Bassettklarinette

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Bassettklarinette aus dem 18. Jahrhundert

Die Bassettklarinette ist eine Klarinette in C-, B- oder A-Stimmung, deren Tonumfang in die Tiefe durch ein längeres Unterstück vermehrt wurde: zunächst um den Grundton notiert tief-c, und in der weiteren Entwicklung derart, dass Chromatik spielbar wurde, also um die Töne notiert tief-es, tief-d, tief-cis, tief-c, und gelegentlich tief-h.[1][2] Diese Töne werden bei historischen Instrumenten und denen des Oehler-Systems mit dem rechten Daumen gegriffen und erzeugen einen tiefen Klang, der an den eines Bassetthorns erinnert. Im Vergleich zur normalen B- oder A-Klarinette ist der Klang und das piano einer Bassettklarinette außergewöhnlich schön, was schon zeitgenössische Zuhörer bei Anton Stadlers Spiel bewunderten. Der Klang ist leicht gedeckter, die hohe Lage weniger grell und das Chalumeau-Register von c1 abwärts bis tief-e offener und voller. Die Erweiterung des Tonumfangs und die Ausführung in den Stimmungen A, B oder C verhalf diesem Klarinettentyp zu seinem Namen. Trotz der Namensähnlichkeit ist sie von der Bassklarinette, die 1838 vom Saxophon-Erfinder Adolphe Sax entwickelt wurde, und vom Bassetthorn in F zu unterscheiden.

Programmzettel eines Konzerts Anton Stadlers im März 1794 in Riga.

Die frühesten erhaltenen Instrumente in Pariser und Londoner Museen datieren ab 1770. Die Bassettklarinette wurde, wie auch das Bassetthorn, zeitnah mehrfach erfunden, jedoch in unterschiedlichen Bauformen, in unterschiedlichen Stimmungen (in A, B, C) und unterschiedlichen Instrumentenbezeichnungen (z. B. Inventionsklarinette, Baß-Klarinette, Clarinet d'amour). Das von Anton Stadler verwendete Instrument wurde ca. 1788 von dem Wiener K.K.Hofinstrumentenmacher Theodor Lotz erfunden und gebaut.

Anton Stadler spielte eine Bassettklarinette in A erstmals bei der Uraufführung von Mozarts Klarinettenquintett KV 581 am 22. Dezember 1789 in Wien und danach auch 1791 in Prag bei Mozarts Klarinettenkonzert KV 622. Ein in B gestimmtes Instrument mit diatonischen Bassettönen erklang erstmals in Wien am 20. Februar 1788. Die damals neuartige, bis auf die rechtwinklig abgeknickte kugelförmige Stürze und die leicht gebogene Birne, gestreckte Wiener Bauform des Instruments (siehe P.Poulin) hatte ihren Vorläufer im bereits zuvor von Theodor Lotz für Anton Stadler entwickelten Bassetthorn.

Bassett-Klarinetten gab es in den Stimmungen A, B und C. Nachbauten historischer Instrumente um 1800 werden heute noch gefertigt. In A- und B-Stimmung werden Bassettklarinetten heute als modern konzipierte Instrumente von einigen Klarinettenbauern angeboten. Über 180 Kompositionen wurden bisher angeführt (internet: Musik-Katalog für Bassetthorn und Bassettklarinette von T.Graß und D.Demus, Stand 17. März 2017). Seltener wird dieses Instrument im Jazz verwendet. So spielt der deutsche Jazzklarinettist Theo Jörgensmann auf einer B-Bassettklarinette von Harald Hüyng.

Lotz’ Erfindung gehört in die Reihe typischer experimenteller Instrumentenschöpfungen des 18. und 19. Jahrhunderts.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.sfoxclarinets.com/Basset_clarinet.html
  2. http://rheuben.org/wp-content/uploads/Rice-The-Basset-Clarinet-Instruments-Makers-and-Patents.pdf
  • Thomas Graß, Dietrich Demus: Von Vincent Springer zu Jiri Kratochvil. Mitteilungen zu Anton Stadlers Inventions-Clarinetten und seinem Bassetthorn. In: rohrblatt. Nr. 1/2006, Musikverlag Müller & Gössl, Frechen, S. 12–18.
  • Thomas Grass, Dietrich Demus: Die Bassettklarinette. In: Das Bassetthorn. Seine Entwicklung und seine Musik. 2. Auflage. Books on Demand, 2004, ISBN 3-8311-4411-7, S. 83–86.
  • Lawson, Colin: "Mozart: Clarinet Concerto", Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-47929-0.
  • Lawson, Colin: "The basset clarinet revived", in: Early Music, November 1987, p 487-501.