetten, doch zur Produktpalette zählen außerdem Oboen, Englischhörner, Saxophone und Fagotte.

RC Prestige Klarinetten in B und A

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1825 erhielt der französische Instrumentenbauer Denis Buffet-Auger das Recht, in der Pariser Innenstadt eine Werkstatt zu eröffnen. Er wurde durch die Entwicklung der 13-Klappenklarinette in der Musikwelt schnell bekannt. Zu dieser Zeit wurden Klarinetten vollständig in Handarbeit angefertigt.

1830 übernahm sein Sohn Jean-Louis Buffet den Betrieb. Er heiratete 1836 Zoé Crampon, wodurch der heutige Markenname entstand. Das bis heute verwendete Firmenzeichen wurde erstmals 1844 verwendet.

Sein Onkel Louis-Auguste Buffet wiederum, Bruder[1] von Denis Buffet-Auger, machte die Bekanntschaft des Klarinetten-Virtuosen Hyacinthe Klosé, der einen Lehrstuhl am Pariser Konservatorium innehatte. Beide gemeinsam stellten 1839 eine Klarinette mit einem neuen Griffsystem vor, die sie nach dem Vorbild der von Theobald Boehm konstruierten Querflöte entwickelt hatten. Im Jahr 1844[2] erhielt Louis-Auguste Buffet dafür ein Patent.

Das neue System, auf dem nahezu unverändert die heutigen Böhm-Klarinetten gründen, erwies sich als sehr erfolgreich, so dass Buffet Crampon 1850 in Mantes-La-Ville eine Manufaktur errichtete, in der im 20. Jahrhundert ungefähr 175 Mitarbeiter beschäftigt wurden[3].

1866 stellte Buffet Crampon sein erstes Saxophon vor.

1885 erfolgte die Übernahme der Firma durch Paul Evette und Ernest Schaeffer.

Seither erhielt das Unternehmen zahlreiche Preise und Auszeichnungen für seine Instrumente, insbesondere während der Pariser Weltausstellung 1889.

1918 stieg Buffet Crampon in den amerikanischen Markt ein und wurde bald zum weltgrößten Klarinettenhersteller.

1921 trat der Akustiker Robert Carrée in das Unternehmen ein. Im Jahr 1948[4] schuf er das später berühmte Modell R13 vor, ein insbesondere im angelsächsischen Sprachraum sehr verbreitetes Instrument, aus dem er zusammen 1974 mit Jacques Lancelot[4] das Modell RC entwickelte, welches insbesondere in Europa sehr beliebt wurde[4].

1981 wurde Buffet Crampon von Boosey & Hawkes übernommen.

1994 stellte Buffet Crampon einen Verbundwerkstoff als Holzersatz vor. Dieses Material zeichnet sich durch eine deutlich geringere Empfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen aus. Zudem leistete Buffet mit dieser Entwicklung einen Beitrag zum Schutz des afrikanischen Hülsenfrucht-Gewächses Grenadill #Dalbergia melanoxylon#, aus dem das ansonsten verwendete Klangholz gewonnen wird.

2003 gliederten Boosey & Hawkes sämtliche Instrumentenbaubetriebe in das Konsortium The Music Group aus. 2005 trennte sich The Music Group ihrerseits von Buffet Crampon.

Am 4. Januar 2006 übernahm Buffet Crampon den größten französischen Hersteller von Blechblasinstrumenten Antoine Courtois. Mit Besson übernahm Buffet Crampon einen weiteren Hersteller von Blechblasinstrumenten. Im Oktober 2008 übernahm Buffet Crampon die Firma Leblanc aus Couture-Boussey. Leblanc war seit 1750 als Spezialist für Klarinetten bekannt, gehörte zuletzt dem amerikanischen Konzern Steinway und beschäftigte 35 Mitarbeiter.

Gegenwärtig produziert Buffet Crampon mehr als 100 Klarinetten pro Woche[3].

Klarinettenmodelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buffet Crampon baute seine Produktpalette im Laufe der Jahre kontinuierlich aus und entwickelte bestehende Instrumente weiter. Den Kern bilden drei bis vier Modelle, die bei Lehrern und Schülern gleichermaßen beliebt sind: das Einsteigermodell B12 mit einem Kunststoffkorpus (durch die Prodige ersetzt), die E13 als gehobenes Einsteigermodell in die Echtholz-Klasse sowie die Klassiker R13 und RC als professionelle Standard-Instrumente. Bei teureren Instrumenten wie den Modellen Festival und Prestige handelt es sich in der Regel um Ableger der R13/RC-Baureihe. Manche Modelle sind alternativ auch als "Greenline" aus Verbundwerkstoff erhältlich. (Nicht aufgelistet sind Bassklarinetten etc.)

Einsteiger- und Schülermodelle:

  • Prodige - (2016) Einsteigermodell, Kunststoffkorpus
  • E11 - Einsteiger-Instrument aus Echtholz. Erhältlich als A-, B-, C- und Es-Klarinette
  • E12F - Ambitioniertes Einsteigermodell

Semiprofessionelle Modelle:

  • E13 - Bohrungsdesign geht auf die frühere BC20 zurück. Lederpolster. Neuer Becher wie beim Modell RC (2015)
  • Conservatoire

Professionelle Modelle:

  • R13 - (1955) Eine der beliebtesten Klarinetten im angelsächsischen Sprachraum. Entwickelt von Robert Carrée
  • RC - (1974) unterscheidet sich von der R13 in der Bohrung. Benannt nach dem Ko-Entwickler (zusammen mit Jacques Lancelot) Robert Carrée. Überarbeitet 2014

Spitzenmodelle:

  • Vintage - (1996) Variante der R13. Entwickelt von René Lessieux
  • Tradition - (2016) Neues Bohrungsdesign, welches auf das frühere Modell BC20 zurückgeht, welches vor 1950 gebaut wurde
Alle folgenden Modelle sind aus naturbelassenem (ungebeiztem) Grenadillholz, haben Metallringe zur Verstärkung an den Zapfen und einen zusätzlichen Es-Heber links.
  • RC Prestige - (1976) Premium-Modell der RC. Robert Carrée, weiter entwickelt von Jacques Lancelot und Guy Deplus. Eiförmige Ausbuchtung im Becher. Erhältlich als A-, B-, C-, D- und Es-Klarinette, sowie als Bassettklarinette in A
  • R13 Prestige - (1985) Premium-Modell der R13
  • Festival - (1987) Variante der R13 Prestige. Entwickelt in Zusammenarbeit von Jacques Lancelot, Guy Deplus und Michel Arrignon
  • Tosca - (2003) Neuestes Spitzenmodell der R13-Familie, mit tief-F Korrektur, ohne Bechermetallring. Entwickelt von Michel Arrignon. Ersetzt das 1989 entwickelte Modell Elite. Erhältlich als A-, B- und Es-Klarinette
  • Divine - (2012) Neuestes Spitzenmodell der RC-Familie mit tief-F Korrektur, ohne Bechermetallring. Synthetischer Kork an den Zapfen. Entwickelt in Zusammenarbeit mit Paul Meyer
  • Légende - (2017) Mit tief-F Korrektur, ohne Bechermetallring. Versilberte Mechanik mit Verbindungsringen und einigen weiteren Teilen rosévergoldet

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hoeprich, Seite 146.
  2. Hoeprich, Seite 146. Dies Patent erhielt er für l'application des anneaux mobiles aux clarinettes et hautbois, welches seitdem als Böhm-System weltweit bekannt ist.
  3. a b Hoeprich, Seite 215.
  4. a b c Hoeprich, Seite 208.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Buffet Crampon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien